(de) evibes: Offener Brief von Sexarbeiter_innen in Sachsen

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Fr Feb 9 07:16:04 CET 2018


+++ Sexarbeiter_innen kritisieren Landesregierung mit Offenem Brief +++ Gesetzesentwurf 
muss geändert werden +++ Stärkung von Arbeitsrechten statt Überwachung gefordert +++ ---- 
Heute hat die von uns mit gegründete Initiative Sex Workers Solidarity einen Offenen Brief 
an Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) und alle Abgeordnete demokratischer Fraktionen 
im Sächsischen Landtag veröffentlicht. ---- Darin wird Kritik am aktuellen Gesetzesentwurf 
der Landesregierung zur Umsetzung des sogenannten "Prostituiertenschutzgesetzes" in 
Sachsen geäußert. Dieser soll nach langen Verzögerungen im März verabschiedet werden. ---- 
Der Zusammenschluss von Sexarbeiter_innen und Unterstützer_innen fordert die 
Sozialministerin und die Abgeordneten dazu auf, die Perspektiven und Wünsche der 
Betroffenen nicht länger zu ignorieren.

Lou Michalek, Pressesprecher_in der Initiative erklärt dazu:

"Wir müssen uns nicht nur gegen weit verbreitete Vorurteile behaupten. Auch für gute 
Arbeitsbedingungen müssen wir immer wieder streiten. Der aktuelle Gesetzesentwurf legt uns 
dabei Steine in den Weg."

Der offene Brief wurde kurz vor der öffentlichen Anhörung des Ausführungsgesetzes am 
09.02. im Sozialausschuss versendet. Sex Workers Solidarity ruft darin die sächsischen 
Abgeordneten auf, die Kosten für die Zwangsregistierung auf keinen Fall auf die 
Betroffenen umzulegen.
Weiterhin wird auf eine mehrsprachige und kostenfreie Umsetzung der Pflichtberatung des 
Bundesgesetzes gedrängt.

"Die Erfahrung zeigt: Repression bringt keinen Schutz. Mit dem Gesetz werden weder 
Betroffene von Menschenhandel unterstützt, noch verbessert es die Arbeitsbedingungen in 
der freiwilligen Sexarbeit."

Zur tatsächlichen Unterstützung von Sexarbeiter_innen fordert die Initiative den Ausbau 
niedrigschwelliger Beratungs- und Bildungsangebote durch unabhängige Träger. Diese müssten 
auf freiwilliger, mehrsprachiger und anonymer Grundlage stattfinden.

"Wir werden die Zumutungen des ProstSchG nicht einfach hinnehmen. Wir setzen stattdessen 
auf die Selbstorganisation und den Austausch unter Kolleg_innen."

Sex Workers Solidarity ist eine unabhängige Selbstorganisation von Sexarbeiter_innen und 
Unterstützer_innen.
Wichtig ist ihnen die gegenseitige Unterstützung bei Behördengängen oder Problemen mit 
Kund_innen und Betreiber_innen.
Neben der Auseinandersetzung mit der rechtlichen Lage von Sexarbeiter_innen stehen sie im 
Austausch mit Beratungsstellen und Betroffeneninitiativen.
Ihre Arbeit beruht auf einer feministischen, gewerkschaftlichen und kapitalismuskritischen 
Perspektive.

Hintergrundinfo: Positionspapier des International Committee on the Rights of Sex Workers 
in Europe (ICRSE): 
http://www.hydraberlin.de/fileadmin/users/main/pdf/Manifeste_und_Texte/ICRSE_Overview_of_the_German_Prostitutes_Protection_Act_May2017_DE_02.pdf

http://evibes.org/2018/02/01/offener-brief-von-sexarbeiter_innen-in-sachsen/#more-76385


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