(de) FAU, direkte aktion - BELEGSCHAFT ZERLEGT: AUS FÜR DIE BILDUNGSARBEIT BEIM LSVD BERLIN?

a-infos-de at ainfos.ca a-infos-de at ainfos.ca
Mo Feb 12 08:33:17 CET 2018


Nach der Kündigungswelle im Bildungswerk des Lesben- und Schwulenverbands Berlin (BLSB) 
scheint die professionelle Bildungsarbeit des LSVD Berlin vor dem Ende zu stehen. 
Betroffen sind auch bekannte Projekte. ---- Betrieb & Gesellschaft Von: Bernard Coda - 7. 
Februar 2018 ---- Der Konflikt um bessere Arbeitsbedingungen im BLSB erreicht einen neuen 
Tiefpunkt. 2018 verliert der Verein zwei Drittel seiner Mitarbeiter*innen: Sie wurden vor 
die Tür gesetzt oder sind aus Frust über die Geschäftsführung selbst gegangen. Die 
(größtenteils ehemalige) Belegschaft äußert ihre Sorge um die Zukunft der Projekte nun in 
einem offenen Brief. Denn was diese Kündigungswelle für die LSVD-Projekte in Berlin 
bedeuten wird, ist ungewiss. Dieser Zustand lässt nicht nur die LGBTIQ-Szene der Stadt 
aufhorchen, sondern auch die Politik, denn die Finanzierung stammt aus öffentlichen 
Geldern - immerhin eine halbe Million pro Jahr.

Der Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) Berlin-Brandenburg e.V. ist der 
Landesverband des bedeutendsten Interessenverbandes der LGBTIQ-Community in Deutschland. 
Er setzt sich für die Gleichberechtigung und Akzeptanz von schwulen, lesbischen und 
bisexuellen Menschen in Deutschland ein. Mit dem Bildungs- und Sozialwerk des Lesben- und 
Schwulenverbandes Berlin Brandenburg e.V. (BLSB) hat der LSVD einen weiteren Verein 
gegründet, der als Projektträger fungiert.

GEWERKSCHAFTSUNTERDRÜCKUNG WICHTIGER ALS GUTE ARBEIT?
Während der BLSB e.V. der Öffentlichkeit nicht sonderlich bekannt ist, sind es seine 
Projekte. Das Regenbogenfamilien-Zentrum in Schöneberg ist eines davon. Das Zentrum ist 
seit 2013 "die LSVD-Anlaufstelle für lesbische, schwule, bisexuelle und transgender 
Menschen mit Kindern" und "wurde bereits wenige Monate nach Eröffnung als "Ausgezeichneter 
Ort im Land der Ideen" prämiert", berichtet die Webseite des LSVD Berlin.

Das Vorzeigeprojekt wird ermöglicht durch drei bezahlte Stellen im Schöneberg. Dass diese 
nun geschlossen gekündigt haben, eröffnet die Frage, wie es weitergeht. Es ist nicht 
sonderlich realistisch, davon auszugehen, dass die Qualität der Arbeit des Projekts 
bestehen bleibt, wenn nun plötzlich Ersatz gefunden werden muss für die Mitarbeiter*innen 
vor Ort, die das Zentrum jahrelanger Arbeit aufgebaut haben. Dass ein so wichtiges 
Projekt, gerade wo auch die Finanzierung für das kommende Jahr schon sichergestellt ist, 
seiner Arbeit nicht mehr in gewohnter Qualität nachgehen kann, liegt wohl an den 
fragwürdigen Prioritäten der Geschäftsführung. Statt auf die Forderungen der 
Mitarbeiter*innen einzugehen, wurde auf Konfrontation gesetzt, und dabei billigend in Kauf 
genommen, die eigenen Projekte zu gefährden. Zwei Projekten haben sogar alle 
Mitarbeiter*innen verloren und somit auch deren Erfahrungen. Das trifft nun neben den 
Beschäftigten auch diejenigen, die auf die Einrichtungen angewiesen sind - in diesem Fall 
vor allem Regenbogen-Familien mit Kindern oder Kinderwunsch.

"DIE PROBLEME SIND HAUSGEMACHT"
"Die Probleme im BLSB sind nicht neu, und vor allem hausgemacht", heißt es aus der 
Betriebsgruppe der FAU Berlin, der Vertretung der Arbeitnehmer*innen im BLSB: "Dass sich 
die Belegschaft zusammengesetzt hat, um über die vielen Probleme im Betrieb zu sprechen, 
war schon Anfang letzten Jahres."

Es gab also genug Zeit, um sich als Geschäftsleitung um die Probleme zusammen mit den 
erfahren Mitarbeiter*innen zu kümmern. So hätte sich abwenden lassen, dass der eigene 
Träger nun quasi ohne Mitarbeiter*innen dasteht. Wie auch immer es mit der Bildungsarbeit 
des LSVD im Land Berlin weitergeht, eines ist klar: Der Verein riskiert seine Existenz 
ebenso wie das Vertrauen der LGBTIQ-Community und der Geldgeber*innen. Die Bildungsarbeit 
des LSVD kann nur gut sein, wenn er es seinen Arbeiter*innen ermöglicht, gute Arbeit zu 
machen. Und auch wenn es nächstes Jahr mit einer neuen Belegschaft weitergeht, hat der 
Verband kein Problem gelöst, sondern neue geschaffen.

https://direkteaktion.org/lsvd-berlin-zerlegt-belegschaft/


Mehr Informationen über die Mailingliste A-infos-de