(de) FAU, direkteaktion: Über die Evolution einer revolutionären Organisation. Eine subjektive Einschätzung der Entwicklung des Bundeskongresses der FAU. Intern Von: Christian Horn

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Fr Aug 3 07:38:47 CEST 2018


Im Naturfreundehaus Hannover tagte der FAU-Bundeskongress 2018. ---- EINDRÜCKE VOM 
FAU-BUNDESKONGRESS 2018 ---- Schon vor elf Jahren, als Neumitglied, erlebte ich einen 
FAU-Kongress in der Nähe von Hannover - aber ein besonderer Kongress war der im Jahre 
2007. Die FAU verfügte nur über ein Drittel der heutigen Mitgliederzahl. Interne Konflikte 
und persönliche Fehden prägten oft die Diskussionen - aktuell sind es Arbeitskämpfe, 
welche mit viel Leidenschaft oft zum Erfolg führten. Dennoch möchte ich nicht alles schön 
reden und alles von damals schlecht - es waren eben andere Zeiten und die FAU hat lange 
gebraucht, um sich zu finden und zu strukturieren. ---- DIE INTERNATIONALE FRAGE ---- Was 
mir auf dem diesjährigen Kongress im Naturfreundehaus in der niedersächsischen 
Landeshauptstadt auffiel: 2007 gab es etliche internationale Gäste, die ausführlich über 
die sozialen Bewegungen in ihren jeweiligen Ländern redeten - sogar ein Besucher aus 
Afrika sprach über den Kampf gegen eine Bahnprivatisierung in Mali. Es kam sogar zu einem 
kleinen Eklat mit dem Sekretariat der damaligen Internationalen ArbeiterInnen-Assoziation. 
Insgesamt war die Debatte über den Verbleib in der IAA sehr präsent. Der Sekretär aus der 
serbischen Sektion ging andere Gäste als Feinde der IAA an, worauf nach kurzem Wortgefecht 
die meisten Delegierten den Saal verließen. Das Ende der Beziehung zwischen FAU und IAA 
sollte sich bekanntlich noch etwa zehn Jahre hinziehen. (Näheres zum Thema 
Kleinstsektionen und dogmatische Positionen findet sich im Artikel von Holger Marks in der 
iz3w Ausgabe 367 "Transnational ist besser - Stand und Perspektiven des Syndikalismus").

2018 war es anderes. Die internationale Frage war schon vor dem Bundeskongress an 
Pfingsten ausgiebig erörtert worden und mit der Gründung der Internationalen 
Arbeiter*innen Konföderation (IAK) in Parma (Weitere Informationen dazu findet ihr hier). 
Aber dass nicht einmal ein Vertreter der spanischen CNT auf einem FAU-Kongress anwesend 
war, überraschte mich und ich habe die meisten dieser bundesweiten Treffen miterlebt. Eine 
Grußbotschaft hatte ein Sekretär einer Schwesterorgansiation spontan bei Whatsapp 
verfasst. Die Gäste aus Frankreich, Brasilien, Österreich und dem Reisesyndikat (bisher 
nur eine bundesweite Sektion für freireisende Bauhandwerksgesell*innen) hielten ihre 
Bekundungen sowie Bericht ebenso relativ kurz. Es gab entgegen vorhergehender Kongresse 
auch keine eigene Abendveranstaltung. Dafür bot ein Genosse einen Rundgang im Stadtbezirk 
Linden an, wo sich ebenso das FAU-Lokal befindet. Wir hörten zeitgeschichtliches sowie 
aktuelles zur Stadtentwicklung mit verhinderten Zwangsräumungen und bestehenden Freiräumen.

INNERORGANISATORISCHE DEMOKRATIE IM WANDEL?
Neu war auch für mich das Verfahren, Anträge abzustimmen. Gab es noch vor der letzten 
wichtigen Satzungsänderung aus dem Jahre 2015 auf dem Kongress intensive Diskussionen 
sowie langwieriges Vortragen der Abstimmungsergebnisse aus den jeweiligen Syndikaten 
(früher wurde die lokalen Verwaltungseinheiten Ortsgruppen genannt), wird seit zwei Jahren 
im Vorfeld abgestimmt. Anträge, welchen nicht die notwendigen 75 % der Zustimmung bekommen 
haben, können auf dem Kongress in Arbeitsgruppen diskutiert werden und in überarbeiteter 
Form danach wieder zur schriftlichen Abstimmung gegeben werden.

Ich persönlich habe meine Zweifel, ob diese doch sehr technokratische Lösung die 
Debattenkultur im Real Life nicht ausgesprochen beeinträchtigt hat. Klar, die Entscheidung 
liegt jetzt noch mehr in den Händen der Gruppen vor Ort, aber so ein Kongress lebt gerade 
davon, dass möglichst viele Vertreter*innen aus der gesamten Föderation von Angesicht zu 
Angesicht im großen Plenum ins Gespräch kommen. Wie dem auch sei, 2018 wurden wieder 
wegweisende Anträge beschlossen, etwa über die konkrete Stellung des Internationalen 
Komitees. In der Satzung wurde der Punkt Medien der FAU aktualisiert, es werden mehr 
Gelder für die regionalen Fonds für Öffentlichkeitsarbeit bereitgestellt sowie die 
bundesweite Arbeitsgruppe fem*fau eingerichtet.

FEMINISMUS UND SYNDIKALISMUS
Die AG fem*fau verdeutlicht ganz gut, dass Feminismus in der anarchosyndikalistischen 
Bewegung an Bedeutung gewinnt. Nach meinem Eindruck waren auch deutlich mehr Frauen (wohl 
etwa ein Drittel) auf dem Kongress. Das AG-Treffen lud zur breiten Diskussion über 
feministische Fragestellungen ein. Ein Konzeptpapier behandelte die Punkte 
(Selbst-)Bildung, Beratung, Aktionen sowie Öffentlichkeitsarbeit. Fragen, welche sich die 
Beteiligten stellten, waren des Weiteren: "Wie können wir mehr Frauen für die FAU 
gewinnen?", "Wie gehen wir mit Sexismus am Arbeitsplatz (und auch in der Schule) um?" und 
"Gibt es auch in FAU-Plena strukturelle Probleme mit dominanten Redeverhalten?". Im 
Gespräch mit der gewählten Koordinatorin (ein neues Mandat in der Bundes-FAU), teilte mir 
eine Vertreterin mit, dass die Einrichtung der AG fem*fau "ein extrem wichtiger Schritt 
sei, um das Thema Feminismus in den gewerkschaftlichen Arbeitsalltag einzubinden". 
Inhaltlich fokussieren will sich die Arbeitsgruppe auf folgende Themen: unbezahlte 
Reproduktionsarbeit, Einbindung von prekär beschäftigten Frauen in die gewerkschaftliche 
Arbeit und Beratung Betroffener bei sexistischen Vorfällen. Die neue Internationale (IAK) 
plant passenderweise am 8. März 2019 einen Aktionstag, um feministische Kämpfe in den 
Mittelpunkt zustellen.

THEMEN AM ZAHN DER ZEIT
Ich konnte zwar nicht jede Arbeitsgruppe besuchen, schließlich hatte ich von meiner 
lokalen Gruppe Instruktionen bekommen, welche Workshops für uns Priorität hatten, aber 
dennoch gab es eine Fülle von aktuellen Fragestellungen, welche die Delegierten in 
lebendigen Diskussionen erörterten. Die AG Stadtteilarbeit und community-building war ein 
Vernetzungs- bzw. Austauschtreffen, welche Aktivitäten vor Ort laufen und welche 
Erfahrungen gesammelt wurden. Insbesondere in Dresden (im Elbsandsteingebirge) und 
Hannover wird die lokale Vernetzungsarbeit nicht ganz ohne Erfolg intensiv betrieben. 
Ferner spielen in manchen FAU-Gruppen Mietkämpfe eine gewisse Rolle. In der FAU Frankfurt 
am Main beschäftigten sich einige Aktive mit der Zukunft der Arbeitswelt. Eine Delegierte 
referierte im Workshop zum Thema Industrie 4.0. Präsentiert wurden einige Impulse zu den 
potentiellen Folgen der Transformation der Arbeitswelt (insbesondere unter dem Stichwort 
Digitalisierung betrachtet). Über Auswirkung kann nur spekuliert werden. So gibt es etwa 
in der Fachliteratur verschiedene Meinungen, ob Arbeitsplätze wegfallen und in welchen 
Branchen das der Fall sein könnte. Die anschließende Diskussion fokussierte vordergründig 
auf Arbeitskämpfe im Bereich Crowdsourcing, oder, wie Clickworker wirkmächtig organisiert 
werden können. In einem weiteren Arbeitskreis beratschlagten sich geneigte Genossinnen und 
Genossen zu Solidarität mit der Föderation Nordsyrien.

https://direkteaktion.org/evolution-einer-revolutionaeren-organisation/


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