(de) FAU, direkte aktion: HÄNDE WEG VON VIO.ME - Von: Ralf Dreis 21. November 2018

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Mi Nov 28 07:33:34 CET 2018


In Griechenland ist die Zwangsversteigerung der besetzten Fabrik Vio.Me erneut 
gescheitert. Ein Bericht von Ralf Dreis aus Vólos. ---- Globales Betrieb & Gesellschaft 
---- Der seit 2011 von den Arbeiter*innen besetzten und seit 2013 in Selbstverwaltung 
betriebenen Fabrik Vio.Me (Viomichanikí Metallevtikí) in Thessaloníki droht seit längerer 
Zeit die Zwangsversteigerung. In den vergangenen zwei Jahren gelang es mehrmals, mit 
Blockaden und Kundgebungen im Gerichtsgebäude die Versteigerungstermine zum Scheitern zu 
bringen. Seit dem 25. Oktober 2018 ging es nun erneut um das Firmengelände der bankrotten 
Unternehmensgruppe Filkeram&Johnson, zu der auch Vio.Me gehörte. Wie in den Jahren zuvor 
standen sich die Vio.Me Arbeiter*innen mit ihren Unterstützer*innen und Polizeitruppen vor 
dem Gerichtsgebäude gegenüber.

Das Mindestgebot, das 2017 bei 22 Mio. Euro gelegen hatte, wurde inzwischen auf 15 Mio. 
Euro gesenkt. Der ursprünglich festgesetzte Preis für die Zwangsliquidierung des 
Firmenensembles hatte sich auf 31 Mio. Euro belaufen. Trotz des um mehr als die Hälfte 
verringerten Preises, erschien weder am 25. Oktober, noch an den folgenden Terminen am 1., 
am 8. und am 15. November ein Kaufinteressent. Der vorerst letzte Versteigerungstermin ist 
auf den 13. Dezember festgesetzt. Sollte auch der ohne Gebot verstreichen, wird der 
Mindestpreis im nächsten Jahr erneut gesenkt werden, wodurch die Gefahr eines Verkaufs und 
in der Folge einer polizeilichen Räumung von Vio.Me weiter steigen wird.

Die inzwischen fünfeinhalbjährige Produktion in Selbstverwaltung beruht nicht zuletzt auf 
der Entschlossenheit der Belegschaft und der Unterstützer*innenbewegung, die besetzte 
Fabrik mit allen Mitteln verteidigen zu wollen. Womit die Kauflust potentieller 
Investor*innen nicht allein vom Kaufpreis, sondern auch von ihrer Bereitschaft abhängt, 
sich mit dem Erwerb garantiert jede Menge Ärger einzuhandeln.

Nicht zuletzt deshalb haben die Kolleg*innen von Vio.Me in den Wochen vor und während der 
Versteigerungen erneut eine Widerstandstandskampangne mit Konzerten, Veranstaltungen und 
Demonstrationen organisiert. So fand u.a. vom 12. - 14. Oktober das internationale 
CoOpenAir Festival des Kooperativismus mit Genoss*innen anderer Projekte und Kooperativen 
aus ganz Europa auf dem besetzten Fabrikgelände in Thessaloniki statt.

SCHECKBUCHTRICKSEREI DER JUSTIZBEHÖRDEN
Am 22. Oktober, drei Tage vor dem ersten Versteigerungstermin, erfolgte von Seiten der 
Justizbehörden Thessaloníkis ein überraschender Schachzug. Mit einer amtlichen 
Bekanntmachung wurde allen nicht befugten Personen der Zugang zum zweiten Stockwerk des 
Gerichtsgebäudes untersagt. Auf dieser Etage wird die Zwangsabwicklung von 
Filkeram&Johnson verhandelt. Als "befugt" wurden nur diejenigen Personen zugelassen, die 
über einen Ausweis und "ein Scheckbuch oder eine Scheckkarte" verfügen, um so zu belegen, 
dass sie an den zu versteigernden Immobilien interessiert seien. In den vergangenen Jahren 
war es wiederholt zu Solidaritätskundgebungen mehrerer hundert Unterstützer*innen von 
Vio.Me, einschließlich Tränengaseinsatz der Polizei, im Gerichtsgebäude gekommen, womit 
die Durchführung des Verfahrens unmöglich gemacht werden konnte.

In ihrer Stellungnahme zur Maßnahme der Justizbehörden betonen die Vio.Me Kolleg*innen, 
dass diese "eklatant den Öffentlichkeitsgrundsatz der Rechtsordnung" verletze. Geradezu 
skandalös sei, dass so auch die unmittelbar Betroffenen - die Arbeiter*innen von Vio.Me - 
ausgeschlossen würden. Immerhin seien sie "ohne ordentliche Kündigung über Nacht 
arbeitslos geworden", weshalb sie keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld gehabt hätten und 
noch heute "auf eine beträchtliche Summe der ausstehenden Löhne" warteten. Wenn die Justiz 
nun die Formulierung "Scheckbuch oder Scheckkarte" benutze, sei in diesem Zusammenhang 
erst einmal zu überprüfen, wie es den ehemaligen Firmeninhabern gelingen konnte die 
Unternehmen auszuplündern und in den wirtschaftlichen Abgrund zu stürzen, ohne dass die 
Behörden etwas dagegen unternommen hätten, geschweige denn eine rechtliche Klärung erfolgt 
sei.

Beim ersten Termin, dem 25. Oktober, hatten drei parallele Solidaritätskundgebungen vor 
dem Gerichtsgebäude stattgefunden. Außer den Unterstützer*innen von Vio.Me, waren sowohl 
Gegner*innen des Goldabbaus auf Chalkidikí wegen eines Prozesses, als auch Genoss*innen 
angeklagter Antifaschist*innen vor dem Gericht präsent. Im Verlauf schlossen sich die 
Gruppen zu einer gemeinsamen Demonstration zusammen. Die anarchosyndikalistische ESE, 
Schwesterorganisation der FAU, und verbündete Basisgewerkschaften, hatten in Athen zur 
Mahnwache vor dem Arbeitsministerium mobilisiert.

GRIECHENLANDS BERÜHMTESTE SEIFENFABRIK BRAUCHT UNTERSTÜTZUNG
Die seit sieben Jahren besetzte und seit fünfeinhalb Jahren in Selbstverwaltung betriebene 
Seifenfabrik ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass kapitalistische Krisen außer 
Armut, Leid und Verzweiflung auch die Emanzipation der von der Krise betroffenen 
Arbeiter*innen beinhalten kann. Vio.Me wurde 1982 als eine von drei Tochterfirmen des 
Unternehmens Filkeram&Johnson gegründet, das Keramikkacheln produzierte. Die Firma stellte 
chemische Baumaterialien wie Fugenkleber her und belieferte Baufirmen in Griechenland und 
dem benachbarten Ausland. Im Mai 2011 stellten die damaligen Eigentümer*innen der Familie 
Filíppou die Lohnzahlungen ein, verschuldeten den Betrieb und machten sich aus dem Staub. 
Um die Demontage der Produktionsanlagen zu verhindern und die Zahlung der ausstehenden 
Löhne zu erzwingen, besetzten die Arbeiter*innen die Fabrik.

Da ihre Lohnforderungen ignoriert wurden und weder Gerichtsverfahren noch Investorensuche 
zum Erfolg führten, beschlossen sie nach einem zweijährigen Diskussionsprozess, die 
Produktion in die eigene Hand zu nehmen. Im Februar 2013 feierten tausende Menschen mit 
einem Solidaritätskonzert die Wiedereröffnung der Fabrik. Seit April 2013 produziert 
Vio.Me ökologische Wasch- und Reinigungsmittel. Die Produkte werden in sozialen Zentren, 
anarchistischen Treffpunkten, besetzten Häusern und auf informellen Märkten vertrieben und 
nach Gründung der Vio.Me Sozialkooperative 2016, auch legal an solidarische Gruppen und 
Organisationen ins europäische Ausland geliefert.

Im Gegensatz zu diesen positiven Entwicklungen, sind die Gespräche mit den staatlichen 
Behörden zur Legalisierung der Fabrik, bei wechselnden Regierungen, gescheitert. Die 
Versprechungen von Syriza (Allianz der radikalen Linken) haben sich nach der 
Regierungsübernahme 2015 als heiße Luft erwiesen. Auch die von der KKE (Kommunistische 
Partei Griechenlands) dominierte Gewerkschaftsfront Pame und der Gewerkschaftsdachverband 
GSEE verweigern die Unterstützung, da "Arbeiterselbstverwaltung nicht auf der 
Tagesordnung" stehe.

Ein informeller Zusammenschluss aus Kollektivbetrieben, Basisgewerkschaften, politischen 
Gruppen, Netzwerken und Einzelpersonen aus verschiedenen europäischen Ländern versucht den 
Kampf der Vio.Me Arbeiter*innen zu unterstützen. Das Beispiel der selbstverwalteten Fabrik 
soll noch bekannter gemacht werden, um andere Arbeiter*innen zu ermutigen, ihr Schicksal 
in die eigene Hand zu nehmen. Vio.Me zeigt, dass es eine Alternative jenseits von 
Austerität, Nationalismus und sozialer Zertrümmerung gibt - die Solidarität sozialer 
Bewegungen und die Selbstorganisierung von unten.

Außerdem versucht der Unterstützer*innenkreis durch Kundgebungen vor griechischen 
Konsulaten Druck auszuüben und potentielle Investor*innen abzuschrecken. Der mehrmalige 
Versuch die Stromzufuhr der Fabrik zu kappen, bestätige, dass die Gefahr einer Räumung 
immer bestehe. Jede mögliche Lösung des Konflikts sei "eine klare politische 
Entscheidung", betonen die Vio.Me Arbeiter*innen. Ihre Fabrik mache "nur knapp 1/7 der zu 
versteigernden Anlagen aus" und sei "unkompliziert vom Rest des Betriebsgeländes 
abtrennbar". Sie weisen darauf hin, dass den Alteigentümer*innen der Familie Filíppou in 
den 1990er Jahren Teile der Betriebsflächen "als staatliche Anerkennug für die soziale 
Leistung durch die Schaffung von Arbeitsplätzen", umsonst übertragen wurden.

DU BIST DIE FABRIK
Durch die Übernahme der Fabrik und der ökologischen Umwandlung der Produktion unter 
Arbeiter*innenkontrolle, mit der Vollversammlung als höchstem Entscheidungsgremium, der 
täglich erlebbaren gegenseitigen Hilfe unterschiedlichster Initiativen in Griechenland und 
der Unterstützung der internationalen Solidaritätsbewegung, ist den Vio.Me Arbeiter*innen 
weit mehr gelungen, als ihr ökonomisches Überleben in Krisenzeiten zu sichern. Mit der 
Fabrikbesetzung, und das ist der Grund für die andauernden staatlichen Angriffe, stellt 
das Projekt täglich die kapitalistischen Besitzverhältnisse in Frage. Es wird deshalb 
keine einvernehmliche Lösung zwischen Staat, Ex-Eigentümer*innen und Vio.Me Arbeiter*innen 
geben. Die Zukunft der Fabrik in Selbstverwaltung hängt vor allem von der Stärke der 
Solidaritätsbewegungen in Griechenland und Europa ab.

Beachtet Aufrufe, beteiligt euch an Kundgebungen vor griechischen Einrichtungen. Vio.Me 
Produkte können in Deutschland über verschiedene FAU-Syndikate, über Union-Coop oder das 
Griechenland Solidaritätskomitee Köln (GSKK) bestellt werden.

https://direkteaktion.org/haende-weg-von-vio-me/


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