(de) FAU, direkte aktion: KOMMENTAR: BLOCKADEN BEI AMAZON NUR MIT RÜCKHALT IN DER BELEGSCHAFT

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Di Nov 28 05:06:59 CET 2017


Standortnationalismus und sozialpartnerschaftliche Routine überwinden - Statement zur Make 
Amazon Pay-Kampagne in Berlin.---Betrieb & Gesellschaft Von: Clemens Melzer - 24. November 
2017 ---- Das System Amazon ist pervers: Die Arbeiter*innen in den großen Logistikzentren 
des Weltkonzerns sind einer kraftraubenden Arbeitsverdichtung und Arbeitshetze ausgesetzt, 
die krank macht. Während die Kolleg*innen tagtäglich Kilometer zurücklegen, werden sie 
durch das digitale Waren-Tracking rund um die Uhr überwacht. Nach jedem Umweg, jeder 
Verschnaufpause müssen die Arbeiter*innen damit rechnen, in Feedbackgesprächen vom 
Management zurechtgewiesen zu werden, das mit Bonussystem und Konkurrenzdruck eine 
ständige Effizienssteigerung forciert. Der Konzern kann er bei seinem aggressiven Kampf um 
Monopolstellungen auf Sonderwirtschaftszonen und Steuererleichterungen zählen. Es 
überrascht daher nicht, dass Amazon alles tut, um gewerkschaftliche Organisierung, 
Tarifregelungen und betriebliche Mitbestimmung zurückzudrängen. Das System Amazon zeigt 
mehr als deutlich, dass wir als Arbeiter*innen neue Formen des Widerstands gegen 
Ausbeutung und Überwachung erproben müssen.

Es ist daher zu begrüßen, dass mit der Kampagne "Make Amazon Pay" auf die Missstände im 
Konzern hingewiesen wird und das Interesse innerhalb der Bewegungslinken an einer 
Auseinandersetzung mit Arbeitskämpfen steigt. Gerade in der Logistik zeigt sich, dass das 
sozialpartnerschaftliche Alltagsgeschäft durchbrochen werden muss: Maßnahmen wie Blockaden 
oder Boykott können nützlich sein, um Streiks zu unterstützen und den ökonomischen Druck 
auf die Unternehmen zu erhöhen. Auch der Standortnationalismus muss zugunsten 
überbetrieblicher und internationaler Solidarität überwunden werden. Dass die Kämpfe bei 
Amazon zusammen mit der #Deliverunion-Kampagne zum wichtigen Beispiel für die 
internationale Basisvernetzung von Arbeiter*innen geworden ist, stellt einen ersten Erfolg 
dar.

Die Kampagne "Make Amazon Pay" wird jedoch keine Wirkmacht entfalten können, wenn sie 
nicht über Rückhaltung in der Belegschaft verfügt. Kolleg*innen an der Arbeit zu hindern, 
ist nie ein guter Anlass, um ins Gespräch zu kommen. Es ist deswegen nachvollziehbar, dass 
das Vorhaben, ein Unternehmen von außen zu belagern und dabei wie im Falle der 
Black-Friday-Aktion am Amazon-Versandzentrums im Ku'damm-Karree vor allem selbstständige 
Fahrer*innen ausgelagerter Lieferdienste zu blockieren, von der FAU Berlin nicht 
mitgetragen werden kann, die als syndikalistische Gewerkschaft auf Basisdemokratie und 
Selbstorganisation der Arbeiter*innen setzt. Damit wird nicht infrage gestellt, dass 
Blockaden durch die Arbeiter*innen ein wirkungsvolles Mittel sein können, um Streikbruch 
zu erschweren. Zukünftige Kampagnen sollten aber an jedem Standort von der Belegschaft 
getragen werden. Es bleibt zu hoffen, dass "Make Amazon Pay" trotzdem einer Annäherung 
zwischen aktiven und bisher inaktiven Kolleg*innen im Betrieb nicht im Weg steht und 
Mittel gefunden werden, um gemeinsam dem System Amazon wirksam entgegenzutreten.

https://direkteaktion.org/kommentar-blockaden-bei-amazon-nur-mit-rueckhalt-in-der-belegschaft/


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