(de) lb quadrat: Unser Redebeitrag beim 1.Mai 2018
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Sa Mai 12 09:50:57 CEST 2018
Im Folgenden dokumentieren wir unseren Redebeitrag bei der revolutionären
1.Mai-Demonstration 2018 in Stuttgart: ---- Im letzten Jahr haben wir uns vor allem damit
befasst solidarische Perspektiven in unserem Alltag zu entwickeln - bewusst auch abseits
von Szenestrukturen. Im Zusammenspiel mit Menschen und Initiativen außerhalb der
linksradikalen Bewegung, konnten wir mehrere Projekte etablieren: Projekte wie eine
Solidarische Landwirtschaft für Ludwigsburg, wie Umsonstflohmärkte oder Umsonstküchen. All
diese Projekte für sich genommen sind reformistisch. Sie alle tragen jedoch anarchistische
Ideen in sich. Sie alle machen die Erfahrung von Solidarität unmittelbar spürbar und die
Erfahrung kollektiver Organisierung der Alltagsbedürfnisse - gerade für Menschen außerhalb
der linksradikalen Bewegung.
Um unserem Ziel einer befreiten Gesellschaft näher zu kommen, brauchen wir diese Räume des
solidarischen Ausprobierens. Aber auch Räume des Kampfes um konkrete Verbesserungen für
unser Leben. Wie lassen sich Menschen am wirksamsten von der Notwendigkeit der befreiten
Gesellschaft überzeugen? Indem sie schon heute konkrete Verbesserungen in ihrem Alltag
durch gemeinsame anarchistische Praxis erleben können. Indem sie schon heute erleben, dass
sie durch gemeinsame Kämpfe kleine Erfolge erreichen können. Indem gelebte und gespürte
Solidarität mehr Sicherheit und Kraft gibt als die reaktionären Forderungen nach Ausgrenzung.
Mit diesem Gedanken im Kopf wollen wir an die Ursprünge des 1.Mai anknüpfen: Damals
kämpften die Arbeiter*innen für das große Ziel: Die Überwindung des Kapitalismus. Und sie
kämpften als kleinen Schritt dahin für den 8-Stunden-Tag. Auch wir treten ein für eine
radikale Verkürzung der Arbeitszeit. Als einen konkreten Schritt in Richtung befreiter
Gesellschaft: Für den 4-Stunden-Tag - bei vollem Lohnausgleich und vollständiger
Personalaufstockung! Zahlen muss das Kapital!
Denn der 4-Stunden-Tag ist nicht nur notwendig für ein besseres Leben, sondern auch
möglich: Er ist notwendig, weil weniger Lohnarbeit die Lebensqualität aller Menschen
spürbar steigert. Er wirkt Leistungsdruck und Ausgrenzung entgegen; Neue Räume eröffnen
sich: Mehr Zeit für sich und die Mitmenschen; eine gerechtere Aufteilung der reproduktiven
Tätigkeiten wie Haushalt, Erziehung und Pflege; und mehr Zeit für die kollektive
Selbstverwaltung unserer Bedürfnisse, für das kollektive Erproben von Organisierung,
Bildung und Mitbestimmung. Und der 4-Stunden-Tag ist möglich, weil dank des technischen
Fortschritts immer weniger Menschen benötigt werden um die erforderlichen Bedarfsgüter für
alle zu produzieren.
Um die soziale Revolution zu verwirklichen, müssen wir zwei Fallstricke vermeiden: Erstens
bei Reformen stehen zu bleiben, sich mit kleinen Verbesserungen innerhalb des Kapitalismus
zu begnügen. Das wäre lediglich Reformismus und führt am Ende zu einer Stärkung des
Kapitalismus. Der zweite Fallstrick besteht darin, sich nur noch auf die große Aufgabe
"Revolution" zu beziehen und dabei konkrete Verbesserungen im Alltag als sinnlos zu
betrachten. Diese "reine Lehre" des "Alles oder nichts" bringt uns der Revolution keinen
Schritt näher heran. Indem wir die kleinen Reformen mit dem großen Ziel der Überwindung
des Kapitalismus zusammen bringen und im Alltag verbreiten, können wir schon heute unsere
Ideen im kleinen zusammen mit vielen anderen Menschen umsetzen; wir können die Menschen
von einem Leben in Selbstverwaltung und Solidarität nach dem Kapitalismus anstecken; wir
können von- und miteinander lernen, Vertrauen aufbauen; und wir können gemeinsam Kräfte
sammeln um in sozialen Kämpfen schrittweise den Herrschenden immer mehr abzutrotzen auf
dem Weg zur sozialen Revolution und dem Aufbau einer egalitären, klassenlosen
Gesellschaft. Denn dies ist und bleibt unser Ziel: Die Verwirklichung einer anarchistische
Welt.
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