(de) lb quadrat: [18.10.17] Büchertisch beim Vortrag "Ein Jahrhundert verlassen! - Vom Mythos der russischen Kommune"

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So Okt 22 07:32:24 CEST 2017


Stadtteilzentrum Gasparitsch ---- Rotenbergstr. 125 - Stuttgart ---- Veranstaltungen ---- 
Datum/Zeit ---- Date(s) - 18.10.2017 ---- 18:30 - 22:00 ---- Veranstaltungsort ---- 
Stadtteilzentrum Gasparitsch ---- Kategorien ---- Vortrag ---- Wie schon letzten Samstag 
beim Solikonzert für "riseup" in der Silberburg Nürtingen werden wir auch bei der nächsten 
Veranstaltung des Anarchistischen Netzwerks Stuttgart einen Büchertisch stellen. Diesmal 
mit neuen Büchern im Gepäck (zur Russischen Revolution, Digitaler Demokratie, 
Spanien-1937-Comic). ---- Hier der Veranstaltungstext für den Vortrag morgen: ---- Ein 
Jahrhundert verlassen! - Vom Mythos der russischen Kommune ---- Zwei Referenten des 
Autorenkollektivs Biene Baumeister Zwi Negator ---- 18.10. um 19 Uhr im Stadtteilzentrum 
Gasparitsch, Rotenbergstraße 125, Stuttgart-Ost

In der herrschenden Geschichtsschreibung wirkt der Oktober 1917 wie ein riesenhafter 
retrospektiver Zerrspiegel. Die Verhältnisse zwischen den Gesellschaftsklassen, 
Organisationen, Nationen und Personen erscheinen darin bis heute in der Regel als 
Personenkult mit positiven oder negativen Vorzeichen, zugleich entzünden sich hier wie in 
einem Brennspiegel immer neu die linken Rivalitäten um die Repräsentation der Revolution. 
In der Jahrhundertbilanz gar hat sich eine totale Spiegelverkehrung im Blick auf das 
"sowjetische System" 1917-1991 eingestellt: "Das war der Kommunismus"...(Schwarzbuch). Und 
so können die für jene Ära aufgerechneten zig Millionen Menschenopfer des 
"Realsozialismus" als dessen notwendige Betriebskosten verbucht werden: mit Lamento oder 
Achselzucken, je nachdem, aus welcher Perspektive der jeweils "besten aller möglichen 
Welten". Was von "der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution" seine Legitimation für den 
"Arbeiter- und Bauern-Staat" als angeblicher "Übergangsgesellschaft" zur Abschaffung der 
Herrschaft von Menschen über Menschen bezog, ist von der andauernden Herrschaft totaler 
Warenproduktion und -konsumtion über die Menschen, von einer "klassenlosen 
Klassengesellschaft" die keinen Widerspruch mehr duldet, integriert worden. Gerade auch in 
Russland.

Radikale Kritik der seit 1917 dergestalt veränderten weltkapitalistischen Herrschaft 
erfordert die Reflexion auf ihre wirklichen historischen Grundlagen, d.h. die besonderen 
Produktionsverhältnisse und den Charakter ihrer Umwälzung. Diese Arbeit einer 
materialistischen Erklärung der gesellschaftlichen "Spiegelbilder" und ideologischen 
Spiegelverkehrungen wurde von der situationistischen Spektakelkritik angegangen, um "das 
20. Jahrhundert verlassen" zu können. Die Frage ist aber, ob Letzteres "nach hinten", in 
einen vor- und antimodernen romantischen Antikapitalismus, oder in Richtung auf eine 
communistische Produktionsweise und Zivilisation im Weltmaßstab des 21. Jahrhunderts geht.

Im Versuch einer spektakelkritischen Skizze soll an diesem Abend der besondere russische 
Ursprung und Verlauf der "Revolution in Permanenz" vor und nach 1917 vor Augen geführt 
werden. Die Reflexion der bäuerlichen, bürgerlichen und proletarischen Revolutionszwecke 
ineinander wird als blutig roten Faden auch etwas sichtbar machen, was sich als 
spiegelverkehrende Konter-Revolution schlechthin gegen alle diese wirklichen 
Bewegungsmomente gekehrt hat. Immer wieder, bis in das Welt-Bild des heutigen Russland hinein.

Vom Autorenkollektiv Biene Baumeister Zwi Negator stammen zwei Bände über 
"Situationistische Revolutionstheorie" in der Reihe theorie.org

(organisiert vom Anarchistischen Netzwerk Stuttgart)

http://lbquadrat.org/events/18-10-17-buechertisch-beim-vortrag-ein-jahrhundert-verlassen-vom-mythos-der-russischen-kommune/


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