(de) FAU, direkte aktion: "WIR VERLANGEN RESPEKT!"

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Di Okt 23 07:00:03 CEST 2018


In den Krankenhäusern hat sich am Pflegenotstand bisher wenig gebessert. Ein Streik für 
einen Entlastungstarifvertrag in Dachau wurde vom Konzern gemeinsam mit Verdi verhindert. 
Interview mit Matthias von der Sektion Gesundheits- und Sozialberufe der FAU München. ---- 
Betrieb & Gesellschaft Von: Redaktion - 17. Oktober 2018  ---- PFLEGENOTSTAND IST IN DEN 
MEDIEN IMMER HÄUFIGER EIN THEMA. WIE MACHT SICH DAS BEI EUCH IM ARBEITSALLTAG BEMERKBAR? 
---- In der BRD werden von einer Pflegekraft so viele Patient*innen betreut, wie in keinem 
anderen Land. Studien sprechen von durchschnittlich 13 Patient*innen. In Dachau waren es 
vor der Übernahme durch den Helios Konzern 15-17. Jetzt ist eine Pflegekraft für über 20, 
manchmal bis zu 30, in der Nacht bis 40 Patient*innen zuständig. Bei uns wird der Mangel 
zu einem großen Teil auch mit angelernten Pflegehilfskräften, zum Teil gar mit 
Auszubildenden, kompensiert. Was das für die Beschäftigten und letztlich für die 
Patient*innen bedeutet, liegt auf der Hand.

VIELE KLINIKEN SIND KAPITALISTISCHE BETRIEBE. IST DA DIE URSACHE FÜR DIE KATASTROPHALE 
LAGE DER PFLEGEKRÄFTE ZU SUCHEN?
Eindeutig ja. Die Privatisierung von Krankenhäusern hat in den letzten 10 Jahren eine 
schwierige Situation in eine unhaltbare gewandelt. Klinikkonzerne verfolgen eine 
knallharte Gewinnerwartung. Helios ist hierbei als mittlerweile größter Klinikkonzern in 
Europa im wahrsten Sinne Spitze. Dem Profit wird alles untergeordnet. Personal ist reiner 
Kostenfaktor und so werden wir auch behandelt. Das betrifft nicht nur die Pflege, sondern 
sämtliche Berufsgruppen. Stellenabbau in der Pflege heißt auch, dass Tätigkeiten von 
Hilfskräften, die in verschiedenen konzerneigenen Lohndumpinggesellschaften beschäftigt 
sind, erledigt werden.

DU BIST TEIL EINER UNABHÄNGIGEN BETRIEBSGRUPPE. WAS BEDEUTET DAS?
Wir sehen uns als selbstorganisiertes Netzwerk von Beschäftigten, in dem wir unsere 
Anliegen ungeschönt ausdrücken und Forderungen unmittelbar aufstellen können. Wir müssen 
nicht ständig ein Organisationsinteresse berücksichtigen oder dort um Erlaubnis fragen. 
Das hat zu einer nicht unwesentlichen Glaubwürdigkeit verholfen. Uns als Menschen, die 
hier arbeiten, uns wollen wir eine Stimme geben, Selbständigkeit und Selbstbewusstsein 
ausbauen, zeigen, dass wir ein kollektives Interesse haben. Wir Arbeiter*innen haben jedes 
Recht, ernst genommen zu werden. Wir verlangen Respekt - als ersten Schritt.

ENDE LETZTEN JAHRES STANDEN DIE ZEICHEN BEI EUCH AUF STREIK. EIN ENTLASTUNGSTARIFVERTRAG 
SOLLTE HER. WARUM IST DAS BISHER GESCHEITERT?
Ausgehend vom Arbeitskampf an der Berliner Charité sollte 2017 in ausgewählten 
streikfähigen Betrieben personelle Besetzung in Tarifverträgen festgelegt werden. Wir 
waren einer dieser Streikbetriebe. Helios weigerte sich, überhaupt darüber in den 
Verhandlungen zu reden. Zwei durchaus kämpferische Warnstreiks im Herbst änderten dies 
nicht. In einer Urabstimmung stimmten im Dezember 97,6% für einen unbefristeten 
Durchsetzungsstreik. Helios schaffte es in letzter Sekunden, den Streik per einstweiliger 
Verfügung verbieten zu lassen. Statt aber erneut zum Streik aufzurufen, setzte sich die 
Tarifkommission zwei Tage später wieder an den Verhandlungstisch. Helios bot an, in den 
Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV) und somit zum TVöD zu wechseln. Nur, im TVöD gibt es 
weder Reglungen zur Entlastung, noch ist der KAV bereit, diese darin aufzunehmen. Verdi 
hat dann den Arbeitskampf gegen den Willen der Beschäftigten abgewürgt und schreckt dabei 
auch vor Falschinformationen nicht zurück. Geändert hat sich in puncto Arbeitsbedingungen 
gar nichts, wie denn auch? Helios geht nicht als Verlierer vom Feld. Sie haben Entlastung 
und einen Streik verhindert. Verdi deutet ihr Vorgehen als politischen Sieg. Wir haben 
nichts. Das ist Sozialpartnerschaft.

Keine Arbeit ohne Lohn!

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