(de) FAU, direkte aktion: DIE INTERNATIONALE - UNVERZICHTBARER GRUNDPFEILER DER ARBEITERORGANISATION

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Di Mär 13 06:40:51 CET 2018


Zurzeit arbeiten anarcho-syndikalistische Organisationen, unter ihnen die FAU, daran, eine 
neue Internationale zu gründen. In Zeiten, in denen die anarcho-syndikalistische Bewegung 
wenig Einfluss auf die Arbeiterbewegung hat, mag sich vermutlich die ein oder andere die 
Frage stellen, ob dies noch sinnvoll, noch zeitgemäß ist. ---- Globales Hintergrund Von: 
Stefan - 7. März 2018 ---- Als am 25. Juli 1914, am Vorabend des 1. Weltkrieges, der 
SPD-Parteivorstand zu Massendemonstrationen gegen das "verbrecherische Treiben der 
Kriegshetzer" aufrief, war dies ein Akt der internationalen Solidarität. Solidarität, so 
schon der Kerngedanke von Marx, Engels, Bakunin und anderen Genoss*innen, ist unabdingbar 
im Kampf für die Emanzipation der Arbeiterklasse und so gründeten sie 1864 die 
Internationale Arbeiterassoziation.

Es ist kaum vorstellbar, dass grundlegende, gesellschaftliche Veränderungen im Sinne der 
Arbeiterklasse ohne internationale Kooperation gelingen könnten. Als die SPD noch im 
gleichen Jahr den Kriegskrediten zustimmte, war dies die erste große Niederlage der 
Arbeiterklasse, die die Welt in den bis dahin größten Waffengang stürzte und Millionen 
Menschen in den Tod riss. Die Sozialistische Internationale hatte versagt und löste sich 
folgerichtig mit Beginn des Krieges auf.

Die Kommunist*innen um Lenin gründeten 1919 in Moskau die Dritte Internationale, von der 
die Anarchist*Innen ausgeschlossen blieben. Sektiererische Spaltungen prägten schon früh 
die Beziehungen der sozialistischen Strömungen, so dass mehrere Versuche, die 
Arbeiterklasse erneut in einer Internationale zu vereinen, stets fehl schlugen. Die 
anarcho-syndikalistische Bewegung zog daraus die Konsequenz und gründete 1920 die 
Internationale Arbeiter-Assoziation als Nachfolgeorganisation der Ersten Internationale. 
Seit den 1940er Jahren jedoch verlor die IAA zunehmend an Einfluss innerhalb der 
Arbeiterbewegung.

Wie fatal das ist, lässt sich leicht an den gesellschaftlichen Zuständen ablesen, die 
heute weltweit herrschen. Die sozialdemokratischen Gewerkschaften, die in den allermeisten 
Ländern die mächtigste Strömung der Arbeiterbewegung stellen, sind nicht Willens und in 
der Lage, die Arbeiterklasse zu organisieren. Die seltenen Arbeitskämpfe werden im Sinne 
des nationalen Kapitals geführt. Dringend notwendige Solidaritätsaktionen und -streiks, um 
dem Kapital in dieser globalisierten Welt etwas entgegen zu setzen, finden nicht statt. 
Für Arbeitgeber ist es zurzeit ein leichtes Spiel, die Belegschaften international 
gegeneinander auszuspielen.

Nationalismus steht bei den Forderungen der sozialdemokratischen Gewerkschaften im 
Vordergrund, von Solidarität keine Spur. Wenn eine von Arbeitsplatzabbau bedrohte 
Belegschaft eines internationalen Konzerns mit Nationalflaggen demonstriert, statt 
gemeinsam mit Kolleg*innen ausländischer Werke in Arbeitskämpfe zu treten, führt sich die 
Arbeiterbewegung ad absurdum. In der Regel reicht es nicht, sich einer Unternehmensführung 
national entgegen zu stellen. In einer globalisierten Wirtschaft stehen Werke, die 
wichtige Güter für ein Unternehmen produzieren, ggf. im Ausland, so dass dann dort die 
entscheidenden Hebel nicht greifbar sind.

Gerd Arntz (1936), Title: Strike

Einer der bedeutendsten Arbeitskämpfe der Bundesrepublik, 2004 bis 2014 bei Opel in 
Bochum, war von breiter Sympathie der Bevölkerung getragen. Der Automobilkonzern 
beabsichtigte, das Werk in Bochum zu schließen. 2004/05 konnte die Belegschaft den Angriff 
noch einmal abwehren. Zu verdanken war dies auch dem Umstand, dass das Karosseriepresswerk 
Teil des Bochumer Werks war und ein Ausfall nicht kompensiert werden konnte. Die 
Geschäftsführung gliederte in der Folge das Presswerk aus, so dass der Belegschaft dieses 
Druckmittel schließlich fehlte und hier nur noch die internationale Solidarität der 
Kolleg*innen hätte helfen können. Obwohl die Bochumer Belegschaft immer wieder geschlossen 
streikte, konnte sie nicht mehr genug Druck aufbauen, um die Betriebsschließung zu 
verhindern - es fehlte die Hilfe der Kolleg*innen anderer Werke, sowohl in Rüsselsheim als 
auch international. Die Kolleg*innen gaben sich stattdessen, angeleitet von ihren 
Betriebsräten und Gewerkschaften, mit der vermeintlichen Absicherung ihres eigenen 
Arbeitsplatzes zufrieden und ließen dann in letzter Konsequenz ihren Beistand vermissen. 
Eine solidarische Organisation kann nur eine internationale Arbeiterorganisation leisten. 
Sie ist unverzichtbar, um Arbeitskämpfe weitblickend und erfolgreich zu führen.

Wenn Konzernzentralen im Ausland sitzen, muss auch dort der nötige politische Druck 
aufgebaut werden. Isolierte nationale Arbeitskämpfe sind wenig erfolgversprechend. Ein 
gutes Beispiel ist die Ausbeutung von Rohstoffen in Afrika; Die Empörung vor Ort mag 
enorm, die Bereitschaft für Widerstand gar groß sein, aber ohne die Hilfe der 
desinteressierten Bevölkerung in Europa ist die ausgebeutete Arbeiterklasse vor Ort 
weitgehend hilflos. Selbst ein nationaler Generalstreik richtet in solchen Fällen nicht 
viel aus. Internationale Konzerne sind in der Regel nicht von einzelnen Abbaugebieten 
abhängig und können Engpässe, die Streiks erzeugen könnten, umgehen. Ein international 
organisierter Arbeitskampf dagegen würde dem betroffenen Unternehmen tatsächlich 
Schwierigkeiten bereiten. Politische Solidaritäts- und Boykottkampagnen, die Arbeitskämpfe 
gegen ausbeuterische Arbeitsverhältnisse in der Produktion unserer Lebensmittel 
gelegentlich flankieren, bedürfen ebenso einer internationalen Organisation. Wenn die 
Wirtschaft stark exportorientiert ist, hat eine sinkende nationale Nachfrage keinen 
nennenswerten Effekt. Es ist schon erforderlich, dass die streikende Klasse Unterstützung 
durch die Konsumenten im Abnehmerland erfährt.

Eine Internationale ist auch in Krisenzeiten unentbehrlich. Für unterdrückte Kolleg*innen 
und Genoss*innen sowie politische Gefangene kann es eine Lebensversicherung sein, wenn 
solidarische Menschen aus aller Welt einem Regime unmissverständlich klar machen, dass 
nicht unbemerkt und unwidersprochen bleibt, wenn Menschen unterdrückt und repressiven 
Ideologien geopfert werden. Oft ist die Solidarität internationaler Kolleg*innen und 
Genoss*innen das letzte, was bleibt, wenn die Arbeiterklasse durch Angriffe zu schwach 
ist, um sich entscheidend zu behaupten.

Zurzeit tobt ein Krieg in Syrien. Auf diesem Schlachtfeld wird inzwischen länger gemordet, 
als es im Zweiten Weltkrieg der Fall war. Die Folge ist die größte Fluchtwelle seit 1945, 
worauf den Europäer*innen außer Abschottung nichts einfällt. Ignorant und schulterzuckend 
reagiert Europa, als wäre dieser Krieg eine Naturkatastrophe, die ohne Beitun der 
Menschheit entstanden wäre und die man unmöglich beeinflussen könnte. Hilflosigkeit ist 
das beherrschende Gefühl, es scheint keine Möglichkeit zu geben, an die agierenden 
Regierungen zu appellieren. Keine Vereinten Nationen, kein Papst, niemand, der mit der 
nötigen Autorität die Stimme erhebt. Dies ist Aufgabe einer Internationale; die 
Arbeiterklasse global verbinden, im Namen der Arbeiterklasse den Herrschenden die Grenzen 
aufzeigen und gemeinsam für unsere Rechte eintreten. Ein internationaler Generalstreik 
gegen den Krieg kann ein sehr mächtiges Zeichen sein, unmöglich für die Kriegsparteien, 
dies zu übergehen. Wenn sich Metallarbeiter*innen weigern, Waffen herzustellen, wenn sich 
Logistiker*innen weigern, für Nachschub zu sorgen, wenn sich Soldat*innen weigern, die 
Waffe zu erheben, dann haben Regierungen ein Problem, ihren Krieg fortzusetzen.

Die Gründung einer neuen Internationale ist ein unverzichtbarer Baustein, um die 
Arbeiterklasse global zu organisieren und um uns eine gemeinsame Stimme zu verleihen. Nur 
gemeinsam können wir eine freie, sozial gerechte Welt erkämpfen. Die Solidarität ist 
unsere Waffe gegen die Zumutungen unserer Ausbeuter und Herrscher.

https://direkteaktion.org/die-internationale-unverzichtbarer-grundpfeiler-der-arbeiterorganisation/


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