(de) FAU, direkte aktion: DIE BAKUNINHÜTTE BEKOMMT BESUCH - Kultur Von: Christian Horn - 27. Juli 2019

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Di Aug 6 08:21:35 CEST 2019


Das erste Kulturdenkmal der anarchosyndikalistischen Bewegung in Deutschland wird gut 
frequentiert. ---- Einige Zeit ist schon vergangen seitdem das anarchosyndikalistische 
Leitmedium das letzte Mal über das Denkmal der deutschsprachigen Bewegung berichtet hatte. 
Damals war ich noch in der Redaktion für die Print-Ausgabe verantwortlich. Beides Medium 
und Hütte haben bewegte Zeiten hinter sich.[1] ---- Die Bakuninhütte bei Meiningen, meinem 
Wohnort, hat dank der großartigen Vereinsaktivität und der Arbeit von sympathisierenden 
Leuten aus der nahen Umgebung, an Bekanntheit in der Region und darüber hinaus gewonnen. 
Es kamen insbesondere gerade nach der Tagung und der Ausstellung im Schloss 2015, Personen 
aus Meiningen hinzu, die sich um die Hütte engagieren. Die Akteur*innen sind zwischen 16 
und 85 Jahre alt. Es werden Besucher*innen empfangen, der Außenbereich gepflegt, kleinere 
Reparaturarbeiten ohne große Aufmerksamkeit geleistet und Veranstaltungen organisiert.

Seit fünf Jahren gibt es eine Wandergruppe (anfangs geführt von einem ehemaligen 
Geschichtslehrer tätig zuletzt in der Rhön und passionierten Flurnamenforscher), die fast 
jeden Mittwoch wandert oder einen Tagesausflug in Museen übernimmt. Jeden ersten 
Donnerstag im Monat tagt seit 2012 schon ein Stammtisch. Vor etwa drei Jahren hat der 
Moderator des Treffens Michael Wagner, Pfarrer im Ruhestand, angefangen jedes Mal einen 
Gast aus Politik, Kultur, Geschichtsforschung oder anderen gesellschaftlichen 
Themenbereichen einzuladen. So schmoren wir nicht nur im eigenen Saft, wie es vielen 
Stammtischen geht. Ferner macht es die Zusammenkünfte auch interessanter. Neue Akteure 
konnten gewonnen werden. Es entsteht in Meiningen ein parteiübergreifendes Netzwerk von 
liberal bis links (wobei natürlich die meisten keiner Partei angehören), was für die 
Nutzung den Erhalt des Gebäudes unheimlich wichtig ist.

Stammtisch auf Zeitreise

Aus dem Stammtisch heraus kam 2018 die Idee eine Kaffeefahrt zu organisieren. Es ging um 
die Orte der Novemberrevolution und der Folgejahre in der Gegend. Es konnten acht 
Referenten zu den jeweiligen Stadtionen gewonnen werden beginnend vom Palais in dem der 
Herzog die Macht an dem Arbeiter- und Soldatenrat übertrug, weiter zum alten 
Landtagsgebäude, hinauf zu einer unabhängigen Heimvolkshochschule und mit dem Bus 
schließlich zur Bakuninhütte. Die Themenkomplexe Theater im Expressionismus (Wahrzeichen 
der Stadt), Jazz und eine Bildbetrachtung umrahmten diese besondere Exkursion kulturell, 
welche auch über die lokale Tourismusinformation angeboten wurde. Gäste, die zur 
Bakuninhütte kommen, können sich gerne einige dieser Orte der lokalen Sozialgeschichte 
anschauen, nach Absprache mit kleiner Führung.[2]
Ein Highlight jagt das nächste

Wer gedacht hatte, die Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Erich-Mühsam-Gesellschaft und 
die Tagung mit über siebzig Teilnehmenden, wäre für lange Zeit der Höhepunkt gewesen, 
irrte. Aus den Ereignissen aus dem Jahr 2015, ergaben sich neue Möglichkeiten. Die 
Ausstellung zur Bakuninhütte wurde auf Roll-Ups gedruckt für die nächste Gelegenheit im 
Gothaer Tivoli, einem wichtigen Ort sozialdemokratischer Gründungsgeschichte. Die 
Wanderausstellung kann natürlich in weiteren Städten gezeigt werden. Durch einen Gast auf 
der Tagung, entstand der Kontakt zum Fernsehen. So kam es, dass im April letzten Jahres 
3SAT den Dokumentarfilms "Oasen der Freiheit" ausstrahlte. Im Vorfeld dazu hatte ein 
Filmteam um den Bestseller-Autor Ilija Trojanow die Bakuninhütte besucht. Mit dabei war 
auch Dilar Dirik, Aktivistin und Forscherin zur kurdischen Frauenbewegung, welche die DA 
bereits interviewte.

Und wir hatten weiterhin gut Besuch an der Hütte. Zum Denkmalfest 2017, titelte die lokale 
Presse, Besucherrekord an der Bakuninhütte mit über 300 Gästen. Wir feierten die 
Einweihung als Kulturdenkmal, jenen Status der uns 2015 verliehen wurde. Es kamen 
Vertreter der Thüringer Staatskanzlei sowie vom Landesamt für Denkmalpflege, der 
SPD-Bürgermeister und sein Stellvertreter von den Grünen, welcher in den 80er Jahren 
bereits mit staatlichen Repressionen zu tun hatte und die friedliche Revolution in 
Meiningen gestalte. Grußworte hielten auch der stellvertretende Bezirksvorsitzende des DGB 
Hessen-Thüringen und einige der Gutachter, deren Einschätzung wir die Denkmalwürdigkeit 
(darunter Wolfgang Haug und Siegbert Wolf) wir zu verdanken haben.

Seit einem Jahr gibt es eine Assoziation mit den Naturfreunden. So gastierte das Format 
"Politik im Grünen" an der Bakuninhütte. Dabei können Interessierte mit Akteuren aus 
Kommunal- und Landespolitik auf einer Wanderung ins Gespräch kommen. Bei uns war die neu 
gewählte Landrätin zu Gast, was wiederum für den noch ungeklärten Übernachtungsstatus 
relevant ist, über welchen auch das Landratsamt entscheidet. Ein schöner Nebeneffekt war 
das Beisein des Südthüringer Regionalfernsehen - auch diesen Kurzbeitrag findet man noch 
im Netz.

Kabarettist Max Uthoff inspiziert den Aufenthaltsraum

Der Autor des Artikels zeigt Bodo Ramelow das Gästebuch

Liedermacher Konstantin Wecker im Gespräch mit Vereinsmitgliedern

Konstantin Wecker im Gästebuch eingetragen
Von der Bühne an die Hütte

Bei einer städtischen Konzertreihe im Sommer kam der politische Liedermacher Konstantin 
Wecker, welcher sich als Anarchist bezeichnet. Am Morgen nach dem Auftritt konnte unser 
Verein ihn für einen Besuch an der Hütte gewinnen. Öffentlichkeitswirksam hinterließ 
Wecker und sein Team einen Eintrag im Gästebuch: "Nein, ich hör nicht auf, zu träumen von 
der herrschaftsfreien Welt, wo der Menschen-Miteinander unser Sein zusammenhält. Was für 
ein schönes Zusammentreffen mit uns alten AnarchistInnen. Euer Konstantin Wecker." 
Nebenbei ist er sogar in den Wanderverein Bakuninhütte eingetreten.

Ebenso in das Gästebuch eingetragen hat sich Max Uthoff, jener Kabarettist, welcher die 
Sendung Die Anstalt beim ZDF leitet. Es war meine Einfall, ihn im Zuge seines Auftritts 
bei den Meininger Kleinkunsttagen zu fragen. Er erwähnte sogar im Anschluss seines 
Programms im Volkshaus vor über 500 Zuschauern seinen Besuch an der Bakuninhütte. Der 
letzte besondere Gast war Attila mit seinem Herrchen. Bzw. der erste linke 
Ministerpräsident nach Kurt Eisner, Bodo Ramelow, hatte seinen Jack-Russel-Terrier Attila 
mitgebracht. Nun gut, in Thüringen ist im Oktober Landtagswahl, aber dem Ansehen der 
Bakuninhütte dürfte das nicht schaden.

Wir freuen uns natürlich über weitere Wandergruppen. So kamen Studiengruppen aus den 
Bereichen Geologie, Sozialmanagement usw.. Ebenso machen hier Kindergruppen Rast. Neben 
der Naturfreundejugend, besucht uns auch die Falken (sozialistische Jugend) zum 
wiederholten Mal - beide Verbände stehen der SPD mehr oder weniger nahe. Die Senioren des 
Rhönclubs kommen jährlich zu uns sowie das BUND-Kinder-Format "Wilder Samstag". Einige 
Betriebswandertag fanden an der Hütte ihr Ziel sowie eine Gruppe von Pfarrern im 
Ruhestand. Auch Gäste der Schwarz-roten Bergsteiger*innen im Elbsandsteingebirge machten 
hier einen Zwischenstopp. Nicht unterschlagen will ich eine von mir geführte Wanderung der 
FAU Jena. Die regionale IG Metall plant ihren diesjährigen Wandertag im September zur 
Bakuninhütte.

Etappensieg in rechtlicher Hinsicht

Noch besteht ein Übernachtungsverbot. Es kommt noch aus der gerichtlichen 
Auseinandersetzung mit der unteren Baubehörde vor zehn Jahren, welche mit einem Vergleich 
aus dem OVG endete. Um jetzt durch einen Bauantrag bzw. Nutzungsänderung Übernachtungen zu 
ermöglichen, musste eine Zuwegung eingetragen werden. Dem musste aber der Meininger 
Stadtrat zustimmen. Hauptgegner*innen des Wegrechts waren Teile der lokalen CDU, eben 
jener Partei des Bürgermeister von Ellingshausen auf dessen Flur die Bakuninhütte steht 
und welcher seinen Einfluss gegen die Nutzung bereits geltend gemacht hat. Bei der 
entscheidenden Abstimmung in der letzten Sitzung vor der Stadtratswahl, wie zu befürchten, 
zog auch in Meiningen die AfD in Fraktionsstärke ein, stimmte eine Mehrheit für das 
Wegerecht. Vorher kamen auch aus der SPD Bedenken, dass der Waldweg übermäßig befahren 
wird, aber unserem Verein wurde dennoch das Vertrauen entgegen gebracht, was wir uns über 
Jahre erarbeitet hatten. Das Wegerecht ist ein Bestandteil, um einen erfolgreichen Antrag 
auf Nutzungsänderung beim Landratsamt zu stellen. Eine ausführliche Darstellung auf diese 
verkürzte Zusammenfassung des aktuellen Standes findet sich auf der Seite der Bakuninhütte:

Anarchistische Vereinsmeierei?

Ich könnte noch einiges über die Fortschritte schreiben, die sich auf der Hohen Maas, 
jenem Kalksteinplateau in 500 Meter Höhe, tun. Der Wanderweg wurde endlich mal gut 
ausgeschildert. Der Innenbereich sieht richtig wohnlich aus, fast zu sauber für ein Haus 
in der Wildnis. Nun gibt es eine Vereinsstruktur, die sich rund um die Bakuninhütte 
konstituiert hat. Wie allen, die mit solchen hauptsächlich ehrenamtlich betriebenen 
Organisationen intensiv zu tun haben, klar sein dürfte, gibt es auch Konflikte. Egal, ob 
es um Amateurtheater-, Tierschutz- oder Kunstvereinen geht, kommt von emotionalen 
Austritten, finanziellen Notlagen oder Spaltungen die ganze Palette an Verwerfungen vor. 
Nun könnte man das ganze auch unter dem Motto verbuchen: "Was nie gelebt hat, kann nicht 
sterben!". Aber vom Ende wollen wir nicht reden, es ist eher so, dass persönliche 
Befindlichkeiten und strukturelle Unklarheiten, doch oft unnötig Kraft kosten. Beim 
Wanderverein Bakuninhütte e. V. kommt hinzu, dass es sich um einen bundesweiten Verein 
handelt mit mittlerweile fast 150 Mitgliedern. Es gibt eine Gruppe in Berlin, von denen 
einige sehr viel zum Kauf, zur Wiedernutzung und zur historischen Aufarbeitung geleistet 
haben - faktisch eine Lebensaufgabe.

Mittlerweile hat sich aber auch eine Gruppe in Meiningen um den besagten Stammtisch 
formiert, welche einen zunehmenden Anteil der Aktivitäten organisiert und sehr gut vor Ort 
vernetzt ist. Es wirkt oft so als ob hier zwei Welten aufeinanderprallen. Die 
Mitgliederversammlungen sowie Telefonkonferenzen haben oft eine epische Länge. Viele 
Details werden auch über den allgemeinen E-Mail-Verteiler kommuniziert. Der Vorstand 
wechselt häufig. Entscheidungsstrukturen sind etwas unscharf. Allerdings ist auch niemand 
gezwungen sich in alles hineinzusteigern.

Es lohnt ein Besuch nicht nur an der Hütte, etwa in den Sommermonaten am Grill bei den 
hier oft anzutreffenden Vereinsmitgliedern. Sondern zwischen Rhön und Thüringer Wald im 
Werratal gibt es historische sowie landschaftliche Geheimnisse zu entdecken.

Der Autor Christian Horn freut sich auf euren Besuch an der Bakuninhütte.

https://direkteaktion.org/die-bakuninhuette-bekommt-besuch/


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