(de) FAU, direkte aktion: KLASSENKAMPF AM TAXISTAND

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Do Apr 18 07:29:42 CEST 2019


In vielen Ländern protestieren Taxifahrer*innen schon länger gegen die massive 
Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen. Doch meistens wird darüber aus der Perspektive 
der Unternehmen berichtet. ---- Betrieb & Gesellschaft Von: Peter Nowak - 12. April 2019 
Am 10. April legten auch in Berlin Blockaden von Taxifahrer*innen für Stunden den 
Flughafen Tegel lahm. Bereits am 21. Februar pfiffen in Berlin hunderte wütende 
Taxifahrer*innen Bundesverkehrsminister Scheuer aus. Sie skandierten die Parole "Uber 
raus". Schließlich schickt sich der US-Fahrdienstvermittler an, die wenigen erkämpften 
sozialen Rechte im Taxigewerbe zu zerstören. Und die Politik liefert die Unterstützung. 
Sowohl im nationalen Rahmen als auch auf der EU-Ebene werden weitere Deregulierungen im 
Interesse von Uber und anderen Konzernen vorbereitet.

In den Medien wurde über die Protestaktion der Berliner Taxifahrer*innen. berichtet. Doch 
selbst in linken Medien kamen überwiegend die Vertreter*innen der Taxi-Innung, also des 
Unternehmerverbandes zu Wort. So war in der jungen Welt ein sehr wohlwollendes Interview 
mit einem Vertreter der Taxiunternehmen abgedruckt. Ein Autor der Jungle World leitete 
seinen Artikel mit Betrachtungen über den vermeintlich schlechten Ruf des Taxiberufes ein. 
Auch über die Proteste am 10. April wurde überwiegend aus der Sicht der Taxiunternehmen 
berichtet.

Doch kaum jemand erwähnt, dass es auch gewerkschaftlich organisierte Taxifahrer*innen 
gibt. So hat sich in Berlin schon vor einigen Jahren bei der Dienstleistungsgewerkschaft 
ver.di die AG Taxi gegründet. Sie hat in den letzten Jahren die Aktionen der in der 
Deliverunion der FAU organisierten Kurierfahrer*innen mehrmals solidarisch unterstützt. 
Vor einigen Wochen informierte die AG Taxi über ihren Kampf gegen Uber und für bessere 
Arbeitsbedingungen im Berliner FAU-Lokal. "Der Kampf gegen Uber ist auch ein Klassenkampf 
innerhalb der Gig-Ökonomie, wie die Branche genannt wird, in der Aufträge von 
Freiberufler*innen oder prekär Beschäftigten erledigt werden und deren Organisierungsgrad 
oft nicht sehr hoch ist. Hier bedarf es neuer Strategien, um erfolgreich zu sein," 
erklärte ein Mitglied der AG Taxi.

FAKTEN GEGEN DIE UBER-WERBUNG
Die Kolleg*innen haben auch Vorschläge entwickelt, wie sie sich gegen die Uber-Pläne 
wehren können. Der Konzern hatte bereits im Spätherbst letzten Jahren große Plakate in 
Berliner Eventbezirken aufstellen lassen. "Uber vermittelt Beförderungsaufträge an 
professionelle und kompetente Mietwagenunternehmer", war die Botschaft. Diese 
Werbekampagne sowie die Einrichtung eines Uber-Büros in der Berliner Innenstadt zeigen, 
dass das Unternehmen expandieren will. Dagegen richtet sich die Kampagne der AG Taxi.

"Wir stellen den frechen Behauptungen der Uber-Werbung geprüfte Fakten entgegen, knallig 
formuliert, mit Link zur Quelle als Text und QR-Code", erklärt Andreas Komrowski von der 
AG Taxi. So verweist der Link unter dem Slogan "Uber zahlt keine Krankenversicherung" auf 
einen Artikel in der Wochenzeitung Die Zeit. Wer sich über den Wahrheitsgehalt der Aussage 
"Uber verliert Deine Daten" informieren will, kann in einen FAZ-Artikel vom September 2018 
weiter lesen, wo über ein großes Datenleck bei dem US-Konzern berichtet wird. Zu der 
Behauptung "Uber riskiert Deine Haftpflicht" wird auf einen juristischen Blog verwiesen. 
Wer den Wahrheitsgehalt der Feststellung "Uber zahlt kein Krankengeld" überprüfen will, 
findet als Quelle den Tageszeiger. Da die AG Taxi nicht den Werbe-Etat von Uber zur 
Verfügung hat, setzt sie auf Selbstorganisation. Die Anti-Uber-Schlagzeilen können unter 
www.ag-taxi.de ausgedruckt und verbreitet werden.

Natürlich ist den Kolleg*innen der AG Taxi klar, dass es sich bei diesen Aktionen zunächst 
einmal um Nadelstiche handelt, die einem Weltkonzern wie Uber wenig anzuhaben scheinen, 
wenn sie isoliert bleiben. Doch die Stärke kann gerade darin bestehen, dass sich der 
Protest in vielen Ländern entwickelt hat. So legten Ende Januar in Madrid Tausende 
Taxifahrer*innen den Verkehr aus Protest gegen Uber lahm. Auch in Frankreich protestierten 
Taxifahrer*innen. Und auch bei der Veranstaltung in Berlin gab es bedenkenswerte 
Vorschläge. Wie wäre es mit einer transnational organisierten Aktion, beispielsweise einem 
minutenlangen Hupkonzert gegen Uber?

Beitragsbild: David Holt[CC BY 3.0]London anti-Uber taxi protest June 11 2014 011 RMT 
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