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Fr Mär 30 07:10:49 CEST 2018


Ich traff Hakur Hilmarsson (Spark Funke) in Athen in einem Squat in dem wir gemeinsam 
lebten. Leider hatte ich nie die Gelegenheit, von seinen Erfahrungen zu lernen, welche er 
in den letzten Monaten im Kampf bei dem internationalen Freiheitsbataillon gemacht hatte, 
da diese Geschichte nie von ihm persönlich erzählt werden wird. ---- Die Tatsache, dass 
Hakur Hilmarsson während dem Angriff der türkischen Armee in Afrin ermordet wurde, ist 
damit verbunden, dass er nicht nur auf lokaler, sondern auch weltweit mit internationalen 
Kräften für anarchistische Ideen, Freiheit und Würde kämpfen wollte. ---- Als ich ihn 
kennen lernte, hatte er Freund*innen, Kamerad*innen und Liebhaber*innen in Athen und auf 
der ganzen Welt. Wir gingen zusammen auf Demonstrationen, nahmen an Versammlungen teil, 
tauschten uns über Kampfkunst aus, führten lange und intensive Gespräche und besetzten 
Häuser, um (anarchistische) Räume für Menschen unterschiedlicher Hintergründe zu schaffen. 
Wir lebten selbstbestimmt und selbstorganisiert und führten direkte Aktionen durch, wir 
griffen die kapitalistischen und faschistischen Kräfte an, die versuchten uns zu zerstören 
und zu unterdrücken. Wir teilten den Wunsch, alle Grenzen, Nationen und Staaten zu zerstören.
Hakur Hilmarsson war keine simple anarchistische Persönlichkeit. Er war nicht daran 
interessiert, in einer (anarchistischen) Blase zu verweilen, sondern sich mit 
verschiedenen Menschen auszutauschen. Ich schätze, das ist der Grund, warum ihn so viele 
Leute von verschiedensten Orten lieben. Dadurch, dass er für viele verschiedene 
Perspektiven offen war, hatte er auf praktischer, sozialer und spiritueller Ebene viel zu 
bieten und zeigte gegenseitigen Respekt.

Hakur Hilmarsson war ein Befürworter einer Idee, die ich "Vielfalt der Taktiken" nennen 
würde. Er interessierte sich für verschiedene Arten von Interventionstaktiken: Gedichte 
und Musik, um das Feuer in unseren Herzen zu entfachen, Artikel und Reden, um den Wunsch 
nach Freiheit auszudrücken, Klettern und Einbruch in leere Häuser, um sie zu besetzen und 
wieder aufzubauen, aber er rüstete sich auch mit Stöcken und Waffen, um für revolutionäre 
Veränderungen zu kämpfen.
Hakur Hilmarsson war ein guter Thaiboxer. Wir übten gemeinsam, um unsere 
Selbstverteidigungsfähigkeiten zu entwickeln und uns in die Lage zu versetzen, wenn nötig 
mit körperlicher Gewalt zurückzuschlagen.
Er war nicht nur ein revolutionärer Anarchist, er war auch ein freundlicher, netter und 
liebenswerter Mensch. Und wenn er an einer Aktion oder an einem Projekt teilnahm, steckte 
sein Potential da drin.

Ich mochte ihn sehr wegen seiner Persönlichkeit und seiner inspirierenden Lebensweise. Bei 
fast allem was wir gemeinsam machten, hatten wir eine Menge Spass. Ich erinnere mich an 
ihn als einen sozialen und aufgeschlossenen Menschen mit der Fähigkeit, Verpflichtungen 
einzugehen, wenn sie für ihn Sinn machten. Aber nie würde Hakur Hilmarsson seinen 
individuellen und erfrischenden Stil verlieren. Vielleicht ist die Erklärung eines/einer 
gemeinsamen Freundes/Freundin treffend, um die Komplexität seiner friedlichen, aber 
militanten Haltung zu erklären: "ein Pazifist bis zum ersten Schlag". Ich finde es wichtig 
zu erwähnen, dass er nicht angeben wollte, aber sich des Wertes seiner Erfahrungen bewusst 
war. All diese so genannten Widersprüche machten ihn in meinen Augen verblüffend schön.

Die Hierarchien innerhalb unserer anarchistischen Strukturen wurden von ihm regelmäßig 
hinterfragt und kritisiert. Also würde es ihm wohl nichts ausmachen, wenn ich folgendes 
erwähne. Manchmal war er ein kleines bisschen nervig und ich respektiere das, weil das 
total menschlich ist. Manchmal hat er sich typisch männlich verhalten, besonders in der 
Art, die tief in unseren anarchistischen Kämpfen verwurzelt ist. Der Grund, warum ich das 
erwähne, ist, dass ich kein Bild eines Helden zeichnen oder nur eine Seite einer Person 
zeigen möchte.

Wir sollten niemals die kraftvollen und schönen Taten vergessen, die er vollbracht hat. 
Alle, die ihm begegnet sind, werden den Verlust verstehen, den sein Tod bedeutet. Trotzdem 
muss ich sagen, dass ich ihn nicht als Helden erkenne. Aber ohne Zweifel können wir sagen, 
dass Hakur Hilmarsson ein intensives Leben führte und viele Menschen immer wieder 
beeindruckt hat.

Ich erinnere mich, dass wir uns in der Frage unserer anarchistischen Positionen in Bezug 
auf (kommerzielle)Medien nicht einig waren. Seine Meinung war, dass wir die Medien 
strategisch nutzen sollten, wessen ich widersprach. Ich habe die Medien nie als ein 
legitimes Mittel gesehen, um den Kampf gegen den Kapitalismus und den Staat zu führen, 
weil sie ein integraler Bestandteil des Problems und damit ein Feind sind. Wie auch immer, 
es hatte Spaß gemacht, mit ihm über diese Dinge zu streiten. Ich denke, das Verständnis 
unserer Unterschiede war wichtig für unsere Beziehung und änderte nichts daran, dass ich 
mich auf politischer, sowie persönlicher Ebene stark mit ihm verbunden fühlte.

Hakur Hilmarsson war überhaupt nicht dogmatisch. Seine Positionen waren sehr politisch, 
aber er beschränkte sie nicht auf irgendeine Ideologie. Weder eine anarchistische, noch 
andere Ideologien waren in ihm erkennbar, wenn er sprach. Es war offensichtlich, dass er 
ein großes Interesse an revolutionären Kämpfen und ihren praktischen Vorbereitungen hatte. 
Seine undogmatische anarchistische Art war ein großer Einfluss für uns alle. Hakur 
Hilmarsson warf wichtige Fragen auf. Er versuchte herauszufinden, wie wir unsere Kämpfe 
stark und sinnvoll gestalten können. Seit dem ersten Tag, als ich Hakur Hilmarsson 
kennenlernte, machte er einen sehr respektvollen, nachdenklichen und ehrlichen Eindruck 
auf mich. Er konnte seine Meinung ohne zu zögern sagen, er konnte seine Positionen 
erklären, er war an vielen verschiedenen Themen interessiert und hatte einen klaren Kopf. 
Aber manchmal hatte wir genug von politische Diskussionen oder wir brauchten etwas Ruhe, 
dann genossen wir es, ironisch zu sein, scherzten viel und hatten eine gute Zeit zusammen. 
Er war ein großartiger Geschichtenerzähler und bald wurde klar, dass er viel zu erzählen 
hatte und ich bin dankbar, dass er viele faszinierende und lustige Erfahrungen mit uns 
geteilt hat.

Hakur Hilmarsson wusste, dass er nicht alleine kämpfte und er hatte Kamerad*innen, die mit 
ihm kämpften. Von Island über Griechenland bis nach Rojava: Er hat sein Leben dem 
revolutionären Kampf gewidmet, so wie auch wir es tun. Wir kämpfen tagtäglich für die 
Revolution, da wir als Anarchist*innen nicht auf einen besseren Moment in der Zukunft 
warten wollen. Nicht weil wir Helden und Heldinnen sind, sondern weil es keinen besseren 
Moment gibt als jetzt. Wir tragen Hakur Hilmarsson und seine Taten in unseren Herzen, in 
unserem Geist und in dem Feuer, das wir verbreiten. Bis zum Tod des Kapitalismus und der 
Zerstörung der Staaten! Was wir dafür brauchen ist eine Revolution, unsere individuelle 
und kollektive Revolution. Wir brauchen keine Held*innen. Wir müssen einfach unsere eigene 
Verantwortung erkennen. Leider können mich diese Held*innenfiguren nicht besser fühlen 
lassen, zumindest nicht, solange ich friedlich bleibe und nicht mit der befriedeten 
Gesellschaft breche. Mit anderen Worten: Dieser Held*innentum ist lächerlich. Es ist eine 
Konstruktion von passiven Beobachter*innen. Es ist eine bedeutungslose Konstruktion, die 
geschaffen wurde, um die bequemen Positionen der politischen Linken zu bewahren. Wir 
müssen den Feind vor uns erkennen, bewusste Entscheidungen treffen und zurückschlagen - in 
unserem alltäglichen Leben, in unseren Beziehungen, in unseren Versammlungen und in 
unseren Kämpfen. Die Revolution wird entweder von bewaffneten, dezentralen und "einfachen" 
Menschen erkämpft oder sie wird scheitern. Entweder werden wir alle Held*innen oder 
keine*r von uns.

Wie können wir auf ein besseres Morgen hoffen, wenn wir nicht für ein besseres Heute 
kämpfen? Wie können wir über Frieden reden, wenn Krieg die Sprache unserer Feinde ist? 
Einige von uns riskieren ihr Leben, um für eine bessere Zukunft zu kämpfen, aber wir alle 
sollten heute einen Schritt nach vorn machen und Risiken eingehen. Der bewaffnete Kampf 
braucht EUCH!

Wenn wir uns wirklich befreien wollen und für die Zerstörung der kapitalistischen 
Gesellschaft und der Herrschaft der Staaten kämpfen wollen, ist ein Krieg gegen alle 
Autoritäten notwendig. Wenn wir also Freiheit und Selbstbestimmung, Anarchie und 
Autonomie, eine Welt ohne Grenzen und ohne Herrschaft wollen - sollten wir alle ein FUNKE 
werden!

"[....]UND BEKÄMPFEN WIR DIE DEPORTATIONEN!"

Umarmungen und Küsse für diejenigen, die den Funken in ihren Herzen tragen!

Solidarität mit den revolutionären Menschen in Rojava!

Rache für Efrin! Rache für Hakur Hilmarsson!

https://barrikade.info/Carry-the-spark-inside-your-heart-Fight-for-Efrin-954

https://karakok.wordpress.com/2018/03/26/26699/


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