(de) libertäre gruppe karlsruhe: NATIONALISMUS, RASSISMUS, ABSCHIEBUNGEN? NICHT MIT UNS!
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Mi Okt 10 08:39:26 CEST 2018
LANDESWEITE DEMONSTRATION GEGEN NATIONALISTISCHE & RASSISTISCHE HETZE IN KARLSRUHE
Wir unterstützen die landesweite Demonstration des Antirassistischen Netzwerk BaWü, die am
13. Oktober in Karlsruhe, die unter dem Motto: "ASYLRECHT VERTEIDIGEN: Gegen
nationalistische und rassistische Hetze! Stoppt den Wettlauf zur Ausgrenzung und
Entrechtung! Gleiche Rechte und ein gutes Leben für Alle!" statt findet. ---- Alle
Informationen findet ihr unter: http://stop-deportation.de/ ---- AUFRUF: ---- Am 26. Mai
1993 wurde das originäre Asylrecht in Deutschland faktisch abgeschafft. ---- Der Deutsche
Bundestag entkernte mit der Mehrheit von CDU/CSU, SPD und FDP das aus historischer
Erfahrung entstandene Asylrecht des Artikels 16 GG. Ein Grundrecht worauf sich politisch
Verfolgte berufen konnten. Es folgte der Kahlschlag: Wer über einen sogenannten sicheren
Drittstaat einreist, kann sich nicht mehr auf das Asylrecht berufen. Sichere
Herkunftsländer wurden definiert. Geflüchtete werden kategorisiert.
25 Jahre später will die EU den Zugang zum Recht auf Asyl und Migration in Europa
systematisch verhindern.
Wer an den Grenzen der EU um Asyl bittet, soll zurückgeschickt werden, ohne dass die
Fluchtgründe überhaupt inhaltlich geprüft wurden. Der Flüchtlingsschutz soll verstärkt auf
'sichere‘ Drittstaaten außerhalb der Europäischen Union verlagert werden. Wer aus solch
einem Staat einreist, soll dorthin zurückgeschoben werden. Schwere
Menschenrechtsverletzungen in Drittstaaten wie z.B. in Libyen, werden bereits heute
bewusst in Kauf genommen und verschwiegen. Weiterhin soll es in Zukunft irrelevant sein,
wie die Flüchtlinge in dem Drittstaat ihr Leben fristen: Weder das Recht auf einen legalen
Wohnsitz, noch auf Familiennachzug, noch auf Zugang zum Arbeit und Existenzsicherungsmarkt
sollen garantiert sein. Schutzsuchende werden in Lagern isoliert.
Ob»Hotspot«an der Außengrenze der EU oder»AnKER«in Deutschland (Ankunfts-, Entscheidungs-
und Rückführungszentrum), Geflüchteten wird ihre persönliche Freiheit genommen. In Haft-
und Massenlagern gibt es für Geflüchtete keinen Zugang zu fairen Asylverfahren,
anwaltlicher Beratung und effektivem Rechtsschutz. Das was heute in der Migrationspolitik
Realität ist, entspricht der Programmatik der extremen Rechten.
Warum demonstrieren wir in Karlsruhe?
Ziel unseres Protestes ist die Landesregierung und ihre Verwaltungen, im Besonderen das
Regierungspräsidium Karlsruhe als zentrale Ausländer- und Abschiebebehörde von
Baden-Württemberg. Ihre Politik hat über die Jahrzehnte zum massiven Abbau von Rechten für
Migrant*innen und Geflüchtete beigetragen. Am 15. September 1980, hat die
baden-württembergische CDU-Landesregierung die ersten Massenlager in Deutschland
eingerichtet und erstmals Arbeitsverbote, Einschränkung der Bewegungsfreiheit,
Leistungssenkungen, Sachleistungen und die Residenzpflicht eingeführt. Für den damaligen
CDU-Ministerpräsidenten Lothar Späth hatten die "Asylanten-Sammellager" die Funktion einer
"Abschreckung".
Damals wie heute lehnen wir diese Ausgrenzung und Diskriminierung von Menschen in
Massenlagern ab.
Alles begann in der ersten Zentralen Anlaufstelle für Flüchtlinge (ZASt) in Karlsruhe, die
für das zuständige Regierungspräsidium Karlsruhe (RP) zum Experimentierfeld wurde. Unter
der administrativen Regie des RPs wurden diese "Abschreckungsmaßnahmen" umgesetzt und
später bundesweit eingeführt. In Karlsruhe wurden auch Asyl-Schnellverfahren in
"Bezirksstellen für Asyl", die heutigen Vorbilder für die geplanten AnKER-Zentren und die
Landeserstaufnahmeeinrichtungen, entwickelt.
Seit 2008 ist das RP die zentrale Abschiebebehörde für Baden-Württemberg. Es organisiert
u.a. die Abschiebeflüge, ordnet die Polizeieinsätze zur Vollstreckung der
Abschiebemaßnahmen und Zwangsvorführungen bei Botschaften zur Beschaffung von
"Rückführungsdokumenten" an. Zwischen Juli 2014 und Mai 2018 wurden mehr als 2.000 Kinder
unter 14 Jahre und in den letzten drei Jahren 6.674 Personen aus sicheren
Lebensverhältnissen und teilweise langjährigem Aufenthalt vom Baden-Airpark abgeschoben.
Im Januar 2018 wurde eine Familie nach 25 Jahren aus Wolfschlugen und eine Mutter im Mai
2018 nach 27 Jahren Aufenthalt aus Schömberg abgeschoben.
Das RP entscheidet über die Akzeptanz ärztlicher Gutachten zur Feststellung der
Reisefähigkeit. Selbst Personen mit schweren Erkrankungen (Tumor, Leukämie, etc.) sind
davon betroffen. Das RP ist für die Beantragung von Abschiebehaft zuständig und schiebt
auch nach Afghanistan ab. Die Behörde übt vielfältigen Druck auf Geflüchtete aus, an ihrer
eigenen Abschiebung mitzuwirken. Wer nicht mitmacht wird mit Arbeitsverbot,
Leistungskürzungen und räumlichen Aufenthaltsbeschränkungen bestraft.
Das Regierungspräsidium Karlsruhe ist die unsichtbare Behörde hinter den sichtbaren
Vollstreckern dieser Maßnahmen, wie z.B. Ausländerbehörden und Polizei. Die
Abschiebemaschinerie ist menschenverachtend.
Wir erleben seit den Beschlüssen der Landesregierung vor fast 40 Jahren einen massiven
Abbau der Flüchtlingsrechte. Dies wurde über eine ausgrenzende und diskriminierende
Massenlagerpolitik erreicht, die vornehmlich den Interessen einer Abschiebepolitik dienen.
Mit den neuen Landeserstaufnahmeeinrichtungen in Freiburg, Sigmaringen, Ellwangen,
Giengen, Tübingen, Karlsruhe, dem Registrierzentrum in Mannheim und dem Abschiebegefängnis
in Pforzheim wird diese Politik fortgeführt. Zahlreiche Menschenrechtsorganisationen haben
diese spezielle Lager- und Abschiebehaftpolitik schon immer abgelehnt. Mit zahlreichen
Aktionen haben Geflüchtete in den Lagern gegen das repressive System und Abschiebungen
protestiert. Sammellager, insbesondere Landessammellager und Abschiebegefängnisse müssen
geschlossen werden.
Wir fordern die sofortige Abschaffung des "Dublin-Regimes" und des Systems der angeblich
"sicheren" Drittstaaten und Herkunftsländer!
Fast jede Woche gibt es aus Regierungskreisen neue Vorschläge für eine noch effektivere
Flüchtlingsabwehr und Migrationskontrolle. Aktuell wird von staatlicher Seite eine
weitere Militarisierung des Grenzregimes gefordert. Damit soll Menschen die Möglichkeit
entzogen werden, Arbeit, Schutz und ein besseres Leben durch Migration zu finden. Die
reichen Länder des "Nordens" schotten sich ab. Diejenigen, die Verelendung, Armut,
Kriegsfolgen, Klimakatastrophen entfliehen wollen, sollen ferngehalten bzw. in ihren
Herkunftsländern festgehalten werden. Unter kapitalistischen wirtschaftlichen
Gesichtspunkten der Nützlichkeit erhalten lediglich ausgewählte Personengruppen eine
Einreiseerlaubnis. Die Einforderung des Rechts auf Bewegungsfreiheit, Lebensperspektive
oder einfach nur Überleben wird den Menschen aus den durch Kolonialismus, Ausbeutung der
Rohstoffe und Freihandelsabkommen ausgebeuteten Ländern des Südens verwehrt. Es wird als
Angriff auf unsere Sozialsysteme, "Werte" und Lebensstandard umgedeutet. Wenn von
Menschenrechten die Rede ist, gilt dies offensichtlich nur für einen Teil der Menschheit.
Wir dürfen nicht länger über die Verhältnisse anderer leben. Alle Ausländer-Sondergesetze
müssen deshalb abgeschafft werden.
Wir können uns in der aktuellen Situation nicht damit begnügen nur gegen erneute
Verschlechterungen anzukämpfen. Zehntausende Tote im Mittelmeer, verzweifelte Menschen in
den Auffanglagern auf den griechischen Inseln, Menschenhandel und Folter in den Lagern in
Libyen: Nicht in unserem Namen! Wir schauen nicht weg!
Wir werden uns der rassistischen Politik der Ausgrenzung von Geflüchteten und
Migrant*innen und der Abschiebemaschinerie entgegenstellen. Es gab schon immer Migration
und es wird sie auch weiterhin geben.
Wir fordern den Stopp aller Abschiebungen und ein sicheres und unbefristetes Bleiberecht
für alle mit vollen sozialen und politischen Rechten. Streiten wir gemeinsam für eine Welt
ohne Grenzregime, eine Welt in der nicht der Profit sondern die Bedürfnisse der Menschen
im Mittelpunkt stehen, eine Welt ohne Ausbeutung und Rassismus. Fangen wir an solidarische
Zufluchtsstädte zu schaffen in denen es keine Spaltung zwischen Menschen mit und ohne
Aufenthaltsrecht gibt, in denen die Freiheits- und sozialen Rechte Aller garantiert werden.
Schließt euch unserem Protest an! Verteidigen wir eines der wichtigsten Grundrechte!
Mischen wir uns eine, wenn Menschen in Massenlagern die Selbstbestimmung abgesprochen und
in die Freiheit der Person eingriffen wird. Gegen institutionellen Rassismus, Sammellager
und das unmenschliche Abschieberegime! Globale Bewegungsfreiheit ist unser Ziel!
Solidarity4all!
http://lka.tumblr.com/post/178772137271/nationalismus-rassismus-abschiebungen-nicht-mit
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