(de) FAU, direkte aktion: ARBEITSKAMPF ÜBER DEN WOLKEN

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So Nov 4 05:41:52 CET 2018


Bei der polnischen Fluggesellschaft LOT Polish Airlines streiken zur Zeit Crewmitglieder 
und Pilot*innen. ---- lobales Von: Monika Kupczyk und Nikola Wittkowski - 29. Oktober 2018
Die finanzielle Situation von LOT ist seit Jahren schlecht. Nachdem das Unternehmen 2012 
mit staatlichen Geldern vor der Pleite gerettet wurde, hat der Vorstand 2013 ohne 
Zustimmung der Gewerkschaften die Gehälter der Mitarbeiter*innen gekürzt. Seit 2014 stellt 
das Unternehmen keine Festangestellten mehr ein, sondern greift auf Leiharbeiter*innen 
zurück, wobei diese zu schlechteren Konditionen beschäftigt werden. Das ganze erregte 
natürlich den Unmut der Beschäftigten. So begann die Auseinandersetzung, die ihren 
Höhepunkt in den letzten 2 Wochen erreichte.

DISZIPLINARISCHE ENTLASSUNGEN PER E-MAIL
Der Protest der LOT-Angestellten läuft seit dem 18. Oktober. Schon zwei mal wollten die 
Beschäftigten 2018 streiken, was ihnen allerdings in letzter Minute gerichtlich untersagt 
wurde. Nachdem allerdings der Verhandlungsführerin der Flugbegleitergewerkschaft ZPPIL, 
Monika Zelazik, gekündigt wurde, traten ihre Kolleg*innen in den Streik und demonstrierten 
vor der Zentrale der Airline in Warschau. Daraufhin hat die Geschäftsführung am 22. 
Oktober rund 67 Streikende, die Mitglieder der Pilotengewerkschaft ZZP und 
Flugbegleitergewerkschaft ZPPIL sind, per E-Mail entlassen. Sie gehen gegen ihre 
Entlassung nicht nur gerichtlich vor, sondern fordern weiterhin auf der Straße die 
Rücknahme der Kündigungen sowie bessere Arbeitsbedingungen.

Streikposten vor der Firmenzentrale in Warschau
RECHNUNG AN PILOTEN FÜR DEN STREIK?
Inzwischen nimmt die Anzahl der stornierten Flüge zu. Um nachfolgende Flüge nicht 
ausfallen zu lassen, mietet das Unternehmen Flugzeuge und Besatzungen von anderen 
Fluggesellschaften. Eine Betriebsstunde einer solchen Maschine beträgt 10.000 Dollar. Dies 
verschärft die Frustration der Demonstranten, die seit 2013 für Lohnsteigerungen kämpfen. 
Aber die Geschäftsführung ging noch weiter: Die Piloten, die sich geweigert haben zu 
arbeiten, erhielten Zahlungsaufrufe - manche sogar in Höhe von 600.000 Zloty (circa 
150.000 Euro) - um das Unternehmen für annullierte Flüge zu entschädigen. Den 
Zahlungsaufruf erhielt auch ein Pilot, der sich nach diesen neuen Repressionen entschied 
dem Streik anzuschließen.

"ILLEGALER STREIK"
Gleichzeitig wurde den Streikenden mitgeteilt, dass LOT die entlassenen Arbeiter*innen 
wiedereinstellen würde, wenn sie zugäben, dass sie einen Fehler bei der Durchführung des 
Streiks gemacht hätten und ihn nicht fortsetzen würden. Die Airline behauptet noch immer, 
dass der Streik "illegal" sei. Aus dem Büro des Premierministers Mateusz Morawiecki kam 
lediglich die Aussage, dass die Streikenden das Gesetz brechen und die Folgen tragen 
müssen. Der Premierminister selbst schweigt, obwohl er im Sommer die persönliche Aufsicht 
über das Unternehmen übernommen hat. Während die Streikenden von immer mehr Gewerkschaften 
unterstützt werden, meinte der Pressesprecher der Gewerkschaft Solidarnosc, Marek 
Lewandowski: "Solidarnosc ist nicht Teil dieser Auseinandersetzung und beteiligt sich 
nicht an diesem Streik." Für die fehlende Solidarität mit den streikenden Arbeiter*innen 
wurde die Solidarnosc in der Öffentlichkeit kritisiert. Die Nähe der Solidarnosc zum Lager 
der "guten Veränderung" (die mit Mehrheit herrschende national-konservative Partei PiS) 
ist ihnen offenbar wichtiger als die Interessen der Arbeiter*innen.

UNTERSTÜTZUNGSKAMPAGNEN

Solidaritätskundgebung der IP auf dem Lawica-Flughafen in Posen
Immer mehr Gewerkschaften zeigen Solidarität mit den Streikenden, wie zum Beispiel die 
polnische Lehrer*innengewerkschaft ZNP, die Gewerkschaftsföderation der 
Eisenbahnarbeiter*innen FZZK und Arbeiter*innen der Warschauer Universität, die in der 
Inicjatywa Pracownicza (IP, zu deutsch Arbeiter*innen-Initiative) organisiert sind. 
Internationale Unterstützung bekommen die Arbeiter*innen von LOT unter anderem von 
Gewerkschaften aus Spanien und Italien.

"Unser Ziel ist es, Solidarität zwischen Arbeiter*innen der verschiedenen Branchen zu 
zeigen. Zu zeigen, dass die Probleme mit Schrottverträgen, Einschränkung des Streikrechts 
oder Repressionen gegen protestierende Arbeiter*innen in all diesen Branchen üblich 
sind.", so Jakub Grzegorczyk von der IP, der polnischen Schwestergewerkschaft der FAU.

Die IP hat in den letzten Wochen unter anderem die Streikkundgebung der Streikenden vor 
dem Firmensitz in Warschau vor Ort unterstützt und die Solidaritätskundgebung mit den 
Streikenden an der Universität Warschau organisiert, an der die Hochschulgewerkschaften 
und Student*innenorganisationen, Student*innen und wissenschaftliche Arbeiter*innen 
beteiligt waren. Auch in anderen Städten wie Breslau oder Posen hat die IP 
Unterstützungsaktionen für die Streikenden durchgeführt. Am vergangenem Wochenende haben 
die IP-Mitglieder die Solidaritätskundgebung auf dem Lawica-Flughafen in Posen 
organisiert, in Breslau demonstrierten sie vor dem

https://direkteaktion.org/arbeitskampf-ueber-den-wolken/


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