(de) anarchosyndikalismus: Bangladesch: Tee-Arbeiter*innen werden Grundrechte verweigert

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Do Aug 1 08:32:02 CEST 2019


Kürzlich hat die Anti-Korruptions-NGO Transparency International Bangladesh (TIB) eine 
Studie zu der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lage von Arbeiter*innen auf den 
Tee-Plantagen in dem südasiatischen Land veröffentlicht. Demnach wird in keiner der 
Teeplantagen für Überstunden der doppelte Lohn gezahlt, obwohl dies im Arbeitsrecht 
verbindlich vorgeschrieben ist. ---- Trotz einiger in den letzten Jahren ergiffener 
Maßnahmen wurden auch die Lebensbedingungen der Tee-Arbeiter*innen in Bangladesch nicht 
zufriedenstellend verbessert, berichtete der Geschäftsführer von TIB. "Die Tee-Gärten 
wurden während der britischen Kolonialzeit errichtet und durch Sklaven*arbeit betrieben, 
wobei sich das Muster zur Zeit ändert. Jedoch wird den Tee-Arbeiter*innen im Vergleich zu 
anderen Tätigkeitsfeldern leider der Zugang zu grundlegenden Rechten verweigert", sagte er.

Der geschäftsführende Direktor von TIB machte diese Anmerkunge auf einem Seminar unter dem 
Motto "Arbeitsbedingungen und Arbeitsrechte in Teeplantagen: Aufgaben und Wege der 
Kontrolle", die im Sitz der Organisation in der Hauptstadt Dhaka stattfand.

"Tee-Arbeiter*innen werden ihre fundamentalen Rechte verweigert, weshalb man sie in diesem 
Sinne als Sklav*innen bezeichnen kann."

Der Studie zufolge verdienen Tee-Arbeiter*innen einen Tageslohn in Höhe von 102 Taka (1,09 
Euro), wie im aktuellen Tarifabkommen zwischen den Tee-Arbeiter*innen und den 
Plantagenbesitzer*innen vereinbart. Der Monatslohn beträgt insgesamt ungefähr 5.231 Taka 
(55,65 Euro), womit er niedriger ist als in allen anderen Branchen des Landes. Außerdem 
werden in 28 der 64 Teeplantagen die kurzfristig Beschäftigten mit 50 bis 70 Taka am Tag 
(0,53 bis 0,74 Euro) schlechter bezahlt als die Festangestellten, welche einen Tageslohn 
von 85 Taka (0,90 Euro) bekommen.

Und obwohl die Besitzer*innen der Teeplantagen allen Tee-Arbeiter*innen und ihren Familien 
eine Unterkunft zur Verfügung stellen müssen, haben 32.299 der Festangestellten und 
Befristeten keine eigene Wohnung, berichtet das Bangladesh Tea Board. Hinzu kommt, dass 
einige der von den Besitzer*innen bereitgestellten Unterkünfte nur aus Holz und Blech 
gebaut sind, aber keine Türen, Fenster oder Zäune haben. In über 90 % der Fälle hat ein*e 
Arbeiter*in nur einen Raum zur Verfügung, der mit Eltern, Geschwistern, Ehepartner*innen, 
Kindern und Rindvieh geteilt werden muss. In 46 der 64 Plantagen wurden von den 
Eigentümer*innen auch keine Toiletten zur Verfügung gestellt.

Als Reaktion auf diese Studie und die unmenschliche Situation fordert die 
Anarcho-Syndikalistische Föderation Bangladesh (BASF) die Regierung auf, ein neues 
Lohnsystem für die Tee-Arbeiter*innen einzuführen und alle zwei Jahr anzupassen. Darüber 
hinaus erwartet die BASF von der Regierung, dass sie sich um Ausbildung, sanitäre 
Einrichtungen, Gemeinschaftsversicherung, Zuschläge, Löhne und einen Sozialfonds, sowie 
Trinkwasser für die Arbeiter*innen kümmern soll. Außerdem schlägt sie vor, dass die 
Aufsichtsbehörde für Fabriken und Einrichtungen noch öfter die Bedingungen vor Ort 
überprüfen soll.

Bangladesh Anarcho-Syndicalist Federation (BASF)

https://www.bangladeshasf.org

Übersetzung: Anarchosyndikalistisches Netzwerk - ASN Köln
Creative Commons: BY-NC

http://anarchosyndikalismus.blogsport.de/2019/07/28/bangladesch-tee-arbeiterinnen-werden-grundrechte-verweigert/


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