(de) FAU Dresden: Das erste Jahr als Schüler_innengewerkschaft

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Fr Aug 16 08:33:21 CEST 2019


Letztes Jahr nach den Sommerferien fanden wir uns als anarchistische und 
anarchosyndikalistische Jugendliche und kritische Schüler_innen zusammen, um eine Gruppe 
zu gründen. Dem voraus ging das seit November 2017 bestehende offene 
Bildungsbranchentreffen, die seit Februar 2018 monatlich veranstaltete Alternative 
Schüler_innenvernetzung, das Kritische Bildungsbündnis mit einer Vortragsreihe und einem 
Bildungsstreik im Juni 2018. Das alles waren Treffen, bei denen wir diskutiert und 
geplant, organisiert und gelernt haben. ---- Beispielsweise erstellten wir bei der 
Schüler_innenvernetzung einen Umfragebogen zu Schulkritik und führten ein Straßentheater 
auf, um u.a. darauf aufmerksam zu machen, dass wir in der Schule in Form gepresst werden, 
statt unsere individuellen Talente zu entfalten. Viele von uns waren jedenfalls der 
Meinung: Es braucht eine neue libertäre Jugendgruppe, die die Interessen von Schüler_innen 
und Auszubildenden artikuliert, Forderungen stellen kann und in Aktion tritt. Wir wurden 
eine - für nicht-FAU-Mitglieder offene - Sektion innerhalb des Allgemeinen Syndikats 
Dresdens. Zum einen, um von deren gewerkschaftlichen Erfahrungen und Strukturen zu 
profitieren und zum anderen, um uns mit den Kämpfen in anderen Branchen und Lebenslagen zu 
solidarisieren und vernetzen.

Wir fanden uns seitdem wöchentlich bei einem Plenum zusammen. Außerdem übernahmen wir die 
Organisierung von der Alternativen Schüler_innenvernetzung, die wir durch Input-Vorträge, 
Workshops und kreative Arbeit ergänzten. Wir gaben uns den Namen Schwarze Rose, nach einem 
altem anarchistischen Symbol und bemerkten erst später, dass es einen gleichnamigen 
Schlager von Ibo gibt.

Im Oktober stand die Räumung der besetzten Baumhäuser im Hambacher Forst bevor, um RWE den 
Weg für den Braunkohleabbau freizuräumen. Wir wollten Schüler_innen darauf aufmerksam zu 
machen, dass für die Profit-Interessen der Energiekonzerne Menschen zwangsumgesiedelt, 
(bedrohte) Tiere verdrängt, Wasser verpestet, seit der Eiszeit bestehender Wald gerodet 
und durch Kohleverbrennung der - uns alle bedrohende - Klimawandel weiter angeheizt wird. 
Wir betonten, dass die Aktivist_innen Polizeigewalt erfahren und eingesperrt werden, weil 
sie unsere Zukunft verteidigen und dass wir die Entwicklungen nur mit massenhaftem Protest 
von unten stoppen können. Deshalb malten wir ein Banner mit der Aufschrift "Kohlekraft ist 
Mord an unserer Zukunft! Hambi bleibt!" und hingen es am Gymnasium Bürgerwiese auf. Eine 
Woche später kam an der selben Schule eine Flugblattaktion dazu, die ausführlich 
Problematik und Handlungsbedarf erklärte.

Vielleicht haben auch diese beiden Aktionen dazu beigetragen, dass sich ein paar Monate 
später viele junge Menschen den FridaysForFuture-Streiks anschlossen. Wünschenswert wäre 
allerdings, dass sich diese Proteste auf eine stärkere Kapitalismuskritik konzentrieren. 
Zum einen um den Streikcharakter hervorzuheben und auch Arbeiter_innen zum mitstreiken zu 
bewegen, um ökonomischen Druck zu entfalten. Zum anderen, weil sich kapitalistisches, 
profitorientiertes Wirtschaften und ökologische Nachhaltigkeit als globales Konzept 
gegenseitig ausschließen.

Außerdem waren wir mit der FAU beim antifaschistischen Jugendkongress in Chemnitz. Ein 
toller Ort um sich zu vernetzen und Input zu verschiedenen Themen zu bekommen. Bald findet 
er wieder statt, meldet euch an!

Das Haupt-Event des Jahres war sicherlich der F*Streik am 8. März, dem Frauenkampftag mit 
all seinen Vorbereitungen. Innerhalb des F*Streik-Netzwerks organisierten wir einen 
feministischen Streik für Schüler_innen und Auszubildende, für den wir im Vorhinein an 
Schulen Flugblätter verteilten sowie in unserer "Wut-&-Wünsche-Box" Zettel mit den 
Gedanken der Schülis zum Thema Sexismus und Schulkritik gesammelt haben. Da kam ganz schön 
was zusammen (von sexueller Belästigung durch Lehrkräfte, schlechter Aufklärung, Rassismus 
bis zum Alltag gewordenen (Schul-)Stress) und wir wurden darin bestätigt, dass 
Handlungsbedarf besteht! Schließlich planten wir das Streik-Mobil, das von Schule zu 
Schule zieht und zum Streik auffordert. Die meisten von uns organisierten zum ersten Mal 
eine Demonstration selbst. Wir schrieben und hielten Redebeiträge zu folgenden Themen:

Warum Feminismus und warum Streik?
Solidarität im Schulalltag
Pilleschlucken, selbstbestimmte Verhütung und SaferSex
Kriminalisierung von Abtreibung §218 §219a StGB
Frauen- und Familienbild der AfD,
trans sein und Geschlechterrollen
schlechte Bezahlung von Frauen und ungleiche Aufteilung der Reproduktionsarbeit
Streikaufruf an Azubis der sozialen Branche
Solidaritäts-Aufruf für FridaysForFuture.
Wir verteilten 500 Kondome und Anleitungen, wie man diese zu Lecktüchern machen kann, weil 
wir für freien Zugang zu Verhütungsmitteln und Safer-Sex-Zubehör sind. Wir haben gemeinsam 
symbolisch das indische Holi-Pulver für die Aufhebung der Geschlechterrollen und 
wirtschaftlichen Klassen hochgeworfen. Wir riefen Sprechchöre, tanzten und diskutierten. 
Insgesamt waren wir an 6 Schulen, bei denen sich manche Schülis unserem Streikmobil 
laufend anschlossen und andere die Pause bei uns verbrachten und überzogen. Mit Essen 
wurden wir von den solidarisch-streikenden Männern beliefert und am Ende liefen wir noch 
zum Postplatz, wo das zentrale Streikfest stattfand.

Die interessantesten Teile der Vorbereitung waren sicherlich die, wo wir von der 
eigentlichen Arbeit "abgefallen" sind, weg von dem großen theoretischen Überbau hin zu 
Gesprächen über die ganz persönlichen Blicke auf und Erfahrungen mit Sexismus und 
Queerfeindlichkeit. Auch wenn es zeitweise mit Stress verbunden war all das zu 
organisieren, war es super empowernt dies als eigene Struktur von unten auf die Beine 
gestellt zu haben. Selbstorganisation rockt!

Insgesamt haben wir 3 Vortrags-/ Workshopveranstaltungen an Schulen durchgeführt, zuletzt 
beim von Schüler_innen selbstorganisierten Toleranztag am Pestalozzi-Gymnasium. Dort gab 
es einen Schulkritik-Workshop und einen Vortrag zum Thema "Wege nach der Schule" samt 
Hindernissen durch sozialen Hintergrund (Klassismus) oder Patriarchat, Vor- und Nachteile 
und basisgewerkschaftliche Handlungsoptionen. Dazu kommen 10 von uns organisierte 
Schüli-Vernetzungen seit September 2018. Zusätzlich schufen wir am letzten Schultag eine 
Anlaufstelle für Schülis, die Stress wegen Ihrem Zeugnis bekommen könnten.

Wir nahmen an zahlreichen Demonstrationen mit Transparenten, Stickern und Flugblättern 
teil, sei es bei Fridays for Future oder gegen PEGIDA und das neue sächsische Polizeigesetz.

Außerdem bearbeiteten wir als Schüler_innengewerkschaft Fälle von einzelnen Personen, die 
sich an uns wandten. Das sind beispielsweise grenzüberschreitendes / diskriminierendes 
Verhalten von Lehrkräften oder sonstige unzulässige Ausnutzung ihrer Positionen, aber auch 
das Intervenieren, wenn sich Mitschüler_innen wiederholt rassistisch / antisemitisch 
äußern und von Seiten der Schulleitung (mal wieder) nichts passiert.

Wir haben viel geschafft und gelernt in unserem ersten Jahr und kämpferisch geht‘s weiter!

Als Jugend-Sektion der Basisgewerkschaft FAU sind wir dafür da, die Interessen von 
Schüler_innen, Auszubildenden und "Freiwilligen" (FSJ, FÖJ, BuFDi, etc.) durchzusetzen und 
uns für eben deren Rechte einzusetzen. Als Anarchist_innen, Feminist_innen und 
Antifaschist_innen kämpfen wir für Freiheit, Selbstverwaltung und Emanzipation, gegen 
Hierarchien, Autorität, Ausbeutung, Umweltzerstörung, Diskriminierung und den Rechtsruck. 
Wir organisieren uns weiter von unten! Für ein neues kämpferisches Jahr inner- und 
außerhalb der Schulen!

Wir wünschen euch und uns schöne und erholsame Ferien!

Wer trotzdem Lust auf Organizing hat kann uns eine Mail schreiben 
(schwarze-rose[@]fau.org). Die Alternative Schüler_innenvernetzung im Juli fällt aus! Die 
nächste findet im neuen Schuljahr am 21. August statt.

https://dd.fau.org/2019/07/12/das-erste-jahr-als-schueler_innengewerkschaft/#more-992


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