(de) FAU, direkte aktion: "ARBEIT MACHT UNFREI. ZUM ZUSAMMENHANG VON ARBEITSFETISCH UND ANTISEMITISMUS." VORTRAG UND DISKUSSION MIT LOTHAR GALOW-BERGEMANN

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Mo Nov 26 06:56:13 CET 2018


Diskussion Plauen -- 29. November 2018 -- 18:00 - 20:00 Uhr Eckladen der sozialen Kunst -- 
Pestalozzistraße 57 ---- Wer streikt, macht zwei Erfahrungen: Dass es gut ist, sich zu 
wehren. Und dass, selbst wenn man erfolgreich war, danach doch alles irgendwie beim Alten 
bleibt. Dass wir lebenslänglich 
arbeiten-müssen-um-Geld-zu-verdienen-damit-wir-leben-können ist das ungeschriebene, aber 
höchste Gesetz der bürgerlichen Gesellschaft. Arbeit sei so etwas wie Natur, lautet der 
allgemeine Konsens. Wer etwas gegen sie hat, gilt als verrückt oder faul, meistens als 
beides. ---- Nicht immer wurde die Arbeit so überhöht wie heute. In der Antike hatte sie 
sogar einen ausgesprochen schlechten Ruf. Mit Beginn der Neuzeit jedoch erfuhr sie 
religiöse Weihen. Das protestantische Arbeitsethos stand an der Wiege des Kapitalismus. 
Das Bürgertum, die Arbeiterbewegung und der Nationalsozialismus haben die Arbeit förmlich 
verherrlicht.

Doch auch wenn es dem herrschenden Bewusstsein noch so uneinsichtig ist: Arbeit und 
nützliches/ sinnvolles/lustvolles Tätigsein sind zwei Paar Stiefel. Auch ist Arbeit kein 
"antagonistischer" Gegensatz zum Kapital. Sie ist vielmehr herrschendes Formprinzip der 
warenproduzierenden Gesellschaft, deren Ausgangs- und Zielpunkt nicht etwa der stoffliche 
Reichtum ist, von dem alleine wir leben, sondern die selbstzweckhafte Verwertung des Werts.

Die Insassen dieser Gesellschaft müssen darauf hoffen, dass der Markt ihrer Arbeit Wert 
bescheinigt. Aus der Arbeit beziehen sie ihre Identität. Obwohl sie lebenslang die Angst 
begleitet, "wertlos" zu werden und ins Bodenlose zu stürzen, erscheinen ihnen diese 
Verhältnisse als natürlich und alternativlos. Läuft nach ihrem Empfinden etwas schief in 
der Gesellschaft, machen sie vornehmlich "eine falsche Politik" dafür verantwortlich, ohne 
die basalen Zwänge der Ökonomie auch nur eines Blickes zu würdigen. Häufen sich allerdings 
Krisen, Elend, Not und Kriege, so hat das für sie erst recht nichts mit der Herrschaft von 
Arbeit, Ware, Wert, Markt und Kapital zu tun, sondern ist äußeren Faktoren geschuldet. Ihr 
Tunnelblick kann dann schnell zu Verschwörungsweltbildern mutieren. Sie phantasieren 
dunkle Mächte, getrieben von verwerflichen Interessen und böser Absicht, die ihnen an den 
Kragen wollen. Ihre Identifikation mit der "ehrlichen Arbeit", die von der "Raffgier" 
bedroht wird, entlädt sich schlimmstenfalls im antisemitischen Vernichtungswahn. Nicht 
ohne Grund stand der perverse Satz "Arbeit macht frei" über dem Tor von Auschwitz.

Die Nationalsozialisten setzten "die Gierigen" mit "den Juden" gleich. Doch auch wer das 
nicht tut, kann sich in einer gefährlichen Nähe zum Antisemitismus befinden, ohne sich 
darüber im Klaren zu sein. Eine reflektierte Kapitalismuskritik, die sich wesentlich vom 
herrschenden Bauch-Antikapitalismus unterscheidet, der Gesellschaftskritik mit Wut auf 
"gierige Bankster", "Lügenpack" und "Lügenpresse" verwechselt, ist heute nötiger denn je. 
Zumal sie mit der Kritik der Arbeit beginnt und deswegen einen völlig anderen Blick auf 
die Dinge werfen kann: Der eigentliche Skandal ist nämlich nicht, dass die gewaltige 
Steigerung der Produktivität, die wir erleben, nicht jedem einen Arbeitsplatz verschafft, 
sondern dass wir trotzdem immer mehr und immer länger arbeiten sollen. Schon längst wäre 
ein besseres Leben für alle mit viel mehr Raum zur persönlichen Entfaltung möglich. Ohne 
Kapitalismus.

Lothar Galow-Bergemann war Personalrat in zwei Großkliniken. Seine schönsten Arbeitstage 
erlebte er, wenn er zusammen mit seinen KollegInnen gestreikt hat. Heute schreibt er u.a. 
in Konkret, Jungle World und auf http://www.emafrie.de.

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https://direkteaktion.org/termine/arbeit-macht-unfrei-zum-zusammenhang-von-arbeitsfetisch-und-antisemitismus-vortrag-und-diskussion-mit-lothar-galow-bergemann/


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