(de) fau: "Wenn wir anhalten, steht die ganze Welt still" - Zum feministischen Generalstreik in Spanien am 8. März

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So Mär 25 06:53:09 CEST 2018


"Gemeinsam streiken wir - gemeinsam schreiten wir voran!" Unter diesem Motto hatte die CNT 
(Confederación Nacional del Trabajo) gemeinsam mit der CGT (Confederación General del 
Trabajo) und anderen progressiven Gewerkschaften zum feministischen Generalstreik am 8. 
März 2018 in Spanien aufgerufen. Mit überwältigendem Erfolg: Laut des Bündnisses kamen 
rund fünf Millionen Menschen dem Aufruf nach und legten ihre Arbeit nieder. Insbesondere 
an den Schulen und Universitäten kam der Betrieb weitgehend zum erliegen, aber auch der 
öffentliche Nahverkehr war stark eingeschränkt. Am Abend fanden in allen größeren Städten 
feministische Demonstrationen statt, an denen sich Hunderttausende beteiligten. Es war das 
erste Mal in der Geschichte Spaniens, dass Gewerkschaften im Rahmen der feministischen 
Bewegung zu einem solchen Streik am internationalen Frauentag mobilisierten.

Im Vorfeld hatten in der CNT organisierte Arbeiterinnen in Videos und bei 
Pressekonferenzen erklärt, warum sie sich am Streik beteiligen würden. "Die Gesellschaft 
ist immer noch chauvinistisch, Frauen haben weniger Rechte als Männer, aber mehr 
Pflichten," erklärte ein CNT-Mitglied. Eine andere Genossin fügte hinzu: "Wir 
Arbeiterinnen müssen uns gemeinsam verteidigen, denn es gibt keinen Unterschied zwischen 
dem, was sie Lohnarbeit nennen, und dem, was Sorge- und Hausarbeit heißt." "Als Kollektiv 
von Transpersonen kämpfen wir für die Sichtbarkeit unserer Identität und unsere 
Arbeitsrechte," unterstrich eine in der CNT organisierte Sexarbeiterin, während ein andere 
Genossin verkündete: "Einer der vielen Gründe, warum ich mich am feministischen Kampf 
beteilige, ist, weil ich es satt habe, als Objekt oder Besitz behandelt zu werden. Mein 
Körper gehört mir und kein anderer entscheidet darüber."

Es war diese Vielstimmigkeit innerhalb einer breiten und von unten organisierten Bewegung, 
die am 8. März ein so beeindruckendes Zeichen gegen sexistische und kapitalistische 
Ausbeutung setzte. Bereits in den frühen Morgenstunden hatten Gewerkschafterinnen im 
ganzen Land Streikposten vor ihren Betrieben gebildet, vielerorts wehten schwarz-violette 
CNT-Fahnen. Tagsüber fanden in zahlreichen Städten Versammlungen und Kundgebungen statt. 
Am Abend zogen hunderttausende Demonstrierende durch die Straßen, in Barcelona war von 
600.000, in Madrid von 500.000 die Rede. Singend und auf Töpfe schlagend machten die 
Teilnehmer*innen auf ihre Anliegen aufmerksam. Sie protestierten etwa für die 
gesellschaftliche Anerkennung von Reproduktionsarbeit, das Recht auf Abtreibung und 
körperliche Selbstbestimmung, gleichen Lohn für gleiche Arbeit und gegen die 
Prekarisierung vermeintlich weiblicher Berufe, wie in der Pflege-, Erziehungs- und 
Reinigungsbranche. Die Stimmung war ausgesprochen kämpferisch. Im Anschluss sagte eine 
CNT-Gewerkschafterin in einer Videobotschaft: "Es war ein spektakulärer Tag. Noch nie in 
meinem Leben habe ich Frauen so einig erlebt." Und eine andere ergänzte: "Das war ein 
Gefühl der Größe und Selbstermächtigung, ich bin absolut stolz auf meine Genossinnen und 
Genossen."

Nach dem Generalstreik am 3. Oktober vergangenen Jahres gegen die Repression in Katalonien 
war es das zweite Mal binnen kurzer Zeit, dass ein Bündnis antikapitalistischer 
Basisgewerkschaften zu einem 24-stündigen Generalstreik aufrief. Die großen 
Mehrheitsgewerkschaften CC.OO und UGT beraumten hingegen erneut nur eine symbolische 
Niederlegung der Arbeit für zwei Stunden an. Laut Stellungnahmen der CNT und CGT 
behinderten sie die Mobilisierungen zum Streik durch gezielte Desinformation, indem sie 
erklärten, dieser sei illegal. Zahlreiche Unternehmen versuchten zudem, Arbeiter*innen von 
der Teilnahme abzuhalten. In Madrid waren zwei Arbeiterinnen des 
Telekommunikationsunternehmens "telemarketing" entlassen worden, weil sie angekündigt 
hatten, zu streiken. Trotzdem wertete die CNT die Mobilisierungen bereits vor dem 8. März 
als Erfolg, weil der Streik und die Forderungen der feministischen Bewegung von den Medien 
aufgegriffen wurden und in aller Munde waren.

Das internationale Sekretariat der CNT stufte die Massendemonstrationen am Abend als 
"historisch" ein: "Die Stimmung war ekstatisch. Die CNT beteiligte sich an diesen 
Demonstrationen mit ihren eigenen Anliegen, aber auf Augenhöhe und gleichberechtigt mit 
den anderen Gruppen. Es gab eine Synergie zwischen uns und großen Teilen der 
basisdemokratischen feministischen Bewegung, die nicht Teil politischer Parteien und der 
Mehrheitsgewerkschaften ist. Wir hoffen, dass diese Beziehungen anhalten und arbeiten 
daran, sie zu vertiefen." Tatsächlich zeigte die Schwestergewerkschaft der FAU vergangene 
Woche deutlich, dass Syndikalismus und Feminismus kein Widerspruch sind. Ganz im Gegenteil 
bewiesen die Streikenden, wie mächtig eine feministische und klassenkämpferische 
Gewerkschaftspraxis im Kampf um die Rechte aller Lohnabhängigen sein kann.

Denn die Mobilisierung für den Generalstreik bot Gelegenheit, feministische Forderungen in 
die Öffentlichkeit zu tragen. Frauen waren in hohem Maße als Organizerinnen, 
Gewerkschaftssekretärinnen, Sprecherinnen auf Pressekonferenzen und Kundgebungen, als 
Streikende und Demonstrierende vor den Betrieben, in den Gewerkschaftlokalen und auf der 
Straße präsent. Ihre aktive Rolle kam jedoch nicht von ungefähr. Durch Arbeitskämpfe in 
prekären Bereichen hatten sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr Frauen in der CNT 
organisiert. Für sie ist die Gewerkschaft nicht nur ein Instrument, um ihre Rechte am 
Arbeitsplatz durchzusetzen, sondern auch, um feministische Kämpfe zu führen.

Während der Streik in der internationalen Presse große Beachtung fand, griffen die Medien 
in Deutschland das Thema kaum auf. Die FAU war dem Aufruf der Schwestergewerkschaft 
nachgekommen und hatte eine Solidaritätsnote an die Genoss*innen in Spanien geschickt. 
Viele FAU-Syndikate beteiligten sich am 8. März an feministischen Kundgebungen und 
Demonstrationen in ihren Städten. Ein Streik wie in Spanien wäre in der BRD jedoch von 
staatlicher Verfolgung bedroht, denn deutsche Gerichte haben das Grundrecht auf Streik in 
den letzten Jahrzehnten immer wieder in Frage gestellt. Ihnen ist bewusst, was für ein 
ermächtigendes Instrument der Streik in den Händen der Arbeiter*innen ist. Daran, dass 
dieses effektiv eingesetzt wird, haben sie kein Interesse. Doch Rechte werden wirksam, 
indem man sie wahrnimmt. Vielleicht heißt es deshalb schon am 8. März 2019 auch 
hierzulande: "Gemeinsam streiken wir - gemeinsam schreiten wir voran!"

Kampagnenseite der CNT
Videozusammenschnitt 8M: Streikposten, Kundgebungen, Demonstrationen in zahlreichen 
Städten Spaniens

http://www.fau.org/artikel/art_180319-202932


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