(de) fau dresden: BILDUNG IST EIN MENSCHENRECHT

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So Feb 4 09:16:48 CET 2018


Transpiaktion zur Unterstützung von Jugendaktion Bildung statt Abschiebung heute Morgen an 
der Brücke vorm Hörsaalzentrum ---- Die vielfältigen akuten Missstände in allen 
Bildungsbereichen betreffen sowohl die Lernenden und ihre Lernbedingungen als auch die 
Lehrenden und ihre Arbeitsbedingungen. Hauptursachen dieser Missstände sind die eklatante 
Unterfinanzierung von Schulen, Hochschulen, Weiterbildung, Erziehung, Sozialarbeit und 
freier Bildungsarbeit, die dies legitimierende systematische Fehlkalkulation des 
Schüler*innen- und Studierendenaufkommens sowie des Lehrkräftebedarfs, ein fortwährendes 
Kompetenzhickhack zwischen Bund und Ländern und nicht zuletzt die z.T. schon jahrzehnte 
währende Verschleppung wirklicher politischer Entscheidungen, um die Lehr- und 
Lernbedingungen tatsächlich zu verbessern.

Seit 2015 wird die Schuld an der daraus resultierenden Misere im Bildungssystem - gerade 
auch in Sachsen - zunehmend auf Geflüchtete projiziert. Ihre schlichte Zahl, ihre 
besonderen Lern- und Unterstützungsbedürfnisse oder auch eine ihnen zugeschriebene 
‚Integrationsunfähigkeit‘ und ‚-unwilligkeit‘ soll verantwortlich sein für die lange 
bekannten und durchweg hausgemachten Probleme deutscher Bildungspolitik. Zugleich scheint 
das ‚Menschenrecht auf Bildung‘ (Art. 26 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte) für 
Geflüchtete in Erstaufnahmeeinrichtungen, mit ungeklärtem Aufenthaltsstatus oder 
abgelehntem Asylantrag in Deutschland keine oder nur eine eingeschränkte Geltung zu haben. 
Abschiebungen aus Schulen und Berufsschulen unter Mitwirkungspflicht von Lehrkräften und 
Sozialarbeiter*innen, die Schulen für die Betroffenen zu Angsträumen machen und 2017 zu 
bundesweit beachteten Solidarisierungen und Protesten von Mitschüler*innen führten, sind 
dabei nur die Spitze des Eisbergs. Schlechte und unterfinanzierte Sprachkurse, die die 
allgemeine Lernfähigkeit beeinträchtigen, die Nicht-Anerkennung von im Herkunftsland 
erworbenen Zertifikaten, aber auch vielfältige Erfahrungen mit strukturellem und 
institutionellem Rassismus gehören an deutschen Schulen und Hochschulen für Geflüchtete 
zum Alltag. Das fügt sich in die Grundlogik eines Bildungssytems, in dem hinter den 
ostentativen Fassaden der Programmatiken von ‚Inklusion‘ und ‚Diversity‘ gerade Bildung 
zunehmend dem Imperativ ökonomischer Effizienz-, Konkurrenz- und Verwertungslogiken 
unterworfen wird. Verallgemeinerte Konkurrenzkämpfe und eine ausgeprägte Logik der 
sozialen Selektion und Segregation verbinden sich dabei mit einem allgemeinen 
‚Nützlichkeitsrassismus‘ und vielfältigen Diskriminierungen. In der Konsequenz sehen auch 
deutsche Eltern Heterogenität, Diversität und Pluralität von Lerngruppen oft nicht als 
Chance, sondern v.a. als Bedrohung des ‚Humankapitals‘ ihrer Kinder.

Aus den konkreten Protesten gegen die Abschiebung eines Mitschülers nach Afghanistan an 
einer Berufsschule in Nürnberg am 31. Mai 2017 ist das Netzwerk "Jugendaktion Bildung 
statt Abschiebung" hervorgegangen. Wir unterstützen dessen Positionen, Forderungen und 
Grundsätze!

Wir fordern darüber hinaus auch in Sachsen, die Zuschreibung der Verantwortung für die 
Strukturkrise des Bildungssytems auf Geflüchtete sowie die vielfältigen Formen ihrer 
Benachteiligung und Diskriminierung zu beenden und stattdessen vernünftige Reformen im 
Bildungsbereich anzugehen, die auch eine wesentlich bessere Finanzierung beinhalten und 
dafür sorgen, dass Inklusion und Diversität mehr als bloße Worthülsen werden.

Wir werden weitere Forderungen erarbeiten, die eine emanzipatorische, allgemeine, 
unbedingte, partizipative und kollektive Bildung jenseits enger Zweck- und 
Nützlichkeitskalküle an Schule, Hochschule usw. zum Ziel haben. Denn Problemen im 
deutschen Bildungswesen begegnen nicht nur Geflüchtete!

Wir fordern Schüler*innen, Studierende und alle im Bildungsbereich in verschiedener Form 
tätigen Menschen auf, uns und die Jugendaktion Bildung statt Abschiebung dabei mit ihren 
Ideen, Wünschen und Forderungen zu unterstützen.

bildungdd (Offener Bildungstreff)
FAU Dresden | Bildungssektion
Uni kritisch verändern

Kontakt: bildungdd at lists.riseup.net

https://dresden.fau.org/2018/01/1632/#more-1632


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