(de) fau berlin: Verhandlungen mit Foodora sind gescheitert - Jetzt geht der Arbeitskampf auf der Straße weiter!

a-infos-de at ainfos.ca a-infos-de at ainfos.ca
So Nov 12 06:56:39 CET 2017


Am vergangenen Freitag ging auch die zweite Verhandlungsrunde mit Foodora ergebnislos 
zuende. Foodora war schlecht vorbereitet und hatte ihren Fahrer*innen außer leeren 
Versprechungen nichts anzubieten. Die Berliner #deliverunion-Gruppe erklärte daraufhin, 
dass die während der Verhandlungen ausgesetzte Kampagne ab sofort wieder anläuft. Am 
Freitag geht es los mit einer Kundgebung vor dem "Hub" von Foodora in Berlin-Mitte. ---- 
Pressemitteilung zum Ergebnis der Verhandlungen: ---- Am Nachmittag des 3.11. endete die 
zweite und vorerst letzte Verhandlungsrunde zwischen der FAU Berlin und der 
Foodora-Geschäftsführung ohne konkrete Ergebnisse. Der Termin war von der Geschäftsführung 
im Voraus bereits zweimal verschoben worden. In der Zwischenzeit hatte Foodora außerdem 
weitere Verschlechterungen in den Arbeitsbedingungen ihrer Fahrer*innen eingeführt. Als 
klar wurde, dass die Geschäftsführung entgegen ihrer Ankündigung im August nun auch zu 
wesentlichen Forderungen keine konkreten Angebote an die Fahrer*innen ausgearbeitet hatte, 
sah die FAU Berlin sich gezwungen, die Verhandlungen für gescheitert zu erklären.

"Ich finde dieses Verhalten absolut unprofessionell", sagte Leonhard Herrmann, Fahrer bei 
Foodora und Mitglied im Verhandlungsteam daraufhin am Freitag. "Wenn Foodora sich an keine 
unserer Absprachen hält, dann müssen wir davon ausgehen, dass es ihnen mit den 
Verhandlungen nicht ernst ist. Wir haben uns während der Verhandlungen mit Protesten und 
gewerkschaftlichen Maßnahmen zurückgehalten - daran fühlen wir uns jetzt nicht mehr 
gebunden." Gegenstand der Verhandlungen sollten eigentlich die drei Kernforderungen der 
Fahrer*innen sein: eine komplette Übernahme der Kosten für die Betriebsmittel durch das 
Unternehmen, eine Entgelterhöhung von mindestens einem Euro pro Stunde, und Verbesserungen 
im Schichtplanungssystem. Zusätzlich sollte es um die im September einseitig eingeführten 
Veränderungen im Bonussystem und der De-Flexibilisierung der Schichtabgabe gehen, die 
großen Unmut unter den Fahrer*innen hervorgerufen hatten. Bei keinem dieser Themen zeigte 
sich die Foodora-Geschäftsführung gesprächsbereit.

Einzig auf die Forderung der Fahrer*innen nach einer Kostenübernahme der Reparaturen an 
ihren privaten Fahrrädern ging das Unternehmen überhaupt ein: ab Januar 2018 solle es 
"Kooperationspartnerschaften" mit ausgewählten Fahrradläden geben. Jede*r Fahrer*in 
erhalte dort ein monatliches Guthaben, dass am Ende des Monats verfällt. Die Höhe des 
Guthabens beläuft sich auf unter 5ct/km und liegt damit nicht nur weit unter den 
geforderten 35ct/km, sondern auch unter den von Konkurrent Deliveroo gezahlten 10ct/km. 
Besonders kritisiert wird die Tatsache, dass das Geld nicht von einem Monat auf den 
anderen übertragbar sein soll. So Herrmann weiter: "Alle Kuriere wissen: Oft brauchen wir 
monatelang höchstens mal einen neuen Schlauch oder ein bisschen Kettenöl - dafür geht dann 
plötzlich alles auf einmal kaputt und es wird richtig teuer. Mit dem Modell, was Foodora 
jetzt anbieten will, stehen wir mit den wirklich großen Kosten also nach wie vor alleine da."

Die FAU Berlin ruft nun zu einer Kundgebung am 10.November auf. Dort wollen die 
Fahrer*innen gegen die wiederholten Verschlechterungen ihrer Arbeitsbedingungen 
protestieren und die weiteren Schritte der jetzt wieder anlaufenden Kampagne besprechen. 
Neben konkreten, wirksamen Verbesserungen fordern viele Fahrer*innen auf lange Sicht nach 
wie vor einen Tarifvertrag, der ihre Arbeitsbedingungen dauerhaft und zuverlässig regelt. 
"Auch wenn sie in der derzeitigen Form mehr PR-Aktion als tatsächliche Lösung ist: Dass 
Foodora jetzt überhaupt eine Verschleißkosten-Pauschale einführt, ist ganz klar ein Erfolg 
unserer Kampagne", so Clemens Melzer, Mitglied im Verhandlungsteam. "Und damit machen wir 
jetzt weiter, bis Foodora sich zu ernsthaften Verhandlungen auf Augenhöhe bereit erklärt."

https://berlin.fau.org/news/verhandlungen-mit-foodora-sind-gescheitert-jetzt-geht-der-arbeitskampf-auf-der-strasse-weiter


Mehr Informationen über die Mailingliste A-infos-de