(de) FAU, direkteaktion: ARBEITEN AN DER UNIVERSITÄT - BASISGEWERKSCHAFTLICHE KÄMPFE AN DER HOCHSCHULE

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Sa Nov 10 08:28:02 CET 2018


Info Bielefeld -- 05. November 2018 -- 16:00 - 19:00 Uhr Universität Bielefeld - Raum 
T2-220 -- Universitätsstraße ---- Arbeiten an der Universität: Arbeitskämpfe, streiken, 
sich zusammenschließen? ---- Geht das? Und wenn ja, warum sollten wir uns an der Uni 
organisieren, streiken? Ganz einfach, weil du dort arbeitest. Du hast i.d.R. merkwürdige 
Verträge, meistens sehr kurze, ein paar Monate vielleicht, und immer wieder neue Verträge, 
Kettenverträge. Ganz gleich, ob du als studentische oder wissenschaftliche Hilfskraft oder 
im sog. Mittelbau arbeitest, Befristung prägt dein Arbeitsleben. Und es ist nicht sicher, 
dass du jeden Monat bezahlt wirst für die Arbeit, die du leistet. ---- Im Januar 2018 
wandte sich eine studentische Hilfskraft an die Bildungssektion der FAU Jena. Ihr war von 
der Uni Jena das Gehalt für geleistete Arbeit verweigert worden. Freiwillig rückte die 
Leitung der Universität das Geld nicht heraus, die Bildungsgewerkschaft Jena zog vor 
Gericht und erstritt dort das ausstehende Gehalt. Prekär wird nicht nur die persönliche 
wirtschaftliche Situation, du musst Miete, Essen etc. zahlen, wartest aber auf Geld, was 
nicht kommt. Aufmucken birgt auch das Risiko, keine weiteren Folgeverträge zu bekommen. 
Soll ich auf meinem Recht bestehen, zu welchem Preis?

Die Bildungssektion der FAU Berlin war bereits seit 2016 in die Tarifauseinandersetzungen 
an den Unis in Berlin involviert. Studentische Hilfskräfte forderten einen Tarifvertrag, 
da sie in den letzten 15 Jahren ca. 25% weniger Gehalt bekamen und dem Lohndumping ein 
Ende setzen wollten. Erst Ende 2017 konnten sie aber, deutsches Streikrecht sei Dank, mit 
den Arbeitskämpfen an den Unis beginnen, mit Demonstrationen und, 2018, mit Warnstreiks. 
GEW und verdi setzten dagegen auf Verhandlungen mit den Uni-Leitungen. Ab Mai kam es immer 
wieder zu Streiks an den Universitäten. GEW und verdi "schätzten" die eigene Kampfkraft so 
gering ein, dass sie im Juli die Streiks abbrachen und einen Tarifvertrag mit den 
Hochschulleitungen aushandelten.

Aber auch im wissenschaftlichen Mittelbau wird die Situation prekärer. Eine Gruppe von 
Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität Berlin (TUB) sieht sich massiven 
Schikanen ausgesetzt, weil sie die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen fordert. Zwei 
Forscherinnen der TU Berlin leiden bei einem Arbeitseinsatz in Uruguay unter 
gesundheitsgefährdenden Arbeitsbedingungen und einer Projektleitung, die Arbeitszeiten von 
mehr als 10 Stunden pro Tag einfordert, ohne freie Tage. Als die Forscher*innen die 
Verantwortlichen auf ihre Situation aufmerksam machen, finden sie nirgendwo Gehör und 
werden in ihrem Arbeitsumfeld isoliert. Sie müssen feststellen: es gibt keine Strukturen, 
die ihnen effektiv zur Seite stehen. So wenden sie sich an die Basisgewerkschaft FAU, eine 
lange Auseinandersetzung beginnt. "Meiner Meinung nach setzt unser Fall einen möglichen 
Präzedenzfall für Studierende und Promovierende, die um ihre Rechte kämpfen. Sie sind in 
der Lage, Gerechtigkeit zu erlangen. Er macht aber auch deutlich, dass sich 
Doktorand*innen für bessere Arbeitsbedingungen organisieren müssen", so Maria Tobar, eine 
der Betroffenen.

Sicher, irgendwann muss mit der Gegenseite verhandelt werden. Wenn du aber aus einer, wenn 
auch nur angenommen Position der Schwäche heraus verhandelst, hast du schlechtere Karten. 
Die Lohnentwicklung in Deutschland zeigt dies in den letzten Jahren überdeutlich. Daher 
bewertet die Basisgewerkschaft Bildung in der FAU Berlin die Einigung zwiespältig. Das die 
Uni-Leitungen überhaupt verhandelten, werteten sie als Erfolg. Das Ergebnis war eher mau, 
der Gehaltsunterschied zwischen studentischen und wissenschaftlichen Hilfskräften wird größer.

"Über lange Sicht betrachtet befinden wir uns heutzutage in einem Kreislauf, in dem die 
Gewerkschaften dank der Sozialpartnerschaft immer schwächer werden ... Dadurch verbessert 
sich nicht gerade der gewerkschaftliche Organisationsgrad, was die Gewerkschaften wiederum 
an ihrer Kampfkraft zweifeln lässt. Somit erscheinen Verhandlungen plus politischer Druck 
für die Gewerkschaften wiederum aussichtsreicher als Streiks." So reflektierte die 
Bildungssektion der FAU Berlin die Situation 
(https://berlin.fau.org/news/tvstud-streik-ist-das-die-einigung-die-wir-wollen)

Wie sieht es in Bielefeld aus, gibt es Menschen, die an der Uni arbeiten und die sich für 
bessere Arbeitsbedingungen, für ein höheres Gehalt oder einfach nur ihre Rechte zusammen 
tun, organisieren wollen? Wie sieht es mit individuellen und kollektiven Arbeitsrechten 
aus, sind die auch für Hilfskräfte und wissenschaftliche Mitarbeiter*innen gültig? Wie 
kann gemeinsam Druck erzeugt werden, damit Verhandlungen positiv verlaufen, aus einer 
Position der Stärke heraus? Oder wie schon "Ton, Steine, Scherben" in den 70er Jahren 
sangen: "Allein machen sie dich ein, kriegen sie dich klein ...", deshalb: ORGANIZE NOW!

Referent: Bildungssektion der FAU Berlin

Allgemeines Syndikat in der FAU Bielefeld

https://direkteaktion.org/termine/arbeiten-an-der-universitaet-basisgewerkschaftliche-kaempfe-an-der-hochschule/


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