(de) FAU, direkte aktion: WARUM ES GUT IST, AM 11. NOVEMBER NACH CHEMNITZ ZU FAHREN

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Sa Nov 11 10:43:29 CET 2017


Am 11. November demonstriert die FAU-Initiative in Chemnitz mit lokalen Partner*innen für 
eine Welt ohne Ausbeutung. Der folgende Artikel setzt auseinander, warum es lohnt seinen 
Samstag zu investieren und in die drittgrößte Stadt Sachsens zu fahren. ---- Allgemein 
Von: Erna Rauch - 6. November 2017 ---- Demos bringen nichts - oder manchmal doch? Viele 
Menschen, gerade Syndikalist*innen, sind zurecht skeptisch gegenüber Demonstrationen, die 
im Regelfall eben nicht im Ansatz in der Lage sind, die angeprangerten Verhältnisse zu 
beenden. Nicht zu Unrecht spricht sich eine anarchosyndikalistische Ansicht dafür aus, 
Verhältnisse mittels direkter Aktion zu ändern, statt sich in Symbolpolitik zu ergießen. 
---- Die Frage ist nun aber, was eine Demonstration bezwecken soll. Sehen wir eine 
Demonstration als Möglichkeit, uns in der Öffentlichkeit gegenseitig zu informieren, 
weiterzubilden, uns und anderen zu zeigen, dass angenommene Hegemonien[1]so hegemonial 
vielleicht gar nicht sind, dann kann eine Demonstration Sinn ergeben und ihr Ziel durchaus 
auch in Chemnitz erfüllt werden.

In Chemnitz am 11. November auf die Straße zu gehen, kann daher Aktivist*innen den Rücken 
stärken, die es verdient haben. Es kann ebenso dazu führen, dass Chemnitzer*innen, die bis 
jetzt isoliert waren, auf diese außerparlamentarische Opposition und Gewerkschaftsbewegung 
aufmerksam werden und sich organisieren. Es kann schließlich dazu führen, eine 
Nazi-Bewegung die sich aktuell allmächtig fühlt, ein wenig zu verunsichern.

CHEMNITZ: EINE STADT, DIE EINE STARKE, SYNDIKALISTISCHE BEWEGUNG GEBRAUCHEN KANN!

Mit knapp 250 000 Einwohnern ist Chemnitz drittgrößte Stadt Sachsens. Gleichzeitig ist 
Chemnitz die noch am stärksten industrie-geprägte Region des Bundeslandes. Hier finden 
sich v.a. Immobilienindustrie, Maschinenbau und entsprechende Werkstoff- und 
Zulieferbetriebe. In den 90ern gab es gerade in diesen Industriezweigen harte Abwehrkämpfe 
gegen die Abwicklung und Stilllegung von Unternehmen, die u.a. in Betriebsbesetzungen 
mündeten. Viele Lohnabhängige blicken heute noch mit Stolz auf diese direkten Aktionen zurück.

Ein weiterer wichtiger Wirtschaftszweig ist der Gesundheitssektor, so arbeiten allein in 
dem Konzern Klinikum Chemnitz gGmbH 5000 Beschäftigte.

Für die Gefangenengewerkschaft / Bundesweite Organisation (GG/BO) ist Chemnitz ein 
besonderer Standort, da in der JVA Chemnitz weibliche Gefangene aus ganz Sachsen, aber 
auch aus Thüringen und Sachsen-Anhalt inhaftiert werden. Im Knast gibt es eine aktive 
GG/BO-Gruppe, die sich für Verbesserungen einsetzt. Nachdem es bei einer 
Solidaritätsdemonstration mehrerer feministischer Gruppen, FAU-Syndikate und 
GG/BO-Soligruppen am 8. März 2016 im Gefängnis zu tumultartigen Szenen und 
Willensbekundungen kam, konnte die Gefangenengewerkschaft zunächst eine Verbesserung ihrer 
Bedingungen erkämpfen. Nach einem Sitzstreik wegen Personalmangels und daraus folgender 
Reduzierung von Hofgängen antwortete die Gefängnisleitung jüngst allerdings mit Repression.

Zu tun gibt es also einiges für die Anarchosyndikalist*innen vor Ort. Zumal, wie überall 
in Sachsen, gerade mehr und mehr Lohnabhängige lieber Rechtsradikalen hinterher laufen, 
statt sich für ihre Interessen einzusetzen.

NICHT UNTERKRIEGEN LASSEN VON DEN BRAUNEN! NAZIKIEZE UND EINE UNBEEINDRUCKTE FAU

1933-37 bildete eine kleine FAUD-Ortsgruppe in Chemnitz einen wichtigen Rückgrat für den 
anarchistischen Widerstand im NS-Deutschland. Die wenigen Chemnitzer Aktivist*innen 
organisierten zusammen mit Genoss*innen aus Tschechien den internationalen Briefwechsel 
der illegalen FAUD, schmuggelten Agitationsmaterialien ins und bedrohte Genoss*innen aus 
dem Land.[2]Das alles ist lange her und doch kommt es einem in der heutigen politischen 
Lage wieder ins Gedächtnis.

In Chemnitz treiben verschiedenste Neo-Nazi-Gruppierungen ihr Unwesen: Die JN, die 
Identitäre Bewegung, die NPD, die Partei III. Weg, die Hoolgruppe "NS-Boys", bis zum 
Verbot 2014 die Nationalen Sozialisten Chemnitz, das Rechte Plenum. Nicht zu vergessen die 
AfD mit entsprechenden Tendenzen.

Beim "Rechten Plenum" handelt es sich um einen Personenkreis, der v.a. von ehemals 
niedersächsischen Nazis geprägt wird. Ästhetisch und theoretisch orientiert sich die 
Organisation an der italienischen CasaPound und der spanischen Hogar Social Madrid. Mit 
hippem Lifestyle versuchte die Gruppe v.a. mit Graffitis, Anschlägen und Übergriffen den 
Chemnitzer Stadtteil Sonneberg zum "Nazikiez" zu deklarieren. Eine Taktik, die wir so auch 
in Bautzen und seit vielen Jahren in Dortmund erleben. In der Gruppe befanden sich immer 
wieder auch wettbewerbs-aktive Kickboxer*innen, was die Gruppe besonders gefährlich auf 
der Straße machte. Im räumlichen Umfeld der Gruppenaktivitäten kam es u.a. zu Brand- und 
Spengstoffanschlägen. Durch umfassendes Outing konnte das Rechte Plenum immerhin im Netz 
halbwegs zum Schweigen gebracht werden. Inaktiv sind die entsprechenden Nazis deshlab 
leider nicht.

Ein anderes Phänomen ist die oben bereits genannte Kleinstpartei III. Weg. In ihrem 
Profil, ihrem Handeln und ihrer Ästhetik nach, ist sie eine klassisch völkische, 
nationalsozialistische Partei. Sie kopiert ziemlich ungeniert die NSDAP, betont ihren 
proletarischen Background und spielt mit Symbolik der Deutschen Arbeitsfront. Dabei 
versucht sie auch gezielt, zunächst links stehende Lohnabhängige zu agitieren und - geht 
dies nicht auf - gezielt zu bedrohen und mundtot zu machen. Der Partei geht es v.a. um die 
Vorbereitung einer nationalsozialistischen Führungselite, um auf einen weiteren 
massenhaften Rechtsruck schnell reagieren zu können. Bis dahin verfolgt auch sie die 
Taktik von der Herstellung lokaler Dominanz. Der III. Weg verzeichnet aktuell 22 
Stützpunkte, wobei die Zahl rasant wächst. Einige Syndikate und Einzelmitglieder durften 
bereits Bekanntschaft mit dieser Organisation machen. So versucht sie u.a. im Westerwald 
ganz gezielt die Familien von Aktivist*innen zu bedrohen. In Sachsen ist der III. Weg - 
auch wieder historische Parallele - in Plauen aktiv. Schon Ende der 20er war Plauen eine 
der frühen NSDAP-Hochburgen und die Heimatstand des späteren NS-Gauleiters Mutschmann. 
Daneben existieren Stützpunkte in Mittelsachsen, also um Roßwein und Döbeln, sowie in 
Westsachsen, was u.a. Chemnitz beinhaltet. Seit einiger Zeit ist der III. Weg auch in 
Dresden, v.a. im Stadtteil Gorbitz aktiv. Auch hier bewegen sich FAU und III. Weg im 
selben Terrain. Es ist absehbar, dass der III. Weg hier beizeiten einen Stützpunkt 
errichten will.

2016 demonstrierte der III. Weg in Plauen, zur gleichen Zeit nahmen mehrere 
syndikalistische Organisationen an Gegenprotesten in der Stadt teil. Die FAU-Initiative 
Chemnitz zeigte gleichzeitig Gelassenheit und demonstrierte über den Möchtegern-Nazikiez 
Sonnenberg mit einer eigenen Mai-Demo, allerdings mit nicht wenig Begleitung von wenig 
erheiterten, lokalen Nazis. Auch sonst zeigt sich die FAU-Initiative wo sie kann als ein 
ernsthafter antifaschistischer Partner ohne Scheu, den Nazis ihre Komfortzonen zu nehmen. 
2018 will der III. Weg am 1. Mai durch Chemnitz demonstrieren und so einen Tag für die 
rechte Bewegung vereinnahmen, den die FAU in Chemnitz in den letzten Jahren wieder 
radikaldemokratisch, emanzipatorisch und antikapitalistisch zu besetzen suchte.

EINE SYNDIKATSINITIATIVE, GEPRÄGT VON INTERSEKTIONALER[3]KRITIK UND SOLIDARITÄT

Die seit ca. 5 Jahren bestehende Syndikatsinitiative Chemnitz war bis jetzt in 
unterschiedlichen Berreichen aktiv. Sie organisierte Treffen für Erwerbslose und 
Arbeitsrechtsvorträge und unterstützte immer wieder zusammen mit der FAU Dresden einzelne 
betriebliche Fälle.

Daneben setzt sie sich aktiv für Weiterbildung und Diskussion ein, so u.a. mit 
Veranstaltungen zu Proletarisierung akademischer Berufe, Gewerkschafts- und Antifa-Arbeit, 
ökologischen Perspektiven auf Syndikalismus, Globalisierung und organisiert immer wieder 
eigene Kundgebungen und Demos.

Eine große Stärke der Chemnitzer Initiative ist es, sich vom gesellschaftlichen Rechtsruck 
nicht in reine Abwehrkämpfen verstricken zu lassen, sondern weiterhin selbstbewusst die 
eigene Utopie in den Vordergrund zu stellen. Dabei nehmen sich die Genoss*innen jedoch 
immer wieder die Zeit auch die antifaschistischen Proteste in Chemnitz als auch die Kämpfe 
und Aktionen von anderen Syndikaten in Dresden, dem Elbsandsteingebirge, Leipzig, Halle 
und Jena zu unterstützen.

UNTERSTÜTZT DIE DEMO IN CHEMNITZ!

Mit der Fahrt nach Chemnitz unterstützen wir daher eine feine, solidarische Initiative bei 
der Öffentlichkeitsarbeit und dem Aufbau ihrer Strukturen. Seien wir solidarisch. Sprechen 
wir Freund*innen an, organisieren wir Zugtreffpunkte, hängen wir selbstgemachte Plakate in 
unsere Zentren, fahren wir am 11. November nach Chemnitz!

https://direkteaktion.org/warum-es-gut-ist-am-11-november-nach-chemnitz-zu-fahren/


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