(de) anarcho syndikalismus: Köln: Protest gegen Wohnraumzerstörung

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Do Okt 5 12:36:06 CEST 2017


Vor zwei Jahren war in der Kölner Südstadt das Wohnhaus am Kartäuserwall 14 besetzt und 
für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Die Mieter*innen waren von der 
Immobilienfirma Gewerbepark Hüsten GmbH zuvor als "Verwertungshindernis" vertrieben 
worden. Das Gebäude wurde schließlich nach vier Wochen polizeilich geräumt, einige der 
Besetzer*innen wurden angeklagt und verurteilt. ---- Nachdem dieser Wohnraum unter 
skandalösen Umständen zerstört und abgerissen wurde, ist jedoch trotz aller 
Investorenpläne für ein schickes City-House jahrelang nichts passiert auf der Brache. Es 
wird auch bezweifelt, ob überhaupt eine erforderliche Baugenehmigung für die geplante 
Geschosserhöhung der Neubauten und die geringen Abstandsflächen vorliegt.

Die ehemaligen Mieter*innen, die 28 Jahre lang dort gelebt haben und bereits mehrere 
Gerichtsverfahren gegen die Immobilienfirma führen mussten, schlossen sich daher am 
30.09.2017 erneut einer Protestaktion gegen Wohnraumzerstörung an. Gemeinsam mit 
Mitgliedern von Initiativen, wie "Wohnraum für alle" und dem "ASN Köln", wurden 
Passant*innen und Nachbar*innen an einem Infotisch über diesen Bauskandal informiert.

Mit einer Postkarten-Aktion, Plakaten und einer kleinen Gedenkstätte in der Baulücke wurde 
gemeinsam auf die prekäre Lage am Wohnungsmarkt und die zunehmende Gentrifizierung in Köln 
aufmerksam gemacht. Angesichts von fehlenden Sozialwohnungen und steigenden Mieten haben 
es vor allem Migrant*innen und Geflüchtete schwer einen bezahlbaren Wohnraum zu bekommen. 
Prekäre Niedriglöhne, befristete Verträge und weite Fahrtstrecken zum Arbeitsplatz erhöhen 
nicht nur den Alltagsstress, sondern führen auch zu sozialer und ökologischer Zerstörung.

In dem Aufruf zur Demo gegen Verdrängung Anfang Juni 2017 hieß es:
"Steigende Mieten vertreiben Tausende an die Ränder der Stadt. Unzählige Menschen werden 
für Luxussanierungen entmietet und zwangsgeräumt. Soziale, kulturelle, ökologische und 
antirassistische Projekte wie z.B. das Autonome Zentrum, die Wagenplätze und subversive 
Kunsträume sind existenziell bedroht. Nach den Plänen der Stadtverwaltung sowie privater 
Investor_innen haben sie keinen Platz mehr im Köln von morgen.

Doch damit nicht genug: Kinder, für welche die Stadt versäumt hat, rechtzeitig Schulen zu 
bauen. Geflüchtete, die monatelang in Turnhallen leben. In die Wohnungslosigkeit 
getriebene Menschen, die in Parks und Straßen völlig schutzlos leben und zehntausende 
fehlende Sozialwohnungen. All das während alleine 430.000 m² Bürofläche leer stehen. 
Städtische Flächen, Gebäude und Infrastruktur werden privatisiert oder abgerissen und 
damit einer sozialen Verwendung entzogen. An diesen Entwicklungen zeigt sich wie 
Verdrängung gefördert wird, durch eine neoliberale und kapitalistische Stadtpolitik, die 
an den Bedürfnissen und Interessen der Menschen vorbei zielt."

Um so nötiger ist der solidarische Alltagswiderstand gegen die kapitalistische Ausbeutung 
- ob durch Vermieter*innen oder Arbeitgeber*innen. Genauso, wie die lebensbedrohlichen 
Abschiebungen blockiert und verhindert werden, brauchen wir auch handlungsfähige Netzwerke 
gegen Zwangsräumung, Miet- und Lohnwucher oder Entlassungen. Organisieren wir uns also 
ebenso am Arbeitsplatz, wie am Wohnort: Für eine gerechte Welt frei von Ausbeutung und 
Unterdrückung.

Georgo Akratis
(ASN Köln)

Hintergrundinformationen:

Aktionstag "Mietenwahnsinn stoppen: Wohnraum für alle!"(08.09.2017):
http://asn.blogsport.de/2017/07/30/mietenwahnsinn-stoppen-wohnraum-fuer-alle/

Video des Straßentheaters "Hilfe, mein Veedel hat Gentrifizierung" (24.07.2016):
https://www.youtube.com/watch?v=4P2tONk2-BY

Video der Protestaktion "Reclaim the Abrissbrache - Grillen gegen Gentrifizierung" 
(16.07.2016):
https://www.youtube.com/watch?v=6NKn7sFaVok

CreativeCommons: BY-NC (http://anarchosyndikalismus.blogsport.de)

http://anarchosyndikalismus.blogsport.de/2017/09/30/koeln-protest-gegen-wohnraumzerstoerung/


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