(de) af rhein-ruhr: Köln, A²F: Aktionswochen gegen Antisemitismus
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Mi Nov 22 07:42:49 CET 2017
Als 2.Teil unserer Vortragsreihe mit about:fem nehmen wir an den Aktionswochen gegen
Antisemitismus teil und möchten auf leicht verständlichem Niveau in die Thematik einführen
sowie Lücken im Diskurs füllen. Still loving critique! Eine Liste der Termine findet ihr
unten. Darüber hinaus werden wir z.B. die Verbindung von Antisemitismus und patriarchalen
Körperbildern im Themenblock Feminismus Anfang 2018 behandeln.Wir bedanken uns herzlich
bei unseren Kooperationspartnx dem AStA der Uni Köln, dem Bündnis gegen Antisemitismus
Köln, sowie SJ - Die Falken Köln. ---- Eine Liste unserer Veranstaltungen mit
Beschreibungstext gibts hier: ---- Vom Antijudaismus zum sekundären Antisemitismus in
Kooperation mit SJ - Die Falken Köln 30.11. - 19h // Bottmühle, Severinswall 32
Aus einer historischen Perspektive soll die Entwicklung des Antisemitismus und seiner
Ausformungen vermittelt werden. Dazu gehören Antijudaismus, sekundärer Antisemitismus
sowie Formen des Antizionismus. Dabei geht es um die Klärung von Grundbegriffen und den
Wandel der diskriminierenden Ideologie. Ebenfalls soll flexibel auf die Fragen und
Interessensschwerpunkte der Teilnehmer*innen eingegangen werden um sie auf die restliche
Veranstaltungsreihe vorzubereiten.
Let's talk about the War - Zum Konflikt von Queer-Feminismus und Marxscher
Antisemitismuskritik
Vortrag und Diskussion mit Felix Kronau
01.12. - 19h // Ludolf-Camphausen-Str.36
Verstehen wir das Versprechen einer Einheit in Nation und Volk - die Herkunft des
Antisemitismus - sowohl als reaktionäre Abwehr kapitalistischer Gesellschaftsverhältnisse,
als auch als Begehren formierendes Prinzip; eine Unvereinbarkeit von Antisemitismus-Kritik
und Feminismus schiene absurd. Dennoch scheint es, da wo sich diese beiden Thematiken
begegnen, gegenwärtig vor allem zu Konflikten zu kommen.
Auf der einen Seite stehen die Beobachtung eines ‚Rollbacks‘ hinsichtlich sogenannter
Israelkritik und ggf. der Wunsch nach einem ‚guten altem Queer-Feminismus‘ ohne Debatten
über Privilegien und Standpunkte. Gerade letzteres scheint sich aber allzu oft mit einer
Sorge darüber zu mischen, was passierte, würde eine Kritik sexistischer Verhältnisse und
Praktiken zu sehr zugespitzt. Auf der anderen Seite steht der Ansatz eines Versuchs, alle
Formen von Unterdrückung als verbunden zu denken, der jedoch dabei zu scheitern schein der
Spezifik des Antisemitismus Rechnung zu tragen. Es folgt eine Entsolidarisierung bei
welcher Jüd*innen, mit jenen Formen der Herrschaft die es zu überwinden gelte,
identifiziert werden.
Doch ist dieser Konflikt mit solch einer polarisierenden Gegenüberstellung ausgeschöpft
und wie steht es um die Möglichkeit einer Queer-feministischen Kritik des Antisemitismus?
"Antisemit, das geht nicht unter Menschen!"
Anarchistische Positionen zu Antisemitismus, Zionismus und Israel, Vortrag und Diskussion
mit Jürgen Mümken
02.12. - 19h // AZ Köln, Luxemburger Str.93
Zum Thema "Antisemitismus in der Linken" wurde so viel geschrieben, dass man meinen
könnte, es wäre alles gesagt. Gleichwohl bestehen nach wie vor große Forschungslücken, zum
Beispiel zur Haltung der anarchistischen Bewegung. Mit "Antisemit, das geht nicht unter
Menschen". Anarchistische Positionen zu Antisemitismus, Zionismus und Israel legen Jürgen
Mümken und Siegbert Wolf eine Textsammlung vor, um die ausstehende Debatte zu dieser Frage
anzustoßen.
Die Herausgeber des vorliegenden Bandes sind zutiefst davon überzeugt, dass eine
freiheitliche, sozial gerechte Gesellschaft nur dann erreicht werden kann, wenn zuvor auch
eine der ältesten Gruppenfeinschaften der Menschheitsgeschichte, der Antisemitismus, der
im letzten Jahrhundert durch den deutschen Nationalsozialismus zum schlimmsten
Menschenverbrechen der Geschichte geführt hat, in den Köpfen und Herzen aller Menschen
dauerhaft beseitigt wird.
Vor allem für radikale, gesellschaftsverändernde Bewegungen wie der anarchistischen ist
eine intensiv, anhaltende Auseinandersetzung mit gesellschaftlich produzierten Vorurteilen
wie Antisemitismus, Rassismus, Homophobie und Antiziganismus Grundlage dafür, diese
Ressentiments im eigenen Denken und Fühlen und ebenso im öffentlichen, alltäglichen
Handeln grundlegend zu überwinden.
Antisemitische Haltungen in historischer Frauenbewegung und aktuellem Feminismus
Ein Workshop von about:fem
04.12. - 18h30 // Café Fatsch, Josephkirchstr. 25
Anhand von theoretischen Inputs der Referentin und diversen Medienausschnitten soll leicht
verständlich vermittelt werden, welche antisemitischen Motive in der historischen
Frauenbewegung, sowie in aktuellen Feminismen zu finden sind. Verschiedene antisemitische
Bilder des Feminisimus können dabei repräsentativ für antisemitische Haltungen allgemein
betrachtet werden. Dazu kommt jedoch eine spezifisch antipatriarchale Argumentationsweise.
Diskriminierende Haltungen im Feminismus müssen entlarvt und konfrontiert werden, damit
dieser seiner intersektionalen Verantwortung gerecht werden kann. Bezogen wird sich unter
anderem auf die (mangelnde) Aufarbeitung des NS-Regimes in der deutschen Frauenbewegung
nach 1945, auf Antijudaismus in der feministischen Religionskritik sowie aktuelle Debatten
über die Unterstützung der BDS-Kampagne durch Feministinnen wie Judith Butler oder Laurie
Penny.
"Wie Lämmer zur Schlachtbank?"
Jüdischer Widerstand gegen den NS, Vortrag und Diskussion mit Michael Fehrin
(Antirassistisches Bildungsforum Rheinland)
06.12. - 19h // AZ Köln, Luxemburger Str.93
"Sie haben sich wie Lämmer zur Schlachtbank treiben lassen!": So oder ähnlich konnte man
es an deutschen Stammtischen viele Jahrzehnte lang hören. Eine perfide These, die
insbesondere den jüdischen Opfern der NS-Vernichtungsmaschinerie Passivität angesichts des
Todes, wenn nicht sogar eine Mitschuld an ihrem Schicksal unterstellt. Ganz im Gegenteil
haben sich jüdische Menschen, wenn es irgendwie möglich war, gegen den NS-Terror gewehrt.
Der Vortrag bietet einen Überblick über den jüdischen Widerstand: Von mutigen
Einzelkämpfer_innen, organisierten Widerstandsgruppen, kompletten Militäreinheiten und
Partisan_innenverbänden bis hin zu Aufständen in Konzentrations- und Vernichtungslagern
wird die Bandbreite des jüdischen Antifaschismus vorgestellt. Zudem wird die Frage
erörtert, was eigentlich Widerstand während des NS-Regimes bedeutete und welche realen
Spielräume für Nazi-Gegner_innen vorhanden waren.
Das Antirassistische Bildungsforum Rheinland (ABR) ist ein im Jahr 2000 gegründeter
Verein, der politische Bildungsarbeit organisiert und koordiniert. Das Schwerpunkthema ist
die fortschreitende Rechtsentwicklung in Politik und Gesellschaft. Das ABR kooperiert u.a.
mit dem Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus und Neonazismus der Hochschule Düsseldorf,
dem Antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin (apabiz), der LOTTA -
antifaschistische Zeitung aus NRW, Rheinland-Pfalz und Hessen sowie den Mobilen Beratungen
gegen Rechtsextremismus in NRW. Es verfügt über einen Pool an Referent/inn/en, die in
verschiedenen Berufsfeldern mit den Themen Rassismus, Antisemitismus, extreme Rechte,
Jugendkulturen und Zeitgeschichte beschäftigt sind.
Israelsolidarität als Strategie der extremen Rechten
Vortrag und Diskussion mit Dennis Pesch - Journalist aus Düsseldorf, in Kooperation mit
dem Bündnis gegen Antisemitismus Köln
12.12. - 19h // AZ Köln, Luxemburger Str.93
"Israel ist unsere Zukunft[...]" sagte Marcus Pretzell, AfD-Fraktionsvorsitzender im
Landtag von Nordrhein-Westfalen, Germany, als er am 21. Januar 2017 in Koblenz bei der
Konferenz der ENF-Fraktion (Europa der Nationen und der Freiheit) des Europa-Parlaments
die Eröffnungsrede hielt. Diese Aussage löste eine Debatte über das Verhältnis von extrem
rechten Parteien zum jüdischen Staat aus, inner- und außerhalb der Alternative für
Deutschland. Oft wurde dieser Satz isoliert betrachtet, obwohl es wichtig ist ihn zu Ende
zu bringen: "Israel ist unsere Zukunft in der Form wie man mit dem Islam umgeht". Hier
wird das strategtische Moment der Aussage deutlich. Die extreme Rechte ist seit ihrem
Bestehen antisemitisch, aus ihr ging das größte Verbrechen der Menschheit hervor: Der
Holocaust (Die Shoa). Seit vielen Jahren vollziehen Teile der extremen Rechten nun einen
strategischen Wandel. Eine unglaubwürdige Abgrenzung von Antisemitismus um sich in der
politischen Mitte zu etablieren und nicht als extrem rechts zu gelten. Der Vortrag liefert
einen geschichtlichen Überblick zum Verhältnis von extrem rechten Parteien und
Organisationen zu Jüd*innen und zum jüdischen Staat, warum sich Teile der europäischen
extremen Rechten heute als israelsolidarisch labeln, welche Strategie hinter diesem
Vorhaben steht und welche Auswirkungen das auf den Aufstieg des europäischen
Rechtspopulismus hat.
Referent: Dennis Pesch - Journalist aus Düsseldorf und schreibt für die akduell -
Studentische Zeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet im Ruhrgebiet, die Jungle
World und den Sechel Blog. Dort schreibt er über Politik, soziale Bewegungen,
(Anti-)Diskriminierung, Antisemitismus, die extreme Rechte und Fankultur.
"Die wilden Schafe"
Werner Portman über jüdisches Leben und jüdischen Anarchismus im 20. Jahrhundert
16.12. - 19h // Ludolf-Camphausen-Str. 36
Das Buch "Die wilden Schafe" erinnert an zwei fast vergessene radikale jüdische Aktivisten
und Theoretiker: Siegfried und Max Nacht, die sich später Stephen Naft und Max Nomad
nannten, gehören in der Geschichte der europäischen und amerikanisch/jüdischen
ArbeiterInnenbewegung - und nicht nur dort - zu den interessantesten Figuren. Ihre Texte,
teilweise unter Pseudonym geschrieben, sind Bestandteil eines gesellschaftskritischen
Diskurses geblieben, der sich gegen jede Art von Totalitarismus wendet. Das Buch ist ein
erstmaliger Versuch, die Biographien von Max Nomad und Siegfried Nacht nachzuzeichnen. Es
untersucht ihre Lebenswege, die von Buczacz, einem ostgalizischen Schtetl über Zürich,
Paris und London nach New York führten und zeigt ihren praktischen und theoretischen
Einfluss auf verschiedene Bewegungen. Dabei wird dokumentiert, wie Siegfried Nacht im
deutschen Sprachraum einen wesentlichen Beitrag leistete zur Bekanntmachung und
Verbreitung des Syndikalismus, inspiriert von der spanischen und französischen
syndikalistischen ArbeiterInnenbewegung. Ebenso wird die damit verbundene
antimilitaristische Propaganda in verschiedenen Ländern untersucht.
Werner Portmann, geb. 1958, Publizist, lebt in Zürich. Etliche Publikationen zur
ArbeiterInnenbewegung und Filmgeschichte, u.a. Texte zu Carl Einstein, Oskar Maria Graf,
Luigi Luccheni und Heiner Koechlin.
http://afrheinruhr.blogsport.de/2017/11/17/koeln-af-aktionswochen-gegen-antisemitismus/#more-587
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