(de) ag-freiburg: 1. Mai 2018 "Selber Machen - Für mehr Selbstorganisation und Basisarbeit!"

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Di Apr 24 05:31:24 CEST 2018


Anarchistischer Aufruf zur Beteiligung an den Aktivitäten am 1. Mai in Freiburg
Es sieht aktuell nicht gut aus: Weltweit erstarken reaktionäre Bewegungen und in Europa 
wird der Krise weiter autoritär begegnet. Hierzu eine Gegenmacht aufzubauen sollte auf der 
Agenda einer sich als radikal verstehenden Linken stehen. Doch diese tritt dieser Aufgabe 
derzeit ziemlich rat- und hilflos gegenüber. Klar ist: Es bräuchte einen politischen 
Paradigmenwechsel, einen Bruch mit unseren bisherigen Formen von Politik und eine 
Rückbesinnung auf Basisarbeit und Selbstorganisation. Gegen Staat, Kapital und reaktionäre 
Krisenlösungsstrategien wirkliche Alternativen von links zur Debatte stellen - das wird 
ohne einen langen Aufbauprozess nicht gelingen. ---- Doch wer ist das Subjekt der 
Selbstorganisierung und welche Rolle spielt die radikale Linke darin?

Als erstes wir selbst und unser Umfeld. Es gilt in unserem eigenen Alltag anzusetzen: 
Dort, wo wir leben und arbeiten. Dieser Alltag muss politisiert werden, wir als Radikale 
müssen uns selbst als politisches Subjekt verstehen und uns entlang der eigenen 
Betroffenheiten wie Amt, Miete, Arbeit, Kinderbetreuung, Bildung organisieren. Diese 
Selbstorganisierung am Arbeitsplatz oder im Mietshaus zielt auf die Ausweitung von 
sozialen Kämpfen wie Streiks oder Mieter*innenprotesten. Flankiert werden kann dieser 
Prozess durch den Aufbau von autonom-verwalteten Alltagsstrukturen.

Das Subjekt der Gesellschaftsveränderung kann jedoch nur die Mehrzahl derjenigen sein, die 
von diesem System unterdrückt werden. Jene, die noch nicht organisiert sind und noch keine 
Möglichkeit hatten, sich ein fortschrittliches Bewusstsein anzueignen. Die 
Selbstorganisierung von unten muss hierbei Ziel und Inhalt einer neuen politischen Praxis 
sein.

Um solch eine Selbstorganisierung der Gesellschaft anzustoßen müssen wir in schon 
bestehende Kämpfe und Konflikte intervenieren und deren Verbindung, Radikalisierung oder 
Ausweitung befördern. Aber auch die Entwicklung von Basisarbeit unabhängig bereits 
bestehender Kämpfe und der Ausbau von Strukturen der Selbstorganisierung kann die 
Bedingungen zur Entstehung solcher Kämpfe verbessern. Dabei können gerade organisierte 
Kerne und Gruppen als Initiativkräfte auftreten.

Die Erfahrungen aller revolutionären Erhebungen in der Vergangenheit zeigen uns die 
entscheidende Bedeutung der Vorarbeit solch organisierter Strukturen. Zwar ist es nie 
möglich einen Zeitpunkt für einen Massenaufstand zu bestimmen oder als Führung einer 
Bewegung linear auf einen solchen hinzuarbeiten. Was aber möglich ist, ist die Bedingungen 
und Möglichkeiten für einen Aufstand zu verbessern, damit Menschen sich wehren, 
organisieren und ein politisches Bewusstsein bilden. In Anbetracht eines organisiert 
vorgehenden Staatsapparates, sowie organisierter politischer Gegner*innen wie 
Faschist*innen oder Islamist*innen müssen wir eine Form der Organisierung finden, die 
verbindlich, nachhaltig und überregional funktioniert und es uns erlaubt strategisch zu 
handeln. Die historischen revolutionären Versuche haben uns gezeigt, dass dies weder eine 
autoritäre zentralistische Kaderorganisation noch eine Massenpartei sein kann - das endet 
entweder im Parlament oder in der Diktatur. Was dann also? Wir müssen stattdessen auf eine 
föderale und basisdemokratische Organisation setzen.

Eine Hinwendung zu Basisarbeit und Selbstorganisierung kann allerdings auch ihre Tücken 
haben. Beide sind nicht per se linksradikal. Auch religiöse Fundamentalisten oder Rechte 
machen immer wieder auf sozial. Daneben besteht noch die Gefahr quasi linke Sozialarbeit 
zu betreiben, letztlich also ‚ehrenamtlich‘ ursprünglich staatliche Aufgaben zu übernehmen 
und einer Form neoliberaler Stadtpolitik zuzuarbeiten. Linksradikale Ansätze von 
Selbstorganisation und Basisarbeit müssen die Politisierung von Menschen vorantreiben. Wir 
müssen Menschen dazu befähigen ihre Situation in Verbindung mit den gesellschaftlichen 
Ursachen zu bringen und daraus die Motivation zu entwickeln, kollektiv gegen diese 
Ursachen zu kämpfen.

Nutzen wir den diesjährigen 1. Mai um hier in Freiburg über diese Themen ins Gespräch zu 
kommen!

10:30 Uhr - Stühlinger Kirchplatz - Antikapitalistischer Block auf der DGB Demo
14:30 Uhr - Selbstorganisiertes Straßenfest im Grün unter dem Motto "Selbstorganisiert in 
Stadtteil und Betrieb"

http://www.ag-freiburg.org/cms/aufrufe/selber-machen-fuer-mehr-selbstorganisation-und-basisarbeit


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