(de) bielefeld fau: [aktion/arbeitsunrecht] #Freitag13: Tönnies Fleischverarbeitung

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Mi Aug 7 06:20:13 CEST 2019


Warum gehen wir am Schwarzen Freitag, 13. September 2019 gegen Tönnies vor? ---- Clemens 
Tönnies und sein Neffe Robert Tönnies betreiben mit der Tönnies Holding ApS & Co.KG den 
mit Abstand größten Schlachtbetrieb Deutschlands und größten Schweineschlachter Europas. 
Jahresumsatz 2018: 6,5 Milliarden Euro. ---- Zur Tönnies Fleischproduktion gehören 
Zerlegung, Verarbeitung, Veredelung, Verpackung, Transport. Neben der Unternehmenszentrale 
in Rheda-Wiedenbrück hat Tönnies Standorte in Sögel, Kellinghusen, Beckum, Badbergen, 
Kempten (Allgäu), Weißenfels (Sachsen-Anhalt) und Brandenburg an der Havel. ---- Tönnies 
schlachtet laut eigenen Angaben jährlich 22.800.000 Schweine und 440.000 Rinder. 50% davon 
für den Export. Trotzdem will Tönnies die Kapazitäten erweitern.

Das Vermögen der Besitzerfamilie wird auf 1,5 Milliarden geschätzt. Erwirtschaftet wird 
dieser obszöne Reichtum von Werkvertragsarbeitern, die vermutlich rund 80% der Belegschaft 
stellen und für einen Mindestlohn von 9,19 Euro pro Stunde arbeiten.

Wir fordern:
Abschaffung von Werkverträgen
Einrichtung einer effektiven Kontrollinstanz zur Einhaltung von Arbeitsrechten
empfindliche Sanktionen für kriminelle Unternehmer*innen
kollektives Klagerecht für Beschäftigte
Verbandsklagerecht für Organisationen wie aktion ./. arbeitsunrecht und Gewerkschaften
Ende der tierquälerischen und klimaschädlichen Massentierhaltung
Vermeidung von Tiertransporten
Einschränkung von Fleisch-Exporten
AUSLAGERUNG ZWECKS UNION BUSTING
Tönnies-Betriebsräte gibt es nur an den Standorten in Rheda-Wiedenbrück und Söden. Am 
Standort Rheda-Wiedenbrück arbeiten laut Gewerkschaft NGG rund 4000 Beschäftigte, weniger 
als 500 sollen fest angestellt sein.

Die Werkvertragsarbeiter arbeiten für Subunternehmen wie z.B. DSI GbmH, Besselmann 
Services und MTM Dienstleistung GmbH . So fallen sie aus des Zuständigkeit des 
Tönnies-Betriebsrats. Der durch das massive Lohndumping entstehende Preisdruck wirkt auf 
die fest Angestellten, aber auch die Konkurrenz im Ausland, die beim Preisverfall nicht 
mithalten kann.

Nach Recherchen der ARD kündigte die MGM Handels- und Vermittlungs GmbH allen 
Werkvertragsarbeitern zum 31.07.2018. Seit dem firmiert die Personalvermittlung unter dem 
Namen MTM Dienstleistung GmbH. Die Firma sitzt in Schloss Holte-Stutenbrock.

Vertreter der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG), der IG Werkfairträge und der 
Faire Mobilität (DGB) berichten von:

systematischem Lohnraub durch unbezahlte Überstunden, fehlende Zuschläge für Sonntags- und 
Nachtarbeit, Prellen der Beschäftigten um Bezahlung für Rüst- und Wegezeiten
überteuerte Mieten, die von den Subunternehmen für Schlafplätze einbehalten werden
Sanktionen bei Arbeitsunfähigkeit (10,- Euro mehr Miete für jeden Tag der Arbeitsunfähigkeit)
Kündigungen nach Arbeitsunfällen
drohende Obdachlosigkeit bei Arbeitsplatzvelust
ABGETRENNTE FINGER: SCHWERE ARBEITSUNFÄLLE BEI TÖNNIES
George B. arbeitete im August 2018 an einer Zange, mit der er zuvor Schweinefüße 
abgetrennt hatte. Als seine Hand in die Zange geriet, trennten die Schneiden ihm vier 
Finger teils vollständig ab. Wie George B. dem Magazin Plusminus erklärte, arbeitete die 
Pfotenzange nicht korrekt. Bisher erhält George B. laut Unterstützern trotz der 
Verstümmelung seiner Hand keine Rentenzahlungen der Berufsgenossenschaft (BG), weil ihm 
Vorsatz unterstellt wird. Heißt: es steht die Behauptung im Raum, George B. habe sich die 
Finger absichtlich abgehackt, um sich Zahlungen zu erschleichen.

Daniela Reim von der Beratungsstelle für mobile Beschäftigte in Oldenburg berichtete 
gegenüber der ARD, dass viele Werkvertragsarbeiter von Hektik, Stress, Müdigkeit, 
Erschöpfung und mangelnde Qualifizierung klagen. Tönnies-Werkvertragsarbeiter*innen sollen 
Gewerkschaftern von 16-Stunden-Schichten berichten.

SITTENWIDRIGE GESCHÄFTE MIT DER UNTERBRINGUNG VON WERKVERTRAGSARBEITERN
Bericht über Preise von bis zu 250,- Euro für ein einziges Bett, volllgestopfte Zimmer in 
kaum ausgebauten Kellern und Dachböden, schimmelige Vielbett-Zimmer in denen die Betten im 
Schichtbetrieb von unterschiedlichen Personen genutzt werden, werfen ein ausgesprochen 
düsteres Licht manche Hausbesitzer in der Region Gütersloh. Dort allein sollen 5000 
Werkvertragsarbeiter leben. Die sind freilich nicht alle bei Tönnies beschäftigt. Viele 
Hausbsitzer machen allerdings ihr eigenes dreckiges Geschäft aus der Vermietung stark 
sanierungsbedürftiger Immobilien an Tönnies-Subunternehmer.

EXTREME ABHÄNGIGKEIT: ODACHLOSIGKEIT BEI ARBEITSPLATZVERLUST
Die Wohnungen und Häuser werden von den Subunternehmern gemietet, die ihrerseits an die 
Werkvertragsarbeiter*innen untervermieten. Verlieren die Arbeiter*innen ihren Job, stehen 
sie damit oftmals unmittelbar auf der Straße.

An manchen Wohnhäusern sind eigens Schilder angebracht, dass die Wohnheime nicht betreten 
werden dürfen. Damit wollen die Tönnies-Subunternehmer Kontakte der Werkvertragsarbeiter 
zur Außenwelt, vor allem jedoch Gewerkschaftern und Medien vermeiden.

GRAUSAME VERNUTZUNG VON TIEREN UND EXPANIONSPLÄNE:
qualvolle Schlachtung durch Kohlenstoffdioxid-Betäubung (CO²)
Schlachtung von 20.800.000 Schweinen und 440.000 Rindern - weitere Expansion geplant
Nach der genehmigten Expansion kann Tönnies in Rheda-Wiedenbrück täglich 30.000 Tiere 
schlachten. Das bedeutet täglich 4.000 und auf das Jahr gerechnet 1 Millionen Schweine 
mehr als bisher, die nach Rheda-Wiedenbrück transportiert werden. Dazu kommen Futter, 
Medikamente und Abtransport. Nach der Schlachthoferweiterung würden täglich 6,5 Millionen 
Liter Frischwasser zu Abwasser. Hinzu kommt der Zuwachs an Lärm, Gestank, Gülle, 
Mehrbelastung mit Nitrat und multiresistenten Keimen.

Das Bündnis gegen die Tönnies Erweiterung kämpft seit 2017 dagegen an.

Die Expansion ist auch deshalb Ausdruck extremer Perversion, weil Tönnies bereits jetzt 
50% seiner Erzeugnisse rund um den Globus exportiert. Sogar bis nach China. Ökologisch 
katastrophal und schlicht Irrsinn. Die Absatzzahlen in Deutschland sinken, trotz der 
geradezu sittenwidrig niedrigen Preise. 98% der geschlachteten Tiere stammen aus 
tierquälerischer Massentierhaltung, die ihren Bedürfnissen in keinster Weise gerecht wird. 
Viele Sterben nach dem Martyrium der Transports bei Tönnies einen qualvollen Tod. Laut 
Angaben der Bundesregierung werden allein in Deutschland jährlich 6.000.000 Schweine 
fehlbetäubt (wie auch 350.000 Rinder und 100.000 Schafe).

DEMOKRATIE? POLITIK IGNORIERT 15.000 UNTERSCHRIFTEN GEGEN DIE SCHLACHTHOFERWEITERUNG
In Rheda-Wiedenbrück ist das Tierleid auf den Straßen täglich präsent. Im Bündnis 
organisierte Anwohner leiden unter der Entrechtung, dem massenhaftem Missbrauch, den 
sicht- und hörbaren Qualen der Tiere. Um welche Dimensionen es sich dreht macht diese 
Beispiel deutlich: könnte der Schlachthof in Rheda-Wiedenbrück nicht angefahren werden, 
müssten nach der Erweiterung alleine im Zeitraum von 24-48 Stunden 300 Tiertransporte mit 
60.000 Schweinen umgeleitet werden.

Fast 15.000 Unterschriften sammelte das Bündnis von Bürger*innen gegen eine Erlaubnis zur 
Erweiterung, brachten mit anderen Organisationen insgesamt rund 90 Einwendungen ein. 
Dennoch genehmigte der Kreis die Erweiterung des Schlachthofs. Der Antrag ging trotz der 
offensichtlichen Belastungen ohne Umweltverträglichkeitsprüfung durch. Die Entscheidung 
für die Erweiterung fiel am 03.12.2018. Nur bis 17.12.18 hätte beim Verwaltungsgericht 
Minden Klage eingereicht werden können. Das Wohl einer einzigen Milliardärsfamilie wiegt 
offensichtlich ein Vielfaches mehr, als das von 15.000 Durchschnittsbürgerinnen und -bürgern.

UNTERDRÜCKUNG KRITISCHER BERICHTERSTATTUNG - AGENDA CUTTING PRÄVENTIV
Sowohl der Hamburger Jour Fixe der Gewerkschaftslinken, auch das Bündnis gegen die Tönnies 
Erweiterung erhielten im Auftrag von Tönnies Unterlassungsaufforderungen der Medienkanzlei 
Schertz Bergmann.

Schertz Bergmann betreibt das Geschäft der Unterdrückung kritischer Berichterstattung 
sogar präventiv: Die FAZ berichtet am 16.01.2019 über Faxe, die Scherz Bergmann an 
Redaktionen sendete, in denen im Fall einer "rechtswidrigen" Berichterstattung schon vorab 
mit Klagen bedroht wurde. Der Bundesgerichtshof entschied, dass dieses Vorgehen als 
Einschüchterung zu werten und unzulässig sind, wenn keine konkreten Informationen zu 
möglichen Persönlichkeitsverletzungen durch geplante Presseberichte gegeben werden.

Wir rechnen auch im Zusammenhang mit der Tönnies-Nominirung mit juristischen Possen. 
Schertz Bergamnn kanns nur recht sein, denn auch bei erfolglosen Einschüchterungsversuchen 
geht ihre Rechnung ja an Milliardär Tönnies. Wir freuen uns über Spenden an unseren Fonds 
Meinungsfreiheit in der Arbeitswelt, damit wir Maulkorbversuche abschmettern können.

WURSTLÜCKE: TÖNNIES UMGEHT STRAFZAHLUNG AN KARTELL
Das Bundeskartellamt verhängte 2014 wegen illegaler Preisabsprachen gegen 21 
Wursthersteller Bußgelder von insgesamt 338 Millionen Euro. 128 Millionen wären auf 
Tönnies entfallen. Clemens Tönnies ließ kurzerhand die Tochterfirmen Böklunder und Könecke 
aus dem Handelsregister löschen und konnte die Zahlung so umgehen. Die als Wurstlücke 
bekannt gewordene Gesetzeslücke, wonach nur das Tochterunternehmen haftete, ist 
mittlerweile geschlossen.

Bereits 2013 sollte Tönnies 90.000,- Euro Strafe ans Kartellamt zahlen, weil Tönnies 
falsche Angaben im Zusammenhang mit dem Kauf der Mühlen-Gruppe (Böklunder, Redlefsen) 
gemacht haben sollte.

Aktionsvorschläge
Tier- und Umweltschützer, Gewerkschafter und Bürgerrechtler*innen können quasi an jedem 
Discounter aktiv werden (Aldi, Lidl, Kaufland) zu finden. Zu Tönnies gehören unter anderem 
die Zur Mühlen Gruppe mit den Produkten Böklunder, Gutfried, Hareico, Lutz, Redlefsen, 
Schulte, Könecke, Naumburger, Plumrose, Zerbster Original u.a.. Aldi verkauft 
Tönnies-Fleisch unter dem Namen Tillmanns und Landdiele. Auch Lidl ist Tönnies-Kunde. Wir 
schlagen vor

Flyer-Aktionen bei den Friday For Future-Demos
Protest in und an Supermärkten und Discountern, die Tönnies-Produkte verkaufen
Demos gegen Verstöße gegen die Menschenrechte von Tönnies-Werkvertragsarbeiter*innen und 
Massentierhaltung und -schlachtung entlang verschiedener Discounter
QUELLEN
zu Arbeitsbedingungen:

plusminus 17.04.2019 Miese Arbeitsgedingungen - Schlachthofmitarbeiter packen aus (online 
bis 17.04.2020)
Jour Fixe der Gewerkschaftslinken Bericht zur Demo gegen Tönnies in Rheda-Wiedenbrück und 
Kellinghusen am 29.03.2019 
https://gewerkschaftslinke.hamburg/2019/04/19/grossschlachterei-toennies-das-system-der-werksvertraege/
Bericht zur Bürgerversammlung in Kellinghusen 2018: 
https://gewerkschaftslinke.hamburg/2018/06/14/protest-gegen-gross-schlachterei-toenniessubunternehmer-und-vermieter-dethlefsen/
Die Linke Gütersloh 
https://www.dielinke-guetersloh.de/nc/start/aktuell/detail-news/news/tarifvertragliche-beschaeftigung-als-mitarbeiterin-muss-in-der-fleischbranche-die-regel-sein/
Magazin Mitbestimmung 
https://www.magazin-mitbestimmung.de/artikel/Deutsche+Fleischindustrie+%E2%80%93+das+Schmuddelkind+Europas@EDQ9O2PbQjqc0mdGz7TWFg4
SWP, 30.08.18 Vom Gift der Gier in der Fleischindustrie 
https://www.swp.de/politik/inland/vom-gift-der-gier-in-der-fleischindustrie-27451816.html
Neue Westfälische 29.03.19 Moderner Sklavenhandel: DEmo gegen Tönnies 
https://www.nw.de/lokal/kreis_guetersloh/rheda_wiedenbrueck/22416824_Moderner-Sklavenhandel-Demo-gegen-Toennies-in-Rheda-Wiedenbrueck.html
zu Wohnverhältnissen der Werkvertragsarbeiter:

Neue Westfälische 06.02.19 So leben osteuropäische Werkvertragsarbeiter in 
Rheda-Wiedebrück 
https://www.nw.de/lokal/kreis_guetersloh/rheda_wiedenbrueck/22369407_Stadt-will-Wohnbedingungen-fuer-Werkvertragsarbeiter-verbessern.html
zu Verstößen gegen das Tierwohl und die Erweiterung:
LZ 12.04.2016 Peta stellt Anzeige gegen Tönnies und Westfeisch 
https://www.lz.de/ueberregional/owl/20763097_PETA-stellt-Strafanzeige-gegen-Toennies-und-Westfleisch.html
ZDF Zoom 12.04.2018 Schweinerei im Schlachthof 
https://www.zdf.de/dokumentation/zdfzoom/videos/tierschuetzer-im-schlachthof-100.html
Stellungnahme Bündnis nach Genehmigung der Erweiterung vom 14.12,18 
https://buendnis-gegen-die-toennies-erweiterung.de/stellungnahme-zur-genehmigung-der-toennies-erweiterung-durch-den-kreis-guetersloh
zur Unternehmerfamilie Tönnies, Erbstreitigkeiten, Erweiterungsplänen und Umgehung von 
Bußgeldzahlung:
Elisabeht Dostert: Bei Tönnies eskaliert der Machtkampf, SZ, 29.7.2019, 
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/toennies-schlachterei-streit-1.4545552
Vermögenmagazin https://www.vermoegenmagazin.de/clemens-toennies-vermoegen/
Spiegel, 19.10.16 Clemens Tönnies trickst Kartellamt aus 
https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/clemens-toennies-trickst-kartellamt-aus-128-millionen-euro-weg-a-1117329.html
Lebenmittelpraxis 16.04.18 Wachstum gegen den Trend 
https://lebensmittelpraxis.de/industrie-aktuell/20999-toennies-wachstum-gegen-den-trend-2018-04-16-11-45-17.html
Report Mainz, 16.11.2009 , Was ist dran an den Vorwürfen gegen Tönnies 
https://www.swr.de/report/fleischfabrikant-im-visier-was-ist-dran-an-den-vorwuerfen-gegen-toennies/-/id=233454/did=5476622/nid=233454/1mljlx5/index.html
Westfälische Rundschau 15.01.2013 Wurstproduzent mit 90.000 Euro Strafe zahlen 
https://www.wr.de/wirtschaft/wurstproduzent-toennies-muss-90-000-euro-strafe-zahlen-id7483708.html
https://www.topagrar.com/schwein/news/toenncropped-IMG_13022018_121444_0ies-modernisiert-schlachthof-kellinghusen-9536481.html
zur Unterbindung kritischer Berichterstattung:
Bitte schreiben Sie nicht, Tagesspiegel, 16.01.2019, 
https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/medien/gerichtsstreit-promi-berichterstattung-bitte-schreiben-sie-nicht/23874464.html
https://gewerkschaftslinke.hamburg/2019/02/19/grosse-schweinereien-im-schlachthof-toennies-in-kellinghusen/#comment-183

http://bielefeld.fau.org/2019/08/01/aktion-arbeitsunrecht-freitag13-toennies-fleischverarbeitung/#more-4032


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