(de) FAU Berlin schließt zwei Haustarifverträge ab -- Darum: Beitreten, organisieren und kollektiv mehr erreichen!

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Sa Aug 25 10:05:32 CEST 2018


Zum Sommer konnte das Allgemeine Syndikat Berlin der FAU (FAU Berlin) in zwei Betrieben 
jeweils Haustarifverträge abschließen. Während in einem Betrieb ein bereits bestehender 
Tarifvertrag nach dem Laufzeitende in langwierigen Verhandlungen neu ausgestaltet wurde, 
handelte es sich bei einer Schule in freier Trägerschaft um einen Erstabschluss. Beide 
Tarifverträge unterstreichen was möglich ist, wenn sich die Mehrheit der Belegschaft einer 
kämpferischen Basisgewerkschaft anschließt. ---- Mehr Geld und (noch) mehr Mitbestimmung 
in Einzelhandelsunternehmen ---- Die im Dezember 2017 begonnenen Verhandlungen über einen 
neuen Haustarifvertrag für die Beschäftigten in einem Berliner Einzelhandelsunternehmen 
wurden im Juli 2018 erfolgreich abgeschlossen. Die Forderungen der Betriebsgruppe nach 
besserer Bezahlung und selbstbestimmter Arbeitszeitgestaltung konnten von der 
Tarifkommission am Verhandlungstisch durchgesetzt, die aktive betriebliche Mitbestimmung 
gestärkt werden.

Bemerkenswert ist, dass die Beschäftigten, deren Betrieb im ehemaligen Ost-Berlin 
angesiedelt ist, im kommenden Jahr aufgrund der vereinbarten Steigerungen das 
Tariflohnniveau West des ver.di-Tarifabschlusses leicht überschreiten werden und bereits 
jetzt deutlich mehr erhalten als die nach Tarif entlohnten Arbeiterinnen und Arbeiter, für 
welche das Tariflohnniveau Ost maßgeblich ist. Die markantesten Punkte des Tarifvertrages 
sind:

- Absicherung der Lohnprogression: Bereits im vorherigen Haustarifvertrag erkämpften die 
Beschäftigten eine jährliche Steigerung des Stundenlohns um die jeweilige Inflationsrate 
plus zwei Prozent, mindestens jedoch um 50 Cent
- Rückwirkende Lohnerhöhung zum 1. Februar 2018 um 4,4%
- Steigerung des Urlaubs- und Weihnachtsgeld von je 30% auf 50% des monatlichen Bruttolohns
- Mehr Mitbestimmung: Die Betriebsgruppe der FAU Berlin genießt bereits jetzt dieselben 
Mitwirkungsrechte wie ein Betriebsrat. Der aktuelle Tarifabschluss erweitert diese um die 
Möglichkeit der Gründung eines Wirtschaftsausschusses, welchem die Geschäftsführung 
sämtliche betriebswirtschaftlichen Auswertungen zur Einsicht zugänglich machen muss. Der 
Zugang zu Unternehmensdaten verbessert nicht nur die Verhandlungsposition der 
Beschäftigten in zukünftigen Tarifverhandlungen, sondern ermöglicht auch ein besseres 
Verständnis der Konsequenzen zukünftiger Unternehmensentscheidungen und damit die 
Möglichkeit, frühzeitig gegen nachteilige Entwicklungen vorzugehen.

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Ein Schritt in Richtung Kollektivbetrieb: Tarifvertrag an Alternativschule in Kraft getreten

Wenn die Beschäftigten einer Alternativschule nach den Sommerferien in diesen Tagen ins 
neue Schuljahr starten, werden sie dort unter ganz neuen Bedingungen miteinander arbeiten: 
Nach Abschluss eines Tarifvertrags mit dem Trägerverein der Alternativschule werden die 
Arbeitsverhältnisse an der Schule erstmals verbindlich und einheitlich geregelt. Wie dies 
in vielen sich als progressiv verstehenden Betrieben immer wieder einmal vorkommt, hat das 
Team zuvor schlechte Erfahrungen mit einem inzwischen abgewählten Vorstand machen müssen, 
der das Selbstverständnis der Schule als Ort für selbstbestimmtes Arbeiten ohne 
Hierarchien ebenso aus dem Blick verloren hatte wie zahlreiche informelle Absprachen über 
die Rechte der Beschäftigten. Darum haben diese sich nun mit großer Mehrheit in der FAU 
organisiert und einen Tarifvertrag ausgearbeitet, der ihre Rechte und Pflichten am 
Arbeitsplatz verbindlich regelt.

Gleich zu Beginn wird in dem Vertrag klargestellt: "Wir arbeiten kollektiv." Die 
Beschäftigten haben mit dem Instrument des Tarifvertrags ihren Arbeitsplatz ein gutes 
Stück weit zu einem Kollektivbetrieb umgestaltet:

- Betriebliche Demokratie: Sie haben das Recht, über betriebliche Entscheidungen wie 
Einstellungen, Arbeitszeit und Dienstpläne abzustimmen.
- Einheitslohn: Es wird ein Einheitslohn unabhängig von Qualifikation und Stellung im 
Betrieb gezahlt.
- Mitbestimmung ist Arbeitszeit: Arbeitszeit, die die Beschäftigten für die Wahrnehmung 
ihrer Mitspracherechte verwenden, wird mit einer Pauschale bezahlt und der Trägerverein 
übernimmt auch weitere Kosten, die dabei anfallen.
- Kein Befristungstrend: Beschäftigung auf Honorar- oder Werkvertragsbasis ist nur noch 
zusätzlich zum regelmäßigen Betrieb möglich und Befristungen gibt es nur in definierten 
Ausnahmefällen.
- Den Umständen entsprechen: Eine Reihe von sozialen Verbesserungen wurden erreicht: 
Familienzuschlag für Beschäftigte, die Angehörige pflegen oder betreuen bzw. Unterhalt 
zahlen, Aufstockung des Krankengeldes auf die volle Lohnhöhe, sechs Wochen Urlaub, 
Überstundenzuschläge, weiterreichende Ansprüche auf Lohnfortzahlung bei Verhinderung oder 
medizinischen Eingriffen.

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Darum: Beitreten, organisieren und kollektiv mehr erreichen!

FAU Berlin

http://www.fau.org/artikel/art_180821-165716


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