(de) anarcho syndikalismus: Putzen ist so gesundheitsschädlich wie Rauchen

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Sa Mär 24 08:09:46 CET 2018


Eine neue Studie weist erneut auf die Gesundheitsrisiken durch den Einsatz von chemischen 
Reinigungsmitteln hin. Höchst bedenklich ist dabei, dass die häufige Verwendung von 
Putzmitteln ebenso gefährliche Auswirkungen auf die Lunge hat, wie das Rauchen einer 
Packung Zigaretten pro Tag. Diese Tatsache zeigt, wie nötig es ist, dass wir als 
Gesellschaft darüber diskutieren sollten, wie überhaupt gereinigt wird - nicht nur am 
Arbeitsplatz, sondern auch zuhause. Das Forschungsergebnis hebt zudem die Gefahren hervor, 
denen besonders Frauen* bei der Verwendung chemischer Putzmittel[vor allem 
Sprays]ausgesetzt sind. ---- Die Studie hat rund 6.000 Menschen über einen Zeitraum von 20 
Jahren beobachtet und dabei eine Langzeitwirkung noch 10 bis 20 Jahre nach Ausübung von 
Reinigungsarbeiten festgestellt. Die Forscher*innen fanden heraus, dass Frauen* im 
Vergleich zu Männern* an weitaus schwerwiegenderen Gesundheitsproblemen leiden müssen, 
wenn sie längere Zeit Reinigungsprodukte verwendet haben. Das Untersuchungsergebnis zeigt 
deutlich, dass Frauen*, die aus beruflichen oder privaten Gründen putzen, deutlich größere 
Lungenschäden davontragen als solche, die mit der Reinigung nichts zu tun haben. Die 
meisten Atemwegserkrankungen wurden bei weiblichen* Reinigungskräften festgestellt, welche 
auch zuhause das Putzen erledigen. Die angerichteten Schäden waren vergleichbar mit dem 
Konsum von 20 Zigaretten pro Tag im gleichen Zeitraum, was besonders erschütternd ist im 
Hinblikck auf das entsprechende Risiko an Lungenkrebs und Asthma zu erkranken.

Die Studie verweist darauf, dass weitere Forschung dazu nötig ist, um herauszufinden, 
warum Frauen* mehr unter der Belastung durch Chemikalien leiden als Männer*. Eine 
Erklärung dafür ist jedoch, dass dabei weniger Männer* untersucht wurden, die überhaupt 
Reinigungsarbeiten leisten. Ein weiterer Hinweis könnte sein, dass in der Studie weitaus 
mehr Frauen* als Männer* chemischen Putzmitteln ausgesetzt waren, denn von den 
untersuchten Teilnehmerinnen* gaben 85 % an, dass sie auch zuhause die Putzfrauen* sind.

Dieses Forschungsergebnis ist beachtlich, denn es handelt sich um eine der wenigen 
Studien, die überhaupt die Langzeitwirkung von chemischen Reinigungsmitteln auf die Lunge 
untersucht haben. Außerdem wurde die Folgen des häuslichen Einsatzes dieser Schadstoffe 
mit einbezogen, obwohl dieser Lebensbereich von der Wissenschaft weitgehend vernachlässigt 
wird. Die Forscher*innen vermuten, dass das Ausmaß der Lungenschäden dadurch erklärt 
werden kann, dass die in den Putzmitteln verwendeten Chemikalien die empfindlichen 
Bronchialschleimhäute reizen. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass die dramatischen 
Ergebnisse nicht überraschen sollten, wenn man bedenkt, dass es zur Einatmung von "kleinen 
Teilchen von Reinigungsmitteln, welche zur Reinigung des Bodens und nicht der Lunge 
gedacht sind" kommt.

Eine wirkliche Neuigkeit ist jedoch, dass die Ergebnisse recht nachvollziehbar waren. Die 
Untersuchung beschäftigte sich mit Lungenfunktionstests aus 22 Studien in ganz Europa, 
wobei die Aussagen bemerkenswert übereinstimmend waren[siehe: European Community 
Respiratory Health Survey, ECRHS]. Daher wurde festgestellt: "Nachdem die Leute 20 Jahre 
lang untersucht worden waren, ist das Ergebnis herausragend, selbst im internationalen und 
multizentrischen Vergleich."

Dieses neue Forschungsergebnis erklärt auch, warum zahlreiche andere Untersuchungen 
belegen, dass dauerhafte Atemwegserkrankungen, wie Lungenemphyseme, Chronische Bronchitis 
und Asthma, auch durch Reinigungsarbeiten verursacht werden können. Jedoch sind 
Atemwegserkrankungen nicht die einzige Gefahr für Putzkräfte, denn andere Studien zeigen: 
Ein hoher Anteil des Reinigungspersonals leidet zudem unter schweren 
Verschleißerkrakungen, wie beispielsweise Rückenschmerzen, Sehnenentzündung, Arthritis, 
Karpaltunnelsyndrom, Schultergelenkverletzung (Rotatorenmanschettenruptur) und 
schwingungsbedingte Durchblutungsstörung (Vibrationsbedingtes vasospastisches Syndrom). 
Alle diese Erkrankungen führen zu chronischen Schmerzen, danach auch zu Einkommensverlust 
und höchtwahrscheinlich zu dauerhaften Einschränkungen.

Obwohl es unübersehbare Beweise dafür gibt, dass Reinigungsarbeiten eine schwere Gefahr 
für die Gesundheit darstellen, ist doch wenig darüber bekannt. Da Putzen zuhause oder am 
Arbeitsplatz immernoch mehrheitlich von Frauen* erledigt wird, werden die Gefahren dadurch 
nicht weiter ernst genommen. Diese Situation wird noch dadurch verschlechtert, dass in der 
Reinigungbranche zunehmend unsichere Jobs verbreitet sind, bei denen Arbeitsmenge und das 
Personal immer mehr unter Leistungsdruck steht, was letztlich zulasten ihrer Gesundheit geht.

Der Bedarf an Reinigungstätigkeiten ist die Grundlage für eine gesunde Gesellschaft und 
eine funktionierende Wirtschaft. Doch Putzen ist eine randständige und niedrig angesehene 
Aktivität, welche von den Bessergestellten und Mächtigen wie eine Seuche gemieden wird, 
auf Kosten der schwachen und weniger organsierten Teile der Gesellschaft. Damit die 
dringend benötigte Alltagstätigkeit des Putzens überhaupt jemals wirklich sicher gestaltet 
werden kann, müsste es einen grundlegenden Wandel geben in der Art, wie die Gesellschaft 
organisiert ist, damit die vermeidbaren Risiken der Reinigungstätigkeiten ganz überwunden 
werden können. Ein Schritt in diese Richtung würde sein, dass alle Putzaufgaben von der 
gesamten Gesellschaft gleichberechtigt übernommen werden.

Solidarity Federation Manchester (SF-IAA)

http://solfed.org.uk/manchester/women-who-clean-at-home-or-at-work-face-the-same-risk-as-smoking-20-cigarettes-a-day

Mehr dazu:
http://www.thoracic.org/about/newsroom/press-releases/resources/women-cleaners-lung-function.pdf

Übersetzung: Anarchosyndikalistisches Netzwerk - ASN Köln
CreativeCommons: BY-NC (anarchosyndikalismus.org)


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