(de) FAU, direkte aktion: DIE "KELLYS"* IM STREIK

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Do Nov 1 06:36:35 CET 2018


Kellys* bedeutet spanisch in etwa "Zimmermädchen". Diese schlagen im Herzen von Madrid zu: 
"Wir sind unsichtbar, aber unverzichtbar". ---- Globales Betrieb & Gesellschaft Von: Erna 
Rauch - 27. Oktober 2018 ---- Hostalcarria hat drei "Zimmermädchen" eine Kündigung 
zugestellt, nachdem sie eine Gewerkschaftsabteilung gebildet hatten. Die 
anarchosyndikalistische Gewerkschaft CNT, wie die deutsche FAU Teil der International 
Confederation of Labour (ICL), begleitet nun ihren Kampf um Wiedereinstellung und hat eine 
Kampagne für eine Aufwertung und Besserbezahlung der "Kellys" angestoßen. Die 
Arbeitskämpfe finden auch vor dem Hintergrund allgemeiner Prekarität und Doppelbelastungen 
in weiblich dominierten Berufen statt. ---- Im Herzen Madrids, nur 20 Meter von der Plaza 
Mayor entfernt, hat sich eine Gruppe von Roomservice-Arbeiter*innen, die für die Augen des 
Reisenden unsichtbar sind und keine Seite in den Reiseführern einnehmen, entschieden, sich 
gegen ihr Unternehmen zu behaupten.

"Wir sind der unsichtbare Teil des Tourismus, wir sind unentbehrlich, ohne uns gibt es 
kein Hotel",

sagt Rocío Fernández, Gewerkschaftsdelegierte für die CNT bei Hostalcarria. Rocio und ihre 
Kolleg*innen begannen am Mittwoch, den 25. Oktober, mit einem siebentägigen Streik. Die 
Streikposten stehen an der Tür des Hostels Inter Plaza Mayor, einem 200 Jahre alten 
Gebäude in einer der Fußgängerzonen, die das so berühmte Tourist*innenzentrum umgeben - 
und in der täglich Arbeitnehmer*innenrechte verletzt werden, wie die "Kellys" anprangern.

"Wir haben beschlossen, im September eine Gewerkschaftsabteilung zu schaffen. Es herrschte 
absolute Verschwiegenheit. Am 15. Oktober erhielten wir ein Schreiben, in dem wir über 
unsere Entlassung informiert wurden, zum 30. Oktober. Sie sagen, dass sie den Service 
auslagern werden - und wir haben beschlossen, uns dem Kampf zu stellen",

sagt Rocio.

Dabei haben die Kolleg*innen wenig zu verlieren. Die Arbeiter*innen weisen darauf hin, 
dass ihre Verträge nicht mit ihrer Eingruppierung oder den geleisteten Arbeitsstunden 
übereinstimmen. Auch die vertraglich geregelten Feiertage und Urlaubstage bei Krankheit 
von Familienangehörigen werden nicht eingehalten.

"Mein erster Vertrag in Hostalcarria war für 14 Stunden, dann haben sie ihn offiziell auf 
20 Stunden erhöht. Ich habe einen Mitbewohner, der neun Stunden auf dem Vertrag hat. Wir 
arbeiten in Wirklichkeit 30 Stunden und mein Gehalt beträgt 720 Euro. Wir haben Anspruch 
auf einen Monat Urlaub und 20 Urlaubstage im Winter. Wir haben die noch nie genossen. Ich 
konnte auch die vier Tage frei, auf die ich Anspruch hatte, nicht bekommen, als es bei 
meinem Vater gesundheitlich ernst wurde",

sagt die Gewerkschaftsvertreterin. Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, war 
die Forderung des Unternehmens, Blanko-Unterschriften abzugeben,

"damit sie es bei Ankunft der Inspektion nach Belieben ausfüllen können. Wenn wir nicht 
unterschreiben, würden sie Vergeltung üben. Hier haben wir gesagt, dass es reicht",

erklärt Rocio Fernández. Sie hatte mitverfolgt, wie die Kellys von Exeo in Getafe einen 
Betriebsgruppe der CNT gegründet hatten. Eines der Mitglieder, Alfonsi Asperilla, ist ihre 
Mutter. Sie beschloss, sich gewerkschaftlich zu organisieren und ihren Kolleg*innen 
vorzuschlagen, es ihr gleich zu tun. Die CNT stellte fest, dass die Kündigungen durch 
Outsourcing des Dienstes illegal sind, da das Unternehmen verpflichtet sei, Stellenersatz 
bei Wahrung der Vertragsbedingungen zu schaffen. Die Basisgewerkschaft hat keinen Zweifel 
daran, dass Gerichte die Kündigungen kassieren werden.

STREIKPOSTEN UND STREIKBRECHER*INNEN
In der Zwischenzeit wird versucht, Verhandlungen mit Streikpostenlinien mit Infotischen 
vor verschiedenen Hotels und Hostels zu erzwingen. Am Sonntag, den 28. Oktober, soll es 
eine Parade geben, danach soll weiter gestreikt werden, wenn sich das Unternehmen nicht 
bewegen wird.

Dabei setzt das Unternehmen, wider dem Arbeitsrecht, Streikbrecher*innen ein, die durch 
den betrieblichen Sicherheitsdienst geschützt werden. Diese Rechtsbrüche wurden 
dokumentiert und gemeldet. Die Streikenden lassen sich von solchen Praktiken nicht 
entmutigen. Rocio versichert:

"Wir werden behandelt wie das letzte Stück Scheiße, aber wir sind die unentbehrlichen. Wir 
werden nicht aufhören, wir sind arbeitslos und haben viel Zeit".

"MIT UNS DIE ANGST VERLIEREN!"
Mittlerweile hat die CNT eine weitere Kampagne drauf gelegt. Unter dem Motto: "Mit uns die 
Angst verlieren!" wirbt sie unter den Kellys für gewerkschaftliche Organisierung und 
soziale Sicherheit in der kämpferischen, syndikalistischen Gemeinschaft. Um "zurück zu 
gruseln" wird dabei immer wieder auch auf Horrorkostüme und andere kreative Darstellungen 
zurück gegriffen.

Die regulären Streikposten der CNT präsentieren sich dagegen mit der schwarz-lilanen 
Fahne, die seit einigen Jahren, insbesondere seit dem feministischen Generalstreik am 8. 
März 2018, für eine neuerliche, handfeste Symbiose aus feministischen und 
syndikalistischen Analysen und Kämpfen steht. Bei diesem Generalstreik waren über 5 
Millionen Menschen in Spanien für eine ganze Reihe feministischer Forderungen auf die 
Straße gegangen. Bestreikt wurde dabei einerseits die Lohnarbeit im Betrieb, in der sich 
das Patriarchat in Form von sexueller Belästigung, Niedriglohn, Abwertung weiblich 
dominierter Branchen und Doppelbelastung, v.a. von Frauen, täglich äußert. Bestreikt wurde 
aber auch die Reproduktionsarbeit, d.h. die meist unbezahlte Sorge-, Beziehungs-, 
Haushalts- und Pflegearbeit, die in der Regel unbezahlt von Frauen geleistet wird und doch 
Grundbedingung für die Reproduktion der Ware Arbeitskraft und der Gesellschaft überhaupt ist.

Während die sozialdemokratischen Gewerkschaften während des 8. März 2018 mit 
Desinformationskampagnen versuchten, den wirtschaftlichen Schaden für die Unternehmen 
begrenzt zu halten und auf eine Begrenzung des Streiks für 2 Stunden eintraten, 
ermöglichten syndikalistische Gewerkschaftsföderationen wie CNT, CGT und Solidaridad 
Obrera mit ihren Aufrufen einen 24h-Streik, trotz teils enormer Repression für die 
betreffenden Gewerkschaften.

Dieses ernsthafte Eintreten für den Feminismus haben viele nicht vergessen. Es kam 
einerseits zu Eintrittswellen, v.a. von Frauen, in die genannten Gewerkschaften, 
andererseits zu einer stärkeren Sensibilisierung feministischer Netzwerke auf die Bereiche 
der Arbeitswelt und die Wechselwirkungen von Kapitalismus und Patriarchat.

Der aktuelle Streik wird von vielen feministischen Gruppen medial begleitet und 
unterstützt. Dabei wird nicht selten schon zum nächsten feministischen Generalstreik am 8. 
März 2019 aufgerufen. Zu diesem haben auch die Schwesterngewerkschaften der CNT in 
Argentinien, Kandada, den USA, Griechenland, Italien, Polen und Deutschland Proteste und 
Streiks angekündigt.

https://direkteaktion.org/die-kellys-im-streik/


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