(de) Aufruf zur Beteiligung am Aktionstag - 1. Mai 2017: Der Arbeitskampf kennt keine Grenzen!mvon Internationales Komitee der FAU [EN][IT]

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Mi Mär 22 11:04:35 CET 2017


Das Internationale Komitee der FAU ruft auf, zum 1. Mai 2017 die Solidarität mit 
Migrant*innen in den Mittelpunkt zu stellen, die wie wir Arbeiter*innen sind, aber als 
migrantische Arbeiter*innen in besonderer Weise unter den gegenwärtigen politischen 
Verhältnissen leiden und kapitalistischer Ausbeutung ausgesetzt sind. ---- Aufruf zur 
Beteiligung am Aktionstag - 1. Mai 2017 ---- Der Arbeitskampf kennt keine Grenzen! ---- 
Wenn die Zeichen der Zeit nicht trügen, stehen wir am Beginn einer Etappe eines 
Populismus, wie wir ihn in den letzten Jahrzehnten nicht erlebt haben. Die Ausbeutung der 
ArbeterInnen und Ausgeschlossenen wird unter nationalistischen und rassistischen Vorzeihen 
vorangetrieben, die Menschen gegeneinander aufgehetzt. Gegen das Projekt einer Welt voll 
von neuen Mauern an den Grenzen und in den Köpfen brauchen wir ein Projekt, das in der 
Lage ist, alle Mauern einzureißen und an ihrer Stelle Verbindungen unter uns ArbeiterInnen 
zu knüpfen, Solidarität und gegenseitige Hilfe zu organisieren. Wir haben keine Zeit mehr, 
das Trennende zu kultivieren - wir wollen stattdessen das Verbindende unter uns im Kampf 
um bessere Lebensbedingungen suchen und im Sinne des Anarchosyndikalismus für eine Welt 
ohne Ausbeutung und Herrschaft kämpfen.

Die FAU ruft alle Einzelpersonen, Kollektive, Basisgewerkschaften und anderen sozialen 
Initiativen zur Beteiligung an dem internationalen Aktionstag zum Thema "Arbeit und 
Migration" auf. Am 1. Mai möchten wir die Klassensolidarität mit MigrantInnen zum Ausdruck 
bringen, indem wir grenzüberschreitend mobilisieren gegen die herrschende Xenophobie, den 
Rassismus und Nationalismus, die die Waffen des Staates und Kapitals sind. Ein 
konsequenter Kampf gegen Rassismus bedeutet für uns auch einen Kampf gegen das 
kapitalistische System, das auf extremen Ungleichheiten basiert und zu deren 
Aufrechterhaltung auf soziale Spaltungen angewiesen ist.

In besonderem Maße von Ausbeutung und Entrechtung betroffene ArbeiterInnen sind in unserer 
Gesellschaft MigrantInnen, die in Folge der rassistischen Migrationspolitik, unter 
illegalisierten Arbeitsverhältnissen, Arbeitsverboten oder Arbeitszwang leiden. Vor allem 
tätig in der Gastro-, Reinigungs- und Baubranche, mit niedrigem Organisationsgrad oder 
ohne gewerkschaftliche Organisierung, haben sie kaum Möglichkeiten, gegen die zunehmende 
Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse zu kämpfen. Die etablierten 
sozialpartnerschaftlichen Gewerkschaften wiederum zeigen nur begrenztes Interesse, 
(illegalisierte) MigrantInnen zu organisieren oder sie im Kampf um Bleiberecht und gegen 
rechtliche Hindernisse zu unterstützen. Vielmehr vertieft deren Fokus auf 
Stammbelegschaften und nationalökonomische Standortlogik die sozialen Spaltungen.

Es gilt, diesen Missständen Solidarität und Selbstorganisation entgegenzusetzen - wie im 
Fall unserer Kollegen aus Rumänien, die auf der Baustelle des Einkaufszentrums Mall of 
Berlin unter skandalösen Arbeits- und Lebensbedingungen ausgebeutet, um Lohn betrogen und 
bedroht wurden: Die Organisierung in der FAU und der gemeinsame Arbeitskampf führten dazu, 
dass das Berliner Einkaufszentrum "Mall of Shame" getauft und zum Symbol der migrantischen 
Ausbeutung in Deutschland wurde. So konnten wir das gesellschaftliche Klima der Hetze 
insbesondere gegen ArbeitsmigrantInnen aus Südosteuropa mit einem Beispiel von 
erfolgreichem Widerstand beantworten. Auch in den gegenwärtigen Bestrebungen, geflüchtete 
Menschen für unterbezahlte Arbeit zu verpflichten, sehen wir ein Zusammengehen von 
Ausgrenzung und Absenkung arbeitsrechtlicher Standards, das in der Konsequenz alle 
ArbeiterInnen negativ betrifft. Wir sollten hier als ArbeiterInnenklasse solidarisch 
Widerstand leisten und nicht nur für Bewegungsfreiheit aller Menschen, sondern auch gegen 
rassistisch legitimierte Ausbeutung kämpfen. Der Arbeitskampf kennt keine Grenzen!

In der Tradition des 1. Mai rufen wir zur Solidarität mit migrantischen ArbeiterInnen auf, 
um gemeinsam gegen die prekären Arbeitsbedingungen, gegen kapitalistische Ausbeutung, 
gegen das rassistische Grenzregime zu protestieren. Egal, welche Form diese Proteste 
annehmen - Streik, Kundgebung, Infoaktion, Veranstaltung, Performance; egal, ob lokal oder 
überregional; egal, ob ArbeiterIn, ArbeitsloseR, StudentIn, RentnerIn, MigrantIn oder 
GeflüchteteR, wichtig ist, dass es für alle die Möglichkeit der Organisierung gegen 
Ausbeutung gibt. Nur mit internationaler Solidarität und mit einer grenzüberschreitenden 
Gewerkschaftspraxis können wir uns gegen den Kapitalismus wehren. Schließt Euch uns an, um 
unter dem Slogan "Der Arbeitskampf kennt keine Grenzen!" einen gemeinsamen Aktionstag für 
den 1. Mai durchzuführen. Zusammen werden wir Brücken bauen, wo andere Mauern errichten 
möchten.

Das Internationale Komitee der FAU

P.S. Falls ihr Fragen habt, wendet Euch bitte an uns. Wir sind offen für alle Ideen, 
Anregungen und Anmerkungen oder Alternativen. Wir werden uns über jede Rückmeldung zur 
Beteiligung an dem Aktionstag freuen: mai2017[a]fau.org

http://www.fau.org/artikel/art_170315-082620


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