(de) FAU direkte aktion: Prekäre Wissenschaft --- Organisierung und Konflikte an Hochschulen
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So Mai 21 10:03:23 CEST 2017
www.pixabay.com/geralt ---- Die Universitäten in Deutschland bewegen sich immer noch in
hierarchischen Strukturen, die prekäre Arbeitsbedingungen in intransparenten
Loyalitätsstrukturen vorantreiben Die Universitäten in Deutschland bewegen sich immer noch
in hierarchischen Strukturen, die zwar nach außen die Grundsatzfrage der Freiheit in
Forschung und Lehre verteidigen, nach innen aber prekäre Arbeitsbedingungen in
intransparenten Loyalitätsstrukturen vorantreiben. Wissenschaft und Arbeitsrecht haben
sich so weit voneinander entfernt, dass die in Forschung und Lehre unabdingbare
basisdemokratische Zusammenarbeit der Hochschulmitarbeiter*innen verloren geht. ----
Wettbewerbsmechanismen werden von vornherein akzeptiert, Drittmittel werden an Projekte
und Einzelpersonen gebunden und Personalentscheidungen von Professoren schaffen ungleiche
Abhängigkeiten. Forderungen, die gesellschaftlich übergreifend sind und radikale
Veränderungen wollen, werden von den Mitarbeiter*innen, die in einzelne Statusgruppen
eingeteilt sind, nicht artikuliert und betreffen selten den ganzen Betrieb der Hochschule.
Die gewerkschaftliche Organisation an der Universität wird ebenfalls nur in Personalräten
sichtbar, deren Mitglieder in Bezug auf strukturelle Fragen und Konflikte kaum oder nur
sehr verzögert (re-)agieren.
Einzelfälle als Ausgangspunkt für strukturelle Verbesserungen
Erfolge der gewerkschaftlichen und kämpferischen Organisation an den Hochschulen gibt es
trotzdem gerade dort, wo Einzelne sich organisieren, und wo sie durch konkrete prekäre
Einzelfälle die allgemeinen Strukturen angreifen können. In Frankfurt am Main hat sich im
November 2016 die basisdemokratische Gewerkschaft unter_bau gegründet, die status-
übergreifend die gesamtpolitische Situation an der Hochschule ändern will. Kämpferische
Gewerkschaften wie die FAU in Erfurt/Jena und Berlin haben 2016/17 gleich mehrere
Arbeitskämpfe geführt und befinden sich weiterhin in laufenden Auseinandersetzungen.
Die Bildungssektion der FAU Berlin und zwei wissenschaftliche MitarbeiterInnen, die einem
längeren Arbeitskonflikt durch Mobbing ausgesetzt waren, brachten im November 2016 ihren
Fall vor Gericht und an die Presse. Trotz massiven Gegenwinds von Seiten der Universität
konnten sie einen etwas höheren Vergleich und damit wenigstens eine teilweise
Entschädigung erzielen. Im Anschluss wurde die allgemeine Frage der rechtlichen Willkür
von DrittmittelprojektleiterInnen von einigen universitären Kreisen zumindest aufgegriffen.
In Jena wurde und wird noch immer in zwei Konflikten mit studentischen Beschäftigten
verhandelt. Hier will die FAU die Arbeitsbedingungen grundsätzlich verändern, da an ver-
schiedenen Bereichen der Uni Jena Studierende trotz ausgewiesener nichtwissenschaftlicher
oder langfristiger Arbeit als Scheinselbständige, "wissenschaftliche Hilfskräfte" oder
Minijobber*innen nicht nach Tariflohn oder sogar unter Mindestlohn bezahlt wurden. Einige
Fälle wurden vor Gericht verhandelt. Ein Teilerfolg für Lohnfortzahlungen und strukturelle
Verbesserung der Arbeitsbedingungen konnte von der FAU Erfurt/Jena schon erzielt werden
und einige Verhandlungen stehen im April 2017 noch weiter aus.
Vernetzung und Organisierung Vertrößern Handlungsspielräume.
Bei allen gewerkschaftlichen Aktionen in Frankfurt, Erfurt/Jena und Berlin hat sich
gezeigt, dass die Fälle Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben und es sich lohnt, sich
selbst mit kleinen Einzelfällen an Universitäten basisdemokratisch zu organisieren und mit
Gleichgesinnten auch überregional zu vernetzen. Je mehr Hochschulmitarbeiter*innen und
Studierende sich in und über die Statusgruppen der Hochschulen hinaus gewerkschaftlich
organisieren, desto mehr können sie erwirkte Handlungsspielräume zum Anlass nehmen,
Strukturen aufzuweichen. Auf lange Sicht wird es vielleicht möglich werden, die
Verhältnisse dort angreifbarer zu machen und schließlich nachhaltig zu verändern.
Zur Verfolgung der Konflikte siehe die Blogs der Bildungs-AG FAU Erfurt/Jena und der
Bildungssektion der FAU Berlin: https://faujenabildung.blackblogs.org/
https://berlin.fau.org/kaempfe/RuralFutures
Käte F.
https://www.direkteaktion.org/2017-5/prekaere-wissenschaft
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