(de) evibes: Interview mit addn.me über #unteilbar und Perspektiven zur Landtagswahl

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Mo Aug 26 07:08:57 CEST 2019


Letzte Woche haben wir von den Alternativen Dresden News ein paar spannende Fragen 
gestellt bekommen. Ein Teil der Antworten kommen in dem Artikel über verschiedene wichtige 
Blöcke bei der #unteilbar-Demonstration am 24.08.2019 zur Sprache. ---- Da wir dort nicht 
genug Platz für das gesamte Gespräch war, wir aber die aufgeworfenen Gedanken lange 
diskutiert haben und wichtig finden, möchten wir hier noch die ausführliche Version 
dokumentieren und freuen uns über eure Gedanken dazu. ---- 1. Wer seid ihr? Welche Politik 
betreibt ihr? (wenn gerade keine Unteilbardemonstration zu organisieren ist) ---- Wir sind 
e*vibes - für eine emanzipatorische Praxis, eine seit 2011 existierende feministische, 
kapitalismuskritische und antiautoritäre Gruppe aus Dresden.
In unserer politischen Arbeit bemühen wir uns um die Verbindung von Theorie und Praxis. 
Wir bilden wir uns gegenseitig weiter, entwickeln Vorträge und Workshops, organisieren 
Veranstaltungen oder schreiben Analysen und Kommentare zu aktuellen feministischen Debatten.
Neben der Bildungsarbeit sind wir auch aktivistisch unterwegs - wir machen Aktionen, 
organisieren Demos oder beteiligen uns an Kampagnen.
Und gerade in Sachsen muss eine feministische Praxis auch klar antifaschistisch 
aufgestellt sein, da lassen wir uns von keiner Extremismuskeule einschüchtern.
Durch unsere langjährige Präsenz sind uns auch einige strukturelle Aufgaben zugefallen, so 
dass wir in verschiedenen Bündnissen aktiv sind und lokal, überregional und international 
Netzwerkarbeit übernehmen. Ein Beispiel dafür wäre das Bündnis Pro Choice Sachsen, der 
feministische Streik am 8. März oder auch die Initiative Sex Workers Solidarity, die wir 
2017 mit angestoßen haben.
2. Warum organisiert ihr einen Block bei Unteilbar?
Wir organisieren den Block gemeinsam mit verschiedenen anderen Gruppen aus Dresden, die 
sich im Bereich queerer und feministischer Politik engagieren. Bei #unteilbar geht es ja 
darum, Menschen- und Grundrechte für alle zu erreichen, statt verschiedene diskriminierte 
Gruppen gegeinander auszuspielen. Das ist ein Kernpunkt feministischer 
Gesellschaftsanalysen, für den wir gerne mehr Aufmerksamkeit schaffen wollen.
Und nicht zuletzt ist klar, dass eine utopische Gesellschaft, wie wir sie uns vorstellen, 
nur durch gemeinsame soziale Bewegungen und nicht in bürgerlichen Parlamenten erkämpft 
werden kann.
3. Mit welchen Forderungen geht ihr am 24.8. auf die Straße?
Wir unterstützen den gemeinsamen feministischen Aufruf zur #unteilbar-Demo, den man auch 
auf unserer Website lesen kann.
Einige Punkte davon liegen uns natürlich besonders am Herzen:
Gerade in Hinblick auf die reaktionäre Familienpolitik rechter Parteien ist die 
Abschaffung der Strafbarkeit von Schwangerschaftsabbrüchen bundesweit relevant und 
dringend angebracht. In Sachsen sagt die AfD in ihrem Wahlprogramm unverholen vielfältigen 
Lebensentwürfen jenseits der heterosexuellen Norm den Kampf an. Und die Werteunion in der 
CDU bietet sich als Steigbügelhalter für die Umsetzung autoritärer und antifeministischer 
Hetze an.
Bei aller Dramatik der Lage in Sachsen wollen wir auch auf die Wichtigkeit internationaler 
queerer und feministischer Solidarität hinweisen. Aktuell ist besonders das Leben von 
queeren Menschen in Brasilien durch Bolsonaros faschistische Regierung existenziell 
gefährdet. Und von der Türkei geht unter dem chauvinistischen Erdogan eine ständige und 
momentan sogar zunehmende Bedrohung für das emanzipatorische Projekt in Rojava aus.
Wir wollen mit vielen Menschen in unserem Block klar machen, dass wir bereit sind, gegen 
den rechten, antifeministischen Backlash anzugehen und auch den Kapitalismus nicht von 
unserer Kritik ausnehmen. Wir wollen beweisen, dass eine gemeinsame, entschlossene, 
feministische Bewegung möglich ist.
Und am Ende wollen wir natürlich auch aufzeigen: für die Verwirklichung dieser Forderungen 
braucht es radikale Veränderungen. Wir kämpfen gegen Ausbeutung und Unterdrückung und für 
eine befreite, solidarische Gesellschaft. Wir wollen das gute Leben für alle - weltweit 
und grenzenlos!
4. Mit welchen Befürchtungen verbindet ihr die Landtagswahl am 1. September?
Wir sehen, dass der eh schon sehr problematische Status Quo bereits im Wahlkampf verstärkt 
von rechts unter Beschuss genommen wird. Nach der Wahl bedeutet das bei einer rechten 
Mehrheit insebsondere für sogenannte Minderheiten noch mehr Diskriminierung - einerseits 
durch staatliche Repression, andererseits durch den parlamentarischen Rückenwind für den 
virulenten Alltagssexismus und -rassismus.
Und seien wir realistisch: anders als viele bürgerliche Linke und Liberale erwarten, wird 
das nicht nur passieren, wenn zu einer blau-schwarzen Regierung kommt. Unter jeder 
Regierug, an der AfD oder sächsische CDU in irgendeiner Form beteiligt sind, ist mit 
autoritären und reaktionären Angriffen auf die Vielfalt in der Gesellschaft zu rechnen.
Die Koalition der CDU mit der SPD hat bewiesen, dass in Sachsen gerne am rechten Rand 
gefischt wird. Wir müssen uns weiter auf offene Repression gegen linke Strukturen und eine 
Zunahme des antifeministischen Backlashs einstellen. Wir werden gegen eine zunehmende 
Kriminalisierung von Migrant_innen und Geflüchteten kämpfen müssen. Auch mit einer 
zunehmenden Enthemmung und Normalisierung der von den Behörden zumeist konsequenzlos 
geduldeteten rechten Gewalt muss gerechnet werden.
Immerhin auf eines ist in Sachsen Verlass: es bleibt wohl weiterhin die undankbare Aufgabe 
konsequenter Antifaschist_innen, Nazis daran zu hindern, das zu tun, was sie eben tun, 
wenn man sie nicht hindert.

https://evibes.org/2019/08/22/interview-mit-addn-me-ueber-unteilbar-und-perspektiven-zur-landtagswahl/


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