(de) direkte aktion: PERSPEKTIVEN GEWINNEN: ORGANISIERTE NACHBARSCHAFTEN UND FÖDERATIONEN HAND IN HAND!

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Di Jan 23 08:31:53 CET 2018


Dieser Text soll ein erster Versuch sein, der Diskussion um Kommunalismus und 
Nachbarschaftsräte aber auch Mieter*innengewerkschaften in Deutschland mehr Struktur zu 
geben. ---- Betrieb & Gesellschaft Von: Erna Rauch - 17. Januar 2018 ---- Zielstellung 
libertärer Nachbarschaftsarbeit ist es, wirtschaftlichen und sozialen Selbstschutz, 
Gewinnung von Handlungsmacht, emanzipatorische Umstrukturierungen und Selbstorganisation 
in allen Bereichen zu befördern, die die Nachbarschaft berühren. Dieser Artikel folgt 
dabei vier Hauptthesen: ---- 1. Die sozialen Interaktionen und Bereiche, die sich räumlich 
in Wohnung und Nachbarschaft abspielen, sind im Kampf gegen Armut und Perspektivlosigkeit, 
gegen Patriarchat und Kapitalismus mindestens ebenso relevant wie die betriebliche Sphäre.

2. Die bisherigen Ansätze libertärer Kiezgestaltung in Form von Hausprojekten, 
Werkstätten, Umsonstläden, Nachbarschaftsvernetzungen, Bündnissen gegen Mietpreise und 
Zwangsräumungen haben bis jetzt viele gute Methoden hervorgebracht, waren aber nicht 
ausreichend effektiv, Missstände offensiv und flächendeckend anzugehen. Sie sind bis jetzt 
wenig bekannt und marginal.

3. Mit der Anwendung schon bekannter verbindlicher, bundesweit föderalistischer 
Organisationskonzepte kann die Handlungsmacht solcher Initiativen enorm verstärkt werden.

4. Mit dem Schulterschluss zwischen Nachbarschaftsorganisationen und anderen 
syndikalistischen Föderationen ließen sich weitere Probleme lösen und die Frage nach einer 
libertären, gesellschaftlichen Gegenmacht in Deutschland völlig neu stellen. Die 
Handlungsmacht solcher Initiativen kann dabei enorm verbessert werden, indem wir 
verbindliche, bundesweit föderalistische und bereits erprobte Organisationskonzepte anwenden.

Im ersten Schritt will ich deshalb herausarbeiten, mit welchen sozialen Aspekte wir uns in 
der Nachbarschaft überhaupt konfrontiert sehen.

WOHNUNG UND KIEZ, SOZIALE KAMPFFELDER AN JEDER ECKE

Im Gegensatz zur Sphäre von Lohnarbeit und institutionalisierter Bildung[1]spielt sich das 
Leben nicht irgendwo an einer fremden Stätte ab, sondern oft bei uns zu Hause bzw. in 
unserem Kiez.

Das beginnt in unserer Wohnung, in der wir einen großen Teil unserer Reproduktionsarbeit 
leisten[2]und die Verhandlung um die Aufteilung dieser Reproduktionsarbeit stattfindet. 
Das geschieht heute in der Mehrzahl der Fälle immer noch nach sexistischen 
Rollenmustern.[3]D.h. Männer, die dank Sexismus in der Arbeitswelt im Durchschnitt die 
Chance auf höhere Einkommen haben, kümmern sich um den Hauptbroterwerb. Währenddessen muss 
die meist weibliche Partnerin den Hauptteil der Reproduktionsarbeiten besorgen, oft neben 
einem schlecht bezahlten Job.

Für Frauen ergibt sich daraus oft eine Doppelbelastung. Nie richtig Feierabend und eine, 
häufig lebenslange, finanzielle Abhängigkeit vom Partner, die sich bis ins Rentenalter 
weiter trägt.[4]Es finden sich aber auch mehr oder minder alternative Modelle, wie WGs 
oder Hausprojekte. Diese Form der Selbstorganisation hat eine Vielzahl von Modellen der 
Arbeitsverteilung im Haushalt hervor gebracht, die über die traditionelle, sexistische 
Rollenzuweisung hinaus weisen.

Auch unsere Konsumentscheidungen treffen wir meist in der Wohnung/Nachbarschaft. Die 
Frage, ob und wie wir kaufen, ist einerseits von den Angeboten nahe unseres Wohnortes 
abhängig, andererseits von unserem Einkommen und schließlich auch von den politischen 
Diskursen, in denen wir uns bewegen. Als Konsument*innen haben wir die Macht, Unternehmen 
mit Boykott für ihre Praxis zu sanktionieren oder andererseits sympathische Unternehmen - 
z.B. Kooperativen und Kollektivbetriebe - zu unterstützen. Gerade die Macht des Boykotts 
wird aber erst dann für die Unternehmen auch als solcher spürbar, wenn dieser koordiniert 
geschieht. Das ist heute selten der Fall.

Weiter geht es in der Hausgemeinschaft. Städtischer Regelfall ist dabei eine 
Zwangsgemeinschaft in einem Mietshaus mit dem*r selben Vermieter*in. Oft wird hier nicht 
als Kollektiv gelebt und doch sind die einzelnen Mietparteien von derselben Ausbeutung 
durch Mietforderungen, durch Mieterhöhungen und Gebäudeschäden oder auch nur despotische 
Hausordnungen gemeinsam betroffen. Da heute ein großer Prozentsatz des Wohneigentums bei 
größeren Immobilienfirmen liegt, ergibt sich daraus noch eine viel größere, potentiell 
bundesweites Zwangsgemeinschaft, ähnlich wie für Beschäftigte in bundesweiten oder 
internationalen Unternehmen.[5]

Darüber hinaus ergeben sich die kollektiven Ebenen von Straße, Block, Viertel. In diesen 
sind wir mit den anderen Menschen gemeinsam von Auf- und Abwertung unserer Stadtteile 
betroffen, ebenso mit fremdbestimmter Quartiersgestaltung. Unser direktes Wohnumfeld ist 
aber auch der Raum, in dem wir verstärkt soziale Beziehungen pflegen können, in denen ein 
Teil der politischen Meinungsbildung stattfindet, in dem wir Treffpunkte etablieren. 
Letztlich ist es auch diese Nachbarschaft, die durch unser Verhalten oder Nichtverhalten 
die Freiräume für linke oder rechte Artikulationen und Aktionen festlegt. Es ist der Ort, 
an dem wir mehr Gelegenheiten haben, Zivilcourage z.B. gegen Sexist*innen, Nazis und 
Polizei an den Tag zu legen als im direkten Umfeld unseres Betriebes, der Schule oder der 
Uni. So ist es die Organisation im Stadtteil, die den Ausschlag dafür gibt, ob wir einem 
spontan auftauchenden Polizei- oder Naziaufgebot etwas entgegen zu halten haben oder 
nicht. Nicht zuletzt ist in Zeiten von Flexibilisierung und Isolierung der betrieblichen 
Praxis der Kiez auch ein wichtiger Bezugspunkt für Basisgewerkschafter*innen, um Kontakte 
zu pflegen, sich weiterzubilden, betriebliche Aktionen zu koordinieren.

Parkanlage in Dresden Löbtau, die Nachbarschaft konnte hier bei Gestaltung mitreden
Der Stadtteil ist daneben der Ort, in dem sich die Menschen i.d.R. hauptsächlich mit 
Schulden, dem Jobcenter und der Drangsalierung durch andere Behörden befassen. Erfahrungen 
aus der FAU in Dresden zeigen, dass die Bereitschaft der Leute in dieser Hinsicht zu 
kämpfen sehr von der Verfügbarkeit entsprechender Unterstützungsangebote in räumlicher 
oder zumindest sozialer Nähe abhängt. Das betrifft gerade auch kollektive Aktionsformen, 
wie die Verweigerungen von Eingliederungsvereinbarungen bei Hartz IV.

Mit diesen Betrachtungen haben wir, wenn auch sicher unvollständig, ein Bild davon 
gewonnen, welche politischen und sozialen Sphären sich in unseren Nachbarschaften 
berühren. Die nächste Frage ist nun, warum die Ebene der kommunalen Selbstverwaltung und 
der antikapitalistischen Nachbarschaftsarbeit in Deutschland bis jetzt vergleichsweise 
marginal ist.

DIE NACHBARSCHAFT DER VEREINZELTEN UND DER MIETNOMADEN

Der Mietshäusermarkt ist geprägt von riesigen Immobilienfirmen und kleinen 
Briefkastenfirmen. Der Mensch, die Gemeinschaft, die Kreativität erhalten keinen Platz 
mehr. Die meisten führen sowohl ästhetisch als auch in Sachen Hausordnung ein strenges 
Regiment. Leere Hausflure auf Hochglanz, billige Laminatfußböden, Mitteilungen a lá 
"Fahrräder und Möbel abstellen verboten", "Bitte entfernen sie ihren Sperrmüll bis zum XXX 
aus dem Garten..." usw.. Das Leben der meisten Stadtbewohner*innen ist geprägt von 
sterilen und totalitären Wohnvorgaben. Hinterhöfe sind karge, umzäunte Rasenstücke die von 
Verwaltungsgesellschaften gepflegt werden.

Unsere Häuser und Nachbarschaften sind uns also fremd, wir gestalten sie nicht, wir 
bestimmen nicht darüber und nur selten fühlen wir uns eingeladen, Flächen zu nutzen. Wenn 
wir Nachbar*innen treffen, oder direkte Anwohner*innen, dann sehen wir uns selten im 
direkten Wohnumfeld, sondern vielleicht eher im Kino, im Park, in einer Mall und merken 
nicht mal, dass wir Nachbar*innen gegenüber stehen. Wir kennen uns alle meistens nicht.

Und oft haben wir auch wenig Motivation das zu ändern, weil wohnen für viele von uns nur 
eine kurze Zwischenstation darstellt. Dank Verdrängung (Sanierung, Mieterhöhung) oder dank 
Karriere, oder auch nur dem Rudern nach irgendeinem Erwerb, wohnen wir mal hier, mal dort. 
Immer weniger Menschen werden in einem Stadtteil auch mal heimisch. Wir sind isolierte 
Nomaden in einem Heer von Fremden. Es ist diese Isolation, die uns ohnmächtig gegenüber 
den Verhältnissen macht.

Leerstand wird überwacht, Dresden-Übigau

Ehe wir Gedanken an organisierte Nachbarschaften verschwenden können, müssen wir diese 
Isolation grundlegend überwinden. In Dresden-Löbtau z.B. wurde das - in Teilen - über die 
Jahre geschafft. Es gibt einen Nachbarschafts-Emailverteiler mit einigen hundert 
Mitgliedern, hervorgegangen sowohl aus akuten Bedrohungslagen durch Nazis als auch 
Verhandlungen mit der Stadt bzgl. der Gestaltung von Flächen und der Organisation eines 
Nachbarschaftsstraßenfestes.[6]

Strukturen, wie solche Nachbarschaftsverteiler, lassen sich schnell aufbauen. Wichtig ist 
dabei einerseits die Festlegung von Minimalkonsensen, auf die man sich in den Strukturen 
berufen kann (bspw. antirassistisch, unkommerziell), andererseits auf Nachbar*innen 
offensiv zuzugehen: Das persönliche Gespräch suchen statt plakatieren. Diese Strukturen 
können direkt die Lebenssituation verbessern (der Nachbarschaftsverteiler ist bspw. oft 
virtueller Umsonstladen) und die Basis für gemeinsames Vertrauen und darauf aufbauend 
wieder politische Diskurse bieten. Wichtig ist dabei, dass wir auf die Heterogenität der 
beteiligten Milieus achten. Ein harter, politisch sehr gefestigter Kern wird meistens 
unter sich bleiben und eher Projekte IN der Nachbarschaft machen, als authentische 
Projekte VON der Nachbarschaft.

Schier unerlässlich für solche Nachbarschaftsprojekte sind 
Nachbarschaftsläden/-Cafés/-Zentren, in denen sich Nachbar*innen kennen lernen, 
Diskussionen entwickeln, erste Projekte Platz finden können.

Das Problem häufig wechselnder Wohnorte wird sich gegenwärtig durch uns nicht lösen 
lassen. Gerade Organisationsmitgliedschaften können hier aber Möglichkeiten bieten, 
schneller in neuen Stadtteilen und Städten anzukommen.

ORGANISIERTE NACHBARSCHAFTEN UND NACHBARSCHAFTSRÄTE

Soweit Analyse und Zusammenfassung. Nun gibt es bereits in einer Vielzahl von 
Nachbarschaften Vernetzungen, die teilweise auch soziale Kämpfe, z.B. Mietkämpfe, anstoßen 
und begleiten.[7]Wie können wir dazu einen nächsten Qualitätssprung machen? Ein Schritt 
hin zu mehr koordinierter Gegenmacht, zu einer umfassenderen Umgestaltung unserer Stadtteile.

Ein Vorschlag aus Dresden ist die Gründung von Nachbarschaftsorganisationen nach 
syndikalistischem Modell. Das meint hier v.a. die Herstellung verbindlicher 
Kommunikations- und Entscheidungswege zwischen Nachbar*innen, das Anlegen gemeinsamer 
Kassen, das Prinzip von Basisversammlungen und Föderalismus.

Vorschlag für eine konkrete Grundstruktur einer solchen Nachbarschaftsorganisation:

Eine Nachbarschaft, in der sich einige Leute halbwegs kennen und einen emanzipatorischen 
Grundkonsens teilen, treffen sich einmal im Monat zu Nachbarschaftsversammlungen (NV). 
Zunächst reichen schon 30-40 Menschen. Es wird sich auf grobe Grundstruktur, 
Entscheidungsfindungsmechanismen und gemeinsame Grundwerte geeinigt.[8]NVs und 
Grundstatuten bilden somit das Rückgrat für basis-demokratische Abstimmungen.[9]
Daneben wird ein Konto/ eine Kasse angelegt (alternativ erstmal das Konto eines 
bestehenden Nachbarschaftsvereins genutzt). Alle Nachbar*innen zahlen einen Prozentsatz 
ihres Einkommens z.B. 1-2% des Nettoeinkommens.[10]
Für die Zeit zwischen den Treffen wird ein Komitee mandatiert, bspw. Nachbarschaftsrat 
(NR) genannt. Die Mitglieder des Rates erhalten von der Nachbarschaftsversammlung (NV) 
klare Kompetenzen und Arbeitsaufträge. In der Anfangszeit kann das z.B. Kassenverwaltung, 
Kontobetreuung, Vorbereitung der Treffen usw. sein. Die NV hat durch die Beiträge eine 
erste finanzielle Handlungsmacht.

Zum Angehen der einzelnen sozialen Schwerpunkte könnte eine Befragung gemacht werden, 
inwieweit einzelne Themen von den organisierten Nachbar*innen priorisiert werden. 
Projektkonzepte, die sich für die einzelnen Bereiche anbieten sind u.a.:

Schaffung von Nachbarschaftskantinen, Pflege- und Kinderbetreuungskollektiven, Einkaufs- 
und Fahrzeugkollektiven, Werkstätten, Treffpunkten, Kulturstätten, Nachhilfe, Jugendclubs, 
etc.
Beratungsstellen für Probleme im Betrieb, bei Erwerbslosigkeit, Mietstreitigkeiten, 
anderen Amtsangelegenheiten
Förderung, Vernetzung und Unterstützung von Hausprojekten im Stadtteil
Recherche über Gestaltungspläne der Stadt im Viertel, Bildung von 
Verhandlungskommissionen, Prüfung von Gärten und Brachflächen, ob sie zum Kauf geeignet 
sind gegenseitige Wohnungsvermittlung
Organisation von Awareness-Strukturen, Mediationsstellen, Bildungsangeboten, Schutzräumen 
(bspw. Frauenhäusern), Unterstützung bspw. von Stadtteilantifas
Bildung von Konsumgenossenschaften mit libertärem Anspruch, Foodsharing-Strukturen
Die NVs könnten darüber beraten, welche Maßnahmen sie für machbar halten und inwieweit die 
gemeinsamen Mittel darauf verwendet werden könnten. Den Räten und einer niedrigschwelligen 
und gut an die selbstorganisierte Arbeit angepassten IT-Lösung kommt dabei die Aufgabe zu, 
Entscheidungen mit Pros und Contras gut vorzubereiten und so Konsens bei den Versammlungen 
wahrscheinlicher zu machen. Die entsprechenden Aufgaben für angedachte Projekte sollten 
beschrieben, im zeitlichen Rahmen geschätzt und unter allen organisierten Nachbar*innen 
ausgeschrieben werden, damit auch jene Aufgaben übernehmen, die es nicht regelmäßig auf 
Versammlungen schaffen (wollen). Mit beschlossenen Projekten und Themengebieten können 
AGs, Ausschüsse und Projektgruppen betraut werden, die den NVs Bericht erstatten. Die NR 
können dabei eine koordinierende Funktion einnehmen.

Diese Methode hat den Vorteil, dass in ihr basis-demokratische Kompetenzen entdeckt und 
erlernt werden und dass damit Projekte möglich werden, deren Finanzierung sonst oft von 
staatlichen Geldern und/oder sonstigen Förderungen abhängt und damit prekär, unsicher, 
politisch erpressbar ist. Gleichzeitig schließt das Konzept damit an aktuelle Diskussionen 
an, die in Teilen der kurdischen Community Deutschlands geführt werden.[11]
Die NVs und Räte sollten darauf achten, mit einem Maximum an Transparenz zu arbeiten und 
weitere Nachbar*innen immer wieder einzuladen. Mit Anwachsen der organisierten 
Nachbarschaften, steigen die finanziellen Möglichkeiten ebenso wie die demokratische 
Legitimierung und die Aktionsfähigkeit. Daneben würde der Aufbau von Projekten unter 
verbindlichen Abstimmungs- und Kommunikationsvereinbarungen stattfinden, was eine neue 
Qualität wäre gegenüber nebeneinander existierenden Einzelprojekten, die sich mehr auf 
Basis einzelner sozialer Kontakte austauschen. Eine weitere Öffnung, aber gleichsam 
finanzielle Hilfe, könnten öffentliche Betriebe wie bspw. Cafés und Konsumgenossenschaften 
bieten. Mitglieder könnten hier Rabatt bekommen, so könnte auch ein akuter, materieller 
Anreiz geschaffen werden, in die gemeinsamen Kassen einzuzahlen.

Sollte sich das hier beschriebene Konzept, so oder ähnlich, verbreiten, wäre über die 
Sinnhaftigkeit einer Föderation in städtischen, regionalen und überregionalen Räten zu 
diskutieren. Deren Tätigkeit könnte z.B. auf Lobbyarbeit für die Gesamtheit der Räte, auf 
Wissenstransfer, Bereitstellung überregional gebrauchter Infrastruktur (bspw. IT-Lösungen) 
usw. abzielen.

Eine solche Nachbarschaft oder Nachbarschaftsföderation kann einige der eingangs 
beschriebenen Probleme lösen. Andere Probleme bleiben bestehen, bzw. dürften für einzelne 
Nachbarschaftsorganisationen am Anfang eine Nummer zu groß sein. Die Prekarität der 
Einzelnen ist z.B. mit dem Modell immer noch nicht behoben, ebenso nur in begrenztem Maße 
die Konsument*innenohnmacht, auch Hausprojekte, ALG-II- und Mieter*innenberatung allein 
aufzubauen wird schwierig und vermutlich wenig effektiv. Gleichzeitig wäre es ja vielfach 
formulierter Anspruch, eine nachhaltige Perspektive zu eröffnen, die über Kapitalismus und 
Patriarchat hinausweist.

Nachbar*innen wehren sich gegen Nazi-Bekleidungsgeschäft in Dresden-Löbtau
Zusammengedacht werden sollte dieses Konzept daher von Anfang an mit vier anderen 
Akteur*innen: Reproduktionsgemeinschaften, Basisgewerkschaften, Mietshäusersyndikaten und 
Union Coops.

HAND IN HAND - MIT INEINANDER-GREIFENDEN STRUKTUREN FÜR EINE GESAMTGESELLSCHAFTLICHE 
PERSPEKTIVE!

Hand in Hand - Nazis stoßen in Löbtau auf Widerstand von Stadtteil-Antifa, 
Willkommens-Bündnis und Basisgewerkschaft
Unmittelbar berührt werden unsere Nachbarschaften, wenn nicht jetzt schon, so doch 
hoffentlich bald, von Projekten des Mieshäusersyndikates (MHS).[12]Wenn wir darüber 
diskutieren, wie wir die Verdrängung in unseren Stadtteilen zumindest abmildern können, 
ist das Mietshäusersyndikat dabei ein wichtiger Schlüssel.[13]
Antikapitalistische und radikaldemokratische Basisgewerkschaften wie die 
FAU-Syndikate[14]sind natürliche Verbündete beim Aufbau einer solchen 
Nachbarschaftsorganisation. Das wird einerseits durch die Beteiligung an Projekten in 
Hannover und Hamburg deutlich. Andererseits gehört eben jene Nachbarschaftsorganisation 
zum Kern anarcho-syndikalistischer Theorie. Das zu Grunde liegende Gewerkschaftsmodell 
lässt sich eben nicht nur auf apolitische Tageskämpfe im Betrieb festnageln, sondern zielt 
auf Kämpfe und Verbesserungen in allen sozialen Bereichen und die Übernahme der 
gesellschaftlichen Tätigkeiten in Selbstverwaltung ab. Dass sich heute 
Nachbarschafts-Initiativen mit sozial-kämpferischen Anspruch eher außerhalb als innerhalb 
der FAU entwickeln, lässt sich daher v.a. auf ein nur langsames Erstarken des 
Nachkriegssyndikalismus in Deutschland und einen allgemeinen Organisationsskeptizismus der 
deutschen Linken seit den 70ern zurückführen.

Auch wenn Nachbarschaftsversammlungen und FAU-Syndikate daher zunächst zwei paar Schuhe 
bleiben werden, bietet eine enge Zusammenarbeit der Strukturen und eine 
Doppelmitgliedschaft für Einzelne eine Menge Vorteile. So bietet die FAU schon heute ein 
bundesweites und internationales Netzwerk, was den Erfahrungsaustausch zwischen den 
Nachbarschaften und die Gründung weiterer, lokaler Initiativen erleichtert. Auch kann auf 
die Strukturen bei Arbeitsrechtsfällen, Sozialberatungsbedarf etc. zurück gegriffen 
werden. Eine stärkere Relevanz könnte die FAU zudem als Mietkampforganisation erreichen. 
Lohn- und Miethöhe sind oft zwei Seiten der Medaille moderner Prekarität. Ähnlich wie am 
Arbeitsplatz lohnt es, wenn sich Mieter*innen desselben Unternehmens bundesweit 
organisieren und gemeinsam Kämpfen. Dafür bietet das rechtliche Knowhow, die 
Rechtshilfekassen der FAU und ihre bundesweite Mitgliederbasis eine gute Ausgangslage. 
Perspektivisch könnte so von einer rein abwehrenden Position in offensive Kampagnen z.B. 
für "Miettarife" übergegangen werden.[15]

Eng mit der FAU verzahnt ist die Föderation gewerkschaftlich organisierter Betriebe, kurz 
Union Coop. Sie verfolgt ähnliche Konzepte wie das Mietshäusersyndikat, nämlich 
Entprivatisierung von Produktionsmitteln und gegenseitige Unterstützung durch Geld, 
KnowHow und Abstimmung. Die Föderation hat einen klar emanzipatorischen, 
antikapitalistischen Anspruch. Die FAU kontrolliert dabei als Gewerkschaft die 
Arbeitsbedingungen der Betriebe und stellt diesen ein Qualitätssiegel als 
Union-Coop-Betrieb aus, das den Konsument*innen Sicherheit über die Arbeitsbedingungen 
bietet. In Zusammenhang mit den Nachbarschaften, kann das Union-Coop-Modell eine 
Möglichkeit sein, Strukturen jenseits von überlastetem Ehrenamt oder politisch motivierter 
Selbstausbeutung aufzubauen. Gleichzeitig sind es auch die Nachbarschaften, die als Ort 
des hauptsächlichen Konsums einerseits neue Betriebe durch nachbarschaftliche Mittel 
stützen könnten, andererseits, mittels Konsumgenossenschaften, Union-Coop-Betrieben 
bundesweit oder gar international eine halbwegs sichere Abnehmer*innenschaft organisieren 
würden. Das würde den Betrieben einen großen Zugewinn an Stabilität bieten. Dadurch würden 
diese beim Aufbau der Föderation stark entlastet. Bewussten Konsument*innen würde es 
umständliche Bestellungen und Fahrtwege ersparen.

Schließlich ist die Ebene der ehrenamtlichen Selbsthilfe-Projekte zu betrachten, seien das 
WGs, Repro-/Pflegekollektive oder Werkstätten. Solcherlei Projekte und Kollektive werden 
weiterhin das Rückgrat von lebendigen Nachbarschaften bilden. Gerade im 
Reproduktionsbereich wären hier sicher noch eigene Organisationsansätze für mehr 
gegenseitige Hilfe, Austausch von KnowHow und Lobbyarbeit notwendig.

Durch ineinander greifen besagter Strukturen ließen sich in Nachbarschaften maximale 
Effekte erzielen.[16]

ZUSAMMENFASSUNG DES KONZEPTS

Die Nachbar*innen organisieren Nachbarschaftsversammlungen & Räte und erhalten durch 
strukturierte Entscheidungsprozesse und einen eigenen Fond mehr Planungs- und 
Handlungsmacht. Sie beteiligen sich aktiv am Aufbau von Strukturen die auch MHS- und Union 
Coop-Strukturen einschließen und unterstützen Repro-Kollektive.

Diese Strukturen zusammen sichern den Nachbar*innen Stück für Stück mehr Zugriff auf 
erträglichere Arbeitsplätze, gesicherteres Wohnen und anti-patriarchale Räume und 
Reproduktions-Arbeit. Die FAU zertifiziert und fördert Union-Coop-Betriebe, da mindestens 
die Hälfte der dort Arbeitenden für sinnvolle Kontrolle Mitglied werden muss, wächst auch 
die Gewerkschaft mit den Betrieben. Die Union-Coop-Betriebe stehen mit ihren 
Konsument*innen in direkten Austausch und berücksichtigen deren Wünsche bei der 
Produktion. Im Gegenzug ermöglicht deren organisierte Konsument*innenmacht Ansätze einer 
demokratischen Planwirtschaft von unten und einen kleinen Ausbruch aus dem prekären 
Wettbewerb.

Die Kollektivbetriebe haben dabei die Aufgabe und das Ziel, Freiräume für 
Umsonst-Ökonomien zu erwirtschaften, sowie Praxis und Theorie durch gemachte Erfahrungen 
weiter zu entwickeln. In konventionellen Betrieben und Mietwohnungen (ebenso wie auf 
Bildungsinstitutionen und Ämtern) kämpft die FAU weiter für bessere Bedingungen, kann 
dabei vor Kolleg*innen aber auf praktische Beispiele der kollektiven Häuser und Betriebe 
verweisen, um Kolleg*innen zu motivieren und sich bei Miet- und Arbeitskämpfen ggf. auf 
die lokale Unterstützung der organisierten Nachbarschaften verlassen.

Dieser Text ist ein erster Rundumschlag zu Gedanken die sich aus organisatorischen 
Erfahrungen und Debatten ergeben haben. In einer Zeit, in der Kommunalismus u.a. durch 
Organisationsmode

https://direkteaktion.org/perspektiven-gewinnen-organisierte-nachbarschaften-und-foederationen-hand-in-hand/


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