(de) LIBERTÄRES BÜNDNIS LUDWIGSBURG (LB)²: Prozesserklärung Jans vom 2.8.

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So Aug 26 08:03:51 CEST 2018


Zuerst veröffentlicht auf Aufbruch,Ausbruch,Anarchie - Freiheit für Jan und alle anderen 
---- Nicht die Ungerechtigkeit ist das Schlimmste, sondern dass sie hingenommen wird. ---- 
Wie mehrfach in vergangenen Prozessen zum Widerstand Mai 31 von Seiten der Justiz geäußert 
wurde, soll nicht das politische Engagement der angeklagten Aktivist*innen bestraft 
werden, sondern deren aktive Gesetzesübertretung. ---- Das ist eine Lüge, getragen durch 
Absprachen zwischen Staatsanwaltschaft und Polizei. Denn wir alle haben an diesem Tag 
nichts anderes getan als uns aus Mitgefühl und Solidarität um den Wagen herum zustellen. 
---- Um zu verhindern, dass Asif diesen Ort verlassen muss; den Ort, an dem er glaubte 
eine Perspektive zu haben und versucht hat sich etwas aufzubauen, nachdem er den 
Verhältnissen in Afghanistan entkam und eine beschwerlichen Weg hierher bestritt.

So wie Asif geht es vielen Menschen, die in ähnlichen Verhältnissen wie in Afghanistan 
aufwachsen. Diese Verhältnisse sind nicht gottgegeben, sondern es wird Armut in sogenannte 
Drittweltländer durch westliche Politik exportiert.

Jetzt, wo die globalen Auswirkungen zu spüren sind, wie wir sie in den Menschen sehen, die 
in die Länder kommen, die Jahrhunderte von Ausbeutung und Unterdrückung profitiert haben, 
wird eine verachtenswerte Kampagne von Seiten der Politik konsequent durchgezogen.

Die Folgen unseres Handeln schlagen uns jetzt entgegen und die europäischen 
Nationalstaaten versuchen, auch im allgegenwärtigen Rechtsruck mit aller Härte zurück zu 
schlagen und nehmen dabei den unmittelbaren Tod tausender Menschen billigend in Kauf.

Es ist offensichtlich, dass Menschen nach besseren Bedingungen streben, statt permanent 
unter Hunger und Angst zu leiden, und dass sie sich dafür einen neuen Ort zu leben suchen.

Und dabei ist es auch egal, woher ein Mensch kommt, ob aus sogenannten "sicheren 
Herkunftsländern", Osteuropa oder Westafrika.

Den Flucht bedeutet nie Spaß und kein Mensch ist illegal.

Wenn Menschen wegen ihrem Bestreben nach einer besseren Welt, wie zum Beispiel in 
Argentinien der Aktivist Maldonado, von der Regierung verschleppt und ermordet werden, 
macht mich das wütend und traurig. Wenn Menschen in Deutschland aufgrund ihrer Hautfarbe 
von Rassisten ermordet werden, wie zum Beispiel Oury Jalloh, macht mich das wütend und 
traurig. Wenn Menschen abgeschoben werden und deshalb Selbstmord begehen, macht mich das 
wütend und traurig. Wenn Menschen, die sich zusammen gegen eine Abschiebung aussprechen, 
verprügelt und mit harten Anklagen konfrontiert werden, macht mich das wütend und traurig.

Es lässt mich aber auch hoffen, denn 300 Menschen an diesem Tag und noch viel mehr 
Menschen nach diesem Tag zeigten und zeigen sich weiterhin solidarisch mit Asif und den 
angeklagten Menschen, kämpfen gegen Abschiebungen, Unterdrückung und Repression.

An diesem Tag, der wohl ein Stück weit eingeht in die Nürnberger 
Menschenunrechtsgeschichte, standen wir um das Auto in der Gewissheit, dass Asif 
abgeschoben werden soll. Wir waren fest entschlossen, das nicht geschehen zu lassen und 
das, ohne jemanden zu Schaden kommen zu lassen. Jedoch konnten wir nicht damit rechnen, 
dass uns mit solcher Brutalität entgegen getreten würde in Form von scharfen Hunden, 
Pfefferspray und dem Einsatz der Knüppel.

UND das diese Schläger*innen von Seitens des Staates mal wieder keine Konsequenzen zu 
fürchten brauchen, wir aber die komplette Härte des vermeintlichen Rechtsstaates zu spüren 
bekamen in Form von psychischer wie physischer Gewalt sowie schärfster Verurteilung.

Wenn das, was wir an diesem Tag getan haben, nämlich einen Freund vor der Abschiebung zu 
bewahren, Gesetze gebrochen haben soll, sind sie das Papier nicht wert auf dem sie 
geschrieben sind. Ein solcher Umgang mit Menschen von Seiten der Obrigkeiten sollte für 
eine jede Person, die Mitgefühl empfindet, nicht hinnehmbar sein, denn wenn Recht zu 
Unrecht wird, wird Widerstand zu Pflicht.

Somit bleibt mir zum Abschluss noch zu sagen:

Refugees welcome and bring your familys.

Hoch die internationale Solidarität!

http://lbquadrat.org/prozesserklaerung-jans-vom-2-8/


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