(de) ag-freiburg, Auf die Straße zum 8. März! - Demonstration zum internationale Frauen*kampftag in Freiburg

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Do Mär 8 07:48:17 CET 2018


Do, 8. März // 18 Uhr //Platz der alten Synagoge ---- Auch dieses Jahr kämpfen wir 
gemeinsam mit Frauen* weltweit für die Verbreitung feministischer Inhalte und ein besseres 
Leben. Wir können die aktuellen Verhältnisse nach wie vor nicht hinnehmen. Die Gründe sind 
vielfältig. Das vergangene Jahr hat wieder einmal gezeigt, wie wichtig es ist, uns 
weiterhin solidarisch gegen patriarchale Strukturen, Fremdbestimmung und 
gesellschaftlichen Rückschritt zu wehren. ---- #metoo: Sexualisierte Gewalt und Gegenwehr 
---- Zuletzt lenkte die #metoo-Debatte im vergangenen Jahr die öffentliche Aufmerksamkeit 
auf das Thema sexualisierte Gewalt. Zwar wurde das Tabu, dieses für Frauen* 
allgegenwärtige Problem zu thematisieren, dadurch wieder mal gebrochen, doch das reicht 
nicht aus. Sexismus und sexualisierte Gewalt sind nach wie vor trauriger Teil unseres 
Alltags. Auf Partys, unter Freund*innen, im Arbeitsleben, auf der Straße und innerhalb der 
Familie oder Partnerschaft sind Frauen* physischer und psychischer sexualisierter Gewalt 
ausgesetzt, indem sie angegraben, belästigt, angetatscht oder vergewaltigt werden.

Wollen Frauen* dies zur Anzeige bringen, müssen sie sich rechtfertigen und oft wird ihnen 
misstraut. Statt den Tätern werden oftmals sie selbst für die Tat verantwortlich gemacht. 
Sei es aufgrund ihrer getragenen Kleidung, weil sie alleine draußen herumgelaufen sind 
oder weil angezweifelt wird, ob sie denn wirklich ausdrücklich genug "Nein!" gesagt 
hätten. Dies führt dazu, dass sexualisierte Gewalt oft gar nicht zur Anzeige gebracht wird 
und nicht an die Öffentlichkeit gelangt. Gleichzeitig wird von Rechts immer wieder 
versucht, sexualisierte Gewalt für rassistische Politik zu instrumentalisieren.

Ursache für sexualisierte Gewalt ist eine patriarchale und kapitalistische 
Gesellschaftsordnung, in der die Gewalt an Frauen*, sowie ihre Ausnutzung und 
Unterdrückung normalisiert sind und zur Aufrechterhaltung des Systems genutzt werden. 
Diese gesellschaftlichen Bedingungen sind nicht naturgegeben, sondern durch Normen und 
Machtverhältnisse von Menschen gemacht und genau deshalb können sie auch von Menschen 
geändert werden.

Auch die Geschlechterverhältnisse sind nicht in Stein gemeißelt, sondern entstehen im 
täglichen Handeln aller Menschen - es liegt an uns, und an allen Männern*, sich entgegen 
der bestehenden Unterdrückung für einen solidarischen und respektvollen Umgang miteinander 
zu entscheiden.

Nein heißt Nein - Ja heißt Ja! Konsequent Selbstbestimmung durchsetzen!

Antifeminismus von Rechts auf dem Vormarsch
Seit einigen Jahren gibt es eine zunehmende gesellschaftliche Verschiebung nach Rechts. 
Zwar sind der Kampf gegen Geschlechtergerechtigkeit und sexuelle Vielfalt schon immer 
Grundsäulen von konservativer und rechter Politik, dennoch bildet der Einzug der 
antifeministischen AfD in den Bundestag einen neuen Höhepunkt dieser Entwicklung. Die AfD 
hat der Emanzipation den Kampf angesagt. In ihrem rechten Weltverständnis ist kein Platz 
für Gleichberechtigung. Reale Benachteiligungen von Frauen* leugnet die AfD. Sie 
propagiert die Abschaffung jedes gesellschaftlichen Fortschritts, der in den vergangenen 
Jahrzehnten erkämpft wurde.

Die Partei will das geltende Recht auf Abtreibung, Scheidung genauso wie das gerade erst 
errungene Recht auf die "Ehe für alle" abschaffen. Damit greift sie reproduktive Rechte 
und unser Recht auf Selbstbestimmung an. Sie versucht die Gesellschaft im Sinne eines 
völkischen Weltbilds umzugestalten, in dem weiße heteronormative Familien an erster Stelle 
stehen.

Noch hat die AfD nicht genügend parlamentarischen Einfluss gewonnen um bestehende Gesetze 
zu ändern. Doch bereits jetzt verschieben sie und weitere rechte Strömungen 
parlamentarische und gesellschaftliche Debatten, indem sie sich offen gegen erkämpfte 
Freiheiten und Freiräume wenden. Die europäische Perspektive zeigt außerdem, wie stark 
rechte Regierungen die Rechte von Frauen* einschränken können. Beispiele dafür sind 
Gesetzesänderungen in Polen und Ungarn.

Gegen den europaweiten Vormarsch des Antifeminismus! Wir lassen uns nicht zurückdrängen! 
Emanzipation statt rückschrittlicher Ideologie!

My body my choice!
Trotz des vermehrten Aufkommens antifeministischer Bewegungen und des allgegenwärtigen 
Alltagssexismus gab es im letzten Jahr einige Erfolge, die dank langer und harter Kämpfe 
durchgesetzt werden konnten. Beispiele hierfür sind die Entscheidung zur "Ehe für alle" 
und ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum sogenannten dritten Geschlecht. Durch 
letzteres soll bis Ende 2018 garantiert werden, bei offiziellen Dokumenten oder Formularen 
neben der binären Kategorie "Frau/Mann" eine positive dritte Option wählen zu können. Dies 
ist ein wichtiger Schritt weg vom binären Geschlechtersystem, welches bislang 
intergeschlechtlichen Kinder zwangsweise eine der beiden Kategorien zuweist. Dies 
geschieht auch durch aufwendige und gefährliche Operationen.

Auch wenn einige Gesetze positiven Einfluss haben, stammen andere noch aus der Kaiserzeit. 
Es ist höchste Zeit diese zu ändern! So wurde beispielsweise die Allgemeinmedizinerin 
Kristina Hänel vor dem Gießener Amtsgericht im November 2017 zu 6000 Euro Bußgeldzahlung 
verurteilt. Der Vorwurf: Werbung für Schwangerschaftsabbrüche nach §219a StGB. Demnach 
dürfen Ärzt*innen nicht offiziell angeben, dass sie Schwangerschaftsabbrüche durchführen, 
da diese laut §218 illegal sind.
Hier wird sehr deutlich, dass in unserer Gesellschaft das Recht auf Selbstbestimmung noch 
lange nicht für alle garantiert ist.

Wir wollen selbst über unsere Körper bestimmen, diese definieren und uns nicht 
rechtfertigen müssen, sei es vor der Familie, auf der Straße oder bei Behörden. 
Juristische Beschlüsse sind dabei nur eine Dimension, durch die unser Kampf unterstützt 
oder gehemmt werden kann. Wichtiger ist jedoch der gesellschaftliche Prozess und genau da 
sehen wir Handlungsbedarf.
Wir wollen eine Gesellschaft, in der vielfältige Identitäten akzeptiert sind, das 
Geschlecht keine Rolle spielt und Frauen* über ihren Körper selbst bestimmen können.

Weg mit der Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen nach §218StGB! Für das Recht 
auf den eigenen Körper!

Arbeitskampf aktuell: Care-Arbeit
Care-Arbeit bezeichnet sorgende und pflegende Tätigkeiten für sich und andere. Einige 
Arbeiten wie Hausarbeit sind unbezahlt und andere, wie die Pflege, schlecht entlohnt. Die 
vor allem von Frauen* gestemmte Arbeit wird gesellschaftlich kaum wahrgenommen oder 
ausreichend anerkannt. Das ist skandalös, denn "Care-Arbeit" ist die Grundlage jeder 
Gesellschaft!

Die Pflege zeigt: Bei entlohnter Care-Arbeit sind die Arbeitsbedingungen oft prekär. In 
den Krankenhäusern der BRD liegt der Personalschlüssel weit unter EU-Durchschnitt. Während 
hier eine Pflegekraft für durchschnittlich 13 Patient*innen zuständig ist, sind es in 
Norwegen nur 3,7. Doch gegen diese Überlastung werden Stimmen laut: Der seit Jahren 
zunehmende Personalmangel muss ein Ende finden! Das zeigten zuletzt über 1000 
Pfleger*innen beim Warnstreik am Uniklinikum Freiburg. Die hiesigen Streiks sind 
mittlerweile Vorbild für die Tarifauseinandersetzungen in der gesamten BRD!

Der Kampf der Pflegekräfte zeigt einerseits die Menschenfeindlichkeit der kapitalistischen 
Spar- und Effizienzlogik. Andererseits ist er ein Beispiel für die finanzielle und 
gesellschaftliche Abwertung von Arbeit, die vor allem von Frauen* verrichtet wird. Die 
Streikenden in Freiburg kämpfen insbesondere für die Anerkennung des "Frauenberufes" 
Pfleger*in und zeigen, dass diese Arbeit anspruchsvoll ist und momentan krank macht.

Dies bestärkt die Dringlichkeit feministischer Forderungen, Care-Arbeit zu respektieren 
und fair zu verteilen. Diesen Kampf unterstützen wir, indem wir uns gegen die 
kapitalistische, menschenfeindliche und frauen*unterdrückende Logik des derzeitigen 
Systems stellen. Die Pflege betrifft uns alle, deshalb ist der Kampf der Pfleger*innen ein 
Kampf für uns alle!

Für eine solidarische Gesellschaft ohne Ausbeutung und Frauen*unterdrückung! Solidarität 
mit den Pfleger*innen!

Die Gesellschaft, die wir wollen, ist ohne feministische und antikapitalistische Kämpfe 
nicht zu haben. In diesem Sinne: Geht mit uns am 8.März auf die Straße!

http://www.ag-freiburg.org/cms/aufrufe/auf-die-strasse-zum-8-maerz-demonstration-zum-internationale-frauenkampftag-in-freiburg


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