(de) lb quadrat: Spontane und unangemeldete Kundgebung vor Benetton-Filiale in der Stuttgarter Königstraße am 27.10.2017

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Fr Nov 3 08:01:33 CET 2017


Gerechtigkeit für Santiago Maldonado ---- Am Freitag (27.10.) fand auf Initiative des 
Libertären Bündnisses Ludwigsburg vor der Benetton-Filiale in der Stuttgarter Königstraße 
eine spontane und unangemeldete Kundgebung in Solidarität mit dem in Argentinien 
verschleppten Anarchisten Santiago Maldonado statt. Knapp ein Dutzend Anarchist*innen 
(darunter Leute der FAU und des Anarchistischen Netzwerks Stuttgart) machten auf die 
Enteignung von Land der indigenen Bevölkerung in Südamerika durch Großkonzerne, wie 
beispielsweise die Modemarke "United Colors of Benetton" aufmerksam sowie das gewaltsame 
Vorgehen der Polizei gegen Protestierende. Ohne Polizeikontrollen verteilten die 
Anwesenden 45 Minuten lang ungehindert Flyer, hielten vor dem Eingang der Benetton-Filiale 
Schilder und kamen immer wieder mit aufgeschlossenen Passant*innen ins Gespräch.

Ein Kundgebungsteilnehmer schildert seine Gedanken: "Angesichts der argentinischen 
Geschichte von ca. 30.000 Verschwundenen während der Militärdiktatur ist das Geschehen um 
Maldonado von besonderer Brisanz in der heutigen "Demokratie". Gerechtigkeit für Santiago 
Maldonado."

Am gleichen Tag fanden weitere Kundgebungen und Aktionen von Gruppen der Föderation 
deutschsprachiger Anarchist*innen (FdA) statt in Nürnberg, Frankfurt (Main), Bonn und 
Berlin. Anlass war der dezentrale Aktionstag "Gerechtigkeit für Santiago Maldonado", den 
die FdA zuvor ausgerufen hatte.

Santiago Maldonado wurde am 1. August 2017 in Chubut, Argentinien von der Polizei 
verschleppt. Er beteiligte sich an einer Protestaktion der indigenen Mapuche-Gemeinschaft 
"Lof Cushamen". Diese führen seit Langem Kämpfe gegen die Enteignung ihrer Länder, die 
heute im Besitz von Großgrundbesitzer*innen sind - wie unter anderem "Benetton". Nach 
Augenzeugenberichten wurde Santiago Maldonado im Zuge einer Räumungsaktion der Polizei in 
Chubut abgeführt und in einem Fahrzeug abtransportiert. Seitdem war er ohne jede Spur 
verschwunden, Aktivist*innen gingen jedoch davon aus, dass er von der Polizei ermordet 
wurde. Mittlerweile wurde eine Leiche gefunden und von seinem Bruder als seine identifiziert.

Hier kommst du zur Homepage des dezentralen Aktionstages der FdA
Dort gibt es weitere Infos auf deutsch und spanisch sowie den verteilten Flyer zum Download.

Der Tod von Santiago Maldonado

- eine Geschichte um Landraub und staatliche Repression

Der Kampf der Mapuche um ihr Land

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts annektierten die neu entstandenen Staaten Chile 
und Argentinien im Rahmen von "Befriedungskampagnen" das Siedlungsgebiet der Mapuche und 
anderer indigener Völker beiderseits der Anden. Viele Indigene wurden ermordet, die 
Übrigen von ihrem Land vertrieben. In Patagonien schenkte der argentinische Staat dieses 
Land dann mehr als 50 englischen Unternehmen - die meisten mit Sitz in London - um es zu 
"kolonisieren". Diese Unternehmen ließen das Land von einer gemeinsamen Gesellschaft 
verwalten, der "Compañía de tierras del Sud Argentino".

Hundert Jahre später kaufte mit "Great Western" ein argentinischer Konzern die Anteile der 
"Compañía", bis diese schließlich 1991 von der italienischen Modefirma Benetton aufgekauft 
wurden. Insgesamt sind es mehr als 900.000 Hektar, die Benetton im Patagonien besitzt, 
eine Fläche, in die ganz Zypern passen würde. Der Konzern hält dort an die 280.000 Schafe, 
die jährlich 1.300.000 kg Wolle erzeugen. Benetton betreibt damit ganz klassisches 
Landgrabbing, bei dem (meist) ausländische Konzerne große Landflächen aufkaufen oder 
rauben, und damit die Ernährungssicherheit im jeweiligen Land gefährden sowie die 
Lebensweise und den Lebensunterhalt von indigenen Gruppen und Kleinbäuer*innen.

"Lof Cushamen"

Ein kleiner Teil des geraubten Landes in Patagonien wurde vor einigen Jahren von 
kämpferischen Mapuche-Gemeinschaften ganz praktisch wieder in Besitz genommen. Eine dieser 
Gemeinschaften ist "Lof Cushamen", die in der Provinz Chubut gelegen ist. Seit der 
Rücknahme des Landes hatte die Gemeinschaft regelmäßig unter Polizeirazzien und 
-übergriffen zu leiden. Zum Teil wandten die Sicherheitskräfte dabei extreme Gewalt an und 
betrieben eine umfassende Desinformationskampagne, bei der den Mapuche zum Teil 
vorgeworfen wurde, von der kolumbianischen FARC-Guerilla finanziert zu werden.

Das Verschwinden von Santiago Maldonado

Santiago Maldonado war ein argentinischer Anarchist, der "Lof Cushamen" gerade gegen diese 
Polizeirepression unterstützen wollte. Augenzeugenberichten zufolge wurde Santiago 
Maldonado im Zuge einer Razzia der Polizei am 1. August 2017 festgenommen und in einem 
Fahrzeug abtransportiert. Seitdem war er spurlos verschwunden. Die Polizei negierte, ihn 
mitgenommen zu haben, während Aktivist*innen davon ausgingen, dass er von der Polizei 
ermordet und verschwinden gelassen wurde. Angesichts der argentinischen Geschichte von ca. 
30.000 Verschwundenen während der Militärdiktatur ist das Geschehen um Maldonado von 
besonderer Brisanz in der heutigen "Demokratie". Tausende von Menschen gingen nicht nur in 
Argentinien auf die Straße, um Aufklärung über seinen Verbleib einzufordern.

Das Auftauchen seiner Leiche

Etwa eine Woche vor den Parlamentswahlen am 22. Oktober 2017 tauchte in Chubut eine Leiche 
auf, die erst vor wenigen Tagen von seiner Familie als Santiago Maldonado identifiziert 
wurde. Es gibt in der Geschichte um den Leichenfund noch sehr viele Ungereimtheiten, unter 
anderem, dass die Leiche an einem bereits mehrmals abgesuchten Ort aufgefunden worden sein 
soll.

Doch unabhängig davon, ob Santiago Maldonado nun ermordet wurde oder dieser ertrunken ist:
Fué el Estado - der Staat ist verantwortlich! Gerechtigkeit für Santiago Maldonado!

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