(de) fau dresden: 5 JAHRE NSU-PROZESS - DER NSU-KOMPLEX IM KONTEXT DEUTSCHER UND SÄCHSISCHER VERHÄLTNI SSE

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Sa Mär 10 07:52:18 CET 2018


Eine gemeinsame Veranstaltungsreihe der Gruppen DRESDEN postkolonial, malobeo, WHAT, 
kosmotique, FAU Syndikat Dresden, NSU Watch Sachsen und critique'n'act ---- Kein 
Schlussstrich - NSU Komplex auflösen! ---- Am 6. Mai 201 3 begann vor dem 
Oberlandesgericht München der NSU-Prozess. Voraussichtlich im Frühjahr 201 8 wird der 
Prozess nach über 400 Verhandlungstagen zu Ende gehen. Längst aber ist offenkundig, dass 
die auf wenige Einzelverdächtige konzentrierten Verhandlungen mehr Fragen als Antworten 
hinterlassen. ---- Die versprochene " lückenlose Aufklärung" bleibt schon hinsichtlich der 
Unterstützungsnetzwerke des NSU oder der Verstrickungen von Verfassungsschutz und V-Leuten 
systematisch unerfüllt. Das Ende eines Gerichtsprozesses - der selbst einer kritischen 
Aufarbeitung bedarf - kann und darf daher keinen Schlussstrich unter die Aufgabe einer 
Aufarbeitung des NSU-Komplexes bedeuten.

Der NSU-Komplex umfasst mehr als die Mord- und Terrorserie des NSU und das multiple 
Versagen der Ermittlungs-, Sicherheits- und Justizbehörden bei deren Aufklärung. Denn der 
NSU entstand nicht im luftleeren Raum. Er steht in einer langen Tradition organisierter 
rassistischer Gewalt und rechten Terrors, auf die Medien, Behörden, Politik und 
Mehrheitsgesellschaft oft genug mit Bagatellisierung, Problemverdrängung oder mit 
ihrerseits rassistischen Denk- und Handlungsmustern gegenüber den Opfern und Betroffenen 
reagierten. Die Verhältnisse und Strukturen - die auch den NSU ermöglichten - sind kein 
isoliertes Problem eines ‚rechten Randes‘. Sie durchziehen die sogenannte "Mitte der 
Gesellschaft" und die medialen und staatlichen Institutionen. Die Beispiele dafür reichen 
von den ‚Wehrsportgruppen‘ seit den 1 970er Jahren, über die Pogrome der 1990er Jahre, auf 
die die Politik mit der faktischen Abschaffung des Asylrechtes reagierte, bis zu jüngsten 
militant-neonazistischen Gruppierungen - wie der "Gruppe Freital" und anderen ‚Bürgerwehren‘.

Gerade in Sachsen, das dem NSU über Jahre einen sicheren Rückzugsort und eine 
Operationsbasis bot und das ein Brennpunkt rassistischer Gewalt, neonazistischer 
Strukturen und eines allgemeinen gesellschaftlichen Rechtsrucks bleibt, wollen wir uns dem 
bundesweiten Aufruf "Kein Schlussstrich! - NSU Komplex auflösen" anschließen. Eine Reihe 
von Veranstaltungen und Aktionen in Dresden soll dabei mit verschiedenen 
Themenschwerpunkten zur unabgegoltenen Aufgabe der Aufarbeitung und Auflösung des NSU 
Komplexes und zur Mobilisierung zu Protesten anlässlich der anstehenden Urteilsverkündung 
im NSU-Prozess beitragen.

In Gedenken an:
Enver Simsek, Abdurrahim Özüdogru, Süleyman Tasköprü, Habil Kiliç, Mehmet Turgut, Ismail 
Yasar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubasik, Halit Yozgat, Michèle Kiesewetter.

8. März 2018 | Kein Schlussstrich! - Perspektiven, Paradoxien und Grenzen der Aufarbeitung 
des NSU-Komplexes
Motorenhalle des riesa efau (Wachsbleichstraße 4a, 01067 Dresden), 19 Uhr

Impulsvorträge und Diskussion mit Hannah Zimmermann; Lee Hielscher; Robert Enge; Tino 
Heim; Jane Viola Felber

Die Veranstaltung wirft einen kritischen Blick auf Ergebnisse, Widersprüche und Grenzen 
der bisherigen juristischen, politischen, kulturellen und zivilgesellschaftlichen 
Bemühungen um eine Aufarbeitung des NSU-Komplexes. Angesichts jüngster Entwicklungen 
rassistischer und neonazistischer Gewalt und der Kontinuitäten vielfältiger Formen des 
strukturellen und institutionellen Rassismus in Behörden, Medien und Gesellschaft steht 
dabei auch zur Diskussion, wie eine weitgehend noch ausstehende adäquate Aufarbeitung dazu 
beitragen könnte, die vielschichtigen Ursachen und Konstellationen rassistischer Gewalt 
nicht nur zu benennen, sondern zu überwinden.

14. März 2018 | Mit angezogener Handbremse? - Der NSU-Untersuchungsausschuss in Sachsen
Projekttheater (Louisenstraße 47, 01099 Dresden), 19 Uhr

Vortrag mit NSU Watch Sachsen

Bald drei Jahre bemüht sich der zweite sächsische Untersuchungsausschuss um Aufklärung im 
NSU-Komplex. Über vierzig Zeugen/innen wurden bisher vernommen, drei Schwerpunkte 
untersucht: Die Ermittlungen rund um den Brand in der Frühlingsstraße, die Raubüberfälle, 
sowie die Fahndung nach den drei untergetauchten Nazis in Sachsen. Grund genug zu fragen: 
Was hat es gebracht? Welche Erkenntnisse konnten gewonnen werden, wo gibt es weiße Flecken 
und offene Fragen? Welche folgen hat das für Politik und Gesellschaft? NSU Watch Sachsen 
begleitet den Untersuchungsausschuss von Anfang an und wird dessen Arbeit unter die Lupe 
nehmen.

20. März 2018 | "Der Kuaför aus der Keupstraße"
malobeo (Kamenzer Straße 38, 01099 Dresden), 20 Uhr

Filmvorführung

Am 9. Juni 2004 verübte der NSU einen Nagelbombenanschlag in der Keupstraße in Köln, die 
Dabei wurden 22 Menschen verletzt - vier davon schwer. Während ein rassistischer 
Hintergrund kategorisch ausgeschlossen wird, ermittelt die Polizei sofort und 
ausschließlich gegen die Betroffenen, und machte durch die einseitige und rassistische 
Ermittlung Opfer zu Tätern. Medien und Öffentlichkeit flankierten dies mit dem Gerede von 
angeblich "kriminellen Ausländermilieus". Der Dokumentarfilm zeigt, welche Auswirkungen 
dieser Anschlag und die mit rassistischen Ressentiments aufgeladene Ermittlungsarbeit der 
Polizei, auch Jahre nach dem Vorfall, auf die Betroffenen hatte.

26. März 2018 | Kein Schlusswort: Nazi-Terror - Sicherheitsbehörden - Unterstützernetzwerk
kosmotique (Martin-Luther-Str. 13 , 01099 Dresden), 20 Uhr

Buchlesung und Gespräch mit dem Nebenklageanwalt im NSU-Prozess Peer Stolle

Die im Buch veröffentlichten Plädoyers im Münchner NSU-Prozess gehen den bohrenden Fragen 
der Betroffenen nach und zeigen, wo die Aufklärung weitergehen muss. Denn viele Fragen 
blieben bislang unbeantwortet: Wie erfolgte die Auswahl der Opfer? Wie groß war das an den 
Morden und Anschlägen beteiligte Unterstützernetzwerk? Was wussten die Sicherheitsbehörden 
- insbesondere der Verfassungsschutz - und warum wurde seitens des Staates nicht 
eingegriffen? Wie konnte der NSU überhaupt entstehen? Diesen und anderen Fragen gehen in 
diesem Band vier vom NSU-Terror Betroffene und acht Nebenklagevertreter*innen in ihren 
Plädoyers nach.

3. April 2018 |»Zärtliche Katzenmama«,»Terrorbraut«und»unwissende Hausfrau«- 
Geschlechterstereotype und das (Un-) Verständnis des NSU-Komplexes
Frauen*Bildungszentrum (Oskarstr. 1 , 01219 Dresden), 19 Uhr

Diskussion

Im Fokus der medialen Aufmerksamkeit zum NSU-Prozess stand oft die Figur Beate Zschäpe und 
mit ihr eine problematische Ansammlung von Geschlechterklischees. Anhand von Ausschnitten 
aus Filmen und Fernsehdokumentationen diskutieren wir u.a., wie Geschlechterstereotype in 
den (Selbst-)Darstellungen rechtsradikaler Frauen zur Entpolitisierung und 
Bagatellisierung rechter Gewalt beitragen. Inwiefern hat dies die NSU-Verbrechen mit 
ermöglicht und wie behindern solche Stereotype ein Verständnis des NSU-Komplexes?

5. April 2018 |»Jorge - Tod eines Vertragsarbeiters«
Kino im Kasten (August-Bebel-Straße 20, 01219 Dresden), 20 Uhr

Filmvorführung & Diskussion

Am 06.04.1 991 wurde Jorge Gomondai in der Dresdner Neustadt von mehreren Neonazis 
angegriffen. Er starb an seinen Verletzungen. Die Dokumentation thematisiert den 
rassistisch motivierten Angriff auf Jorge Gomondai, befragt Zeug* innen und analysiert die 
Zustände in Dresden und Deutschland nach der Tat. In der Diskussion sollen Parallelen zu 
weiteren rassistischen Taten aufgezeigt und deutlich gemacht werden, warum ein Vergessen 
nie stattfinden darf.

11. April 2018 | Der NSU-Komplex und der (neo-)rassistische Konsens
PLATZDA! (Wernerstraße 21, 01159 Dresden), 20 Uhr

Vortrag und Diskussion mit Tino Heim

Die laute mediale Skandalisierung der Morde und Terroranschläge des NSU sowie des 
multiplen ‚Behördenversagens‘ bei der Aufklärung der Taten als ‚beispiellos‘, ‚unerhört‘ 
und ‚unfassbar' verdeckt nur, dass all dies durchaus beispielhaft für viele Fälle 
organisierter rassistischer und neonazistischer Gewalt und für den gesellschaftlichen 
Umgang damit steht. Vortrag und Diskussion fragen nach den Formen und Ursachen eines 
breiten (neo-)rassistischen Konsens in Medien, Politik, Institutionen und Alltagsleben. 
Dabei geht es auch um die Kontinuität jener Verhältnisse, die auch den NSU-Komplex mit 
ermöglicht haben.

Tag X² | München | Demonstration: Kein Schlussstrich

Am Tag der Urteilsverkündung wollen wir mit euch auf die Straße gehen. Denn für uns 
bedeutet das Ende des Prozesses nicht das Ende der Auseinandersetzung mit dem NSU und der 
Gesellschaft, die ihn möglich machte:

Kein Schlussstrich! - NSU-Komplex aufklären und auflösen
Verfassungsschutz auflösen - V-Leute abschaffen
Dem aktuellen rassistischen Terror gegen Flüchtlinge und MigrantInnen entgegentreten
Rassismus in Behörden und Gesellschaft bekämpfen
Für alle Menschen, denen es (aus welchen Gründen auch immer)
nicht möglich ist, am Tag X nach München zu fahren, wird es auch
lokale Aktionen in Dresden geben. Haltet die Augen offen und
informiert euch.

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