(de) Gewerkschaftliche Alternative in stürmischen Zeiten

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Do Mai 10 06:13:16 CEST 2018


Auch 2018 rief die FAU Hannover zur Beteiligung an der 1. Mai-Demonstration des DGB auf, 
die dieses Jahr zum ersten Mal vom Küchengarten in Linden startete. Ob mit der Änderung 
des Auftaktorts gänzlich vermieden werden sollte, durch belebte Wohngegenden zu laufen, um 
bloß keine Anwohner*innen zu "stören", bleibt eine offene Frage. Die FAU-Mitglieder trafen 
sich zum "Warmup" hingegen am neuen Gewerkschaftslokal, um von dort aus gemeinsam durch 
den Stadtteil zur Kundgebung zu ziehen. Auf der Demo bildeten sie einen 
klassenkämpferischen Block und brachten Parolen auf dem sonst eher schweigsamen Marsch. 
Besonders beliebt waren: "Wohnung scheiße, mieser Lohn? - Komm zur FAU, mach Aktion!" und 
"Monatsmitte, Tasche leer? - Arbeitskampf, dann gibt es mehr!" In Göttingen, wo die FAU 
Hannover den Aufbau eines eigenständigen Syndikats unterstützt, beteiligten sich die 
Genoss*innen ebenfalls an den Demonstrationen. Der bierseeligen Volksfeststimmung bei den 
Mai-Feiern entgegneten sie: "Klassenkampf statt Bratwurstmampf!"

Solidarisch zeigte sich die FAU Hannover, als ein Mitdemonstrant wegen des Zeigens einer 
YPJ-Fahne von der Demonstration verwiesen wurde. Bei den YPJ handelt es sich um die 
Fraueneinheiten der kurdischen Selbstverteidigungskräfte in Nordsyrien, die gegen den 
sogenannten Islamischen Staat kämpfen. Die SPD tat, was sie immer tut, und scherte rechts 
aus der Demo aus, um der Polizei die Feststellung der Personalien des Betroffenen zu 
ermöglichen. Auffällig war, dass es wegen der anhaltenden Repression in diesem Jahr keinen 
sichtbaren kurdischen Block gab.

Am Infostand der FAU Hannover auf dem Trammplatz kam es allerdings zu vielen interessanten 
Gesprächen mit Besucher*innen des Fests. Alternative Formen der gewerkschaftlichen 
Organisierung standen dabei im Mittelpunkt und der eine und die andere fühlten sich 
ermutigt, das Projekt "Kämpferische Basisgewerkschaft" zu unterstützen. Nicht wenige 
gingen daraufhin mit einem Mitgliedsantrag und der DA-Sonderausgabe zum 1. Mai in der 
Tasche nach Hause.

Vor allem das schlechte Wetter - Temperaturen um die zehn Grad und stürmische Böen - 
sorgte für eine außerordentlich geringe Beteiligung an der Demonstration und am 
anschließenden Fest auf dem Trammplatz. So leerten sich die Reihen vor den Redner*innen 
auf der Bühne schnell. Aber auch die Redebeiträge sorgten für Kopfschütteln. Während auf 
der der Bühne noch internationale Solidarität sowie Presse- und Redefreiheit gefordert 
wurde, drehte die Staatsmacht völlig frei: Sie ging gegen Personen vor, die 
"terroristische" Luftballons mit dem Symbol der YPJ zeigten. Zwei Personen, darunter ein 
Mitglied der FAU Hannover, wurden kurzfristig verhaftet und bei der Festnahme verletzt.

Diese Diskrepanz zwischen Reden und Realität, die viele Kolleg*innen auch im Betrieb von 
den Funktionär*innen des DGBs kennen, zeigte sich auch in dem Verhalten gegenüber den 
Aktionen der Polizei. Obwohl die DGB-Funktionär*innen auf der Bühne in zahlreichen Reden 
zu mehr Solidarität aufgerufen hatten, verhielten sie sich selbst vollkommen unsolidarisch 
gegenüber den Verhafteten. Stattdessen versuchen sie sogar, Leute davon abzubringen, 
Solidarität mit der demokratischen Selbstverwaltung in Rojava zu zeigen. Mehrfach 
forderten sie dazu auf, die YPJ-Luftballons zu entfernen. Schon bei der Verlesung der 
Polizei-Auflagen hatten sie angekündigt, solche Symbole nicht zu dulden. Allein ein Redner 
des Jugendblocks kritisierte die verbale Radikalität und forderte zum Handeln auf. Das 
Vorgehen der Polizei wollten die Funktionär*innen dann weder kritisieren, noch 
kommentieren und drehten einfach die Musik lauter, um vom Geschehen abzulenken.

Der Vorfall führte jedoch allen vor Augen, wie notwendig solidarisches Handeln im Alltag 
ist - egal, ob am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft oder mit unseren kurdischen 
Freund*innen, die hier und in Kurdistan für ihre Anerkennung sowie eine demokratische und 
gleichberechtigte Gesellschaft kämpfen. Mehr denn je benötigen wir in stürmischen Zeiten 
selbstverwaltete und schlagkräftige Strukturen, um uns gegen Chefs, Vermieter und 
staatliche Repression zur Wehr zu setzen!

https://ggb.hannover.fau.org/2018/05/04/gewerkschaftliche-alternative-in-stuermischen-zeiten/


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