(de) fda-ifa: Anarchistisches Kollektiv Glitzerkatapult - Happy World-Vegan-Day 2018 - ein Statement an die vegane Bewegung...

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Mi Nov 7 06:17:24 CET 2018


Wir wünschen allen Veganer*innen (und denen die es werden wollen) einen frohen Welt Vegan 
Tag! Super dass ihr vegan lebt und euch vielleicht auch darüber hinaus für Tiere 
engagiert. Für uns bedeutet Veganismus mehr, als sich pflanzlich zu ernähren bzw. auf 
tierische Produkte zu verzichten. Veganismus ist für uns eine Weltanschauung, bei der es 
darum geht, möglichst wenig Leid zu verursachen und ein gutes Leben für Alle, frei von 
Unterdrückung und Ausbeutung, zu ermöglichen. ---- Dabei denken wir sowohl an Tiere als 
auch an Menschen, die schließlich auch Tiere sind. Wir wünschen uns eine vegane Szene, die 
für verschiedenste Diskriminierungsformen sensibilisiert ist und diese bekämpft.
Vielen Gruppen, die sich für Tiere einsetzen, genügt das Engagement für Tiere als 
gemeinsamer Nenner. Dabei werden dann zum Teil auch Querfrontler*innen, 
Verschwörungstheoretiker*innen und offen rechte Personen in der Gruppe akzeptiert. Wir 
wünschen uns eine vegane Szene, die sich klar von menschenfeindlichen Positionen 
distanziert und sich nicht nur mit Tieren solidarisiert, sondern auch mit allen Menschen, 
die genau wie Tiere, von gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnissen betroffen sind. Dass 
immer mehr Menschen umdenken und ihre Einstellung gegenüber Tieren verändern, ist 
notwendig. Damit das passiert, braucht es eine vegane Szene, die vielfältig ist und in der 
sich ganz unterschiedliche Menschen willkommen fühlen. Wenn wir uns nicht kritisch mit 
Rassismus und weißen Privilegien auseinander setzen, erreichen wir kaum People of Colour 
und unterstützen selbst rassistische Strukturen in unserer Gesellschaft.

Im Kapitalismus werden nicht nur Tiere sondern auch die Natur und Menschen ausgebeutet. 
Der Kapitalismus orientiert sich an finanziellen Profiten und nicht an den Bedürfnissen 
von Lebewesen. Obwohl der Kapitalismus inzwischen bestens verstanden hat, auch mit 
Veganismus Profite zu machen, ist die Tierindustrie immer noch ein großer Markt. Auch aus 
ökologischen Gründen ist ein kapitalistisches Wirtschaftssystem dauerhaft nicht tragbar. 
Endloses Wachstum ist in einer Welt mit begrenzten Ressourcen nicht möglich. 
Umweltzerstörung schadet nicht nur uns Menschen sondern vor allem auch wild lebenden 
Tieren. Wir glauben nicht, dass einzelne Unternehmen einfach "böse" sind, sondern dass sie 
bloß nach den Spielregeln des Kapitalismus arbeiten. Somit sind die politischen 
Verhältnisse und der Kapitalismus verantwortlich für Ausbeutung und Zerstörung und nicht 
einzelne (große) Unternehmen. Selbst die Angestellten im Schlachtbetrieb, sind nicht 
zwangsläufig "schlechte Menschen". Sie unterliegen Zwängen und werden oft selbst im 
kapitalistischen System u.a. in Form von Niedriglöhnen und geringem Arbeitsschutz 
ausgebeutet. Daher glauben wir, dass wir als Tierrechtler*innen konsequenter Weise auch 
Kapitalismus an sich bekämpfen sollten.

Veganismus ist für uns keine Diät, die dazu dient gesellschaftlichen Schönheitsidealen zu 
entsprechen, sondern eine moralische und politische Einstellung. Wir wünschen uns eine 
vegane Szene, die unterschiedliche Körpertypen wertschätzt egal ob schlank oder dick, 
anstatt gängige Schönheitsideale zu reproduzieren, unter denen viele Menschen leiden. Wir 
wollen eine Tierrechtsszene, in der sich auch dicke Menschen willkommen fühlen. 
Körpernormen beschränken uns und richten Energie gegen engagierte Weggefährt*innen und all 
zu oft gegen uns selbst.

Auch bestehenden Sexismus in der veganen Szene lehnen wir ab und wünschen uns mehr 
Reflektion darüber. Was wir sehen, sind überwiegend Männer*, die scheinbar die Bewegung 
anführen, obwohl Frauen* in der Mehrzahl sind. Sexistische Übergriffe gibt es auch in der 
veganen Bewegung. In den USA gibt es unter #ARmetoo eine öffentliche Debatte darüber.

Es gibt tier-aktivistische Gruppen, die gezielt Tierschlachthöfe und Ställe mit dem 
Holocaust vergleichen, um Aufmerksamkeit für ihre Zwecke zu erzeugen. Tierausbeutung mit 
dem Holocaust zu vergleichen, ist für uns ein No-Go. Während es beim Holocaust darum ging 
eine Gruppe von Menschen, nämlich Jüd*innen, zu vernichten, hat Tierausbeutung nicht 
dieses Ziel. Viele Überlebende des Holocaust erleben den Vergleich ihrer Erfahrungen mit 
Tierausbeutung als herabwürdigend und als Relativierung der Geschichte. Wer vom Holocaust 
auf dem Teller spricht macht Opfer, nämlich Menschen die von Antisemitismus betroffen sind 
und waren, zu Täter*innen. Wenn wir von Tierausbeutung als Holocaust sprechen, machen wir 
dieses einzigartige Ereignis zu etwas Alltäglichem. Indem wir Tierausbeutung mit dem 
Holocaust vergleichen, instrumentalisieren wir die Schrecken des Holocaust für unsere 
Zwecke. Es gibt viele Unterdrückungsverhältnisse und Missstände in der Welt, die wir alle 
bekämpfen sollten, anstatt Betroffene gegeneinander aus zu spielen. Wir wünschen uns eine 
vegane Bewegung, die sensibel mit Betroffenen von Gewalt und Unterdrückung umgeht, egal ob 
es sich um Tiere oder Menschen handelt.

Nicht nur Tiere sind von Ausbeutung und Unterdrückung betroffen sondern auch viele 
Menschen. In einer Gesellschaft, in der Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe keine Wohnung 
finden, Synagogen geschützt werden müssen, sexuelle Belästigung von Frauen* Normalität ist 
und Geflüchtete im Mittelmeer ertrinken, gibt es mehr zu bekämpfen als nur Tierausbeutung. 
Natürlich macht es Sinn sich in seinem politischen Aktivismus auf ein Gebiet zu 
konzentrieren. Wir sollten unsere

https://fda-ifa.org/happy-world-vegan-day-2018-ein-statement-an-die-vegane-bewegung/


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