(de) FAU, direkte aktion: EIN REBELLENLIED VON LIEBE UND HASS - James Connolly und der Syndikalismus in Irland - Zeitlupe Von: Oliver Steinke

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Mo Apr 8 08:42:37 CEST 2019


In ganz Irland sind ungezählte Straßen nach ihm benannt, dazu die bekannte Bahnstation in 
Dublin, ein Denkmal gibt es ebenfalls in der irischen Hauptstadt, ein weiteres in Belfast, 
selbst jenseits des Atlantiks in New York und Chicago erinnert sein freundliches, 
pausbackiges Gesicht in Stein verewigt an den Mann, nach dem auch irische Freiwillige der 
Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) ihre Kolonne benannten. 
Viele Lieder, darunter das Klagelied von Patrick Galvin, gesungen unter anderem von 
Christy Moore, oder Larry Kirwans Kampfansage mit seiner Punkband Black 47 bauen 
klangliche Brücken zu seinen Taten. Briefmarkensammler können ihn zudem auf mindestens 
vier verschiedenen Motiven der Republik Irland entdecken. Die Rede ist von James Connolly, 
1868 im schottischen Edinburgh in eine Arbeiterfamilie hinein geboren. Der selbst 
legendäre irische Freiheitskämpfer Michael Collins sagte über ihn: "Ich würde ihm überall 
hin folgen, selbst in die Hölle." Nur in Deutschland kennt ihn leider kaum jemand, auch in 
der Linken nur wenige, dabei gehört er ebenso wie seine Mitstreiter*innen bei den 
Wobblies, und der Gewerkschaft Irish Transport and General Worker Union (ITGWU) der 
gleichen revolutionären Epoche an wie Luxemburg, Liebknecht, Landauer oder auch Lenin und 
Trotzki. Doch in der englischsprachigen Welt blieben die im Zyklus der gewaltigen 
Klassenkämpfe vor, während und nach dem ersten Weltkrieg kämpfenden Gewerkschafter James 
Connolly wie auch James Larkin bis heute Vorbilder für einige unabhängig denkende 
Sozialist*innen.[1]
Die deutsche Nationalbibliothek weist noch ein weiteres Werk über ihn aus: "Integrativer 
Sozialismus und nationale Befreiung" von Helga Woggon -Vandenhoeck u. Ruprecht, 1990" Mehr 
nicht, das war es! Dass es außerhalb Irlands so wenige marxistische Literatur über ihn 
gibt, ist bereits ein Hinweis: James Connolly passt zu keinem der beiden Jahrzehntelang 
dominierenden marxistischen Flügeln, Sozialdemokraten auf der einen oder 
Marxisten-Leninisten auf der anderen Seite. Dabei gaben diese Männer sowohl in Praxis als 
auch Theorie Gewerkschaften klar den Vorrang vor der ebenfalls betriebenen Parteiarbeit. 
Sie betrachteten ihre Unions als unmittelbares Mittel um den Sozialismus zu erkämpfen, und 
nach dem Ende der kapitalistischen Wirtschaft zu verwalten. Zudem sollten dafür alle 
Beschäftigten eines Wirtschaftszweiges unabhängig von ihrer Tätigkeit in einer einzigen 
Gewerkschaft, der One Big Union, organisiert sein. Diese Idee heißt Syndikalismus.

EIN JUNGE AUS DEN SLUMS SCHLÄGT SICH DURCH
Das Viertel in Edinburgh, in dem James Connolly als jüngster von drei Brüdern geboren 
wurde, Cowgate, war auch als "Litte Irland" bekannt, da hier ganz überwiegend irische 
Einwanderer wie seine Eltern lebten. Slums waren damals - und sind es heute noch - 
gekennzeichnet durch eine katastrophale Überbelegung der Wohnungen, gewöhnlich in äußerst 
schlechten Zuständen. Seit der durch die Kartoffelfäule ausgelöste Hungersnot durch die 
etwa eine Millionen Menschen in Irland starben, obwohl sie seitens der englischen 
Obrigkeit hätten gerettet werden können, und dem besonders katastrophalen Schwarzen Jahr 
1847, lebten Hunderttausende ausgewanderte Iren auch in Schottland und England. Sie 
bildeten also einen großen Teil jenes Proletariats auf den Britischen Inseln über das 
Zeitgenosse Karl Marx schrieb, es habe nichts zu verlieren als seine Ketten. Tatsächlich 
hatten diese Menschen zwangsläufig nur eine vorrangige Agenda, nämlich die, zu überleben.

Mit 9 verließ James die Schule, schlug sich als Bäckerjunge und Gelegenheitsarbeiter 
durch. Bereits mit 14 ging er, ein falsches Alter angebend, wie sein älterer Bruder John 
zur englischen Armee, seine Einheit wurde in Irland stationiert und gegen die Bewegung der 
mittellosen Landarbeiter eingesetzt, die sich ihr durch englische Großgrundbesitzer 
geraubtes Land wieder aneignen wollten. Durch seine Erlebnisse, wo er aus seiner Sicht auf 
der falschen Seite stand, begann der junge Mann die Armee, der er diente, zu hassen. Als 
seine Einheit nach Indien versetzt werden sollte, desertierte der mittlerweile 21-jährige. 
Zurückgekehrt nach Schottland heiratete er die damals noch protestantische Lillie Reynolds 
aus Wicklow, eine Hausangestellte. Sie sollten sieben Kinder bekommen, sechs Mädchen und 
einen Sohn. Die älteste Tochter starb auf äußert tragische Weise bei einem Unfall. Trotz 
harter Arbeit gelang es Connolly nicht, ein regelmäßiges und ausreichendes Einkommen für 
seine Familie zu erzielen.

Im Mai 1896 wurde er Organisator bei der Dubliner Sozialistischen Gesellschaft, was einen 
Umzug nach Dublin bedeutete, nach London eine der größten Metropolen auf den britischen 
Inseln. Aber auch dort waren die wirtschaftlichen Umstände schwierig, 1903 wanderte die 
Familie nach Amerika aus, wo Connolly schließlich Mitglied der Industrial Workers of the 
World wurde, einer syndikalistischen Einheitsgewerkschaft, die sich den oft bewaffneten 
Schlägern der Unternehmer entgegenstellte. Von Troy aus organisierte er im Raum New York 
Liedermacher und Musiker, aus jener Zeit stammen etliche eigene Liedtexte, so auch die 
Zeile aus dem Rebellsong der gewählten Überschrift.

Großes Interesse hatte er an der Vermittlung syndikalistischer Gedanken, so gründete er 
mehrere Zeitschriften wie Die Harfe der Irischen Sozialistischen Föderation in den USA 
oder später Workers Republic in Dublin. Er sagte dazu: "Wenn Klasseninteressen aus der 
öffentlichen Debatte verschwinden, ist das ein Sieg für die besitzende, konservative 
Klasse, deren einzige Hoffnung auf Sicherheit in jenem Verschwinden liegt."[2]
BLUTIGER SONNTAG IN IRLAND
Weltweit kennen viele den bestürzenden Bloody Sunday 1972. Am 30. Januar dieses Jahres 
erschossen in der nordirischen Stadt Derry britische Elitesoldaten aus reiner Mordlust 13 
Teilnehmer einer Bürgerrechtsdemonstration. Ein anderer, aber dennoch ähnlich gelagerter 
Blutiger Sonntag" in Irland hingegen ist wenig bekannt. Am Mittag des 31. August 1913 will 
Gewerkschaftsführer James Larkin zu einer unüberschaubaren Menschenmenge sprechen, die 
sich trotz Verbots in der O Connell Street versammelt. Vielen tausend Arbeiter*innen sind 
dazu aus den Slums und vom Hafen in die Innenstadt geströmt. Am Freitag und Samstag war es 
bereits zu schweren Zusammenstößen zwischen Streikenden und der teilweise berittenen 
Polizei gekommen, nachdem versucht worden war, Straßenbahnen zu blockieren. Fast 
zweihundert Arbeiter lagen verletzt im Krankenhaus, viele waren verhaftet worden, wie es 
hieß unter ihnen auch James Connolly, der 1910 nach Irland zurückgekehrt sich rasch zu 
Larkins unermüdlichen Gefährten entwickelt hatte. Die Dubliner Polizei, die Königliche 
Hilfspolizei und auch die englische Armee bringen nun Sonntagvormittag starke Kräfte in 
die Innenstadt und versuchen James Larkin in der Menge auszumachen. Die außerordentliche 
Spannung, die auf beiden Seiten in der Luft liegt, ist mit Händen greifbar.

EXKURS: DIE GEWERKSCHAFT ITGWU
Der 1876 in Liverpool geborene, wenigstens 1,90 m große Ire James Larkin war eine Gestalt, 
wie ihn keine Schriftstellerin hätte besser erfinden können. Frauenrechtlerin Constance 
Markievicz beschrieb ihn 1913 so: "Er war eher eine urtümliche Kraft als ein Mensch, ein 
Tornado, eine sturmgepeitschte Welle." Larkin würde jeden Schmerz und jede Freude in der 
Masse aufnehmen und ihr klarer wieder zurückgeben. Zunächst arbeitete er für die 
Hafenarbeitergewerkschaft National Union of Dock Labourers (NUDL) in Liverpool nachdem er 
sich als Vorarbeiter einem Streik angeschlossen hatte, was nur sehr selten vorkam. Nach 
Belfast entsandt, gewann er 1907 nicht nur innerhalb von 3 Wochen 400 Hafenarbeiter (und 
2700 innerhalb eines Jahres) für die Gewerkschaft, sondern es gelang ihm dort das bis 
dahin und auch danach Unmögliche, nämlich protestantische und katholische Arbeiter*innen 
in Streiks und Solidaritätsstreiks zu vereinen. Denn auch in den Betrieben, die von dem 
Arbeitskampf nicht betroffen waren, streikten Gewerkschaftsmitglieder aus Solidarität. Mit 
dem Erfolg von Belfast im Rücken verließ er allerdings in Dublin den von der NUDL 
vorgesehenen Rahmen: Er unterstützte Streikende, die nicht in der NUDL organisiert waren, 
später verteilte er gar in Cork anders eingeplante Gewerkschaftsgelder an streikende 
Arbeiter. Die Leitung der NUDL entließ ihn und klagte ihn vor Gericht an. Als Reaktion 
gründeten Larkin 1909 die Irisch Transport und General Workers Union (ITGWU), zu der in 
Dublin die meisten Mitglieder der NUDL übertraten.

In den folgenden Jahren 1910-1913 gibt es fast unaufhörlich kleinere Streiks, die oft 
erfolgreichen Arbeitskämpfe der Bäcker, Tischler, Bauarbeiter lassen bei den Unternehmer 
die Alarmglocken schrillen und die Gewerkschaft wachsen. Im Januar 1913 sind es bereits 
24135 Mitglieder. Bald sind auch Unternehmen des reichten Mannes in Dublin betroffen, 
William Martin Murphy (1845-1919). Murphy aber ist kein Brite, sondern (gemäßigter) 
irischer Nationalist - Er besitzt die Dubliner Straßenbahnen und den rasch zur 
bedeutendsten Zeitung Irlands aufsteigenden Irish Independent, sowie ein halbes Dutzend 
weiterer Unternehmen. Die neue militante ITGWU verabscheut er. Als sich ihr nun einige 
Straßenbahnfahrer und die Zeitungsverteiler anschließen, entlässt er die Männer. Daraufhin 
beginnen Solidaritätsstreiks, der Boykott des Irish Independent und weiterer Unternehmen 
und die immer wieder versuchte Blockade von Murphys Straßenbahnen.

DIE FAHRT ZUM HOTEL
Am Mittag des Sonntags, den 31. August, verstehen die Einsatzleiter der Dublin 
Metropolitan Police (DMP) nicht, warum sie James Larkin nicht finden, immerhin überragt er 
die allermeisten Menschen um sich herum deutlich. Aber Larkin hat einen falschen Bart 
angelegt, sich als halbtauber Geistlicher verkleidet und fährt mit einer Kutsche durch die 
Menschenmenge und die Polizeigürtel zum Imperial Hotel. Dort gelingt es ihm, zu einem der 
Balkone zu gelangen und von dort aus seine Rede zu beginnen. Allerdings währt das nur 
wenige Minuten, dann stürzen sich die ins Hotel eilenden Polizisten auf ihn. Gleichzeit 
prügeln Hundertschaften von allen Seiten auf die Demonstranten in der O Connell Street 
ein. Larkin wird also verhaftet, die Dublin Metropolitan Police und die Royal Irish 
Constabulary verletzen in den folgenden Stunden zwischen 400 und 600 Menschen mit ihren 
Schlagstöcken schwer, von offizieller Seite wurde ein Toter bestätigt, wahrscheinlich aber 
waren es weitaus mehr. Aber die Arbeiter wehren sich, auch 200 Polizisten müssen in den 
Krankenhäusern behandelt werden.

Wenige Tage später schafft es W.M. Murphy ein Bündnis von 400 Unternehmen dazu zu bringen, 
jeden Vertrag mit der ITGWU zu verweigern und alle Gewerkschaftsmitglieder zu entlassen. 
Die große Aussperrung beginnt. 20 000 Arbeiter sind davon betroffen. 100 000, eine Zahl, 
die häufig fälschlicherweise als Streikende angegeben wird, ist die Anzahl der insgesamt 
Betroffenen, also Ausgesperrten und ihrer Familien zusammen. Dies ist immerhin ein Drittel 
der Bevölkerung von Dublin City. Bald sind es auch 100 000 Menschen, die hungern.

Streikbrecher werden unmittelbar aus den Gefängnissen oder Slums rekrutiert, auch sie 
verzweifelte Menschen, die gegen die Streikenden und Ausgesperrten ausgespielt werden. 
Aber wegen des brutalen Vorgehens der Polizei und Armee sympathisiert nicht nur die 
irische, sondern auch Teile der englischen Öffentlichkeit mit den Arbeiter*innen. Der 
Trades Union Congress (TUC) in England organisiert Hilfe im Wert von damals 
unvorstellbaren 106 000 Pfund.

Die Hilfsbereitschaft der englischen Arbeiter*innen ist also groß, praktisch jede 
Gewerkschaft sammelt Geld für die Ausgesperrten, Schiffe mit von Genossenschaften 
gespendeten Lebensmitteln verhinderten eine humanitäre Katastrophe, aber je länger die 
Aussperrung dauert, desto schwieriger wird die Lage der Betroffenen. Hunderte von 
Arbeiterfamilien im Norden Englands, viele von ihnen irischer Herkunft, erklären sich 
bereit, die Kinder der Ausgesperrten für die Dauer des Arbeitskampfes aufzunehmen. Doch 
dagegen, Gott behüte, protestiert der Katholische Klerus in Irland unter Erzbischof 
William Walsh: Familien sollen nicht auseinandergerissen werden, um von einer feindlichen 
und zudem überwiegend protestantischen Nation Hilfe anzunehmen. Priester und Nonnen 
hindern die Kinder am Hafen von Dublin mit Blockaden daran, auf die Schiffe zu gehen, nur 
wenige Kinder kommen in die Pflegefamilien.

Nach der Erfahrung des Blutsonntags gründet James Connolly 1903 die Irish Citizen Army als 
Selbstschutz der Gewerkschaft, sie umfasst zwar nie mehr als etwa 250 Mitglieder, Waffen 
gibt es bis 1916 ohnehin nur für 200, ihr entschlossenes Eintreten macht aber Eindruck, 
sowohl bei den Arbeiter*innen, als auch bei der Polizei, Streikbrechern und Wachleuten der 
Unternehmer. Entscheidend für den Ausgang des Kampfes wird aber etwas anderes, nämlich die 
Weigerung der englischen Gewerkschaftsführer der TUC, die von Larkin und Connolly 
geforderten Solidaritätsstreiks auszurufen. Larkin nennt sie daraufhin so hilfreich wie 
"Mumien in einem Museum". So endetet nach 5 Monaten die Aussperrung mit einer Niederlage 
der ITGWU, die allerdings in den großen gesellschaftlichen Umbrüchen im Zuge des 
Kriegsbeginns im Sommer 1914 wenige Auswirkungen haben wird. James Larkin geht allerdings 
nach Amerika, wo er 1920 wegen "kriminellen Anarchismus" im Hochsicherheitsgefängnis Sing 
Sing nahe New York inhaftiert wird. Erst 1923 entlassen, kehrt er im April dieses Jahres 
in ein dann sehr verändertes Irland zurück, in der ein blutiger Krieg zu Ende geht. Seine 
ITGWU aber ist bereits 1920 mit 120 000 Mitgliedern stärkste Gewerkschaft auf der Insel 
geworden.

"VERGEBT IHNEN!" - DER OSTERAUFSTAND 1916
Die sich nach und nach bewaffnenden nationalistischen, bis zu 200 000 Mitglieder starken 
"Irish Volunteers", eine Art katholisch-nationalistische Freiwilligenmiliz, waren vor dem 
Krieg die größte Bedrohung für Englands Herrschaft in Irland. Doch mit dem Beginn des 
Weltkrieges lässt sich die Mehrheit von ihnen etwas überraschend für das imperialistische 
Abschlachten einspannen, viele in der Hoffnung, dass ihnen durch den Dienst am Empire 
endlich die seit Jahren versprochenen Homerule, also Selbstverwaltung, zugesprochen wird. 
Von 1914-1918 werden insgesamt 49 400 Iren und Irischstämmige aus aller Welt im Krieg vor 
allem bei den Schlachten in Flandern und Frankreich sterben, darunter zählen auch die 
probritischen Unionisten aus Nordirland.

Allerdings schreiben sich nicht alle Irish Volunteers in die britische Armee ein. Etwa 
11.000 sehen ihren größten Feind weiterhin in England, nicht in Deutschland oder 
Österreich-Ungarn. Ihr ständiges Exerzieren wird im Übrigen ein Grund sein, warum Ostern 
1916 die daran gewöhnte Polizei so spät auf die bewaffneten Kolonnen der Aufständischen 
reagiert, die die Innenstadt von Dublin einnehmen werden. Doch der Reihe nach:

Connolly, der während Larkins Abwesenheit die Leitung der ITGWU übernommen hat, lehnt die 
Beteiligung am ersten Weltkrieg strikt ab. Seiner Meinung nach ist einzig ein 
Befreiungskrieg zur Abschaffung der Herrschaft von Menschen über Menschen gerechtfertigt. 
Connolly und sein Freundeskreis, unter ihnen das Paar Hanna und Francis Sheehy-Skeffington 
meinen es zudem auch ernst mit der Emanzipation der Frau, es geht ihnen tatsächlich um das 
Ende jeder Herrschaft.

Solch ein Ansehen hat der immer wieder für kurze Zeit inhaftierte James Connolly und seine 
Irish Citizen Army in der irischen Öffentlichkeit, dass die Nationalisten nicht riskieren 
können, ohne ihn loszuschlagen. Beunruhigt über Connollys steigende Ungeduld, nationaler 
Freiheitskampf und Klassenkampf sind für ihn untrennbar, entführen ihn die irischen 
Nationalisten im Januar 1916 von der Straße weg zu einem geheimen Treffen, wo sie ihn 
offenbaren, dass sie ihren Aufstand für die Unabhängigkeit Irlands auf Ostern legen 
wollen. Connolly ist einverstanden, er wird nicht nur in den Militärrat aufgenommen, 
sondern soll auch die eigentliche Aktion am Ostersonntag in Dublin befehligen. Seine 200 
Männer und Frauen der Irish Citizen Armee werden im Zentrum des Aufstandes stehen, 
insgesamt sind es in Dublin 1250 Aufständische, die zur Tat schreiten. In der Hauptstadt 
selbst gelingt es ihnen unter Connollys Führung viele repräsentative Gebäude und 
Schlüsselstellungen einzunehmen und die Unabhängigkeit von England zu erklären. Aber in 
den anderen Städten des Landes läuft schief, was nur schief gehen kann. Deshalb kann man 
unter militärischen Gesichtspunkten den Aufstand wie so viele vor ihm in der irischen 
Geschichte nur als Fehlschlag bezeichnen. Wesentlicher Grund ist die mangelnde 
Beteiligung, alleine in Dublin rechnen die Aufständischen mit einer wenigstens doppelt so 
großen Zahl an Freiwilligen. Dazu kommen die schlechte logistische Verbindung von Dublin 
zu anderen Landesteilen, sowie die schlechte Bewaffnung. Denn die von dem Diplomaten Roger 
Casement organisierten, dringend benötigten 20.000 Gewehre plus Munition aus Deutschland 
gelangen zwar nach einer abenteuerlichen Fahrt mit dem norwegischen Schiff Aud an die 
Küste von Kerry, aber wegen fehlerhaften Planungen ist niemand da, der sie in Empfang 
nimmt. Die Aud muss wieder in See stechen, wird kurz darauf entdeckt und versenkt sich 
selbst. In Cork warten 1000 Aufständische auf Anweisungen aus Dublin, die Nachrichten und 
Befehle kommen auch, aber von verschiedenen Kommandanten gleich neunmal hintereinander und 
sich ständig widersprechend. Die Aufständischen in Cork beschließen abzuwarten. In Dublin 
selbst besteht die Taktik daran, in den Stellungen auszuharren bis der landesweite 
Aufstand ausbricht, aber außer einer gesprengten Eisenbahnbrücke und verhältnismäßig 
vielen Aktionen in Galway geschieht wenig, tatsächlich sind die meisten Iren bis zu jenem 
Zeitpunkt gegen den Aufstand.

Das englische Imperium aber schlägt gnadenlos zurück, die der Londons nachempfundene 
repräsentative Innenstadt Dublins wird zum Kriegsschauplatz. Die Stellungen der 
Aufständischen, die sich unter anderem im Postgebäude verschanzt haben, werden mit einem 
Kanonenboot von dem Fluss Liffy aus beschossen, halbe Straßenzüge werden so in Schutt und 
Asche gelegt. Insgesamt sterben 485 Menschen, 2600 werden verwundet. Nach sechs Tagen 
erbarmungsloser Kämpfe bricht der Aufstand am 29. April zusammen. Aber nun begehen die 
Engländer einen aus ihrer Sicht verhängnisvollen Fehler, 16 Anführer darunter alle sieben 
Unterzeichner der irischen Unabhängigkeitserklärung werden abgeurteilt und über zwei 
Wochen hinweg nach und nach erschossen. Nur Constanze Markievicz wird verschont, weil sie 
eine Frau ist, wogegen sie energisch aber vergeblich protestiert. Als letzter wird am 12. 
Mai auch der schwerverletzte James Connolly auf einer Trage zu seiner Hinrichtung 
getragen. Als das Erschießungskommando ihn an die Lehne eines Stuhles bindet, weil er 
nicht mehr aufrecht sitzen kann, und die Soldaten mit angelegten Gewehren vor ihm stehen, 
sind seine letzten Worte: "Vergebt ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun."

AUSBLICK UND ZIELE
Syndikalisten organisierten gerade die ungelernten und am schlechten bezahltesten 
Arbeiter*innen, die Schutz am nötigsten brauchten. Vor allem die Wobblies der IWW, die 
besonders in den USA und Australien aktiv waren, nahmen Mitglieder über ethnische 
Zugehörigkeit hinweg auf. Larkin und Connolly gelang es in Belfast 
protestantisch-unionistische wie katholisch-irische Arbeiterinnen für ihr Ziel zu einen: 
Nicht Sozialpartnerschaft, sondern das Ende der Klassengesellschaft. Aus dem Syndikalismus 
kam mit der Irish Citizen Army auch der Funke, der zum Osteraufstand und zum 
Unabhängigkeitskrieg Irlands (Januar 1919-Juli 1921) führte. Aber für James Connolly 
konnten Aufstand und Unabhängigkeitskrieg nur erfolgreich sein, wenn gleichzeitig die 
Klassengesellschaft aufgehoben, der Sozialismus erkämpft würde. "Selbst wenn morgen die 
englische Armee abziehen und die grüne Fahne über dem Dubliner Schloss wehen würde, wären 
alle Anstrengungen vergeblich, solange nicht die Sozialistische Republik organisiert 
werden würde. Immer noch würde England herrschen. Es würde durch seine Kapitalisten, durch 
seine Großgrundbesitzer, durch seine Geldgeber, durch alle wirtschaftlichen, durch jede 
einzelne Institution herrschen, die es in dieses Land eingepflanzt und mit den Tränen 
unserer Mütter und dem Blut unserer Märtyrer gegossen hat."[3]
Larkins und Connollys Taktik war die der direkten Aktion, konkret etwa die Konfrontation 
mit Streikbrechern in Belfast und Dublin oder der Boykotts der Unternehmen von WM Murphy. 
Und diese Taktik war dieselbe wie die der 1910 gegründeten anarcho-syndikalistischen CNT 
in Spanien. Connolly meinte auch "Regierungen einer kapitalistischen Gesellschaft sind 
nichts anderes als ein Komitee der Reichen um die Angelegenheiten der kapitalistischen 
Klasse zu regeln."[4]
Connolly setzte neben seiner Arbeit als Koordinator der Gewerkschaften auch auf Parteien, 
um die Forderungen der Arbeiterklasse in die Parlamente zu bringen. Er gründete die Irish 
Socialist Republican Party 1896 und die Irish Labour Party 1912 und war zudem Mitglied 
sozialistischer Parteien in Schottland und den USA. Doch stand das für ihn und James 
Larkin deutlich an zweiter Stelle: "Der Kampf um die Eroberung der politischen Macht ist 
nicht die eigentliche Schlacht. Er ist nur das Echo der Schlacht. Die wirkliche Schlacht 
ist diejenige, die jeden Tag um die Kontrolle der Industrie ausgefochten wird. Und der 
Gradmesser des Erfolges dieses Kampfes ist nicht die Zahl der Kreuze unter dem Symbol 
einer politischen Partei, sondern ist die Anzahl der Menschen, die sich in eine 
Industriegewerkschaft mit dem bewussten Ziel einschreiben, sich alle industriellen Mittel 
der Gesellschaft anzueignen.[...]Es ist notwendig daran zu erinnern, dass die 
parlamentarische Arbeit im gegenwärtigen Stadium der Entwicklung nur Vorab-Scharmützel 
oder bewusstseinsbildende Kampagnen sein können und dass die Eroberung der politischen 
Macht durch die arbeitende Klasse von der Eroberung der wirtschaftlichen Macht abhängt und 
durch die wirtschaftliche Organisation umgesetzt werden muss."[5]
Auch wenn andere Begrifflichkeiten benutzt werden, so stand Connolly abgesehen von seinem 
Faible für Parteien dem Anarcho-Syndikalismus nahe. "Im Sozialismus werden Staaten, 
Gebiete und Provinzen nur als geographische Bezeichnung weiterexistieren, aber nicht als 
Gebiet einer Regierungsgewalt, vielleicht aber als Verwaltungseinheiten."[6]Als sich 1908 
die IWW spaltete, wandte Connolly sich gegen den Flügel des Marxisten Daniel De Leon, der 
autoritäre Züge zeigte.[7]Mit Captain Jack White, Ausbilder der ICA, entwickelte sich 
einer von James Connollys Gefährten von 1913 unmittelbar zum Anarcho-Syndikalisten (Und 
Anhänger Tolstois - er wurde unter anderem Sanitäter im spanischen 
Bürgerkrieg)[8]Sozialismus von unten, nicht durch diktatorische Gesetzte von oben, ist das 
Ziel. Ähnlich findet sich das auch heute noch zum Beispiel im Konzept Eire Nua der 
Republican Sinn Féin[9], einer Abspaltung der in den letzten Jahrzehnten wieder erstarkten 
linksnationalistischen Partei Sinn Féin.

Nach dem Osteraufstand und den anschließenden Hinrichtungen der Anführer hatte sich die 
Stimmung in Irland komplett gedreht. Bei der nächsten britischen Wahl 1918 für das 
Westminster Parlament in London erreichte die Partei Sinn Féin 73 der 105 für ganz Irland 
vorgesehenen Sitze. Zwar waren 36 der für Sinn Féin gewählten Frauen und Männer inhaftiert 
(darunter als einzige Frau Markievicz). Doch die anderen weigerten sich, ihre Sitze im 
Londoner Parlament einzunehmen, trafen sich in Dublin und nahmen dort einstimmig die 
Unabhängigkeitserklärung an, die Patrick Pearse Ostersonntag 1916 vor dem Postamt 
vorgetragen hatte. Dies ist der Auftakt zum irischen Unabhängigkeitskrieg gegen England, 
der nach der Teilung Irlands in den inneririschen Bürgerkrieg (1921-1923) übergeht.

Vorrangiges Ziel von Connolly war also gleichermaßen die Selbstbestimmung Irlands durch 
eine Arbeiterrepublik und dazu die Bildung der klassenkämpferischen One Big Union als 
Voraussetzung.

"Der Tag ist vorbei, um das kapitalistische System zu flicken, es muss verschwinden! Und 
in der Anstrengung es abzuschaffen werden Katholik und Protestant, Katholik und Jude, 
Katholik und Freidenker, Katholik und Muslim zusammenarbeiten, keinerlei Rivalität mehr 
kennend als diejenige rascher zum Ende zu streben, von dem alle etwas haben. Weil, wie wir 
am anderen Ort gesagt haben, der Sozialismus weder katholisch noch protestantisch ist, 
weder christlich noch freidenkerisch, muslimisch oder jüdisch, er ist nur menschlich. Wir 
aus der sozialistischen Arbeiterklasse weisen die Brandfackel der kapitalistischen Kriege 
zurück und bieten euch den Olivenzweig der Solidarität und Gerechtigkeit von und für 
alle."[10]
VERWENDETE LITERATUR (AUSWAHL)
Andrew Boyd The rise oft the Irish Trade Unions (1729-1970) Anvil Book 1971,1976
Tim Pat Coogan 1916 - The Easter Rising W&N; Cassell co 2001
Tim Pat Coogan The IRA: A History Roberts Rinehart 1993
Gary Granville Dublin 1913: Lockout & Legacy O'Brien Press 2013
T.A. Jackson Ireland Her Own Lawrence and Wishart 1976

Beitragsbild ist von Keith Ruffles[CC BY 3.0], via Wikimedia Commons / Bearbeitet durch 
die DA-Redaktion

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