(de) fda-ifa: Rede zur Demo gegen Abschiebungen am 18.12. von http://aufdersuche.blogsport.de

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Do Dez 27 10:11:09 CET 2018


Am 18.12. hielten wir anlässlich einer antirassistischen Demonstration in Nürnberg eine 
Rede gegen Nationen, Staaten und Grenzen. Diese Demo des Widerstand Mai31-Bündnisses 
wollte unter anderem auf einen Prozess am Folgetag aufmerksam machen, der sich gegen einen 
jungen Berufsschüler richtete, der am 31.Mai 2017 aus dem Klassenzimmer heraus abgeschoben 
werden sollte. ---- Wegen Widerstand und Sachbeschädigung wurde er am 19.12. unter 
Ausschluss der Öffentlichkeit zu 100 Arbeitsstunden wegen "Widerstand gegen 
Vollstreckungsbeamte mit tätlichem Angriff, Körperverletzung, Sachbeschädigung und 
unerlaubten Aufenthalts ohne Pass" verurteilt. Das alles, nachdem sein wiederholtes 
Asylverfahren wenige Tage zuvor negativ beschieden worden war.

Wenn im gesellschaftlichen Diskurs und den Medien über Nationalgrenzen gesprochen wird, 
geht es in der Regel immer darum: Wie können die Grenzen eines Staates gestärkt, 
ausgebaut, besser bewacht, militarisiert werden. Was bei diesem Diskurs unweigerlich 
mitschwingt ist die Frage, was durch die entsprechende Grenze definiert wird. Explizit 
geht es darum, wer sich innerhalb dieser Grenzen aufhalten darf und wer nicht. Welche*r 
Mensch gehört zum Team "Volksgemeinschaft" und welche*r nicht.
Durch die bloße Existenz der Idee "Grenze" werden Menschen eingeteilt, sie werden 
gezwungen, sich willkürlich einer Zuschreibung von Nationalität zu unterwerfen. Mit der 
Aufspaltung der Menschheit in Nationen werden automatisch vermeintliche Vergleichbarkeiten 
dazwischen aufgemacht.
Wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, Geburtenrate, Kriminalitätsrate - anhand unzähliger 
Kategorien werden Nationalstaaten miteinander ins Verhältnis gebracht. Was daraus folgt 
ist eine Hierarchisierung der Welt. Die Weltbewohner*innen werden in ein stark 
hierarchisches Netzwerk aus "Gewinner*innen-Nationen" und den Verlierer*innen gepresst.
Die wirtschaftlich am brutalsten Unterdrückten, die im globalen Kapitalismus aufgrund von 
autoritären Regimen in Zusammenarbeit mit europäischem Wirtschaftsimperialismus auf der 
Verlierer*innen-Seite stehen, haben vor allem im gobalen Süden gegen wirtschaftliches und 
humanistisches Elend und Benachteiligung zu kämpfen.
Menschen verlieren die Möglichkeit, in Frieden und Sicherheit zu leben und begeben sich 
deshalb auf die gefährliche und kräftezehrende Reise in andere Gebiete - oft nach Europa 
oder in die USA. Wenn sich die Unterdrückten in Zeiten von Internet und Globalisierung 
aufmachen, um ihr Menschenrecht auf ein würdevolles Leben einzufordern, ist das nicht nur 
verständlich - es ist eine logische Konsequenz.
Die von Rassist*innen erfundenen Metaphern wie "Flüchtlingswelle" befeuern den 
gesellschaftlichen, rassistischen Diskurs zur Geflüchtetenfrage. Doch dieses "Wir gegen 
Die" ist nicht nur stumpfer, dummer Rassismus. Dahinter steckt eine Systemlogik. Die 
Spaltung von Menschen - Nationalstaaten eignen sich hierfür besonders gut - dient 
strukturell der Erhaltung des kapitalistischen Gesellschaftssystems.
Wirtschaftlich Ausgegrenzte und Niedergeschlagene erhalten durch die künstliche Trennung 
eine Projektionsfläche, um ihren Unmut und ihr Unglück über die globalen Lebensbedingungen 
wie Freiheitsentzug und Arbeitszwang in anderen Menschen zu suchen und nicht im System an 
sich. Opfer dieser systematisch fehlgeleiteten Schuldzuweisungen sind zumeist Gruppen, 
denen es noch schlechter geht als der eigenen. Sie bieten eine einfache Zielscheibe, denn 
es scheint leichter zu sein, nach unten zu treten als nach oben.
Genau das ist einer der Gründe, warum wir hier auf der Straße stehen. Wir wollen zeigen, 
dass wir uns nicht durch das System spalten lassen und in jeder Lebenssituation, zu jedem 
Zeitpunkt radikal dafür einstehen, unsere Kämpfe für eine befreite Gesellschaft gemeinsam 
und selbstverwaltet zu führen.
Unser Mitgefühl und unsere Solidarität gelten allen direkt von Flucht Betroffenen. Wir 
sind nicht allein, wir setzen uns zu Tausenden für eine freie Welt ohne Grenzen ein. Wir 
werden unseren Kampf weiterführen, bis wir alle Grenzen eingerissen, die letzten Akten 
geschreddert und die letzten Gefangenen aus den Knästen der Justiz und den Knästen des 
Kapitalismus befreit haben.

Auf zur Beendigung dieser Farce! Solidarität muss praktisch werden!

https://fda-ifa.org/rede-zur-demo-gegen-abschiebungen-am-18-12/


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