(de) fda-ifa: Rückblick auf die Tage gegen Repression von http://aufdersuche.blogsport.de
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Mo Jul 2 07:21:02 CEST 2018
Die Tage gegen Repression vom 11. bis 13. Mai sind nun schon wieder über einen Monat her
und wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal bei allen Referent*innen und
Besucher*innen für den interessanten Input, die spannenden Diskussionen und die angenehme,
solidarische Atmosphäre bedanken, die das Wochenende geprägt haben und trotz des unschönen
Themas Mut gemacht und Energie für weitere Kämpfe gespendet haben. ---- Da jede*r
sicherlich eigene Highlights hat und etwas anderes aus dem Wochenende zieht, wollen wir
hier nur einen groben Überblick über das geben, was gelaufen ist, und eine kleine
Einschätzung als organisierende Gruppe abgeben. Einige der Vorträge haben wir außerdem als
Audios aufgenommen und unten im Artikel eingefügt.
Los ging alles am Freitag Abend mit dem Vortrag der Aktivistin, die im November 2016 die
menschenverachtende AfD-Rassistin und Antifeministin Beatrix von Storch mit einer Torte
bewarf. Weil die Aktivistin sich weigerte, die verhängte Geldstrafe zu zahlen, musste sie
für zwei Wochen in den Knast. Über ihre Zeit hinter Gittern erzählte sie uns in einem
persönlichen Erfahrungsbericht, angereichert mit politischen Hintergrundinformationen und
Bewertungen, die am Ende entsprechend in der Forderung des gesamten Vortrags gipfelten:
"Knäste abschaffen!"
Der Samstag begann mit einem veganen Brunch. Nachdem eine Autopanne die Ankunft der
Genoss*innen vom Anarchist Black Cross Dresden verzögerte, verschob sich das ganze
Programm um 1-2 Stunden nach hinten. So war jedoch genügend Zeit, bei Sonnenschein im Hof
des Projekt 31 zu sitzen und sich in Gesprächen mit den anderen Besucher*innen
auszutauschen. Die Zeit wurde auch von vielen genutzt, um Postkarten an Menschen zu
schreiben, die gerade hinter Gittern sitzen. Dazu gab es einen kurzen Inputvortrag über
das Wie und die Notwendigkeit davon, Inhaftierten zu schreiben.
Der Vortrag "Knast als Lebensrealität" vom Anarchist Black Cross‘ aus Dresden vermochte
den Zuhörer*innen am Nachmittag dann sehr verständlich und eindrücklich die Irrsinnigkeit
des Knastsystems zu vermitteln. Es ging zudem um den Zweck, den diese besondere Form der
Strafe zur Aufrechterhaltung von Staat und Kapitalismus hat. Die Vortragenden machten an
dieser Stelle jedoch keinen Cut, sondern gaben anhand persönlicher Erfahrungen Tipps zu
einem anderen, gemeinschaftlichen Umgang mit Konflikten, der sich anstatt
institutionalisierter Rachegelüste immer an den Bedürfnissen der Betroffenen orientiert
und die gesellschaftlichen Dimensionen von Gewalt maßgeblich mit einbezieht. Genannt seien
hier insbesondere die aus dem englischsprachigen Raum stammenden Konzepte von Community
Accountability und Transformative Justice, mit denen eine nähere Auseinandersetzung sehr
lohnend ist.
So wurden die Zuhörerer*innen am Ende mit konkreten Ideen für einen konstruktiveren,
lösungsorientierten Umgang mit Konflikten entlassen, der hoffentlich noch weitere
Verbreitung auch über unsere Kreise hinaus finden wird.
Im Anschluss daran veranstalteten zwei Genossen der Rote-Hilfe-Ortsgruppe Nürnberg einen
Workshop zum Umgang mit Repressionsbehörden. Dabei wurde dem Publikum der Inhalt des "Was
tun wenn‘s brennt"-Klassikers ausführlicher und noch mehr in die Tiefe gehend
auseinandergesetzt und es gab ausreichend Raum für Nachfragen und Diskussionen zu diesem
Thema.
Der Tag schloss schließlich mit einer Lesung aus dem Ratgeber "Wege durch den Knast". In
gemütlicher Atmosphäre lauschten wir einem Referenten aus dem Redaktionskollektiv, der
einzelne exemplarische Passagen vorstellte und Anekdoten rund um die Entstehungsgeschichte
und Veröffentlichung erzählte. Es ging jedoch auch um die wachsende Zensur dieses
ausführlichen, sehr hilfreichen Ratgebers für Inhaftierte, deren Freund*innen und
Angehörige. Für die kommende Ausgabe wünschen wir den Genoss*innen aus der
Wege-durch-den-Knast-Redaktion deshalb weiterhin viel Kraft und Erfolg. Wir hoffen, dass
ihr Buch auch in Zukunft die Menschen hinter den Knastmauern erreichen wird und ihnen
Tipps gibt, wie ein widerständiges Dasein im Kampf um Selbstbestimmung gegen die enorme
Unterdrückung im Knast möglich sein kann.
Der Sonntag als letzter Tag war geprägt von noch praktischeren Inhalten: Zunächst
referierte die Rote-Hilfe-Ortsgruppe noch einmal, diesmal über die Möglichkeiten, wie
Aktivist*innen sich vor Gericht verhalten können, ohne Genoss*innen oder politische Ideale
zu verraten. Dabei wurden für viele Zuhörerer*innen bestehende Unklarheiten zu rechtlichen
Fragen bezüglich Justizverfahren aufgeklärt.
Beendet wurde das Wochenende schließlich mit einer Initiative für die Gründung einer
Soligruppe der Gefangenengewerkschaft in Nürnberg, welcher Unterstützung "von außen nach
innen" für Inhaftierte geben könnte. Zwei Genossen von der basisdemokratischen GG/BO
(Gefangenengewerkschaft/ Bundesweite Organisation) waren das ganze Wochenende über da und
gaben nun an diesem letzten Themenpunkt praktische Tipps, wie der Aufbau einer
Gewerkschaft hinter und über die Mauern des Knastes hinweg auch gegen den erwartbaren
Widerstand der Gefängnisautoritäten gelingen kann.
Ein Konzept, das wir zukünftig öfter bei der Veranstaltung von Vorträgen realisieren
möchten, war und ist, dass es während des Wochenendes durchgehend das Angebot von
Kinderbetreuung gab. Dies gab auch Eltern die Möglichkeit, an allen Veranstaltungen
teilzunehmen. Außerdem ist der belebende, erfrischende Effekt, den das Zusammenkommen von
Menschen jeden Alters bei solchen politischen Veranstaltungen - gerade in Angesicht des
ernüchternden Themas Repression - auf die Gemüter hat, nicht zu unterschätzen.
Die Teilnehmer*innenzahlen variierten bei den verschiedenen Veranstaltungen zwischen 15
und 25 Besucher*innen. Gemessen an der Unbeliebtheit des Themas, das von vielen aktiven
Leuten doch eher gemieden wird, ist dies Zahl nicht ungewöhnlich. Allerdings hätte sie
sicherlich noch gesteigert werden können, wenn wir das Wochenende früher und intensiver
beworben hätten.
Insgesamt sind wir als veranstaltende Gruppe jedoch sehr zufrieden mit dem Verlauf der
Tage gegen Repression. Ausgangspunkt dafür, sie zu organisieren, war zunächst unser
eigenes Bedürfnis gewesen, uns zu diesem Themenkomplex zu bilden, selbst zu befähigen und
die von Repression betroffenen Personen aus unserem direkten Umfeld besser unterstützen zu
können. Das Gefühl, bezüglich Knast und Einsperrung gewissermaßen einen blinden Fleck zu
haben, ließ sich durch die Veranstaltungen erfolgreich auflösen. Wir haben viel gelernt,
uns ausgetauscht und vernetzt.
Nun gilt es, weiter gegen die Repression zu kämpfen, die gerade emanzipatorische
Bewegungen betrifft, sowie Menschen, die "am Rande der Gesellschaft" stehen oder der Logik
von Staat, Rassismus und Kapitalismus widersprechen. Gerade in Nürnberg gilt es derzeit
noch immer, die vielen angeklagten Protestierenden nach dem 31.Mai 2017 zu unterstützen,
deren Prozesse sich sicherlich noch eine ganze Zeit lang hinziehen werden. Sie alle
verdienen unsere Solidarität, egal ob sie unserem direkten Umfeld entstammen oder nicht,
politisch aktiv sind oder im Knast als sogenannte "soziale Gefangene" geführt werden
würden. Jedoch sei an dieser Stelle auch explizit noch einmal die FdA-Kampagne Ausbruch,
Aufbruch, Anarchie - Freiheit für Jan und alle anderen! beworben, die den genannten
anarchistischen Genossen genauso wie alle anderen Angeklagten nach dem 31.Mai unterstützen
will und überregional Solidarisierung mit von Repressionen Betroffenen schaffen möchte.
Als Anarchist*innen lehnen wir jede Form der Einsperrung, Unterdrückung von und Kontrolle
über Lebewesen ab. Das gilt letztlich auch für alle Menschen. Wir müssen andere Formen und
Wege finden, Konflikte beizulegen, denn der Staat löst sie gewiss nicht - seine "Lösungen"
bestehen darin, unliebsame Bewegungen zu kriminalisieren, Gewalt produzierende Gegensätze
zu verschärfen und Menschen, die in der kapitalistischen Ordnung keinen Platz finden,
wegzusperren.
Wenn wir sein Netzwerk von Herrschaft und Unterdrückung auflösen wollen, dürfen wir dabei
nicht in ähnliche repressive Mechanismen verfallen, wie sie einem Staat zu eigen sind.
Lasst uns das bei unserer täglichen politischen Arbeit niemals vergessen.
Hier die Audios der Vorträge:
Anarchist Black Cross Dresden: Knast als Lebensrealität
Buchvorstellung: Wege durch den Knast
Knäste abschaffen: Erzählung einer Tortenwerferin (folgt noch)
Rote Hilfe OG Nürnberg: Was tun vor Gericht? (folgt noch)
https://fda-ifa.org/rueckblick-auf-die-tage-gegen-repression/
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