(de) FDA-IFA, Gai Dào #86: SaveAfrin - Gegen die türkische Militäroffensive in Nordsyrien Von: Anarchistische Gruppe Dortmund

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Fr Feb 23 09:13:37 CET 2018


Wir sind heute auf der Straße, um gegen den Angriff der türkischen Armee auf den 
kurdischen Kanton Afrin in Nordsyrien zu protestieren. Afrin ist Teil einer kurdischen 
Föderation, die sich inmitten der Bürgerkriegswirren im Norden Syriens seit 2013 
etablieren konnte. Es leben dort ca. 800.000 Menschen, von denen viele aus anderen Teilen 
des Landes geflüchtet sind und die jetzt erneut durch Krieg bedroht sind. ---- Der 
türkischen Regierung ist es ein Dorn im Auge, dass sich an ihrer Grenze ein kurdisches 
Selbstverwaltungsgebiet etabliert hat. Sie fürchtet, dies könnte den Autonomiebestrebungen 
der Kurd*innen innerhalb des eigenen Landes Auftrieb geben, die der türkische Staat seit 
Jahrzehnten blutig unterdrückt. Darüber hinaus braucht Präsident Erdogan die 
nationalistische Mobilisierung gegen einen äußeren Feind, um nach innen Kritik an seiner 
brüchig gewordenen Herrschaft zu ersticken. Er hofft darauf, dass religiöse und säkulare
Türk*innen allen Streit vergessen und treu zu "ihrer" Regierung
stehen, sobald es gegen die Kurd*innen geht. Und tatsächlich haben
bereits alle relevanten türkischen Oppositionsparteien bis auf die pro-
kurdische HDP ihre Unterstützung der Militäroffensive zum
Ausdruck gebracht.

Unser Protest richtet sich auch gegen die deutsche Bundesregierung,
die das Regime Erdogan unterstützt und gewähren lässt. Sie tut dies,
weil sie mit der Türkei einen schmutzigen "Flüchtlingsdeal"
abgeschlossen hat. Dieser soll Menschen von Europa fernhalten,
welche dem Elend und den Kriegen entkommen wollen, die der
Kapitalismus über ihre Länder brachte. In diesem Zusammenhang hat
der Bundes-innenminister dem türkischen Staat vor kurzem den
Gefallen getan, die Fahnen der YPG zu verbieten und damit der
türkischen Lesart zu folgen, die diese syrisch-
kurdische Miliz als "Terrororganisation"
einstuft. In Wirklichkeit war es jedoch eben
diese Miliz, die am entschlossensten und
erfolgreichsten die Terrorbanden des
"Islamischen Staates" bekämpft hat.

Im Rahmen der Kampagne gegen den IS haben
die syrischen Kurd*innen sowohl mit Russland
als auch mit den USA kooperiert und von
beiden Staaten militärische Unterstützung
erhalten. Jetzt, nachdem der IS fast besiegt ist,
wurden sie von beiden Mächten im Stich
gelassen, die den aktuellen Angriff der Türkei
tolerieren. Dies zeigt einmal mehr, dass sich um
Befreiung kämpfende Menschen nicht auf die
Unterstützung von Staaten oder anderen
hierarchischen Mächten verlassen dürfen. Diese
mögen ihnen zwar zeitweise helfen, sofern es
ihren Interessen nützt; sobald dies nicht mehr
der Fall ist, sind solche Mächte jederzeit bereit,
ihre bisherigen Verbündeten fallen zu lassen.

Wirkliche Befreiung kann nur durch ein Bündnis von Unterdrückten
aller Länder erreicht werden, die sich gegen jede Form der Herrschaft
und Ausbeutung zur Wehr setzen und damit per se den Interessen der
unterdrückenden Mächte widersprechen. Nur eine solche Bewegung
könnte eine Welt schaffen, in der alle ohne Angst verschieden sein
können.
???
Anarchistische Gruppe Dortmund, im Januar 2018


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