(de) lb quadrat Kuba: Anarchist*innen eröffnen in Havanna Soziales Zentrum & Anarchistische Bibliothek (ABRA) (ca, en, it)

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Di Mai 8 08:15:39 CEST 2018


Im Jahr 2016 haben wir uns im Rahmen der Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen 
(FdA) an einer Spendenkampagne beteiligt, die zum Ziel hatte, Geld für den Kauf eines 
Gebäudes in Kuba zusammenzubekommen. Die Föderation leistete schließlich einen bedeutenden 
Beitrag dazu. ---- Nachdem den Genoss*innen in Kuba der Kauf eines Objekts in der 
Hauptstadt Havanna gelang, ist es nun (am Samstag, 5.5.2018) endlich soweit: Das Zentrum 
ABRA (Soziales Zentrum und Libertäre Bibliothek) öffnet feierlich seine Tore. Die 
Genoss*innen vor Ort bitten um größtmögliche Verbreitung, ein Wunsch, dem wir nur 
allzugerne nachkommen. Und wir rufen euch auf, es uns gleichzutun. ---- Im Folgenden 
dokumentieren wir den Text zur Eröffnung (Übersetzung der FdA):

Diesen 5. Mai 2018 beginnt mit der Eröffnung des ABRA, des "Centro Social y Biblioteca 
Libertaria" (Soziales Zentrum und Libertäre Bibliothek), für eine Gruppe von Kubaner*innen 
eine neue Etappe im Prozess der eigenen Emanzipierung.

Mit diesem Projekt möchte das Kollektiv "Taller Libertario Alfredo López" (eine 2012 
entstandene, anarchistische, antiautoritäre und antikapitalistische Initiative, die 
Mitglied der Anarchistischen Föderation in Mittelamerika und der Karibik, FACC, ist) in 
enger und lebhafter Kooperation mit befreundeten Kollektiven, wie dem "Observatorio 
Crítico Cubano", "Guardabosques" sowie einigen anderen Individuen, einen dauerhaften und 
autonomen Raum im heutigen Kuba zu schaffen.

Einen Ort, um Erfahrungen und Praktiken zu fördern, die unabhängig sind von jedweder 
Regierung (ob in- oder ausländisch) bzw. von jedweden Institutionen, die Regierungen 
repräsentieren. Dieser Ort soll darauf beruhen, was die Teilnehmenden selbst mit 
einbringen. Mit ABRA möchten wir eine Praxis in den Mittelpunkt stellen, die mittels 
prefigurativer Praktiken die Gesellschaft, die wir uns erträumen, bereits jetzt 
vorwegnimmt. Zugleich geht es uns um eine Praxis, die im Einklang mit der Natur steht. 
Konkret bedeutet dies ein Minimum an Konsum mit einem Maximum an eigenen, nicht 
umweltschädlichen Lösungen.

Dieses neue Projekt ist in seinem Kern antikapitalistisch ausgerichtet, da der 
Kapitalismus Beziehungen zwischen Personen fördert, die auf dem Gedanken der Nützlichkeit, 
der Herrschaft, der Konkurrenz und des Profits basieren, also all das, was eben nicht zu 
der Gesellschaft führt, die wir anstreben. Gestützt werden all diese negativen 
Erscheinungen von Staaten, Firmen und Unternehmen, die die Welt und unser Land beherrschen 
und ausplündern. Daher begreift sich das Soziale Zentrum als Opposition zu all diesen 
Konglomeraten und ihren Praktiken.

Andererseits ist jedoch klar, dass die Emanzipation nicht möglich ist, ohne Teil der uns 
umgebenden Gemeinschaften zu sein. Daher existiert ABRA neben und inmitten der 
Gemeinschaften, und ist dadurch ebenso von der Unterdrückung betroffen, die sie erleiden, 
wie von den Siegen, die sie in ihrem Kampf erringen. Gleichzeitig beteiligt sich das 
Projekt auch an unterschiedlichsten Widerstandsdynamiken und der Schaffung neuer 
Affinitätsgruppen, denen wir ebenfalls Platz in unserem Zentrum und in unseren Projekten 
einräumen. ABRA möchte all jenen Freundeskreisen, Personen oder Affinitätsgruppen einen 
Raum bieten, die sich nicht auf den eng gesetzten Rahmen von Regierung & Opposition 
beschränken, sondern mittels der direkten Aktion und ohne Vermittlungsinstanz die diversen 
Fragen des alltäglichen Lebens und die Erschaffung von Neuem in allen Sphären der Realität 
in Angriff nehmen.

Dieser Ort positioniert sich aktiv gegen jede Diskriminierung nach Hautfarbe, ethnischer 
Herkunft, Geschlecht, Sexualität, sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität, 
Territorium, Bildungsniveau, ökonomischem Status und allem, was sich gegen die Würde der 
Menschen richtet. Außerdem erkennen wir die Pluralität von Meinungen (politischen, 
ideologischen, moralischen etc.) an, ohne unsere eigenen aufzugeben.

ABRA bietet Raum für den Austausch inmitten einer kommerzialisierten und überwachten Stadt 
und möchte ein Ort der lokalen, nationalen und internationalen Gegeninformation sein, der 
autodidaktischen Bildung, der Gedenken, der Feiern und Begegnungen; ein Versuch, die 
prekäre gegenkulturelle Szene und produktive Autonomie, die in Havanna und Kuba existiert, 
zu fördern.

Das Soziale Zentrum konstituiert sich als ein Ort der sozialen, horizontalen 
Kommunikation, um jenen nationalen und internationalen Erfahrungen eine Stimme zu geben, 
die für die hegemonialen Institutionen nicht von Interesse sind, aber zu einer 
antiautoritären und emanzipatorischen Perspektive beitragen, die jedoch für jene von uns 
von Interesse ist, die in Kuba kämpfen.

Mittel und Zweck stehen hier nicht im Widerspruch: Wichtigste Merkmale sind dabei die 
Horizontalität, die persönliche Freiheit und die aktive Teilnahme auf Grundlage der 
direkten Aktion.

http://lbquadrat.org/kuba-anarchistinnen-eroeffnen-in-havanna-soziales-zentrum-anarchistische-bibliothek-abra/


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