(de) fda-ifa: Stellungnahme zur Einladung von Alice Schwarzer in Kassel von aktionundorganisierung

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Mi Apr 3 08:21:24 CEST 2019


Stellungnahme zur Einladung von Alice Schwarzer zum Thema "Abtreibung ist ein 
Menschenrecht" vom Frauenhaus Kassel am 28.03.2019 ---- Wir, einige Menschen der 
anarchistischen Aktion und Organisierung (A&O Kassel), sprechen uns gegen die öffentliche 
Einladung von Alice Schwarzer aus. Ihr sollte kein öffentlicher Raum für ihre 
rechtsoffenen Einstellungen gegeben werden. ---- Mit Erschrecken bemerkten wir, dass Alice 
Schwarzer nach Kassel eingeladen worden ist. Das Thema "Abtreibung ist ein Menschenrecht" 
soll sie zum Thema machen und sich so wieder den öffentlichen Raum aneignen. Dieses Thema, 
dass Abtreibung ein Menschenrecht sein soll und nicht bestraft oder verfolgt werden 
sollte, ist uns sehr wichtig und erkämpfenswert. Aber sollte dies Alice Schwarzer machen? 
Es gibt unzählige prominente Frauen* und Wissenschaftler*innen die hätten eingeladen 
werden können. Warum wurde Alice Schwarzer eingeladen- fragen wir uns.

Alice Schwarzer zeigt in verschiedenen Facetten rechtsoffene Einstellungen auf, welche wir 
strikt ablehnen. Im Folgenden werden einige Einstellungen von ihr aufgezeigt, die nicht 
für eine freiheitliche, emanzipatorische, hierarchiefreie, anti-autoritäre, gerechte und 
weltoffene Gesellschaft stehen. Auch die Queers- und Frauen*streikbewegung lehnt 
rechtsoffene Einstellung¹ ab und sollte nicht mit solchen Vertreter*innen zusammenarbeiten.

Mithu Sanyal, eine Autorin des Missy Magazines, analysierte Alice Schwarzers Buch "Der 
Schock-die Silvesternacht in Köln"². Die Autorin vom Missy Magazine stellt fest, dass 
Aussagen von Alice Schwarzer darauf hinweisen, dass sie eine Feindlichkeit gegenüber 
Geflüchtete, Migrant*innen und Islamgläubige zeigt. Es werden laut dem Missy Magazine 
Behauptungen sowie Vorurteile von Alice Schwarzer aufgestellt, dass die Geflüchteten durch 
ihre Kriegserfahrungen eine Normalität zu gewalttätigen Handlungen, wie die sexuellen 
Übergriffe in der Kölner Silvesternacht, gewonnen hätten. Auch würden Geflüchtete, 
insbesondere Islamgläubige, "Frauen" hassen. Mithu Sanyal entkräftet diese Vorurteile.

Wir, als Anarchist*innen, lehnen jegliche rassistische Einstellung ab, wie die 
Feindlichkeit gegenüber Geflüchteten, Migrant*innen und Islamgläubigen. Jede*r hat das 
Recht, dorthin zu gehen und zu bleiben, wo er*sie will. Jede*r hat das Recht eine Religion 
auszuüben ohne aufgrund dessen diskriminiert zu werden. Wir, als Anarchist*innen, lehnen 
Staaten sowie Grenzen und Religionen ab, jedoch schließen wir nicht die Menschen aus oder 
diskriminieren sie, die anderer Herkunft sind oder einer Religion angehören.

Laura Lucas³, eine Autorin der Onlineseite "Über Medien", differenziert die 
Rassismusvorwürfe Alice Schwarzes. Unter der Bezugnahme weiterer Wissenschaftler*innen ist 
sie der Meinung, dass Alice Schwarzer nicht rassistisch, aber ihre Wirkung rechtsoffen 
sei. Meredith Haaf4, eine Autorin der Süddeutschen Zeitung, ist einer ähnlichen Meinung 
wie Laura Lucas. Laut Meredith Haaf und der Bezugnahme weiterer Wissenschaftler*innen 
interviewt Alice Schwarzer unter anderen weiße Frauen*, die sexualisierte Gewalt von 
geflüchteten Männern in Chemnitz erfahren haben. Diese Übergriffe werden laut Meredith 
Haaf nicht journalistisch eingeordnet. Es wird von Einzelfällen berichtet und daraus 
Schlüsse auf eine gesamte Bevölkerungsgruppe gezogen. Eine gute journalistische 
Aufbereitung wäre beispielsweise, dass diese Einzelfälle in einer Gesamtstatistik 
eingeordnet wird. Beispielsweise könnte mensch fragen: Wie viele weiße deutsche Männer 
üben sexualisierte Übergriffe aus? Werden diese erfasst?

Was heisst das? Darf jemand rhetorisch rechts bzw. rechtspopulistisch hetzen, aber sich 
nicht als rechts oder rechtspopulistisch bezeichnen? Diese Argumentation ähnelt der 
rechtspopulistischen Argumentation, wie beispielsweise: "Ich bin doch kein Nazi, nur weil 
ich keine "Ausländer" mag"5. Der naive Umgang mit den Rechten und den Rechtspopulist*innen 
zeigte in der Vergangenheit, dass sie dadurch an Macht gewinnen. Siehe beispielsweise die 
immer stärker werdende rechtspopulistische Partei AfD. Wir, als Anarchist*innen, sind der 
Meinung, dass Menschen wie Alice Schwarzer, die eine rechtsoffene Wirkung haben, keinen 
öffentlichen Raum bekommen sollten, um rhetorisch ihre rechten und rechtspopulistischen 
Meinungen zu verbreiten.

Meredith Haaf schreibt in einem anderen Beitrag6 eine Stellungnahme gegenüber die 
patriarchale und sexarbeiterinnenfeindliche Einstellung Alice Schwarzers. Laut Meredith 
Haaf lehnt Alice Schwarzer in jeglicher Hinsicht die Sexarbeit ab. Sie differenziere auch 
nicht zwischen Betroffenen von Menschenhandel und Frauen*, die freiwillig und 
selbstbestimmt eine sexualisierte Dienstleistung ausüben. Darüber hinaus interpretiert 
Meredith Haaf Alice Schwarzer dahingehend, dass Frauen*, die Sexarbeit ausführen, nicht 
selbstbestimmt über ihren Körper entscheiden und sie nicht zwischen sexualisierter 
Dienstleistung und sexualisierten Handlungen unterscheiden könnten. Die Trennung zwischen 
Körperlichkeit und Sexualität wäre für eine Frau* nach Alice Schwarzer nicht möglich. Dies 
könnte auch dahingehend interpretiert werden, dass Alice Schwarzer die Frau* auf den 
Körper (=Sex) reduziert. Diese Interpretation wäre ein Indiz dafür, dass Alice Schwarzer 
eine patriarchale Einstellung hat.

Wir, als Anarchist*innen, leben und kämpfen für eine selbstbestimmte und emanzipatorische 
Lebensweise aller Frauen*. Frauen* können selbst entscheiden, ob sie ihr Geld mit einer 
sexualisierten Dienstleistung bzw. Sexarbeit verdienen. Betroffene von sexualisierter 
Gewalt und Menschenhandel müssen unterstützt sowie geschützt werden. Sexualisierte Gewalt 
und Menschenhandel sollte rechtlich verfolgt werden und verfolgbar sein. Ein Nein heißt 
Nein, egal ob es in der Ehe oder auf der Party ist.

Ein*e Blogger*in, gnurpsnewoel.7, schreibt auf seinen*ihren Blog, dass Alice Schwarzer 
trans*feindliche Einstellungen zeigt. Sie*Er belegt es u.a. damit, dass Schwarzer in ihrer 
Kolumne "Ask Alice" trans* Menschen davon abrät, sich geschlechtsanzugleichen oder Hormone 
zu nehmen. Gnurpsnewoel schlägt vor, wenn Menschen gefragt werden, wie sie trans* und 
inter* Menschen beraten sollen, dann sollte mensch auf Beratungsstellen verweisen, die 
explizit sich damit auskennen. Beispielweise gibt der Verein TransInterQueer e.V. 
Workshops oder Beratungsangebote.

Wir, als Anarchist*innen, leben und kämpfen für einen sensiblen Umgang mit 
trans*inter*queer* Personen. Die Erziehungs- und Bildungslandschaft sollte sich mit der 
Beratung oder der Weiterleitung an externen Beratungsstellen auskennen. Es kann durch 
Unwissenheit oder Ablehnung von trans*inter*queer* Personen passieren, dass die 
Betroffenen nicht ernst genommen und diskriminiert werden. Auch Alice Schwarzer zeigt 
offen trans*feindliche Einstellungen und sollte daher keinen öffentlichen Raum gegeben werden.

Wenn Alice Schwarzer diese Stellungnahme liest, liegt es nahe, dass sie es als falsche 
Toleranz bezeichnet. Laut Mithu Sanyal8 meint Alice Schwarzer, dass Linke und 
Linksliberale eine falsche Toleranz gegenüber Migrant*innen zeigen. Ist das so? Leben und 
kämpfen wir für eine falsche Toleranz und die Rechten und Rechtspopulist*innen für eine 
richtige? Sind wir nach dieser Argumentation doch schon im Faschismus angelangt? Denn im 
Faschismus, welchen die Rechten und die Rechtspopulist*innen als ideologisches Fundament 
haben, gibt es keinen Platz für Migrant*innen, Geflüchtete, Andersgläubige, emanzipierte 
Frauen* sowie Sexarbeiter*innen, Inter*Trans*Queer* Menschen und Linke.

Wir hoffen und kämpfen für eine freiheitliche und gerechte Welt ohne Herrschaft in 
jeglicher Form. Wir wollen mit Migrant*innen, Geflüchteten, Andersgläubige, Frauen*, 
Sexarbeiter*innen und Inter*Trans*Queer* Menschen zusammen leben. Dies ist notwendig und 
in einer gerechten, anti-autoritären, offenen und emanzipierten Welt möglich.

Einige Menschen der Anarchistische Aktion und Organisierung (A&O Kassel)
___________________
Endnoten:

1= "[...]Der Frauen*streik ist auch ein Streik[...]weil wir uns gegen rechte Politik und 
den Aufstieg rechter Parteien und Bewegungen stellen.[...]" Frauenstreik Aufruf online 
unter: https://frauenstreik.org/aufruf/ (Zugriff am 17.03.2019).

2= Siehe Mithu Sanyal (18.08.2016): Hatespeech im Feminismus-Mantel- Alice Schwarzers Buch 
über die Kölner Silvesternacht ist eine rassistische Hassschrift. Aber warum eigentlich?, 
online unter: https://missy-magazine.de/blog/2016/08/18/hatespeech-im-feminismus-mantel/ 
(Zugriff am 17.03.2019).

3= Siehe Laura Lucas (02.07.2018): Emma und der Beifall von rechts, online unter: 
https://uebermedien.de/29269/emma-und-der-beifall-von-rechts/ (Zugriff am 17.03.2019).

4= Siehe Meredith Haaf (08.09.2018): Rechtsliberale Femminismusvariante, Online unter: 
https://www.sueddeutsche.de/medien/magazin-emma-rechtsliberale-feminismusvariante-1.4120639 
(Zugriff am 18.3.2019)

5= Einen Überblick über die Einordnung und notwendige Distanzierung rechter und 
rechtspopulistischer Einstellungen gibt die Broschüre "Miteinander gegen Hass, 
Diskriminierung und Ausgrenzung" von der AWO. Siehe AWO Bundesverband e.V./ Deutscher 
Caritasverband e.V./ Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband - Gesamtverband e.V./ 
Diakonie Deutschland - Evangelischer Bundesverband/ Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in 
Deutschland e.V. (2017): Miteinander gegen Hass, Diskriminierung und Ausgrenzung, online 
unter:, url: 
https://www.awo.org/sites/default/files/2017-07/170609%20Web%20Handreichung%20der%20Verb%C3%A4nde-Miteinander.pdf 
(Zugriff am 18.03.2019).

6= Siehe Meredith Haaf (03.07.2014): Alice Schwarzer in der Prostitutionsdebatte- 
Käufliche Körper, Käufliche Seelen, online unter: 
https://www.sueddeutsche.de/leben/alice-schwarzer-in-der-prostitutionsdebatte-kaeufliche-koerper-kaeufliche-seelen-1.1834875!amp 
(Zugriff am 18.03.2019).

7= Siehe gnurpsnewoel (31.07.2014): Emma-Fail: Alice Schwarzer trans*feindlich, online 
unter: http://gnurpsnewoel.blogsport.de/ (Zugriff am 18.03.2019).

8= Siehe Endnote 2.

https://fda-ifa.org/stellungnahme-zur-einladung-von-alice-schwarzer-in-kassel/


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