(de) fda-ifa - agdo: Make Amazon Pay Kampagne in Dortmund Part 2

a-infos-de at ainfos.ca a-infos-de at ainfos.ca
Fr Jan 5 07:23:28 CET 2018


Am 17.12. fand ein "Kennenlern-Café" für alle Amazonarbeiter*Innen aus Dortmund im Black 
Pigeon statt. Ziel war es, Kontakte zu knüpfen und die Zustände am Standort Dortmund 
kennenzulernen. Zwei Tage vorher, am 15. Dezember, wurde dazu direkt vor dem Amazon-Lager 
eingeladen. Hierfür wurden über 1.000 Flyer verteilt. ---- Einladungs-Aktion ---- 
Pünktlich zum Schichtwechsel, zwischen Früh- und Spätschicht, waren wir mit einem 
Infotisch vor dem Dortmunder Amazon-Lager vor Ort. Allen interessierten Arbeiter*Innen 
wurde eine Einladung zum Kennenlern-Café, inkl. des offenen Briefes von Amazon 
Arbeiter*Innen für Amazon Arbeiter*Innen überreicht. Kurz vor dem Eingang, befand sich zu 
dem unser Infotisch mit Informationen zum Aktionsbündnis "Make Amazon Pay", sowie weiteren 
allgemeinen Informationen zur unabhängigen Sozialberatung, zur Freien Arbeiter*Innen Union 
und den beteiligten Menschen des Bündnisses (u.a.).

Dort kamen all jene Menschen vorbei, welche mit dem Bus fuhren. Viele blieben nach kurzem 
Überlegen stehen und fragten, worum es eigentlich gehe. Diesen konnte direkt vor Ort eine 
kurze Erklärung dessen gegeben werden, was die Ziele des Bündnisses sind und warum wir 
bereits zum Start des Dortmunder Lagers präsent sind / sein wollen.

Die Aktion stieß dabei auf großes Interesse und wir bekamen sehr viel positives Feedback. 
Auch sagte man uns, dass es so langsam der richtige Zeitpunkt sei, Unterstützung 
anzubieten, da sich die Arbeitsbedingungen immer mehr verschlechterten und sich Mensch 
kaum trauen können, etwas dagegen zu sagen. Der Grund dafür seie, dass alle Verträge bis 
Jahresende befristet sind und die Verlängerung wohl erst kurz vor Weihnachten rausgehen 
sollen.

Auch auf dem direkt vor dem Eingang des Lagers gelegenen Parkplatz wurde an jedem Auto 
eine Einladung angebracht. Sowohl an Autos der Früh-, als auch an Autos der Spätspicht. 
Menschen, welche während dessen zu ihrem Auto gingen, zeigten ebenfalls großes Interesse 
und suggerierten die Absicht, zum Kennlern-Café zu kommen.

Auch hier kamen einige Menschen auf uns zu und erzählten von den sich verschlechternden 
Bedingungen auf der Arbeit. Eine Person erzählte sogar, dass sie bereits ihren zweiten 
emotionalen Zusammenbruch hatte, sodass sie kurzzeitig aussetzen musste.
Jedoch waren auch viele Menschen sehr skeptisch, dass wir nicht von Amazon beauftragt 
wurden, um Arbeiter*Innen heraus zu finden, welche dem Unternehmen nicht blind folgen. 
Diesen konnte jedoch in Ruhe die Arbeit des Bündnisses, sowie die Absichten erläutert 
werden, wodurch für den Moment Vertrauen aufgebaut wurde.

Alles in allem konnten so über 1.000 Einladungen verteilt und zahlreiche Arbeiter*Innen in 
einem persönlichen Gespräch informiert werden.
Direkt am Ende der Aktion, als der Infotisch bereits abgebaut und bis auf drei Autos alle 
mit Einladungen versehen wurden, bekamen wir Besuch von zwei Security Menschen des von 
Amazon beauftragten Sicherheitsunternehmens. Uns wurde erklärt, dass diese nichts gegen 
unsere Aktion haben. Jedoch hatten sie den Auftrag bekommen, uns davon abzuhalten weiter 
zu machen. Auch bekamen die an diesem Tag anwesenden Aktivist*innen unbefristetes 
Hausverbot für das Dortmunder Amazongelände (sowohl das des Lagers, als auch das des 
Parkplatzes). Zu unserer Freude kam dies erst genau zum Ende unserer Aktion. Nachdem ein 
Flyer von ihnen mitgenommen wurde und weitere Personen über Funk angefordert wurden, 
sollten wir die Flyer an den Autos wieder entfernen. Dem konnte wir aufgrund des 
Hausverbotes leider nicht mehr folgeleisten und verschwanden sehr zufrieden über die 
erfolgreiche Einladungsaktion.

Kennenlern-Cafe

Zwei Tage später, am Sonntag den 17.12. fand das Kennenlern-Cafe ab 14 Uhr im Black Pigeon 
statt. Bei Cafe, Lebkuchen und Spekulatius wollten wir alle interessierten Arbeiter*Innen 
kennenlernen und über die Arbeitsbedingungen sprechen, sowie generell mit den in Dortmund 
beschäftigten Menschen in Kontakt kommen.

Mit den gekommenen Menschen enstand dann ein intensives Gespräch, welches auch einiger 
unserer Fragen beantworten konnte. Ein Mensch erzählte, dass der größte Punkt seiner 
Unzufriedenheit seit kurzem überwunden sei, da sein Vorgesetzter gewechselt habe. Die 
"alten" Probleme waren so für diesen Menschen gelöst. Jedoch wird diese Person seinen 
Vertrag wohl nicht verlängern wollen, da sich die unbedingte Zufriedenheit mit der Arbeit 
bei Amazon nicht einstellt. Die Arbeit selbst sei schon nicht angenehm, von anderen 
Problemen einmal abgesehen.
Auch eine zweite Person berichtete eher positiv über die Arbeit bei Amazon. Es sei halt 
Arbeit, monoton und sehr "stumpf", jedoch besser als mit mehreren Jobs versuchen zu 
müssen, als Alleinerziehende*r genug Geld zusammen zu bekommen, so das Feedback. Immer 
wieder gab es auch einen Austausch der Arbeiter*innen unter sich, so bekamen wir mit, dass 
es bereits seit dem kurzen Bestehen des Dortmunder Lagers zu zerstörten Toiletten, Sex auf 
dem Klo unter Arbeiter*Innen, klauen und "Bummeln" während der Arbeit kam.

Weiterhin bekamen wir auf diese Weise mit, dass wohl extrem viele Kameras jede*n 
Arbeiter*In beobachten und man sich niemals unbeobachtet fühlen kann. Angenehmes Arbeiten 
kann so nicht entstehen. Auch betritt augenscheinlich "cis-männliches" Sicherheitspersonal 
ungefragt die Damentoilette um dort "nach dem rechten zusehen". Weiterhin soll es während 
der Arbeitszeit immer wieder zu heftigen Staubschwaden kommen, welche sich in der Luft 
verteilen und das Atmen wesentlich erschweren. Dies soll, so ein*e Arbeiter*In, auch 
dadurch kommen, dass nur gefegt wird, was erst recht das Atmen unerträglich macht.

Leider kamen trotz der positiven Resonanz während der Einladungsaktion nur wenige 
Arbeiter*innen vorbei. Neben der Angst vor Konsequenzen von Amazon zu einem solchen 
Treffen zu kommen, kommt sicherlich die relative Zufriedenheit der Arbeiter*innen, die 
auch die Anwesenden betonten, hinzu. Klar sind die Zustände beschissen, klar sind die 
Arbeiter*innen bei Amazon nichts weiter als der verlängerte Arm einer Maschine. Aber 
Amazon nimmt eben im Weihnachtsgeschäft jede*n, auch ohne Ausbildung oder mit mangelnden 
Deutschkenntnissen, darüberhinaus bezahlt Amazon verhältnissmäßig gut. Wenn du 
alleinerziehend bist und vorher mehrere Jobs gleichzeitig gemacht hast um über die Runden 
zu kommen und dir nun einer zum überleben reicht, dann ist das natürlich eine Steigerung 
deiner Lebensqualität, unabhängig erstmal davon wie scheiße die Arbeit, die du machst ist. 
Es mangelte bei den Arbeiter*innen auch nicht an Bewusstsein darüber was Amazon für unsere 
Gesellschaft bedeutet. Das zeigte auch in Teilen die am Ende stattfindende grundsätzliche 
Diskussion über den Kapitalismus und Lohnarbeit. Wie Amazon z.B. nicht unerheblichen 
Anteil daran hat, dass der kleine Buchhandel nach und nach zerstört wird. Aber 
letztendlich müssen wir alle Geld nach Hause tragen um uns über Wasser zu halten.

Für uns stellt sich allerdings die Frage, ob wir ohne einen konkreten Arbeitskampf im 
Betrieb oder/und Selbstorganisierung der Arbeiter*innen einen guten Ansatzpunkt haben um 
die Leute im Dortmunder Werk in einem kämpferischen Sinne zu erreichen und zu 
unterstützen. So oder so haben uns die bisher gelaufenen Aktionen rund um Amazon um einige 
Erfahrungen reicher gemacht und die Dankbarkeit der vielen Arbeiter*innen vor Ort haben 
unseren Weg bekräftigt.

Allen Lohnabhängigen aus Dortmund und Umgebung sei an dieser Stelle nochmal die 
Sozialberatung/Gewerkschaftliche Erstberatung unserer Genoss*innen der Freien 
Arbeiter*innen Union östliches Ruhrgebiet ans Herz gelegt.

Kommt rum: Jeden 2. und 4. Mittwoch im Monat von 18:30 - 19:30 Uhr im Black Pigeon, 
Scharnhorststraße 50, 44147 Dortmund.

Anarchistische Gruppe Dortmund

http://agdo.blogsport.eu/2017/12/31/make-amazon-pay-kampagne-in-dortmund-part-2/


Mehr Informationen über die Mailingliste A-infos-de