(de) stuttgart.fau: Am 1. Mai auf die Straße für kollektive Arbeitszeitverkürzung!

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Di Apr 23 08:43:36 CEST 2019


Mehr als 100 Jahre nach den Kämpfen der Arbeiterklasse um den 8-Stunden-Tag, kommen 
Auseinandersetzungen um Arbeitszeit in gewerkschaftlichen und politischen Kämpfen wieder 
verstärkt eine große Bedeutung zu. Diese sind, wie auch Kämpfe um Lohn, Ausdruck des 
Interessenwiderspruchs zwischen der Klasse der Lohnabhäningen und der Klasse der 
Kapitalisten. Für Lohnabhängige ermöglicht eine Verringerung der Arbeitszeit (bei vollem 
Lohnausgleich) eine generelle Steigerung der Lebensqualität. Von Unternehmerseite aus 
besteht prinzipiell wenig Interesse an kürzeren Arbeitszeiten. Denn 
Arbeitszeitverkürzungen bei vollem Lohn- und Personalausgleich verringern das Angebot an 
billigen Arbeitskräften und damit auch die Macht der Unternehmen, Arbeitsbedingungen 
diktieren zu können. An dieser Logik hat sich bis heute nichts
geändert.

Es überrascht daher nicht wirklich, dass es in den letzten Jahren immer wieder Forderungen 
von Arbeitgeberseite gab, Regelungen und Mindeststandarts zur Arbeitszeit zum Nachteil der 
Lohnabhängigen aufzuweichen. Entsprechend gab es in den letzten Jahren einige medial viel 
beachtete Versuche von Arbeitgeberseite, diese Forderungen mit Hilfe der Politik in die 
Tat umzusetzen. Bekannte Beispiele sind das sogenannte "loi El Khomri" in Frankreich, oder 
das neue Arbeitszeitgesetz in Österreich, die jeweils die maximale legale 
Wochenarbeitszeit auf 60 Stunden angehoben haben. Auch in Deutschland können durch das 
sogenannte "Pforzheimer Abkommen" (2004) tariflich festgelegte Mindeststandards, 
inbesondere auch zur Arbeitszeit, temporär ausgehebelt werden. All diese Beispiele haben 
eines gemeinsam: es handelt sich um Angriffe der Unternehmer auf die Interessen der 
Lohnabhängigen. Und wo bleibt ihre Antwort?

Tatsächlich machte 2018 ein Tarifabschluss der IG Metall Schlagzeilen, mit dem (unter 
bestimmten Bedingungen) ein Recht auf eine Reduzierung der Arbeitszeit eingefürt wurde. 
Diese offensive Forderung nach Arbeitszeitverkürzung wurde (auch international) sehr 
positiv aufgenommen. Hierzulande, insbesondere innerhalb der Gewerkschaftslinken, gab es - 
bei allen positiven Aspekten - auch kritische Stimmen. Denn genaugenommen handelt es sich 
dabei um ein individuelles Recht auf befristete Teilzeit. Die Arbeitszeitreduzierung 
erfolgt zum Großteil ohne Personal- und Lohnausgleich. Lediglich Personen, die in Schicht 
arbeiten oder Leute, die sich um kleine Kinder oder Familienangehörige kümmern, bekommen 
einen finanziellen Ausgleich. Die Reduzierung der Arbeitszeit Einzelner ist oft daran 
gekoppelt, dass ein bestimmter Anteil der
KollegInnen mehr arbeitet. Anstatt kollektive Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und 
Personalausgleich zu fordern, stehen sich nun also individuelle Interessen der 
ArbeitnehmerInnen gegenüber. Was können wir also tun?

Als kämpferische GewerkschafterInnen müssen wir endlich wieder in die Offensive gehen und 
reale Arbeitszeitverkürzungen fordern, d.h. kollektiv und bei vollem Lohn- und 
Personalausgleich. Wir sollten dabei nicht auf bessere Gesetze durch politische Parteien 
hoffen, denn wie die oben genannten Beispiele zeigen, entscheiden diese viel zu oft im 
Sinne der Unternehmensinteressen anstatt derer der ArbeiterInnen. Statt dessen sollten wir 
den gewerkschaftlichen Kampf in denMittelpunkt stellen. Nur wenn wir gemeinsam und 
organisiert unsere Interessen gegenüber den Unternehmen vertreten, können wir dauerhafte 
Verbesserungen für alle erkämpfen.

Geht mit uns am 1. Mai auf die Straße für kollektive Arbeitszeitverkürzung! Ihr findet uns 
wie immer bei den schwarz-roten Fahnen.

10:00 Uhr: Gewerkschaftsdemo, Marienplatz
11:30 Uhr: Revolutionäre 1.Mai-Demonstration, Karlsplatz
14:00 Uhr: 1. Mai Fest im Stadtteilzentrum Gasparitsch, Stuttgart Ost

Wir sind Teil des Revolutionären 1. Mai Bündnis Stuttgart.

https://stuttgart.fau.org/am-1-mai-auf-die-strasse-fuer-kollektive-arbeitszeitverkuerzung/


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