(de) af rhein-ruhr: Solidarität mit dem Widerstand vom 31.Mai 2017 in Nürnberg!
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Fr Feb 9 07:26:08 CET 2018
Am 31. Mai 2017 sollte in Nürnberg ein Berufsschüler nach Afghanistan abgeschoben werden.
Zu diesem Zweck wollte die Polizei ihn vor den Augen seiner Mitschüler*innen direkt aus
dem Klassenraum heraus abführen. Die wollten das jedoch nicht hinnehmen und reagierten mit
hunderten anderen Menschen auf den Abschiebeversuch mit lautstarkem Protest und einer
Blockade des Polizeiwagens, in dem der Schüler weggebracht werden sollte. Bei dem
gewaltvollen Vorgehen der Polizei gegen die insgesamt rund 300 Abschiebegegner*innen kam
es zu mehreren Verletzten und Festnahmen. ---- Im Nachgang dieser Ereignisse hat
mittlerweile eine kaum mehr zu überblickende Anzahl von Menschen Post von der Polizei
bekommen. Viele von ihnen müssen mit Anklagen und Prozessen rechnen; Leute aus anderen
Städten haben bereits Strafbefehle im Zusammenhang mit dem 31.Mai bekommen. Und noch immer
dauern die Ermittlungen an und die Liste der Beschuldigten, deren Engagement der Staat
ganz offensichtlich hart abstrafen möchte, wird stetig länger. Auch die Bleibeperspektive
des Berufsschülers, der abgeschoben werden sollte, ist weiter unklar. Ihm soll schon bald
der Prozess gemacht werden - weil er sich dagegen gewehrt haben soll, in ein
Bürgerkriegsland abgeschoben zu werden.
Ein Teilnehmer des Protests, der nach dem 31.Mai fünf Monate lang in Untersuchungshaft
saß, wurde Ende Oktober in einem demütigenden Schauprozess zu einer zweijährigen
Haftstrafe auf Bewährung und 450 Sozialstunden verurteilt. Unter Zuhilfenahme des
Strafgesetzesparagraphen 114 ("tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamt*innen"), der
ebenso wie der §113 StGB bezüglich Widerstands unlängst verschärft worden ist, versuchte
das Gericht - wie die Politik zuvor - den Fokus auf die Kriminalisierung antirassistischen
Protestes zu legen, anstatt sich mit den Gründen und Hintergründen für das Handeln der
Demonstrant*innen auseinanderzusetzen. Die Frage, warum ein solcher Protest angesichts der
rassistischen Abschiebepraxis notwendig ist, sollte gar nicht erst aufkommen.
Darin offenbart sich einmal mehr der kaum verhohlene Versuch, Widerstand gegen die
Unmenschlichkeit der herrschenden Verhältnisse zu delegitimieren.
Wir, die Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen (FdA), erklären uns solidarisch mit
allen Geflüchteten, die ihr Leben auf der Flucht für eine bessere und sicherere Zukunft
riskieren. Dabei solidarisieren wir uns auch mit allen Menschen, die sich rassistischer
Abschiebepraxis in den Weg stellen und sich behördlichen Anordnungen widersetzen.
Besonders in Anbetracht des erstarkenden Rechtspopulismus in Politik und Gesellschaft
werden regelmäßige Sammelabschiebungen in sogenannte "sichere Herkunftsländer"
vorgenommen, um eine "gute deutsche Ordnung" wieder herzustellen. Dass dies für die
abgeschobenen Menschen Verfolgung, Folter und Tod bedeutet, scheint kein Hindernis für die
Behörden und Politik zu sein.
Hinzu kommt, dass die Gegner*innen deutscher Abschiebepolitik zunehmend Opfer von
Kriminalisierung und Polizeigewalt werden. Gerade dieses positive Beispiel von
solidarischem und wirksamem Protest, wenn er wie am 31.Mai derartige Resonanz und
Solidarisierung hervorruft, darf aus Sicht des Staates nicht zum Vorbild für zukünftige
Protesthandlungen werden. Dass die Repression auch so viele Monate nach dem 31.Mai
unvermindert stark ist, zeigt die Dringlichkeit auf, mit der der Staat effektiven
Widerstand - wie die Verhinderung von Abschiebungen - als unrechtmäßig darstellen will.
Stattdessen soll Protest sich auf Kundgebungen oder ähnlich unwirksame Aktionen beschränken
Doch wir lassen legitimen, wichtigen Widerstand nicht in Repression untergehen. Daher
rufen wir dazu auf, sich mit den Betroffenen nach dem 31. Mai 2017 zu solidarisieren.
Unterstützt sie und die Arbeit des Bündnisses "Widerstand Mai31 - Solidarität ist kein
Verbrechen", egal ob finanziell oder in Form von eigenen Aktionen, Solidaritätsbekundungen
oder vielfältigen anderen öffentlichkeitswirksamen Handlungen, um der Wut über die
Versuche des Staates, unsere Mitstreiter*innen abzustrafen und zu unterdrücken, Ausdruck
zu verleihen. Und lasst auch weiterhin nichts unversucht, um dem Rassismus in Staat und
Gesellschaft auf allen Wegen entgegenzutreten!
Solidarität ist eine Waffe!
Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen (FdA)
Spenden für die anfallenden Gerichtskosten sammelt das Bündnis Widerstand Mai 31 -
Solidarität ist kein Verbrechen:
http://afrheinruhr.blogsport.de/2018/02/04/solidaritaet-mit-dem-widerstand-vom-31-mai-2017-in-nuernberg/#more-604
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