(de) direkte aktion: EIN NEUES SYNDIKAT FÜR LEIPZIG

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Mo Jun 11 07:00:55 CEST 2018


Nach Zeiten des Umbruchs, der Veränderung sowie dem kurzzeitigen Stillstand im Leipziger 
Syndikat der FAU kommt nun wieder Bewegung in die Basisgewerkschaft. ---- Die Freie 
Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union ist eine bundesweit organisierte 
Gewerkschaftsföderation, deren Arbeit auf anarchosyndikalistischen Prinzipien fußt. ---- 
Verschiedene lokale Gewerkschaften (Syndikate) sind zu einer Föderation zusammengefasst, 
agieren weitgehend unabhängig voneinander, um einen basisnahen und hierarchiefernen Kampf 
für die Rechte und Lebensbedingungen lohnabhängiger Menschen zu gewährleisten. ---- Die 
Arbeit jeder Ortsgruppe gestaltet sich stets individuell verschieden, setzt aber 
prinzipiell auf eine klassenkämpferische, antiautoritäre Praxis im Arbeitskampf und widmet 
sich häufig gesellschaftlichen Randgruppen wie Migrant*innen, Erwerbslosen, 
Minijobber*innen und generell Menschen, die von den DGB-Gewerkschaften nicht ausreichend 
repräsentiert werden. In Leipzig ist die FAU schon seit fast zwei Jahrzehnten aktiv, 
erlebte nun jedoch eine Neugründung und sieht sich somit vielen neuen Aufgaben und 
Entwicklungen gegenüber.

Leipzig gilt als eine wichtige Keimzelle der modernen anarchosyndikalistischen Bewegung 
Deutschlands. Die Syndikate in Dresden und Halle/Saale lassen sich beispielsweise auf die 
Vereinigung aller Branchen (VAB) in Leipzig zurückführen, die sich schon 1998 zu 
entwickeln begann, sich 2002 schließlich konstituiert und bis in die letzten Jahre 
gewerkschaftlich gewirkt hat. Umso befremdlicher muss es für viele Genoss*innen von 
außerhalb gewesen sein, plötzlich vom Ausschluss der VAB Leipzig am 25. März 2017 zu 
hören, der vom Delegiertentreffen der Regionalföderation Ost durchgesetzt wurde. 
Nichtsdestotrotz muss diese Entscheidung als Höhepunkt einer Entwicklung begriffen werden, 
die sich in den letzten Jahren aus zunehmenden Differenzen zwischen Syndikat und 
Föderation gespeist hat.

Doch es regten sich bald bereits wieder neue Persönlichkeiten, unter den Dächern der 
Anarchosyndika-listischen Jugend (ASJ) in Leipzig und des Allgemeinen Syndikat in Halle 
(ASyH), gewillt sich des Erbe der ehemaligen FAU Leipzig anzunehmen und es in eine neue 
Fassung zu bringen. An einem Tag im Juni 2017 schließlich, kam es im Garten eines 
Hausprojektes auf der Eisenbahnstraße zum ersten Treffen diverser FAUista und 
Interessierter, um die Grundlagen zur Erneuerung des Syndikatstandortes Leipzig zu schaffen.

Unter dem Beisitz hiesiger ASJ-Mitglieder, FAUista aus Halle, einer Sekretärin der 
Regionalföderation Ost und anderen Gästen, wurde im Diskurs die Rolle Leipzigs als 
"Zeckenmagnet" unterstrichen, der vor allem im schwarz-roten Lager einen dringenden 
Strukturausbau benötige. Als entscheidend wurde auch eine stabile Kooperationsbasis mit 
bestehenden Strukturen der Region erkannt, nicht zuletzt mit der nun ausgeschlossenen 
alten FAU-Syndikat, die mittlerweile unter dem Titel SelBa (Selbstverwaltete 
Basisgewerkschaft) ihre Arbeit fortzusetzen begann. Um also eine Konfrontation mit den 
Genossen und Genossinnen von SelBa zu vermeiden und um sich einen starken Rückhalt bei der 
FAU Halle zu sichern, wurde einstimmig für einen organisatorischen Anfang als 
syndikatinterne "AG Leipzig" entschieden.

Entgegen der breiten Erwartung einer sukzessiven und langwierigen Abkopplung der AG vom 
Hallenser Syndikat führten ein rasanter Mitgliederzuwachs, besonders engagierte Köpfe, die 
Teilnahme der AG an diversen gruppenbildenden Veranstaltungen und insbesondere die 
fleißige Unterstützung durch das Hallenser "Muttersyndikat", innerhalb eines halben Jahres 
schon zu weitgehender Autonomie derselben. In dieser Zeit ging die AG Leipzig bereits 
einigen Hinweisen auf unterstützenswerte Arbeitskonflikte und Anfragen bezüglich 
gewerkschaftlicher Hilfestellung nach, feierte aber ihren ersten großen Erfolg mit der 
Organisierung von Kurierfahrer*innen des Lieferdienstes Foodora, deren Beschäftigte sich 
bald schon verstärkt und inspiriert durch das Konzept der Deliverunion, für die 
Verwirklichung besserer Arbeitsbedingungen einzusetzen begannen.

Nicht zuletzt in Anbetracht des frisch erlangten Selbstbewusstseins, entschieden sich die 
Leipziger Genoss*innen kurz darauf für die Ausgründung zu einer eigenständigen 
Gewerkschaft, die an einem internen, anarchosyndikalistischen Klausurwochenende 
(unterstützt durch Freunde der attac in Sachsen-Anhalt) im Januar beschlossen wurde. Ende 
Februar erfolgte dann beim Delegiertentreffen in Magdeburg die Aufnahme des neu 
gegründeten Allgemeinen Syndikat Leipzig (ASyL) in die Regionalföderation Ost der FAU, 
womit sich auch die Bestrebungen intensivierten, eigene Strukturen, eine selbstständige 
Website, verschiedene AG´s oder die Produktion von Info-Materialien auszubauen.

Seitdem bieten die wöchentlich abwechselnden Vollversammlungen und Tresenabende eine 
hervorragende Grundlage, um die FAU Leipzig -theoretisch wie praktisch- kontinuierlich 
weiterentwickeln zu können. Es bedarf aber noch viel Engagement ihrer Mitglieder und all 
der anderen unterstützenden Kräfte, um eine gewerkschaftliche Stärke zu erreichen, die den 
Leipziger Verhältnissen gerecht wird und auch andere unzufriedene Lohnabhängige im Umland 
dazu inspiriert, sich für die eigenen Rechte und die ihrer Kolleg*innen einzusetzen.

Wer die FAU Leipzig -personell oder finanziell- unterstützen möchte, oder schlichtweg 
Beratung in einem Arbeitskampf sucht, hat folgende Kontaktmöglichkeiten:

FAU Leipzig
Eisenbahnstraße 150
04315 Leipzig

Offenes Treffen jeden 2. & 4. Montag 21 Uhr in der Eisenbahnstraße 150

Web: leipzig.fau.org | fb.com/DeliverUnionLeipzig | union-coop.org
E-Mail: fauhal-leipzig(ät)fau.org
Twitter: @FAU_Leipzig
Facebook: fb.com/FAULeipzig

https://direkteaktion.org/ein-neues-syndikat-fuer-leipzig/


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