(de) fda-ifa Annaberg-Buchholz, 16.06.2018: Protest gegen fundamentalistischen "Schweigemarsch" im Erzgebirge von evibes

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Fr Jun 22 07:00:38 CEST 2018


Nach monatelangen Vorbereitungen freuen wir uns über ein sehr erfolgreichen und 
empowernden Aktionstag in Annaberg-Buchholz. Eine Auswertung zusammen mit den anderen 
Bündnisgruppen von Pro Choice Sachsen wird sicher folgen, hier zunächst die 
Pressemitteilung als erste Einschätzung zum Verlauf aus unserer Sicht: ---- 
Annaberg-Buchholz, 16.06.2018 ---- + Protest gegen fundamentalistischen "Schweigemarsch" 
im Erzgebirge + lautstarker und kreativer Protest vom feministischen Bündnis Pro Choice 
Sachsen + Straßenfest und Gegendemonstration ---- Am Samstagnachmittag demonstrierten in 
Annaberg-Buchholz mehr als 600 Feminist*innen unter dem Motto: "Leben schützen! Abtreibung 
legalisieren!" Anlass dafür war der von christlich-fundamentalistischen 
AbtreibungsgegnerInnen organisierte sogenannte "Schweigemarsch für das Leben".

Mona Naumann vom Bündnis Pro Choice Sachsen:

"Jedes Jahr sterben weltweit etwa 47.000 Frauen an den Folgen illegalisierter 
Abtreibungen. Frauen sitzen im Gefängnis, weil sie selbst Abtreibungen vorgenommen haben 
oder weil sie nach einer Fehlgeburt verdächtigt wurden, dies getan zu haben. Das zeigt: 
Wer Leben schützen will, muss das Recht auf Abtreibung verteidigen." Pro Choice Sachsen 
fordert daher die Abschaffung des § 218 StGB in Deutschland, nach dem Abtreibungen immer 
noch illegal sind und nur unter bestimmten Bedingungen straffrei bleiben", erklärt Johanna 
Müller.

Neben einer Gegendemonstration hat Pro Choice Sachsen in Kooperation mit dem 
feministischen Konzertkollektiv "böse & gemein" ein Straßen- und Musikfest organisiert. 
Zusätzlich zum musikalischen Programm queerfeministischer Bands fand eine 
Podiumsdiskussion zum Thema "Feministische Praxis zwischen Realität und Utopie" statt.

Pro Choice Sachsen demonstrierte in Annaberg-Buchholz gegen die antifeministische, 
homosexuellenfeindliche und transfeindliche Politik der selbsterklärten 
Lebensschutzbewegung. Sie ist ein Teil des globalen gesellschaftlichen Rechtsrucks, mit 
dem wir uns momentan konfrontiert sehen. In diesem Jahr stand der Protest auch unter dem 
Eindruck des positiven Ergebnisses des Referendums in Irland sowie der erfolgreichen 
Abstimmung für die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen in Argentiniern vor wenigen 
Tagen.

"Das stimmt uns positiv. Feministische Kämpfe sind die ausdauerndsten und aktuell 
erfolgreichsten Kämpfe gegen die regressiven Kräfte global", freut sich Mona Naumann. Das 
zeigen auch die zahlreichen Grußworte, die auf der Demonstration verlesen wurden. 
Grußworte sendeten Feminist*innen aus Brasilien, Ecuador, Mazedonien, Serbien, Schweiz und 
Österreich. Auch die Frauenärztin Kristina Hänel, die wegen ihrer Kritik am § 219a StGB 
bekannt geworden ist, schickte eine Grußbotschaft. Dieser Paragraf verhindert in 
Deutschland den Informationszugang über die Möglichkeit eines Schwangerschaftsabbruchs.

Wieder sind die feministischen Proteste gewachsen. Mehr als 600 Demonstrant*innen aus 
Sachen, Thüringen und Berlin fanden ihren Weg in den sächsischen Bible Belt. In 
Annaberg-Buchholz, der Kleinstadt im Erzgebirge rechneten die Fundamentalist*innen mit 
2000 UnterstützerInnen. Entgegen ihrere Erwartungen konnte ihr Schweigemarsch keinen 
Zuwachs verzeichen, obwohl er extra auf einen Wochenendtag gelegt worden war. Auf dem 
großen Marktplatz wirkte ihre Abschlusskundgebung verloren und umfasste nicht mehr als 500 
TeilnehmerInnen - ein Viertel ihrer Ankündigung.

Die Demonstration von Pro Choice Sachsen endete ebenfalls auf dem Marktplatz und konnte so 
in Sicht- und Hörweite der FundamentalistInnen lautstark und nachdrücklich die Kritik zum 
Ausdruck bringen. Neben Transparenten, Luftballons, Konfetti kamen auch Symbole wie 
Kleiderbügel zum Einsatz. Mona Naumann dazu: "Kleiderbügel waren und sind Hilfsmittel, auf 
die Schwangere zurückgeworfen sind wenn Abtreibung verboten ist. Der Kleiderbügel wurde 
2016 von Feminist*innen in Polen als starkes Symbol auf den Demonstrationen gegen eine 
drohende Gesetzesverschärfung mit der Parole "Nie wieder!" eingesetzt. Eines der witzigen 
Schilder lautete: "If I wanted politics in my pussy I would fuck a Bundestagsabgeordnete/r".

Die Verquickung fundamentalischer und rechter Positionen war Inhalt verschiedener 
Redebeiträge, problematisiert wurde sie aber auch im Slogan: Patriarchat und AfD machen 
wir platt olé olé!

Infos und Kontakt:
twitter: @ProChoice_SN
Blog: www.pro-choice-sachsen.de
Facebook: https://www.facebook.com/prochoicesachsen/

https://fda-ifa.org/annaberg-buchholz-16-06-2018-protest-gegen-fundamentalistischen-schweigemarsch-im-erzgebirge/


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